Archiv der Kategorie 'zeitschriften'

Transparent #1


Das Layout dieses neuen Magazins für Fußball und Fankultur, wie es im Untertitel heißt, erinnert sofort stark an eine Mischung aus 11Freunde und Intro. Das passt irgendwie auch sehr gut, denn wie die beiden Zeitschriften die mittlerweile zu den Riesen ihres jeweiligen Marktsegments gehören, kommt auch das Transparent von der Basis und ich würde jede Wette eingehen, dass ein Gutteil der Beteiligten zuvor Erfahrungen mit kopierten A5-Fanzines gesammelt hat. Das hier freilich bewegt sich auf ganz anderem Niveau.

Der doppeldeutige Name deutet es bereits an. Die soziodemographischen Ursprünge der Belegschaft des Transparent liegen ganz klar in der Fankurve und in der Ultrakultur. Mit Nicole Selmer, Martin Endemann, Gerd Dembowski und anderen wurden jedoch auch in der Erstausgabe bereits durchaus namenhafte Autor_innen mit an Land gezogen. Inhaltlich gibt es vor allem einen Schwerpunkt zum Thema Derbys, ein Interview mit Ansgar Brinkmann und Artikel zu Geisterspielen und dem Fankongress in Berlin, bei dem auch dieser Blog zitiert wird. Das spricht ja schon mal prinzipiell für Qualität!

Besonders schön ist auch die Fotostrecke zum Abriss des Aachener Tivoli. Auch wenn es mich wehmütig macht, dass in den vergangenen Jahren immer wieder traditionsreiche Stadien dem Erdboden gleich gemacht wurden und werden, ohne dass ich je einen Fuß in sie gesetzt habe. Aber das ist wohl meine eigene Schuld… Doch nicht nur die Fotostrecke macht optisch etwas her, dem ganzen Heft ist anzumerken, dass Ultra – zumindest der interessantere Teil der Kultur – viel mit Optik zu tun hat. Ein großer Teil des Magazins und vor allem auch des Covers sehen echt sehr gut aus. Schwer zu glauben, dass das erst das Debüt ist.

Aber wie bei allem Neuen gibt es auch hier noch etwas zu verbessern. Nicht alle Texte sind wirklich gleich gut und vor allem das Interview mit Feine Sahne Fischfilet ist leider eher oberflächlich gehalten und viel zu kurz. Dabei ist Monschi doch sonst so eine Laberbacke und hat gute Geschichten gleich im Dutzend am Start. Außerdem ist die Adresse im Impressum falsch. Das „c/o“ muss vor das „Interkulturelle Zentrum Don Quijote“ und nicht vor das „Transparent“. Aber das ist wohl eher ein Flüchtigkeitsfehler… Übrigens habe ich in besagtem Zentrum mal ein Konzert gespielt und an einer Kunstperformance teilgenommen. Aber das ist wohl eine ganz andere Geschichte…

Ich bin jedenfalls gespannt, was aus dem Transparent wird und habe wenig Bedenken, dass das etwas Gutes sein wird. Der Erstausgabe nach hat das Teil auf jeden Fall das Potential sich als linkere 11Freunde oder auch als bundesdeutsches Gegenstück zum Ballesterer zu etablieren.

Zur Website des Magazins geht es [hier].

No Dice #2


Irgendwie erscheint es in einem gewissen Licht folgerichtig, dass es in Berlin jetzt auch ein Fußballmagazin in englischer Sprache gibt. Zum einen leben in der Stadt, die wie kaum eine andere in Deutschland wenigstens an einigen wenigen Orten etwas Kosmopolitisches und Internationales verströmt, tatsächlich eine nicht zu unterschätzenden Bevölkerungsanteil von Menschen, die Englisch zur Muttersprache haben. Zum anderen ist der Berliner Fußball zwar derzeit ausgesprochen erfolglos, aber dafür soziokulturell umso interessanter. Höchstens in Leipzig oder im Ruhrgebiet gibt es derart viele Fußballvereine von Bedeutung auf so engem Raum. Neben den beiden Riesen – Hertha im Westen und Union im Osten – haben auch TeBe und der BFC Fanszenen, die diesen Namen auch verdienen. Dazu kommen Vereine wie der BAK oder Türkiyemspor, die zwar kaum Fans aber dennoch eine gewisse Relevanz haben. In den unteren Ligen tummeln sich jede Menge interessente Nischenclubs wie der THC Franziskaner, FC Internationale oder Roter Stern Nordost. Und schließlich gibt es ja auch noch Potsdam mit Babelsberg 03 und Turbine. Viel Berichtenswertes also…

In der zweiten Ausgabe widmet No Dice sich der Geschichte von Erwin Kostedde bei Hertha BSC und der von Türkiyemspor, die ja leider neben Höhen vor allem jüngst auch etliche Tiefen aufweist. Dazu gibt es einen Bericht von Union gegen Dynamo Dresden und eine Fotoserie, die verschiedene Torwarte zeigt. Alles ausgesprochen interessant und lesenswert. Ich hoffe sehr, dass das Magazin sich am Markt etablieren kann und dass die Macher_innen weiter Bock auf das Projekt haben werden. Allerdings fände ich es wünschenswert, wenn vielleicht wenigstens ein Teil der Druckkosten durch Werbung gedeckt werden könnte, denn 6,- Euro für ein nicht wirklich dickes Heft sind schon recht happig. Ich denke für 3,- oder 4,- würden gleich dreimal so viele Menschen das Teil kaufen. Verdient hätte No Dice es jedenfalls.