Archiv der Kategorie 'türkiyemspor'

Manchmal ist einfach der Wurm drin…

Türkiyemspor BerlinHertha BSC II 0:2

Mittwoch, 29.09.2010, 19:00 Uhr, Friedrich-Ludwig-Jahn-Stadion, Regionalliga Nord (Männer)

Ich bin ja lange nicht mehr zu spät gekommen zu einem Spiel, aber diesmal kam zu mein er persönlichen Schusseligkeit auch noch höhere Gewalt in Form der Krisendemo, die die Tramlinie M1 lahmlegte und von der ich am Rosenthaler Platz gerade noch den letzten Zipfel mit DKP und Attac zu sehen bekam. Als ich dann ziemlich abgehetzt am Stadion ankam, wunderte ich mich erst mal über den Bundeswehrbus vor dem Tor, der dann aber doch nichts mit dem Spiel zu tun hatte. Im Stadion war ich dann positiv überrascht von den für einen frühen Mittwochabend mit Champions League Im Fernsehen doch recht großen Zuschauermassen. Okay dreihundert Menschen sind nicht die Welt, aber im Vergleich zum Spiel gegen Meuselwitz war mal richtig was los… Auch Prominenz war vor Ort. Neben Herthatrainer Babbel sollen auch Jens Jeremies und Lorenz-Günther Köstner, der Trainer von Wolfsburgs Zweiter, gesichtet worden sein.

Das Spiel verlief in der ersten Hälfte durchaus ausgeglichen. Über weite Strecken machte Türkiyemspor das Spiel, doch je näher der Halbzeitpfiff rückte, desto mehr kam Hertha ins Spiel und hatte gegen Ende der ersten Hälfte gleich mehrere hochkarätige Chancen in Folge. Das zum Pausenpfiff noch kein Tor gefallen war, passte da nicht ganz zum Spielverlauf, war aber durchaus leistungsgerecht. Nach dem Wiederanpfiff war Türkiyemspor zunächst wieder die aktivere Mannschaft und kam zu einigen guten Gelegenheiten. Als dann aber Hertha durch einen Distanzschuss von Lasogga, den Neuzugang aus Leverkusen, der eigentlich in der ersten Mannschaft spielt, in der 53. Minute in Führung ging, war den Spielern der Heimmannschaft selbst von der Tribüne aus anzusehen, wie von einem Moment auf den anderen Selbstvertrauen und Zuversicht fast komplett abhanden kamen. Das 2:0 durch Knoll per direktem Freistoß aus rund 25 Metern in der 71. Minute war da nur folgerichtig. Wenn Torwart Younes Itri nicht gewesen wäre, hätte das Ergebnis sogar noch höher ausfallen können. Der Neuzugang von Tennis Borussia war mit großem Abstand bester Akteur auf Seiten der Gastgeber. In einer Szene Mitte der zweiten Hälfte kam er sogar höchstselbst und mit Ball am Fuß bis in die gegnerische Hälfte nachdem er zuvor gleich dreimal seinen Gegenspielern den Ball per Grätsche vom vom Fuß genommen hatte. Ganz große Szene, aber leider eher die Ausnahme in einem durchschnittlichen, aber dafür auch sehr fairen Spiel.

Für einen Aufreger sorgten dann noch ein halbes Dutzend Herthaner_innen, die nicht nur durch extrem oldschooligen Support à la „Ha Ho He Hertha BSC“ und „Hier regiert der BSC“ auffielen, sondern sich leider auch dazu hinreißen ließen „Wieder mal kein Tor für Türkiyemspor“ von Landser anzustimmen, was ihnen einiges an Gepöbel einbrachte und die Ordner_innen sogar die Polizei von der nahen Wache alarmieren ließ, aus Angst sie könnten draußen noch was kassieren. Dazu kam es meines Wissens zwar nicht, aber wer Nazilieder singt, bräuchte sich darüber auch nicht groß beschweren. Es gibt für alles Grenzen…

Grenzen, und zwar sehr Enge, scheinen diese Saison leider auch die Erfolgsaussichten von Türkiyemspor zu haben. Gerade vor ein paar Tagen ist mal wieder der Vorstand abgehauen und das Team steht abgeschlagen am Tabellenende der Regionalliga Nord. Irgendwas läuft da schief und zwar gewaltig. Mach da mal eine_r was!

PS: Am Samstag alle nach Bremen zur Demo oder in Berlin Geert Wilders nach Hause schicken oder nach Finowfurt/Barmin gegen den Preußentag oder nach Halberstadt Nazis blockieren!

The answer is blowing in the wind…

Türkiyemspor BerlinZFC Meuselwitz 0:1

Freitag 17.09.10, 19:00 Uhr, Friedrich-Ludwig-Jahn-Stadion, Regionalliga Nord (Männer)

Während im Wedding eine Antifademo stattfand, entschied ich mich Mangels Bezugsgruppe dazu doch lieber zum Fußball zu gehen, wo doch mit dem Zipsendorfer Fußballclub Meuselwitz tatsächlich mal ein wirklich schlagbarer Gegner bei Türkiyemspor zu Gast war. So stand ich dann also zusammen mit etwa hundert Anderen vom eisigen Wind gepeinigt im Friedrich-Ludwig-Jahn-Stadion und wartete auf den Anpfiff, der sich auf Grund der verspäteten Ankunft der Meuselwitzer_innen leider um rund eine halbe Stunde verzögerte.

Als es dann losging, war erst einmal keine große Veränderung zu merken. Die erste Halbzeit war über weite Strecken nicht wirklich aufregender als das Aufwärmprogramm der beiden Mannschaften. Kurz vor der Halbzeit kam Türkiyemspor dann aber doch zu einigen ersten guten Möglichkeiten und der sehr souveräne Schiedsrichter Dirk Wijnen aus Hannover verwarnte zwei etwas übermotiviert zur Sache gehende Meuselwitzer. Die Halbzeit wurde dann von den meisten Besucher_innen genutzt um sich mit Heißgetränken oder einem Aufenthalt im Innenraum etwas aufzuwärmen.

In der zweiten Hälfte zeigte sich Türkiyemspor weiter überlegen und kontrollierte das Spiel über weite Strecken. Leider gelang es ihnen aber trotz vieler hochkarätiger Chancen nicht, ein Tor zu erzielen. Vor allem Fatih Yigitusagi scheiterte gleich mehrmals an Torhüter und mangelndem Zielwasser. Mitte der zweiten Hälfte gab es dann so etwas wie eine Druckphase der Gäste mit gleich drei guten Gelegenheiten innerhalb kürzester Zeit. Vor allem die eine Glanzparade von Younes Itri, der bis dahin quasi überhaupt nichts zu tun hatte, war mehr als sehenswert. Gegen Ende wurde das Spiel hitziger. Beide Teams schienen sich nicht mit dem Unentschieden begnügen zu wollen und Türkiyemspor hatte noch einmal mehrere Chancen, den verdienten Sieg klarzumachen. Am Ende war es dann aber doch mit Sebastian Gasch ein Meuselwitzer, der das einzige Tor des Tages erzielte. Ein klassische Konter genügte, um die ansonsten sicher stehende Abwehr Türkiyemspors auszuhebeln und die Mannschaft um den wenigstens einen Punkt zu bringen. Die mitgereisten rund zwei Dutzend Meuselwitzer Fans feierten dementsprechend ausgelassen, während sich die Anhänger_innen des Heimteams die Frage stellen mussten: „Wenn nicht gegen Meuselwitz, gegen wen sollen wir denn dann gewinnen?“

In der Tat war Meuselwitz heute erschreckend schwach, vor allem in der Defensive. Dass Türkiyemspor zur Zeit jedoch auch so ein Spiel verliert, ist ebenso symptomatisch wie traurig. Am Dienstag geht es gegen den Halleschen FC, der sicher fußballerisch eine ganz andere Liga darstellt als der Kleinstadtverein aus dem Altenburger Land. Auch was die Beschissenheit der Fanszene angeht. Dann lieber nur Spiele gegen Teams wie Meuselwitz, bei denen alle Anwesenden auch ohne Polizeischutz in der selben Bierschlange stehen können…

Durch den nahezu zeitgleichen Sieg in Wilhelmshaven hat dann auch Oberneuland die rote Laterne an Türkiyemspor weitergereicht, die damit jetzt das einzig sieglose Team der Regionalliga Nord sind. Hoffentlich ändert sich das bald, denn dieses Team hat eigentlich wirklich Potential. Das hat sich auch heute wieder gezeigt. Leider kann mensch sich für Potential aber leider nichts kaufen…

PS: Morgen „1000 Kreuze in die Spree!“ und „Rechtsrock abdrehen!“

VFL Autostadt zu Gast in Berlin

Türkiyemspor BerlinVFL Wolfsburg II 2:4

Freitag 20.08.10, 19:00 Uhr, Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark, Regionalliga Nord (Männer)

Da zeitgleich zu Türkiyemspors erstem Heimspiel der Saison auch der Rote Stern Nordost im Pokal gegen Pulmon Negro ran mußte (und 3:1 gewann), waren einige der sonst üblichen Besucher_innen nicht zugegen. Bekannte Gesichter gab es dann aber doch noch zur Genüge. Und diejenigen sahen dann auch, während die Sonne langsam hinter der Gegentribüne versank, eine muntere erste Halbzeit, bei der Türkiyemspor nicht unverdient in der 36. Minute durch Schalle in Führung ging. Auch in der zweiten Hälfte ging erst mal alles nach Plan und nach schöner Flanke erzielte Steinwarth in der 51. Minute das 2:0. Doch schon im direkten Gegenzug konnte Könnecke für Wolfsburg den Anschlusstreffer erzielen. Von da an spielte nur noch einer: Der Schiedsrichter! Erst überrascht er alle damit, dass er Türkiyemspor einen Freistoß gibt, nachdem einer der Blau-Weißen am Boden liegend einen Wolfsburger am Fuß festhält, dann rutscht er einmal gepflegt aus und schließlich gibt er Wolfsburg einen völlig lächerlichen Elfmeter (noch weit lächerlicher als jener gegen Tebe letzte Woche…), den Wolze dankend verwandelt (55. Minute). Plötzlich war der bisherige Spielverlauf, in dem Türkiyemspor eindeutig feldüberlegen war und Wolfsburg über schöne Ansätze zu gepflegtem Kurzpassspiel selten herauskam, auf den Kopf gestellt. Dass die Niedersachsen dann kurz vor Schluss noch durch Thölke und erneut Könnecke sogar noch auf 4:2 erhöhen konnte und auf der anderen Seite Ahmetcik mit Gelb-Rot vom Platz fliegt, war da eigentlich nur konsequent. Wobei die zweite gelbe Karte total klar ging, die erste jedoch war vollkommen unnötig. Schöne Scheiße!

Hoffentlich geht die Saison nicht so weiter. Das 1:1 in Leipzig war doch eigentlich ein guter Auftakt. Noch zu erwähnen bleibt, dass Türkiyemspor den wohl ältesten Kapo der Welt und ein neues Vereinslogo hat, Wolfsburg exakt null Menschen als Anhang mitgebracht hat (Regionalligareform jetzt!) und unter den Jugendspielern von Türkiyemspor einige Kids schon ziemlich seltsame T-Shirts tragen („Ben Bir Türküm“, „Ottoman“ etc.). Nationalismus ist so neunzehntes Jahrhundert…

Das hier ist Fußball

Türkiyemspor BerlinChemnitzer FC 2:1

Freitag 07.05.10, 19:00 Uhr, Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark, Regionalliga Nord (Männer)

Endlich mal wieder ein Spiel, das wenigstens teilweise unter Flutlicht ausgetragen wird und dann auch noch ein so wichtiges. Immerhin geht es für Türkiyemspor derzeit in jedem einzelnen Spiel um den Klassenerhalt. Für die Chemnitzer_innen geht es derzeit allerdings nicht einmal mehr um irgendwelche vergoldeten Südfrüchte. Aufsteigen können sie nicht mehr trotz respektablen dritten Platzes, absteigen können sie noch viel weniger. Kein Wunder also, dass nicht mehr als maximal drei Dutzend Anhänger_innen des CFC den Weg in den Prenzlauer Berg gefunden haben. Der Support hielt sich entsprechend in Grenzen und, dass bißchen, was der Wind von den zwei Trommeln und fünf, sechs Stimmchen hinüber zum Heimblock wehte, war auch eher humoristischer Natur als wirkliche Anfeuerungsrufe. Sprüche wie „Alles außer Fußball ist scheiße“ erinnern doch eher an den von mir so lange ersehten „neutralen Support“, der sich einfach des gepflegten Rasensports erfreut, aber das mit Inbrunst…

Wie jeder Saft zwei Seiten hat, so hat auch jedes Fußballspiel, das nicht vorzeitig abgebrochen wird, zwei Halbzeiten, in diesem Falle zwei äußerst unterschiedliche. Die erste Hälfte war so frei von Höhepunkten, dass jedes Wort über sie eigentlich schon zu viel wäre. Die zweite Hälfte war dann deutlich besser. Türkiyemspor machte Druck und ging durch zwei Tore von Lemcke und Ergiligür in nur acht Minuten (61. und 69. Minute) verdient und sehenswert in Führung. Als dann Chemnitz in der 75. Minute durch einen vollkommen abgefälschten Schuß von Peßolat, der irgendwie so bogenlampenmäßig, kanpp die Stratosphäre streifend irgendwie ins Tor segelte, der Anschlußtreffer gelang, wurde es dann nochmal richtig spannend, denn der CFC ließ jetzt immer wieder die Qualitäten aufblitzen, die ihren gehobenen Tabellenplatz rechtfertigen. Am Ende konnten die Blauen jedoch den Vorsprung knapp, aber verdient über die Zeit retten. Der Rest war Jubel. Vor, hinter und auf dem Zaun.

Da die direkte Konkurenz jedoch nicht eben für Türkiyemspor spielte, steht der Verein noch immer auf einem Abstiegsplatz nur einen Platz hinter Tebe auf dem ersten Nichtabstiegsplatz. Es muß doch irgendwie zu schaffen sein, dass beide sympathischen Berliner Teams in der Regionalliga bleiben. Eine Liga tiefer weht ja nazimäßig ein noch viel krasserer Wind. Das muss ja nicht sein…


Walking on sunshine

Türkiyemspor BerlinFC St. Pauli II 3:3

Sonntag, 25.04.10, 14:00 Uhr, Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark, Regionalliga Nord (Männer)

Das Fußballwochenender hatte ja mit dem 6:1 von St. Paulis erster Mannschaft und dem gleichzeitigen Sieg der Rostocker in Kaiserslautern, der den tabellarischen Druck auf den FSV Frankfurt immens erhöhte, äußerst gut angefangen aus braun-weißer Sicht. Da traf es sich doch mal wirklich gut, dass ich irgendwann so gegen 13 Uhr, als ich gerade auf dem Flohmarkt am Mauerpark herumstromerte, telefonisch gefragt wurde, ob ich nicht gleich im Stadion nebenan die Partie von St. Pauli II gegen Türkiyemspor schauen wolle. Wollte ich. Und nahm ich dann etwa eine Stunde später, pflichtbewusst erst kurz nach Anpfiff, meinen Sitzplatz in der prallen Sonne ein und genoss das gute Wetter.

Das Geschehen auf dem Rasen passte hervorragend zu den meteorologischen Begebenheiten. Das Gebotene lässt sich am besten mit dem Wort Sommerfußball charakterisieren. Ungeachtet der tabellarischen Situation gingen beide Teams ausgesprochen fair zu Werke und übertrafen sich gegenseitig in der Ansehnlichkeit ihres gepflegten Offensivfußballs. St. Pauli ging früh durch Pichinot (7. Minute) in Führung und erhöhte in der 22. Minute locker durch den in jedem Sinne des Wortes überragenden Sako auf 2:0. Der Rest der ersten Hälfte gehörte dann Türkiyemspor, die noch vor dem Pausenpfiff durch nicht minder schön anzusehende Tore durch Lichte (27. Minute) und Amachaibou (36. Minute) zum verdienten Ausgleich kamen. Nach der Pause bei Pommes und Cola war es dann Koc, der für St. Pauli auf 3:2 ehöhte (55. Minute), bevor Winkel in der 77. Minute den 3:3-Endstand markierte. Die gesamte letzte halbe Stunde waren die Gastgeber überlegen und hätten der Dreier vollkommen verdient gehabt, doch irgendwie blieben ihre Angriffsbemühungen immer wieder in den Reihen der in Rot spielenden St. Paulianer hängen. Schade, denn auch wenn mein Herz seit jeher für St. Pauli schlägt, möchte ich auf keinen Fall, dass ein so sympathsicher Verein wie Türkiyemspor Berlin, der sich wie wenige andere gegen Rassismus, Antisemitismus und ähnliche Scheiße engagiert, absteigt und dann vielleicht (so wird gemunkelt…) sogar vor noch größeren Schwierigkeiten stehen wird. Ich werde jedenfalls, soweit es mir möglich ist, Türkiyemspor bei den letzten Heimspielen der Saison supporten!

Alles in allem ein extrem angenehmes Spiel mit netten Leuten auf beiden Seiten der Tribüne, wobei die St. Paulianer_innen wohl knapp in der Überzahl gewesen sein dürften. Polizist_innen habe ich ganze zwei Stück gezählt. Dazu noch Mitte der zweiten Hälfte das Endergebnis aus Frankfurt (1:1), das den Aufstieg von St. Paulis Erster in greifbare Nähe rückte… So soll Fußball sein!

Wenn St. Pauli II am Mittwoch schon wieder in Berlin gastiert, um hoffentlich Hertha II eine ordentliche Klatsche zu verpassen, werde ich nicht dabei sein, sondern lieber den 65. Jahrestag der Befreiung Neuköllns vom Nationalsozialismus feiern. Am Freitag geht es dann nach Schöneweide, gegen die Nazikneipe „Zum Henker“ und Samstag ist dann erster Mai mit Auswärtsspiel Roter Stern Nordost, Nazidemo Verhindern und dem üblichen Pipapo. Am Sonntag dann Greuther Fürth gegen St. Pauli und hoffentlich der Aufstieg. Das wird ne harte Woche…