Archiv der Kategorie 'spielberichte'

Zu Architektur Tanzen


FC Hertha 03 ZehlendorfTennis Borussia Berlin 0:0

Mittwoch, 14.03.2012, 19.45 Uhr, Ernst-Reuter-Sportfeld, Berlinliga (Männer)

Das Ernst-Reuter-Sportfeld ist eine ausgesprochen schöne Spielstätte, die noch schöner gelegen ist. Leider war es am Mittwochabend schon dunkel, denn die Großsiedlung Onkel Toms Hütte, die federführend von Architektenlegende und „Kulturbolschewist“ Bruno Taut entworfen wurde, ist wirklich sehenswert. Im Zweifelsfall wahrscheinlich sogar sehenswerter als das Spiel zwischen TeBe und der kleinen Hertha…

Dabei war das Spiel eigentlich sogar gut und hatte durchaus Spitzenspielniveau, aber Fußball ohne Tore ist halt doch irgendwie wie Vanilleeis ohne Vanille. Besonders in der ersten Hälfte gab es Chancen hüben wie drüben. Die beiden besten hatte TeBe in der 11. nach einem schönen Spielzug bis zur Grundlinie und in der 14. Minute nach einem gekonnten Schuss aus zweiter Reihe. Die erste Großchance der zweiten Hälfte hatte Hertha kurz nach dem Wiederanpfiff. Dann kam noch mal TeBe und dann kam lange Zeit sehr, sehr wenig Aufregendes, was aber auch an der guten Abwehrleistung beider Teams lag. In der 82. Minute hatte TeBe nach einer Traumkombination dann noch einmal die Chance zum entscheidenden Treffer, scheiterte einmal mehr an Keeper Korkut. Dann war Schluss und TeBe hat wieder einmal und wie schon am Wochenende in Lichtenberg einen Punkt von einem Spitzenteam entführt. Ach, hätte das Team doch schon von Saisonbeginn an auf diesem Niveau gespielt. Dann wäre es jetzt selbst eines dieser Spitzenteams…

Auch abseits des Spielfelds präsentierte sich der Zehlendorfer Verein mit der hervorragenden Jugendarbeit und der bewegten Vergangenheit sehr gastfreundlich. Bier wurde auf dem Tablett in den Gästeblock geliefert, der Kaffee war durchaus gut und die Portion Pommes für zwei Euro riesengroß und kaum alleine zu schaffen. Alles irgendwie extrem gediegen westberlinerisch da in Zehlendorf, aber das hat durchaus seinen Charme…

PS: Es nervt mich irgendwie mega an, wenn auf absolut jede Entscheidung des Schiedsrichter_innengespanns gegen das „eigene“ Team mit Riesengepöbel reagiert wird. Die allermeisten Schiedsrichter_innen machen ihre Sache in nahezu jedem Spiel ziemlich gut und hätten eigentlich auch wenig mehr Respekt verdient. Andernfalls bekommen Forderungen nach Engagement gegen Rassismus oder Homophobie irgendwie einen ironischen Unterton. Jemanden nicht wegen Hautfarbe oder Sexualität zu diskriminieren ist irgendwie halbherzig, wenn jemandem nur aufgrund seiner_ihrer Funktion als Spielleiter_in plötzlich keinerlei Akzeptanz mehr entgegen gebracht wird – vor allem dann nicht, wenn das Ganze auch noch mit einer massiven und aggressiven Affirmation und Verteidigung der Eigengruppe einhergeht. Sündenbock ick hör dir trapsen… Und kommt mir jetzt nicht mit „das gehört halt zum Fußball…“, denn das ist genau das „Argument“, dass Rassist_innen und homophobe Klappspaten auch verwenden…

Fußball, Männer und Kreisliga – eine tolle Kombination


SK Türkyurt 01 IITennis Borussia Berlin II 3:1

Sonntag, 11.03.2012, 12 Uhr, Poststadion Nebenplatz KR4, Kreisliga C Berlin (Männer)

Warum steht ein an sich zu vernünftigem Denken fähiger Mensch am Sonntag Morgen vor elf Uhr auf, um ein Spiel in der Kreisliga C anzugucken? Ich habe keinen blassen Schimmer, aber irgendwie mache ich solche Unfug immer wieder… So auch an diesem Sonntag. Die Dusche hat nicht wirklich wach gemacht. Für Frühstück ist keine Zeit. Zum Glück gibt es beim Bäcker am Bahnhof Brötchen und Kaffee. Dann in die S-Bahn Richtung Hauptbahnhof und vorbei an hässlichen Townhouses zu einem der diversen Nebenplätze des wunderschönen Poststadion, in dem Tennis Borussia schon so viele Sternstunden erlebt hat. Beide Teams sind auch schon da. Jemand erzählt mir, der Schiedsrichter, der hätte pfeifen sollen sei nicht gekommen, aber weil die Erste von Türkyurt nicht zu ihrem Spiel antritt, kann der Schiedsrichter von dort das Spiel pfeifen. Zum Glück! Würde das Spiel ausfallen, würde ich mich nach der zu kurzen Nacht mal so richtig ärgern…

Ungefähr dreißig andere Menschen sind offenbar ähnlich blöd wie ich und stehen ebenfalls am Spielfeldrand. Auf Seiten TeBes sind etwa zehn Menschen mit dabei. Immerhin. Die aber bekommen einiges geboten. Das Spiel war kaum angepfiffen, da zappelte der Ball schon im Netz der Gäste. Keine drei Minuten waren da erst gespielt. Wie der Ball aber dort gelandet ist, wird wohl sein Geheimnis bleiben. „Hineingewuselt“ scheint der passende Begriff zu sein. Um ein Haar hätte TeBe gleich im direkten Gegenzug den Ausgleich erzielt, doch der Distanzschuss geht knapp links unten vorbei. Da fehlten wirklich nur Zentimeter. Kurz darauf dann noch eine gute Chance für TeBe, doch der Keeper von Türkyurt ist aufmerksam, eilt heraus und wirft sich gekonnt in die Flugbahn des Balles. Dann ist wieder Türkyurt an der Reihe und hat nach gut einer Viertelstunde ein gute Doppelchance. In der 32. Minute dann gelingt jedoch TeBe durch einen Schuss aus spitzem Winkel der Ausgleich. Kurz vor dem Halbzeitpfiff haben dann beide Teams noch guter Möglichkeiten in Führung zu gehen, doch scheitern sie konsequent an den Torhütern oder am Pech oder am eigenen Unvermögen.

Die zweite Hälfte beginnt hektisch. TeBe hat fast sofort eine Riesenchance, doch der Schiedsrichter entscheidet fälschlicherweise auf Abseits – seine einzige wirkliche Fehlentscheidung an diesem Tag. Danach verflacht das Spiel zusehends. Erst in der 60. Minute dann wieder Aufregung. Türkyurt bekommt nach Foulspiel im Strafraum einen berechtigten Elfmeter und deren Nummer 14 verwandelt. Der Keeper von TeBe ahnt zwar die Ecke und ist auch noch am Ball, doch der Elfer ist einfach zu gut geschossen. Die Freude der Gastgeber, die in der Tabelle irgendwo im Mittelfeld herumdümpeln, ist riesig. Vor allem der Abwehrspieler mit der 31 ist völlig aus dem Häuschen und erläutert den anwesenden TeBe-Fans gerne und wiederholt mit allerlei Gesten und Worten, wie sehr ihn sein aktuelles Gefühl an Geschlechtsverkehr erinnert. Überhaupt fallen jede Menge Schimpfworte und Beleidigungen auf dem Platz, aber so ist das wohl, wenn echte Männer sich permanent ihres eigenen Geschlechts versichern müssen… Die Nummer 9 von Türkyurt fliegt dann kurz vor Schluss sogar noch mit Gelb-Rot vom Platz. Irgendetwas, was er gesagt hat, hat dem sehr guten Schiedsrichter Mohamed Abo El Oulla wohl nicht gepasst. Nachdem, was er vorher schon so alles erzählt hat, kein Wunder… Zu diesem Zeitpunkt führte Türkyurt jedoch auch schon mit 3:1 und das Spiel war im Grunde gelaufen, was den Torhüter der Gastgeber zu enormer Langsamkeit bei Abstößen zu animieren schien.

So blieb es bei einem leider verdienten Sieg der Gastgeber. TeBe war zwar über weite Strecken ebenbürtig, aber irgendwie fehlte das nötige Quentchen Glück oder Motivation. Der erste Platz in der Liga ist damit vorerst verloren, aber nur zwei Punkten Rückstand auf SV Rot-Weiß Viktoria Mitte und einem Spiel weniger ist da ja noch alles drin. Zumal der Vorsprung auf einen Nichtaufstiegsplatz lockere 12 Punkte beträgt. Da kann mensch den Männern von Türkyurt auch gerne mal die Freude gönnen, die ihnen der erste Sieg, den sie in diesem Jahr auf dem Platz erringen konnten, offensichtlich bereitete. Aber es wäre nett, wenn sie das nächste mal ihrer Motivation eher durch Fußball als durch „Hundesohn“, „Schwuchtel“ und „Ich fick dich!“ Ausdruck verleihen würden…

47 Freunde und 10.000 TeBe-Fans


SV Lichtenberg 47Tennis Borussia Berlin 0:0

Samstag, 10.03.2011, 13 Uhr, Hans-Zoschke-Stadion, Berlinliga (Männer)

In Christian Wolters „Rasen der Leidenschaften“ wird das Hans-Zoschke-Stadion ein „Schmuckkästchen“ genannt und dieser Meinung kann ich mich nur anschließen. Verkehrstechnisch günstig und nur knapp hinter der Grenze zu Friedrichshain gelegen ist das von ehemaligen Stasibauten umringte reine Fußballstadion wirklich mit das schönste, was Berlin an Spielstätten zu bieten hat. Der Polizei schien ein Spiel von TeBe in Lichtenberg jedoch offenbar nicht so ganz geheuer zu sein, wahrscheinlich weil TeBe jetzt auch Ultras hat… Jedenfalls waren mehrere Wannen der 11. Hundertschaft (was rein numerisch zum Fußball ja auch ganz gut passt) und diverse Zivis (oder heißt das so nahe am MfS dann doch IMs?!) am Start. Wirkliches Konfliktpotential war jedoch weit und breit nicht zu erkennen. Von den gut 400 Zuschauer_innen standen rund die Hälfte im Gästeblock. Support der Heimmannschaft fand jedoch nur von Seiten des Stadionsprechers und über die Lautsprecheranlage statt. Auf Lichtenberger Seite hingen zwar zwei Banner, aber mehr als ein oder zwei Pöbeleien waren nicht zu hören.

Auf dem Spielfeld ging es dagegen durchaus rasant zur Sache. Der Tabellenzweite aus Lichtenberg kam schon nach 5 Minuten zu seiner ersten Großchance. In der 10. und 11. Minute hatte jedoch auch TeBe zwei wirklich gute Möglichkeiten. Ein Distanzschuss in der 34. und ein knapp über die Latte segelnder Kopfball nach einer Ecke in der 40. rückten das Chancenverhältnis dann aber zugunsten der Gastgeber gerade. Der Anhang der Lila-Weißen schien jedoch zufrieden damit zu sein, dass ihre Elf diesmal defensiv sehr viel sicherer agierte als zuletzt gegen Trabzonspor.

Die Halbzeitpause bot dann bestes Entertainment. Ein Lichtenberger und zwei TeBe-Fans durften sich im Elfmeterschießen messen. Der verdiente Preis, ein rot-weißer Lichtenbergschal, ging dabei an einen der beiden Gästefans, was im Auswärtsblock für überbordenden Jubel sorgte. Dazu gab es dann noch eine Soli-Tapete für die Aachen Ultras. Die zweite Hälfte begann dann etwas verhalten. Erst ein Gewaltschuss eines TeBespielers von halb rechts nach einer runden Viertelstunde, der vom Lichtenberger Keeper glänzend pariert wurde, riss die Spieler aus ihrer Lethargie. Als kurz darauf ein TeBe-Spieler direkt vor der Lichtenberger Bank einen Gegenspieler ziemlich rabiat von den Beine holte und dafür völlig zurecht Gelb sah, war es mit der Ruhe völlig vorbei. Etwas Zählbares sprang jedoch trotzdem nicht heraus. Die alles in allem noch beste Chance, ein Beinahe-Eigentor per Kopf aus Seiten TeBes, wurde jedoch von Keeper Dennis Rahden vereitelt, und so blieb es bei einem durchaus unterhaltsamen, aber dennoch torlosen Unentschieden.

Einen Teil des TeBe-Anhangs zog es danach noch in die Partytram und in diverse Kneipen. Aber eher in welche, die nicht in Lichtenberg liegen…

Eigentlich sollte hier ein Bombenkrater sein


Hertha BSC BerlinSV Werder Bremen 1:0

Samstag, 03.03.2012, 15.30 Uhr, Olympiastadion, Bundesliga (Männer)

Mir war gar nicht bewusst gewesen, wie lange ich es nicht mehr in auch nur irgendein Stadion geschafft hatte. Über zwei Monate war ich auf Entzug gewesen dank privaten Stresses und für mich unpassender Spielansetzungen. Da nahm ich die Einladung in die Bremer Kurve für das Spiel gegen die Berliner Hertha natürlich gerne an, denn immer nur Fußball in der Kneipe gucken ist halt doch nicht dasselbe.

Quasi als Vorspiel hatte es am Vorabend eine antifaschistische Demonstration gegen Nazistrukturen im Berliner Stadtteil Schöneweide gegeben, der zumindest einige Scheiben eines von einem Nazi betriebenen Buchladens zum Opfer gefallen waren. Dass das Problem menschenfeindlicher Ideologien jedoch nicht nur am äußersten rechten Rand der Gesellschaft, sondern auch in ihrer mittigsten Mitte zu verorten ist, zeigte sich auf wunderbare Weise bereits in der S-Bahn Richtung Olympiastadion, als ein ganz normaler Herthaner anwesende Bremer Fans glaubte in aggressiver Weise fragen zu müssen, ob denn wirklich, wie er gehört hätte, schwul wären und sie dann anderweitig beleidigte, während im Hintergrund der halbe Wagon „Wir sind die Jungs aus der Reichshauptstadt – Ficken oder wat“ sang. Per Regionalbahn angereiste Bremer_innen hatten, wie ich später erfuhr, auch bereits auf der Anfahrt ihren Anteil an Nazistress gehabt, und in der S-Bahn Richtung Potsdam wurden drei Babelsberger_innen von Cottbusser und Chemnitzer Nazihools angegriffen. Warum genau gehen wir eigentlich noch mal zum Fußball?!?

Diese Frage konnte mensch sich, zumindest für den Profibereich, auch bei den übertriebenen Kontrollen an den Gästeblocks des Olympiastadions stellen. Um zu verhindern, dass Fans mit Tickets für den Oberrang in den Block in der Unterrang gelangen, was ja auch wirklich krass wäre, wurde heftigst kontrolliert und einige Fans sogar von den sich aggressiv gebärdenden Berliner Ordner_innen aus dem Stadion geworfen. Schön, dass in Westberlin noch alles sein gute, deutsche Ordnung hat…

Trotz der erheblichen Verzögerungen beim Einlass ging es gerade noch rechtzeitig zum Anpfiff in den Block. Eventuelle Choreos habe ich allerdings verpasst. Das Olympiastadion ist ja dank des Daches und der blauen Laufbahn ja auch gar nicht mehr ganz so hässlich wie früher. Die Akustik ist jedoch noch immer unter aller Sau. Es war optisch durchaus wahrnehmbar, dass in der Heimkurve ziemlicher Alarm war. Zu hören war jedoch nahezu nichts. Dass irgendwer auf dem Spielfeld oder gar in der anderen Kurve mehr als zwei oder drei Mal die Werderkurve gehört hat, kann ich mir auch nicht vorstellen, obwohl zumindest ein Teil der Gästefans sichtlich um Support bemüht war. Warum spielen im Jahre 2012 eigentlich immer noch Fußballteams in Leichtathletikstadien – zumal in solchen, die aufgrund ihrer historischen Bedeutung schon vor siebzig Jahren hätten weggesprengt werden sollen?

Auf dem Spielfeld war Werder zunächst überlegen, was sich auch in einem himmelweiten Vorsprung bei Ecken und Torschüssen abzeichnete. Vor dem Tor versagten die Bremer jedoch ein ums andere Mal, und im Mittelfeld hagelte es Fehlpässe. Dass die Hertha daraus kein Kapital schlagen konnte, lag wohl vor allem an ihrer eigenen eher defensiven Spielweise. Das, was dabei herauskam, kann mensch berechtigterweise als ein richtig schlechtes Spiel weit unter Bundesliganvieau bezeichnen. Daran änderte sich auch in der zweiten Hälfte wenig, bis Hertha in der 62. Minute durch Rukavytsya in Führung ging. Die Berliner schienen sich nun durch die weder wirklich verdiente noch wirklich unverdiente Führung beflügelt zu fühlen und spielten befreiter auf. Die Bremer setzten alles auf Angriff, versagten dabei jedoch noch mehr als vorher ohnehin schon und lieferten nebenbei auch noch den wahrscheinlich desaströsesten Freistoßversuch der gesamten Saison ab. Als dann endlich Abpfiff war, bejubelte der blau-weiße Teil des Stadions den ersten Sieg seit Anno Dazumal und die Gästefans waren wahlweise enttäuscht von oder wütend über die Leistung der Ihren. Hertha hat sich damit tatsächlich aus den Abstiegsrängen herausgekämpft. Bremen steht nur dank des 2:2 von Augsburg in Hannover noch immer auf einem UEFA-Cup-Platz. Langsam sollte an der Weser mal wieder etwas mehr Dampf auf den Kessel gegeben werden, denn so wird das nichts mit dem internationalen Geschäft.

Bremer Ultras hatten beim Verlassen des Stadions jedoch ganz andere Probleme. Ohne jede Vorwarnung und ohne jeden ersichtlichen Grund versuchten ein Trupp Berliner Bereitschaftspolizist_innen einen Bremer Ultra festzunehmen, als dieser zusammen mit den anderen den Block verließ. Überrascht von dem plötzlichen Angriff reagierten einige Anwesende mit defensiver Gewalt und versuchten sich die uniformierten Schläger_innen vom Leib zu halten. Auch Berliner Ordner_innen mischten fleißig mit. Am Ende gab es mindestens drei Gewahrsamnahmen und mehrere Verletzte auf Seiten des Fans. Was der Auslöser der Polizeiaktion gewesen war, konnte auch auf Nachfrage keiner der Beamt_innen sagen. Vielleicht ja wieder so etwas Schlimmes wie eine weitergegebene Eintrittskarte. Wirklich krasses Fehlverhalten irgendeiner Art habe ich jedenfalls während des gesamten Spiels nicht wahrnehmen können. Falls jemand da Infos hat, immer her damit!

Der einzige Vorteil des ganzen Kuddelmuddels war, dass sich viele Fans vor dem Stadion in Gruppen sammelten, warteten und diskutierten und ich dabei noch einige bekannte Gesichter von Babelsberg und TeBe erblicken konnte. Zu beiden Vereinen werde ich wohl auch in Zukunft lieber gehen als zur Hertha…

Bald ist Weihnachten


FC St. PauliEintracht Frankfurt 2:0

Montag, 19.12.2011, 20.15 Uhr, Millerntorstadion, 2. Bundesliga (Männer)

Es war kalt am Millerntor. Knapp über null Grad. Zum Glück ist jetzt erstmal Winterpause. Aber vorher wollte de FC St. Pauli noch endlich mal gegen ein Spitzenteam der Liga gewinnen. Gegen Rostock gewinnen kann ja schließlich jede_r…

Zum Aufwärmen gab es in der Südkurve eine nette Choreo zum Thema Kiffen, die sich augenscheinlich auf den letzten Besuch der Eintracht auf St. Pauli bezog. Die Frankfurter_innen hielten es diesmal eher klassisch: Vermummte Gestalten aufm Zaun und rote Bengalos in der Familienpackung dahinter. Nett anzusehen, aber irgendwie auch nicht wirklich kreativ. Vom Deutschen Randalemeister hätte ich mehr erwartet…

Das eigentlich Spiel hatte den Titel Spitzenspiel durchaus verdient. Beide Teams schenkten sich nichts, blieben jedoch weitgehend fair dabei. Chancen gab es zuhauf auf beiden Seiten. Frankfurt scheiterte jedoch ein ums andere Mal am glänzend aufgelegten Tschauner. St. Pauli scheiterte meistens eher an sich selbst und dem berühmten einen Pass zu viel. Doch dann kam die 32. Minute. Eine Ecke von rechts segelt in den Strafraum, der Ball wird hin und her geflippert und landet schließlich vor Morenas Füßen, der aus kurzer Distanz einnetzt.

In der zweiten Hälfte dreht Frankfurt dann mächtig auf und setzt sich für eine gefühlte Viertelstunde fast komplett in der gegnerischen Hälfte fest. Ein Tor will der Eintracht jedoch nicht gelingen – und das trotz des ebenso hochkarätigen wie unsympathischen Sturmduos Gekas und Idrissou. Nach einer Ecke dann ein Konter von St. Pauli. Bartels sprintet auf der rechten Außenbahn fast über das gesamte Feld. In der Mitte läuft Kruse mit, umringt von drei Frankfurtern. Bartels passt. Kruse schießt flach und direkt. 2:0 (67. Minute). In der Folge brach die Eintracht ein und St. Pauli schaukelte das Spiel nach Hause. Kurz vor Ende verletzt sich Keeper Tschauner noch an der Schulter, hält jedoch bis zum Abpfiff durch. Unter Tränen verlässt er das Stadion, begleitet von den Rufen der Fans, die immer wieder seinen Namen skandieren. Medienberichten zufolge wird er lange ausfallen. Zum Rückrundenstart wird er in keinem Fall fit sein. Ein bitterer Wermutstropfen…

Ein weiterer Wermutstropfen war die kleine Kassenrolle, die in der 48. Minute aus der Südkurve gesegelt kam und den Frankfurter Pirmin Schwegler traf, der daraufhin erschrocken zusammensackte, behandelt wurde, aber weiter spielen konnte. Auch wenn Schwegler später sagte, es sei alles nicht so schlimm gewesen (wofür ihm höchster Respekt gebührt), dürfte das Ganze ein Nachspiel haben. So wird der FC St. Pauli wahrscheinlich wieder einmal dafür bestraft werden, dass seine Fans treffsicherer sind als die anderer Vereine, denn Gegenstände werden in den meisten Stadien beinahe regelmäßig geworfen. Warum das nur dann schlimm ist, wenn jemand getroffen wird, will mir nicht in den Kopf. Dass die Kassenrolle möglicherweise nicht mit Absicht auf Schwegler geworfen wurde, sondern ihn nur zufällig traf (immerhin waren es doch etliche Meter und ein Fangnetz dazwischen), scheint den meisten egal zu sein. Ebenso, dass solche Kassenrollen regelmäßig geworfen werden, nur halt als Luftschlagen. Dass hier jemand einfach dummerweise vergessen haben könnte, den Klebestreifen zu entfernen und so das Wurfgeschoss zu einem optischen Dekoelement zu machen, kommt offenbar keiner_m in den Kopf…

Die Vereinsführung gibt sich erschüttert, Helmut Schulte meint sogar, alle die am Millerntor Gegenstände werfen, müssten „eingewiesen“ werden und alle sind ganz furchtbar schockiert. Vielleicht soll so viel zur Schau gestellte Reue ein mildes Urteil begünstigen. Vielleicht sollte sich der FC St. Pauli sich aber auch fragen, ob er auch nach der Ära Wasserwerferfahrer Littmann unbedingt der Law-and-Order-Verein Nummer 1 des deutschen Fußballs sein will. Wenn die Verantwortlichen in Rostock oder Dresden im gleichen Verhältnis auf das Verhalten in ihren Kurven reagieren würden, dürften sie nur noch in Sack und Asche herumlaufen und sich selbst kasteiend „mea culpa, mea maxima culpa“ schreien, während sie ihre Mannschaften vom Spielbetrieb abmelden, die Stadien abreißen und alle Fans ihrer Vereine vorsorglich inhaftieren lassen. Tun sie aber vernünftigerweise nicht…

Ja, das Werfen von Gegenständen ist unsportlich und muss nicht sein, aber sich darüber künstlich aufzuregen und einzelne Fans zu ausgemachten Teufeln zu stilisieren, die im Alleingang den Ruf und das Wohl des gesamten Vereins bedrohen kann auch nicht die Lösung sein. Der Verein könnte sich auch vor seine Fans stellen, sich zwar entschuldigen, aber gleichzeitig um die Wahrung der Verhältnismäßigkeit bitten, und vielleicht bitte einfach mal die Kirche im Dorf lassen…

Gelungener Ausflug nach Steglitz


SFC Stern 1900Tennis Borussia Berlin 1:3

Samstag, 10.12.2011, 16.30 Uhr, Sportplatz Schildhornstraße, Berlinliga (Männer)

Trotz Heißgetränke war an diesem Samstagspätnachmittag in Steglitz erspürbar, warum so eine Winterpause eine gute Sache ist. Andererseits kommt für TeBe die Winterpause nicht unbedingt zum günstigsten Moment, denn das Team hat momentan einen regelrechten Lauf. Drei Siege in Folge und fünf Siege aus den letzten sechs Spielen sind durchaus beachtenswert. Der SFC Stern, der in der Tabelle deutlich weiter oben rangiert, konnte hingegen zwei Spiele in Folge keinen Dreier einfahren. Für eine mehr als berlinligareife Kulisse sorgten die fast 400 Zuschauer_innen, von denen sicher zwei Drittel den Gästen zugeneigt gewesen sein dürften. Der SFC hatte zuvor angekündigt 2,- Euro pro zahlendem Gast an Tennis Borussia zu geben, da der Verein nach wie vor in einer schwierigen finanziellen Situation steckt. Sehr nette Geste! Mindestens ebenso sehr dürfte es den Anhang des Clubs vom Eichkamp jedoch freuen, dass die Gläubigerversammlung dem Insolvenzplan zugestimmt hat.

Entsprechend gut und gelöst war die Stimmung auf den Rängen, wo sich wie so oft in letzter Zeit bei TeBe auch etliche Gäste von anderen Vereinen wie Optik Rathenow, dem FC St. Pauli oder dem FSV Frankfurt eingefunden hatten. Zum Einlauf gab es nicht nur Nebel aus der Nebelmaschine, sondern auch Wunderkerzen und Konfetti und die Stimmen schienen vom Glühwein gut geölt zu sein. Anders als branchenüblich verschwendeten beide Teams keinerlei Zeit mit Abtasten oder taktischen Sperenzien. Das Spiel ging flott los und beide Teams machten ordentlich Druck. Das 1:0 für den SFC Stern durch Dennis Dort in der 6. Minute kam dennoch etwas überraschend, nicht weil das Team bis dahin schlecht gespielt hätte, sondern weil es nach einem eigentlich harmlosen Einwurf fiel, der dann irgendwie per Kopfballgewusel ins Tor verlängert wurde. Die Gäste zeigten sich von dem Rückstand jedoch keineswegs geschockt und erhöhten die Schlagzahl. Den verdienten Lohn für ihre Mühen gab es in der 17. Minute, als Benny Hendschke nach einer Ecke von links mit einem eher holperigen Distanzschuss den Ausgleich und damit gleichzeitig auch den Pausenstand erziehlte.

Die zweite Hälfte hatte kaum begonnen, da ging TeBe plötzlich in Führung. Abermals war die Entstehung des Treffers eher kurios. Von einem Steglitzer Spieler abgefälscht landete eine Ecke von Okan Isik mehr oder weniger direkt im Tor (47. Minute). Der Rückstand schien die Gastgeber doch erst richtig zu motivieren, die Mitte der zweiten Hälfte Chance um Chance hatten. Die beste vergab Riewe in der 73. Minute, als er nur den linken Pfosten trafen. Wenige Minuten später hatte der SFC erneut eine gute Möglichkeit, scheiterte jedoch zunächst an der Reaktion des Torwarts und dann am mangelnden Zielwasser. Die Strafe folgte, wie so oft, auf dem Fuße. In der 84. Minute erzielte Fatih Dilber nach einem Freistoß per Kopf das 3:1 für TeBe.

Ein eher glücklicher, aber auch nicht wirklich unverdienter Sieg. Tennis Borussia klettert damit auf Platz 11 in der Tabelle und hat mittlerweile stolze acht Punkte Vorsprung auf einen Abstiegsplatz – nicht schlecht für ein Team, das vor sieben Spieltagen noch Tabellenletzter war. Der SFC Stern verliert mit der Niederlage ein wenig den Kontakt zur Spitzengruppe, darf sich aber immerhin damit trösten ein wirklich hervorragender Gastgeber gewesen zu sein.

Vor lauter sehenswertem Fußball verpassten die meisten Zuschauer_innen dabei die totale Mondfinsternis, die sich gut zu sehen am Himmel über dem Stadion abspielte. Aber was zählt das schon, wenn das „eigene“ Team gewinnt…

It’s all just history repeating…


TSV RudowTennis Borussia Berlin 0:2

Sonntag, 30.10.2012, 14.30h, Sportplatz Stubenrauchstraße, Berlinliga (Männer)

Manchmal wiederholt sich Geschichte offenbar wirklich. Jedenfalls im Fußball. Denn das Spiel zwischen Rudow und TeBe am Sonntag war fast eine perfekte Kopie des Spiels zwischen Union Berlin und dem FC St. Pauli am Freitag.

Wie zwei Tage zuvor in Köpenick war das Gästeteam in der ersten Hälfte klar feldüberlegen, kam jedoch kaum zu brauchbaren Chancen, während die Gastgeber gleich mehrere Hochkaräter vergaben. In der zweiten Hälfte eines überaus fairen Spiels konnte TeBe dann wie St. Pauli doch noch zwei Tore erzielen, wobei jeweils das zweite nach einer Ecke fiel. Das Schiedsrichtergespann war bei einigen Entscheidungen eher so auf Sechstliganiveau…

Es war ja viel gemutmaßt worden, dass bei dem Spiel einige organisierte Autonome Nationalist_innen auftauchen könnten, da Rudow immerhin eine ihrer relativen Homezones ist. Es kamen jedoch nur einige Hertha-Althools und durchschnittliche Faschoprolls. Zu Wortgefechten im Stadion und einer kurzen Konfrontation vor einem Imbiss an der Straßenecke (der übrigens sehr gute Pommes hat!) reichte es dennoch. Die Polizei ging allerdings schnell dazwischen und der TeBe-Mob zog weiter Richtung U-Bahnhof und per ÖPNV zum U-Bahnhof Rudow, wo in einer symbolischen Geste, den Mitarbeiter_innen eines Imbisses, der zwei Tage zuvor von Neonazis angegriffen worden war, ein Blumenstrauß überreicht und ihnen die Solidarität der Anwesenden bekundet wurde.

Da es das Gerücht gab, die Polizei hätte jemanden festgenommen, entschloss sich die Gruppe, erneut zum Stadion zu fahren und von den Beamt_innen vor Ort Informationen einzuholen. Offenbar war aber wohl nur einer der Faschos aus dem Imbiss mitgenommen worden und so zogen sich alle bald wieder zum Bahnhof zurück. Kurz vor Erreichen der Station griffen die Cops dann urplötzlich und ohne ersichtlichen Anlass eine Person aus der Gruppe heraus und nahmen sie in Gewahrsam. Später teilte einer von ihnen mit, die Person sei zuvor kurzfristig vermummt gewesen und das sei nun mal verboten. Ein Teil der Bereitschaftspolizist_innen ging bei der Gewahrsamnahme bzw. bei der Absicherung dieser etwas übermotiviert zu Werke, was folgerichtig den Unmut der Umstehenden auf sich zog. Was folgte war Gepöbel, Geschubse und zwei weitere Gewahrsamnahmen.

Danach beruhigte sich die Lage wieder, die Gefangenen wurden zum nächstgelegenen Abschnitt gekarrt und dort weiter behandelt. Einer von ihnen musste von dort in ein Krankenhaus gefahren werden. Aus welchen Gründen genau ist unklar. Die anderen beiden kamen eine bzw. drei Stunden später wieder frei.

Was bleibt ist der erste Auswärtssieg der Saison für TeBe vor über 100 mitgereisten Anhänger_innen und die Erkenntnis, dass beim TSV Rudow das Internet „Weltnetz“ heißt und Ordner_innen problemlos Thor Steinar-Kleidung tragen können. Aber soll mensch auch anderes erwarten in einer Neonazihochburg. Sowas kommt ja nicht von ungefähr, sondern hat meist seine Ursachen in der als Arglosigkeit verkleideten Rechtsoffenheit der Mehrheitsbevölkerung… Ach ja, neuer Tabellenletzter ist übrigens Trabzonspor…

Altona gegen Neuona


Altona 93USC Paloma 3:1

Sonntag, 02.10.2011, 14 Uhr, Adolf-Jäger-Kampfbahn, Oberliga Hamburg (Männer)

Nach ziemlich langer Nacht und ausgesprochen wenig Schlaf in Hamburg-Wilhelmsburg ging es per Fahrrad und Bahn nach Altona, heute ein Stadtteil der Hansestadt, früher dänische Hafenstadt. Volksetymologisch wird oft gemutmaßt der Name leite sich davon ab, dass Altona all to nah an Hamburg dran sei, aber jüngere Forschungen haben das als ziemlichen Humbug entlarvt. In Wahrheit verhält es sich nämlich so, dass irgendwann vor langer Zeit einmal an der Elbe der kleine Ort Ona gegründet wurde. Irgendwann beschlossen die mittelalterlichen Stadtplaner_innen, dass Ona eine Neustadt bräuchte, weil die Altstadt langsam aber sicher zu klein wurde. Kurz darauf wurde Neu-Ona gegründet, was rasch wuchs und gedieh. Im Volksmund etablierte sich in der Folge schnell die Bezeichnung Alt-Ona für den Teil der Stadt, der schon vorher da gewesen war. Als dann die hochmittelalterliche Rechtschreibreform von Anno Tobak den Bindestrich bei Androhung der Todesstrafe verbot wurde daraus schließlich Altona, der Name, den der Ort noch heute trägt. Neu-Ona bzw. Neuona war in der Zwischenzeit jedoch selbst zu einer bedeutenden Stadt geworden, die sich bald um administrative Trennung von der Mutterstadt bemühte. Wahrscheinlich ging es damals um Gewerbesteuereinnahmen, aber sicher ist das nicht… So kam es, dass sich irgendwann im Zeitalter der Renaissance Neuona von Altona lossagten und fortan eigene Wege gingen. Europa trat unterdessen in ein Zeitalter gesellschaftlicher und politischer Umwälzungen ein. In Frankreich fegte die Revolution die Monarchie hinfort und spülte auf Umwegen einen gewissen Napoleon an die Macht, der dem Zeitgeist entsprechend auf territoriale Expansion setzte und irgendwann schließlich auch Neuona eroberte. Da im revolutionären Frankreich jedoch Städtenamen mit mehr als drei verschiedenen Vokalen aus naheliegenden Gründen verboten waren, entschlossen die Bürger_innen Neuonas sich, aus den Namen der zwei Stadtteile Neuona-Ham (heute Hamburg-Hamm) und Neuona-Burg (heute St. Pauli, Neustadt, St. Georg, Borgfelde, Barmbek, Rotherbaum, Eppendorf undsoweiter) den Kunstnamen „Hamburg“ zu amalgamieren und ihre Stadt künftig bei diesem Namen zu rufen. Dass dieser Name im Gegensatz zu Neuona überhaupt keinen Sinn ergab, war den Menschen durchaus bewusst, aber so waren halt die Zeiten…

All das ist heute in Vergessenheit geraten, und mit Fußball – und darum geht es hier schließlich – hat es auch nichts zu tun. Und Fußball gab es reichlich auf der Adolf-Jäger-Kampfbahn. Zum Glück hatten wir nicht noch eine Bahn länger gewartet, denn bei Anpfiff waren wir noch beim Fahrrad Anschließen und gerade die ersten Minuten hatten es in sich. In der 7. Minute lässt Paloma-Keeper Chergui einen Flachschuss von Rechts nur abprallen und Bektas staubt dankbar aus wenigen Metern ab. Der Jubel über den frühen Treffer war noch gar nicht ganz verklungen, da zimmert Demirbaga aus grob 30 Metern einen Distanzschuss ins rechte obere Eck und plötzlich steht das Spiel 2:0 und alle Münder offen (9. Minute). Ein solches Tor sieht mensch selbst in höheren Ligen eher selten. Die Anreise hat sich jetzt schon gelohnt!

In der Folge verflachte das Spiel zusehends und der Drops schien eigentlich schon gelutscht, doch dann erzielte Meyer in der 32. Minute plötzlich den Anschlusstreffer und die Partie gewann wieder an Fahrt, was auch in zahlreichen Unsportlichkeiten seinen Ausdruck fand. Schiedsrichter Florian Lechner aus Schwerin reagierte mit Humor. Anders lässt sich seine absurde Kartenvergabe nicht erklären. Mal gab er Karten für nix, mal ließ er harte Fouls ungestraft durchgehen. Am amüsantesten war aber sicher die Szene in der er auf Zuruf des Publikums dem Palomasen Graf erst Gelb-Rot zeigte, dann aber doch wieder zurücknahm, weil jemand ganz anderes das Foul begangen hatte. Auch wenn die Entscheidung richtig war, souverän war sie nicht…

Die zweite Hälfte knüpfte zunächst nahtlos an die erste an, doch als Sidiki Straub in der 56. Minute das 3:1 erzielte, war der Sack zu und der Sieg der Gastgeber mehr oder weniger eingetütet. So blieb genug Zeit, um in der prallen Sonne gute Pommes zu essen und sich gechillt halb tot zu schwitzen.

Altona ist immer eine Reise wert. Das dachten sich wohl auch die zahlreichen Anhänger_innen von HSV und Schalke, die vor der Bundesligapartie beider Teams noch mal eben auf der AJK vorbeischauten.

Wenn der Himmel brennt


FC St. PauliMSV Duisburg 2:1

Montag, 22.08.2011, 20.15 Uhr, Millerntorstadion, 2. Bundesliga (Männer)

Die rot leuchtenden Wolken für dem blauen Abendhimmel hatten etwas Apokalyptisches. Beachtung fanden sie jedoch wenig unter den Zuschauer_innen im ausverkauften Millerntorstadion. Dafür war das Spiel einfach zu gut und zu spannend. Aber der Reihe nach…

Der Tag hatte bis dahin schon wenig zu wünschen übrig gelassen. Ein Besuch bei den Homies im Grand Hotel Van Cleef-Büro. Veganes Eis bei der Eisbande mit Spontantourist_innen aus Bremen. Lecker Mock Duck vom Asia Imbiss am Neuen Pferdemarkt. Treffen mit netten Menschen aus Großbritannien, Chile und Wilhelmsburg. Gutes Wetter sowieso… Im Stadion dann jede Menge Anti-Sport 1-Stuff in Südkurve und Hauptribüne, während die Duisburger_innen mit Tapeten und einer Zaunfahne einem der Ihren gedachten, der Tags zuvor verstorben war. Es gibt halt Momente, da ist Fußball zweitrangig…

Auf dem Rasen jedoch ging es vom Start weg gut zur Sache. St. Pauli macht sofort Druck und kommt vor allem über mit Bruns über links immer wieder zu guten Chancen. Neuzugang Schindler vergibt jedoch knapp zwei Hochkaräter (13. und 22. Minute). Doch auch die Duisburger spielen deutlich besser als ihre nur zwei Punkte aus vier Spielen vermuten lassen würden. Der Lattenschuss von Gjasula in der 16. Minute ist mehr als beeindruckend. Mitte der ersten Hälfte sieht es ein wenig so aus, als würden die Gäste den St. Paulianern tatsächlich das Heft aus der Hand nehmen können. Doch dann kam abermals Bruns über links und passt flach zu Schindler, der von der rechten Strafraumecke trocken abzieht und links unten einnetzt (33. Minute). Der Pass oder die Flanke oder was auch immer war eigentlich nicht genau genau gewesen, doch wahrscheinlich hat gerade das die gut stehende Duisburger Abwehr ausgehebelt. Wie dem auch sei. Die Freude wehrt eh nicht lange. Kaum fünf Minuten später schlägt Wolze einen Freistoß halbhoch in den Strafraum, von wo aus ein anderer Duisburger per Kopf geschickt auf Bajic verlängert, der keine Probleme hat den Ball aus kurzer Distanz reinzumachen. Wenn das Ganze so geplant und nicht bloß Glück war, dann alle Achtung!

Die zweite Hälfte knüpft nahtlos an die erste an. St. Pauli macht Druck und erarbeitet sich Chance um Chance, Duisburg bleibt jedoch durch Konter weiterhin gefährlich. Als dann jedoch Pliatsikas in der 69. Minute mit Gelb-Rot vom Platz muss, bleibt den Duisburgern nur noch der Betonmischer. Auch wenn die Entscheidung von Schiedsrichter Dingert ziemlich hart war, müssen sich die Duisburger das Ganze selbst zuschreiben. Ihr ganzes Auftreten an diesem Tag ist von Unfairness und Unsportlichkeiten begleitet. Zeitspiel, Meckern, Rudelbildung, Schubsen, Pöbeln. Alles. Entweder leidet das Team nach dem verkorksten Saisonstart an einem Fall von Bielefeditis oder wir haben es hier mit der Handschrift von Trainer Sasic zu tun, an dem Peter Neururer in einem Interview mit der Hamburger Morgenpost kein gutes Haar gelassen hatte. Ich jedenfalls, würde den Trainer sofort entlassen. Wer aus einem Haufen derart guter Einzelspieler nur so wenig herausholt, ist nicht (mehr) der Richtige für den Job…

Doch zurück zum Spiel. Das war ja noch nicht zu Ende. St. Pauli brauchte jedoch bis zur Schlussphase um sich erneut wirklich gute Chancen zu erarbeiten. In der Nachspielzeit schlägt dann die Stunde des beinahe überragend spielenden Florian Fromlowitz. Erst pariert er Bartels Schuss per Fuß, dann klärt er gegen Hennings bei dessen Nachschuss per Fallrückzieher. Wenn es so etwas wie eine „Parade des Monats“ gäbe, das wäre sie gewesen. Doch dann – die reguläre Nachspielzeit ist eigentlich schon um, der Schiedsrichter lässt jedoch wegen Duisburger Zeitspiels noch etwas länger spielen – kommt St. Pauli noch einmal zu einem letzten Angriff. Daube kommt schnell über rechts und passt punktgenau auf Bartels, der den Ball reinmacht. Der Rest ist Jubel. Oder Trauer. Je nachdem…

St. Pauli bot an diesem Abend eine beinahe durchweg überzeugend Leistung. Vor allem Bruns und Bartels waren hervorragend, aber auch Boll füllte seine Kapitänsrolle mit Bravour aus und sorgte mit engagierten Sprints immer wieder für Impulse. Das Team war extrem schnell beim Umschalten von Defensive auf Offensive, sehr passsicher und vor allem über Außen stark. Einziger Wermutstropfen vielleicht war die Tatsache, dass das Spiel an Saglik mehr oder weniger vorbeilief, was diesen auch zumindest zeitweise sichtlich frustrierte. Seine Stärke ist halt eher das Spiel durch die Mitte und da ging an diesem Tag nicht sonderlich viel. Wenn es Trainer Schubert und den Seinen gelingt, daran noch etwas zu feilen und dadurch im Sturm noch unberechenbarer und flexibler zu werden, dann könnte diesen Team am Ende der Saison weiter oben stehen, als es vor Saisonstart auch nur irgendwer vermutet hätte. Aber bis dahin ist es noch ein weiter Weg…

Lila-rote Invasion


Tennis Borussia BerlinRoter Stern Leipzig 2:1

Samstag, 23.07.2011, 16 Uhr, Wally-Wittmann-Sportanlage, Freundschaftsspiel (Männer)

Wahrscheinlich wissen relativ wenige Menschen, dass die Nebenplätze des Mommsenstadions nach Wally Wittmann benannt sind und wahrscheinlich wissen genauso wenige, wer Wally Wittmann eigentlich war. Wally „Gundel“ Wittmann war eine in den späten 1920ern und frühen 1930ern erfolgreiche Charlottenburger Leichtathletin mit zahlreichen Titeln und Weltrekorden im Rucksack. Eine sehr gute Handballerin war sie wohl auch noch. Wieder eine Bildungslücke geschlossen…

Auch wenn vielleicht nicht alle so ganz genau wussten, wo sie jetzt eigentlich hin sollten, haben doch etliche den Weg auf den Sportplatz gefunden. 280 zahlende Zuschauer_innen sind wirklich nicht schlecht für ein Testspiel zweier unterklassiger Teams. Aber es waren ja auch nicht der Berliner SC und Borea Dresden, die hier aufeinander trafen, sondern TeBe und der Rote Stern aus der Messestadt. Beide Teams waren mit ganz unterschiedlichen Ausgangslagen angetreten. Während der Rote Stern als Aufsteiger antrat und auf eine gewachsene Mannschaft bauen konnte, war TeBe gerade erst in die Berlinliga abgestiegen und hatte gerade mal zehn Spieler im Kader, von denen etliche in der letzten Saison noch woanders kickten. Hinzu kamen an diesem Tag noch zahlreiche Testspieler, die sich empfehlen wollten.

Das Spiel begann eher ruhig. Rund zehn Minuten geschah erstmal nix. Die erste Chance hatten die Gäste durch einen indirekten Freistoß, die zweite die Gastgeber durch einen direkten. Aus dem Spiel raus ging nicht viel. So war es dann in der 25. Minute dann auch eine Standardsituation, die für Zählbares sorgte. Eine Ecke von rechts segelte erst an Freund und Feind vorbei, landete dann aber vor den Füßen von Alexander Greinert, der trocken abzog und den Ball in der rechten unteren Ecke versenkte. 1:0 für Tebe. Die Gastgeber machten jetzt weiter Druck, waren das klar bessere Team in dieser Phase und trafen in der Folge noch zweimal Aluminium. Die Gäste aus Leipzig kamen nur zu einem Abseitstor und dafür kann mensch sich ja bekanntlich nichts kaufen…

Nach der Pause blieb TeBe am Drücker. Erst scheiterte irgendwer (bei so vielen unbekannten Gesichtern, komm ich nicht mehr mit…) mit einem tollen Drehschuss, dann nutzte Kaan Ergün einen Torwartfehler aus und traf aus kurzer Distanz zum 2:0 (58. Minute). Kaum zwei Minuten später hatte er sogar noch das 3:0 auf dem Fuß, scheiterte aber in einer Eins-gegen-Eins-Situation am Leipziger Keeper. Die Gäste kamen erst in Fahrt, als sie mitte der zweiten Hälfte den Schiedsrichterassistenten einwechselten. Der war noch gar nicht richtig im Spiel, da fiel auch schon der Anschlusstreffer durch Mario Glaser (74. Minute), der vom Leipziger Anhang mit exzessivem Konfettiregen bejubelt wurde. Kurz darauf verletzte sich ein TeBe-Spieler nach einem Foul und musste raus. Da allerdings schon alles und jeder eingewechselt worden war, mussten die Gastgeber folglich die letzte Viertelstunde in Unterzahl über die Bühne bringen, was den Sternen weiteren Rückenwind gab. In der 88. Minute vergaben diese eine Großchance zum Ausgleich und auch in der Nachspielzeit gab es noch zwei Hochkaräter, die jedoch beide vom Keeper der Berliner abgewehrt wurden. So blieb es am Ende beim 2:1.

Viel wichtiger als des Ergebnis schien vielen Zuschauer_innen jedoch das Socializing am Spielfeldrand und auf der Party in der Innenstadt im späteren Verlauf des Abends. Sogar die legendären Biberstand Boys waren am Start. Aber das ist eine andere Geschichte…