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Auftakt zur besten Berlinliga seit Ewigkeiten


Tennis Borussia BerlinBSV Hürtükel 2:1 (0:0)

Sonntag, 05.08.2012, 14 Uhr, Mommsenstadion, Berlinliga (Männer)

Endlich, endlich, endlich ist die Sommerpause vorbei! Europameisterschaft, Testspiele, Olympia – all das ist irgendwie nicht das Wahre und überhaupt verspricht diese Saison in der Berlinliga eine überaus spannende zu werden. Mit Hürriyet-Burgund, dem BFC Preußen, Trabzonspor, Frohnau und Altglienicke haben sich fünf graue Mäuse aus der Liga verabschiedet – nur Lichtenberg 47 mit dem schönen Stadion werde ich wohl irgendwie vermissen. Die Neuzugänge sind demgegenüber alle ganz großen Kino. Mit Türkiyemspor und Makkabi sind zwei sehr sympathische Vereine zur Liga gestoßen, mit Tasmania Gropiusstadt erweist sich ein ehemaliger Bundesligist die Ehre, Club Italia soll ja fast so etwas wie Fans haben und der erste Gegner von TeBe, der BSV Hürtürkel, soll türkisch-nationalistischen Kreisen nahestehen, was immerhin für Konfliktpotential sorgt und sich in der vergangenen Saison auch in rassistischen und antisemitischen Äußerungen beim Spiel gegen Makkabi äußerte.

Was das angeht, so blieb an diesem leicht verregneten Sonntagnachmittag im Mommsenstadion ruhig, doch das Spiel war für eine Auftaktpartie durchaus sehenswert. Oft wirken Teams ja am ersten Spieltag noch nicht wirklich eingespielt oder müde und matt von der Vorbereitung, doch hier boten beide Teams eine ansehnliche Partie. Die besseren Karten hatte dabei zunächst das Team der Gastgeber_innen. Zählbares wollte jedoch bis zur Halbzeit nicht herausspringen. So vertrieb der Anhang – regenbedingt größtenteils auf die Tribüne umgezogen – die Zeit mit Singen und nicht wenige bewunderten vor allem das Können zweier Neuzugänge: Auf der der rechten Abwehrseite zeigte sich Fabien Thokomeni äußerst zweikampfstark und legte eine gute Mischung aus Resolutheit und Fairness an den Tag, während seine offensiven Vorstöße immer wieder mächtig Staub aufwirbelten. Noch besser zu gefallen wusste dagegen Hassan Salhab, Neuzugang von Trabzonspor, der im Sturmzentrum ordentlich Dampf machte und, auch wenn er heute mal kein Tor machte, eine echte Verstärkung zu sein scheint.

Zu Beginn der zweiten Hälfte entrollten Fans von TeBe dann zwei Tapeten – eine in Solidarität mit dem schwulen türkischen Schiedsrichter Halil İbrahim Dinçdağ und eines, das sich in türkischer Sprache gegen Rassismus und Antisemitismus richtete. Auf dem Feld ging es derweil weiter munter hin und her, wobei TeBe weiter das bessere Team war und schließlich in der 66. Minute auch völlig verdient durch einen Schuss aus der zweiten Reihe von Benny Hendschke verdient in Führung ging. Nur sechs Minuten später war es abermals Hendschke, der nach Hereingabe des bereits erwähnten Salhab per Kopf auf 2:0 erhöhte. Es spricht jedoch für die Qualität der Gäste, dass sie jetzt den Kopf nicht in den Sand bzw. Rasen steckten, sondern auf den Anschlusstreffer drängten, den Selim Erdem nur weitere drei Minuten später im Kuddelmuddel nach einem Freistoß dann auch tatsächlich erzielte. Von da an war Hürtürkel die spielbestimmende Mannschaft, doch die TeBe-Abwehr hielt dicht, und am Ende durfte der Gutteil der rund 450 Zuschauer_innen, der auf Seiten des Heimteams stand, einen im Großen und Ganzen verdienten Heimsieg bejubeln.

Für TeBe geht es jetzt Mittwoch zu einem echten Härtetest, wenn das Team auswärts beim 1. FC Wilmersdorf antritt, der in der letzten Saison mit nur einem Punkt Rückstand auf Lichtenberg Dritter geworden ist und ebenfalls mit einem Sieg – Auswärts im Derby beim Berliner SC – starten konnte. Hürtürkel hat es auch nicht leichter. Am Donnerstag gastiert Tabellenführer Hermsdorf, der am ersten Spieltag den SV Empor mit 6:1 deklassiert hat, am Columbiadamm.

Derbe Schlappe zu hause umme Ecke


BSV Hürriyet-BurgundTennis Borussia Berlin 4:1 (2:1)

Sonntag, 13.05.2012, 14.30 Uhr, Sportplatz Stralsunder Straße, Berlinliga (Männer)

Zu Fuß zum Auswärtsspiel. Das gibt es auch nicht so oft. Dazu auch noch Besuch aus Bremen mit dabei. Eigentlich alles super. Dazu ein recht sympathischer Gastgeberverein mit zwar nicht sehr veganem, aber dafür umso ungewöhnlicheren (zumindest für deutsche Stadien…) kulinarischen Angebot. Dafür aber nur ein kleiner Kunstrasenplatz mit lediglich einer Seite, auf der Publikum wie auf der Hühnerstange aufgereiht stehen kann. Naja, und Fußball wurde dann leider auch noch gespielt werden…

Beide Teams spielen noch gegen den Abstieg. TeBe fehlt nur noch plusminus ein Sieg um die Klasse entgültig zu sichern. Hürriyet-Burgund steht vor dem Spiel auf einem Abstiegsplatz und wird wohl noch bis zum Ende zittern müssen. Dennoch hat das Spiel vom Start weg ein recht hohes Niveau, wobei die Gastgeber mit den Platzverhältnissen offensichtlich um einiges besser zurecht kommen, aber immerhin ist es ja auch ihr Platz. In der 7. Minute bereits fällt dann auch durch Harun Cicek der Führungstreffer für den Verein vom Gesundbrunnen. Gino Krumnow schafft es jedoch in der 23. Minute den Ausgang für die Gäste zu erzielen, wobei sein gemurmelter Ball wohl einen neuen Rekord in Langsamkeit aufgestellt haben dürfte. Dündar Yaka bringt allerdings Hürriyet-Burgund nur sieben Minuten später wieder in Führung (30. Minute).

Nach der Pause kam es für TeBe dann ganz bitter. Auch wenn das Team nie wirklich schlechter wirkte, waren die Gastgeber doch die ganze Zeit überlegen, was die Präsenz auf dem Spielfeld angeht. Bis kurz vor Ende blieb das Spiel jedoch offen. Erst durch zwei späte Tore von Martial Djoumessi Ngueduheu (76. Minute) und abermals Harun Cicek (80. Minute) machte Hürriyet-Burgund dann alles klar. Passend dazu fing es dann auch noch an zu regnen…

Fazit: Verdienter Sieg. Hoffentlich wird es was mit dem Klassenerhalt und hoffentlich macht TeBe dann nächste Woche zu hause gegen Wilmersdorf alles klar.

Tschüüüüüüüß Gegengerade!


FC St. PauliSC Paderborn 07 5:0 (2:0)

Sonntag, 06.05.2012, 13.30 Uhr, Millerntorstadion, 2. Bundesliga (Männer)

Für Fans im Exil ist jedes Heimspiel ein Auswärtsspiel. Das heißt dann also Sonntagmorgen um Sechs nach viel zu wenig Schlaf Aufstehen und ab auf die Autobahn. In Hamburg dann erstmal zweites Frühstück und starker Kaffee. Dazu die Info, dass gerade ein Bus mit Paderborner Nazis vor dem Jolly Roger gehalten haben soll, um sich eine Tüte Auf’s Maul abzuholen. Aber von Faschos erwarten dass sie keine dummen Sachen machen sollen, wäre wohl auch irgendwie widersinnig.

Im Stadion dann eine Mischung aus Euphorie, Anspannung und Wehmut. Irgendwie rechnen fast alle damit, dass St. Pauli heute eine gute Leistung zeigen wird und der Relegationsplatz scheint durchaus noch in Reichweite. Dafür muss nur Duisburg gegen Düsseldorf gewinnen, was dann auch immer wieder zu „MSV“-Rufen führt. Gleichzeitig hieße ein verpassen der Relegation nicht nur ein weiteres Jahr in Liga 2, sondern auch, dass heute das letzte Spiel der alten Gegengerade sein wird. Als jemand, der seit vielen Jahren dort zu Hause ist, lässt mich das natürlich alles andere als kalt. Den Menschen um mich herum scheint es ähnlich zu gehen. Außerdem dann noch die Gerüchte, dass Trainer Schubert sich mehrfach scheiße verhalten hat und vor dem Rausschmiss steht, und vor allem der mehr als traurige Abschied von Deniz Naki. Selten hat einem einzelnen Spieler am Millerntor so viel Wohlwollen entgegengeschlagen wie Naki an diesem Tag. Als er später eingewechselt wird und sogar noch in der Naxchspielzeit sein Tor macht, wird jede Aktion von ihm vom Publikum mit dem Rufen seines Namens bejubelt. Ich werde diese herzuallerliebste Drecksau echt vermissen. Junge, komm bald wieder!

Auf dem Rasen läuft es dann auch wirklich formidabel. Paderborn ist nahezu chancenlos und fünf Tore sprechen an sich ja auch schon eine deutliche Sprache. Allerdings stellt sich da auch schon die Frage, warum St. Pauli diese Abwehr aufkauft, wenn sie offenbar nicht wirklich die Stabilste ist. Kruse war bestens in Form und macht seine Abgang so noch um einiges schwerer zu verdauen als ohnehin schon. Ebbers bereitet drei Tore vor und bestätigt damit seine starke Form der letzten Wochen. Der Rest des Teams weiß ebenfalls zu überzeugen. Mit einer solchen Leistung in jedem Spiel wäre der Aufstieg nicht nur gerechtfertigt, sondern auch eigentlich unvermeidlich gewesen. Bleibt natürlich die Frage, wieso sie so oft ausgeblieben ist und wieso sie jetzt dann doch erbracht wird. Liegt es daran, dass die Causa Schubert endlich öffentlich ist? Darüber lässt sich nur spekulieren. Ich persönlich fände das jedenfalls einleuchtend.

Wenig einleuchtend hingegen, um es vorsichtig auszudrücken, fand ich das, was sich in den ersten Minuten des Spiels auf den Rängen abgespielt hat. USP auf der Süd bringt den auch schon in Dresden gebrachten neuen Opener mit „Ganz Hamburg hasst die Polizei“. Auf der Gegengerade versuchen mehrere Grüppchen gleichzeitig „Aux Armes“ anzustimmen und wundern sich dann auch noch, wenn es ein heilloses Durcheinander gibt. Schuld daran ist aus Sicht der meisten natürlich USP. In den ersten rund fünf Minuten wird auch tatsächlich in diversen Ecken der Gegengerade so mancher Gesang angestimmt, doch endet das meiste in Kanon und Kakophonie. Gesänge von USP hingegen werden weitgehend boykottiert. Mich überkommt das Gefühl, in diesem doch irgendwie potentiell wichtigen und durch den kommenden Abriss der Gegengerade auch sehr emotionalen Spiel, fast nur von Trotzköpfen und zickigen Kleinkindern umgeben zu sein. Wenn dabei wenigstens tatsächlich so etwas wie ein Roar entstanden wäre, dann könnte ich die Fraktion Anti-USP ja sogar noch verstehen. Stattdessen herrschte weitgehend Schweigen und Diskussion darüber, wenn jetzt Bier holen geht. Einzig der kleine Haufen Kutten und hier und da mal kleine Grüppchen scheinen überhaupt an so etwas wie Support interessiert zu sein. Bei so einer Scheiße gehe ich nächste Saison echt lieber auf die Süd, auch wenn die Gegengerade mir eigentlich sehr am Herzen liegt.

Erst später, als St. Pauli sicher führt und noch mehr als das Gerücht durch das Stadion eilt, Duisburg wäre in Führung gegangen, wird es auch auf der Gegengeraden laut. Noch ironischer freilich ist die Tatsache, dass von Seiten der Ultragegner_inmen fast ausschließlich Besinnliches und Melodisches Marke „Que sera sera“ und „Tüdelband“ angestimmt wurde. Ich dachte immer Schalala wäre scheiße…

Am Ende jedoch bin ich irgendwie wieder versöhnt. Diese Reibung aneinander gehört wohl auch irgendwie dazu bei St. Pauli. Und das kollektive Rausreißen der Plastikschalensitze und der verkehrtrume Blocksturm, als Ordner_innen verhindern wollen, dass die Anwesenden die Sitze einfach so mitnehmen statt sie zu bezahlen, wie der Verein in seiner Dreistigkeit es wünscht, hat auch irgendwie Charme. Und dann ist Sommerpause. Irgendwie schade. Irgendwie aber auch egal, denn bald ist ja auch Antira-Trunier und überhaupt…

Ein Spiel mit alles drin


Tennis Borussia Berlin – SC Staaken 3:1 (1:0)

Freitag, 04.05.2012, 19.30 Uhr, Mommsenstadion, Berlinliga (Männer)

Die Menschen aus Staaken mögen mir bitte verzeihen, dass ich erst das Internet fragen musste, wo zur Hölle dieser Ort bitte schön liegt. Jetzt weiß ich, dass es ein Stadtteil im Berliner Bezirk Spandau ist, der auf ein Dorf zurück geht, dass bereits im 13. Jahrhundert urkundlich erwähnt worden ist. Außerdem wurde Katharina Witt hier geboren. Na dann, wieder was dazu gelernt…

Mit Fußball hat das freilich allerdings eher wenig zu tun. Dabei kann der SC Staaken tatsächlich auf eine durchaus beachtliche und lange Geschichte zurückblicken und auch in der laufenden Saison zeigt die Kampfmannschaft des Vereins eine für einen Aufsteiger mehr als beachtliche Leistung. Der Klassenerhalt ist seit Ewigkeiten gesichert und der Vorsprung auf die Gastgeber des heutigen Spieltages beträgt vor der Partie annähernd zwanzig Punkte. Im Fußball sind das Welten. Der Abstand zum Tabellenersten Altglienicke ist allerdings ebenfalls beträchtlich und insofern geht es für die Kicker vom westlichen Stadtrand eigentlich nur noch darum, die Saison anständig und möglichst unverletzt zu Ende zu bringen. Für TeBe dagegen geht es noch immer um den Klassenerhalt.

Dementsprechend gehen die Lila-Weißen dann auch um einiges aggressiver in die Partie und erarbeiten sich von Beginn an immer wieder gute Möglichkeiten. Völlig verdient und nahezu folgerichtig gehen sie dann auch bereits in der 12. Minute durch Gino Krumnow in Führung, auch wenn die Entstehung des Tores dann doch etwas kurios anmutete. Auch in der Folge blieben die Gastgeber spielbestimmend. Erst in der 37. Minute kam Staaken zu seiner ersten guten Chance, doch Keeper Dennis Rahden kann parieren. Sein Gegenüber auf der anderen Seite hat jedoch weniger Glück. In der 42. Minute wirft er sich knapp vor dem Sechzehner mutig doch leider auch etwas grobmotorisch in den Angriff eines TeBe-Spielers, holt diesen von den Beinen und fliegt dafür regelkonform, aber doch auch ein wenig unglücklich wegen Notbremse vom Feld.

Nach diesem Platzverweis und bei der vorhandenen Führung stehen für die zweite Halbzeit also alle Zeichen auf Heimsieg, und doch kommt erstmal alles anders. In der 52. Minute schließt Gigold für die Gäste einen Konter ebenso formvollendet wie erfolgreich ab, und plötzlich steht es 1:1. In den Minuten darauf entspinnt sich ein offener Schlagabtausch mit sehr guten Chancen auf beiden Seiten. Als in der 74. Minute bei den Gästen auch noch Ehm mit Gelb-Rot (es wird gemunkelt, dass es Handspiel war) vom Platz muss, ist TeBe mit zwei Spielern mehr eindeutig am Drücker. Nur fünf Minuten später erzielt dann auch Benjamin Hendschke für die Gastgeber die erneute Führung. Von da an überschlagen sich die Ereignisse. Die Fans der Lila-Weißen haben noch gar nicht ganz ausgejubelt, da gibt es nach Gewusel im Strafraum aus aus der ferne unerklärlichen, aber sicher irgendwie berechtigten Gründen Elfmeter für Staaken. Der Strafstoß wird jedoch äußerst schlecht geschossen und Torhüter Rahden gelingt es den Ball in der rechten unteren Ecke sicher abzufangen. Der Jubel im Stadion ist ohrenbetäubend und spätestens jetzt ist bei den Gästen die Luft raus. Hendschkes zweites Tor in der 86. Minute, der (Zitat des Stadionsprechers) „von der 15 Yards-Linie einfach mal trocken abgezogen“ hatte, macht dann den Sack endgültig zu, auch wenn TeBe noch zwei Hochkaräter links liegen lässt bzw. rechts vorbeisemmelt.

Mit dem Abpfiff gibt es im E-Block noch eine kleine Pyroeinlage. Immerhin ist das Team dem Klassenerhalt mit diesem Sieg in einem turbulenten Spiel ein gutes Stück näher gekommen, und außerdem hat die zweite Mannschaft auch noch vorzeitig den Aufstieg in die zweitunterste Liga klar gemacht. Achja, und Geburtstag hatte auch noch irgendwer… Wunderbarer Auftakt zu einem hoffentlich gelungenen Fußballwochenende!

Ganz Hamburg und Rostock hassen die Polizei


FC St. Pauli FC Hansa Rostock 3:0

Sonntag, 22.04.2012, 13.30 Uhr, Millerntorstadion, 2. Bundesliga (Männer)

Wenn St. Pauli und Rostock aufeinander treffen, dann ist immer Pfeffer drin, doch in diesem Fall bemühte sich die Hamburger Polizei durch das Verbot des Ticketverkaufs an Gästefans noch einmal nach Kräften nachzuwürzen. Der Plan, die Lage enspannter und leichter zu kontrollierbar zu machen, ist jedenfalls mal kräftig in die Hose gegangen. Geschehen ist einiges. Deshalb hier ein Versuch der schematischen Aufarbeitung:

1. Auf dem Spielfeld

St. Pauli war von Beginn an überlegn und siegte verdient 3:0 gegen Rostocker, von denen zuminest gegen Ende aufgegeben zu haben schienen. Eine Einstellung, die weder der Verein noch seine Fans geschweige denn die eigenen Mitspieler verdient haben, auch wenn es in der Tat sehr schwer werden dürfte für Hansa, doch noch die Klasse zu halten. Spieler des Spiels war zweifelsohne Marius Ebbers der zwei Tore selbst erzielte (12. und 49. Minute) und das dritte für Bartels auflegte (79. Minute). Viel besser kann ein Spieler in einem Zweitligaspiel nicht spielen – und das nach der doch recht langen Durststrecke in Teilen der Saison. Tiefster Respekt!

2. Vor dem Spiel

Für einen Teil der beiden Fanszenen egann der Tag sehr früh. Etwa 1.700 Rostocker_innen trafen sich um 11 Uhr am Bahnhof Altona und zogen von dort aus Medienangaben zufolge friedlich in einer angemeldeten Demonstration durch die Straßen Altonas. Um 10.30 Uhr, also sogar noch etwas früher, aber ebenso friedlich zogen etwa 300 Anhänger_innen des FC St. Pauli vom Schanzenviertel aus in einem Trauermarsch zum Südkurvenvorplatz. Mit Sarg, Kranz, Blumen und Kerzen wurde dort symbolisch die Fankultur zu Grabe getragen. Die Rufe, die den Zug begleiteten richteten sich ausschließlich gegen die Polizei, deren Führung ja durch ihre polizeistaatliche Anordnung des Ausschlusses einer ganzen Fanszene, die dadurch mal ganz nebenbei auch noch unter Generalverdacht gestellt wird, den ganzen Schlamassel ja überhaupt erst ausgelöst hatte.

3. Vor der Südkurve

Etliche – die Zahlen reichen von 800 bis 2.000 – St. Pauli-Fans, die überwiegend aus den Spektren Ultras und organisierte Fans kamen hatten sich darüber hinaus vor dem AFM-Container auf dem Südkurvenvorplatz getroffen, um dort kollektiv die Radioübertragung des Spiels zu hören und durch den Boykott des Stadionbesuchs ihren Protest auszudrücken. Die Stimmung dort war gut, die Übertragung aber leider nicht wirklich laut genug, um dem Spiel effektiv folgen zu können. Gejubelt und ab und an auch gerufen wurde trotzdem. In der Halbzeitpause kam es dann noch zu einem Tumult direkt vor der Südkurve. Ein junger Mann mit hellem Haar und blutigem Gesicht wurde von St. Pauli-Fans verfolgt und konnte in den Bürotrakt des Stadions fliehen. Er soll eine Thor Steinar-Jacke getragen haben. Das wäre dann aber auch wirklich ziemlich fahrlässig gewesen. Dass die Dinger in gewissen Gegenden, zu denen St. Pauli sicher gehört, gesundheitsschädigend sein können, ist schließlich weithin bekannt…

4. Auf den Rängen

Ich war in der zweiten Hälfte kurz drin, um mir selbst ein Bild zu machen und mitredcn zu können bei den zu erwartenden Diskussionen. Dass ich dadurch auch das 3:0 live gesehen habe, ist natürlich ein netter Bonus. Mir war aber auch sofort klar, dass die üblichen Verdächtigen im stpauli-forum sich ihre Münder zerreißen würden, wie megageil das war ohne USP und ohne Schalala. Endlich wieder so wie früher, denn da war ja bekanntlich alles besser… In der Tat wurde auf der Gegengerade ziemlich viel gesungen und auch auf der Süd gab es halbwegs okayen Support. Dem unkoordinierten Singsang seinen anarchischen Charme absprechen läge mir auch fern, doch was wirklich Bände sprach, was was das gesungen wurde. Nahezu jeder Gesang, der da kam – von Reeperbahn bis XY Fußballgott – wurde exakt so schon vor zwanzig Jahren gesungen. Einzig der Block 1 brachte hin und wieder auch mal etwas interessanteres zu Stande. Wo sind all die tollen Lieder mit mehr als fünf Wörtern im Text hin, die wir alle noch vor zwei Wochen gesungen – und auch gerne gesungen – haben? Vielleicht hilft ein wenig Koordination da doch… Ich würde jedenfalls diverse Körperteile darauf verwetten, dass mit den Leuten die draußen standen, mit USP und Trommel und Megaphon ein Spiel wie dieses 3:0 gegen Rostock der schiere Wahnsinn mit Gänsehaut bis Mittwoch gewesen wäre. So aber war es halt ein gutes Spiel mit guter Stimmung. Mehr aber auch nicht. Vor allem aber möchte ich mal die Frage in den Raum werfen, was wohl gewesen wäre, wenn nicht alles eitel Sonnenschein gewesen wäre, wenn Rostock nach 20 Minuten 2:0 geführt hätte. Dann erst hätten wir sehen können, wie viel das Publikum ohne Ultras und ohne die anderen aktiven Fans, die draußen standen, gebacken bekommt. Bei Siegen jubeln kann jede_r…

5. Rostocker im Stadion

Ungefär vierzig Rostocker_innen haben es doch irgendwie ins Stadion geschafft, ein blaues Banner mit „Ganz Rostock hasst die Polizei“ enrollt und ihr Team nach Kräften unterstützt, was von der Mehrheit der St. Paulianer_innen mit Wohlwollen aufgenommen wurde. Bei aller Rivalität ist polizeiliche Repression halt doch noch schlimmer als der Verein mit der Kogge im Wappen.

6. Hinterher

Schon kurz vor Schlusspfiff hatte das Geschehen draußen sich zunehmend auf die Budapester Straße und vor das Jolly Roger verlegt. Polizeifahrzeuge wurden beworfen und die Polizei reagierte entsprechend. Über 1.500 Polizist_innen im Einsatz sind immerhin schon eine kleine Armee. Trotzdem wurde auch der HSV-Treffpunkt Tankstelle nahe dem Hans-Albers-Platz entglast und die Polizei immer wieder und an verschiedenen Orten angegriffen. Es gab zehn Fest- und sieben Gewahrsamnahmen. Ob das jetzt nötig oder zielführend war, mag jede_r für sich entscheiden. Ich würde ja sagen, dass derart viel Polizei wahrscheinlich so ziemlich überall auf wenig Gegenliebe stoßen würde. ACABAB und so…

PS: Auch lesenswert zum Thema sind u.a. Übersteiger, magischerfc und metalust!

Kein Wunder an der Weser


SV Werder BremenFC Bayern München 1:2

Samstag, 21.04.2012, 15.30 Uhr, Weserstadion, Bundesliga (Männer)

Die Frage, weshalb ich bis dato noch nie bei einem Heimspiel des SVW gewesen war, gehört zu den bisher ungelösten Rätseln der Menschheitsgeschichte. Immerhin lebte ich jahrelang nicht wirklich weit weg von Bremen und auch Möglichkeiten mal mit dem FC St. Pauli zusammen vorbeizuschneien hatte es eigentlich schon genug gegeben. Doch gut Ding will ja bekanntlich manchmal Weile haben.

Umso beeindruckter war ich dann doch, als ich die Fanräumlichkeiten unter der Ostkurve in Augenschein nahm, die wirklich kaum Wünsche offen lassen und auch das Stadion selbst gefällt. Nur die Akustik ist eher suboptimal. So war die Schickeria auf der Gegenseite während des gesamten Spiels nur ein oder zweimal überhaupt wahrzunehmen, obwohl im Gästeblock dem Augenschein nach zu urteilen recht fleißig supportet wurde. Schade, aber irgendwie verpufft der Schall da wohl irgendwo. Was mir als Freund der Stehplatzgeraden auch sofort auffiel war darüber hinaus die unsagbare Stille der Geraden im Weserstadion. Support aus Richtung der Seitenauslinien – komplette Fehlanzeige. In der Ostkurve dagegen war der Support durchaus gut und einige Lieder der dortigen Szene finde ich richtig geil – allen voran „Andree Wiedener“ und die Adaption von „Wonderful Days“.

Das Spiel verlief in etwa so wie ich erwartet hatte. Bayern unterschätzte die ersatzgeschwächten Bremer und kam mit seiner B-Elf ohne Gomez, Robben, Ribéry und andere mit den engagiert auftretenden Bremern nicht wirklich zurecht. Die ersten 45 Minuten über neutralisierten die Teams sich nahezu komplett, auch wenn es auf beiden Seiten gute Chancen gab. Kurz nach der Pause ging Bremen dann unerwartet, aber nicht unverdient durch Naldo nach einer Ecke in Führung (51. Minute) und die Ostkurve tobte. Die Bayern jedoch wirkten nach dem Rückstand wie aus ihrer Lethargie befreit und legten endlich ihre schon aus der Aufstellung abzulesene Überheblichkeit ab. Mit der Einwechslung von Ribéry bewies Trainer Heynckes dann ein goldenes Händchen, denn erst legt dieser mustergültig für Naldo auf, der den Ball ins eigene Tor grätscht (75. Minute) und dann erzielt der Franzose kurz vor Schluss auch noch den Siegtreffer für die Bayern (90. Minute). Bremen fehlte es an diesem Tage wie auch überhaupt schon seit Längerem einfach an personeller Substanz, um mit einem Team wie den Bayern über 90 Minuten voll mithalten zu können.

Die Frage, die mensch sich an der Weser stellen muss, ist die, ob der Aderlass, der dem Team nach Saisonende bevorsteht, eine nachhaltige Schwächung bedeuten wird oder ob ein personeller Umbruch gelingen wird. Letzteres ist Schaaf und Allofs ja schon öfters gelungen…

Rund ums Stadion blieb es trotz aufgeheizter Atmosphäre weitgehend ruhig. Das am ehesten Erwähnenswerte für den Rest des Tages war wohl der auch aus Berliner Sicht sehr leckere Falafel von Tandour im Viertel. Und außerdem werden sollte, dass es schon kackfrech von Mario Gomez war, beim Aufwärmen einfach mal vor statt hinter dem Tor lang zu joggen – während das Spiel lief…

Erster Sieg seit Anno Tobak


FC St. Pauli1. FC Union Berlin 2:1

Dienstag, 17.30 Uhr, Millerntorstadion, 2. Bundesliga (Männer)

Der Tag fing schon gut an mit Kaffee, 11Freunde und veganer Currywurst mit Pommes und Salat zum Frühstück im Backbord. Er ging auch gut weiter mit Platten Kaufen, im Fanladen Abhängen und Freund_innen vorm Jolly Treffen. Dann noch in der Schlange vor der Gegengerade einen ehemaligen Kommilitonen getroffen und erfahren, dass er gerade Vater geworden ist (Glückwunsch nochmal!) und tolle Choreo in der Südkurve zum Einlaufen der Teams. Alles dufte also! Doch dann kam das Spiel…

Nach den – vorsichtig gesprochen – mäßigen Leistungen der letzten Wochen hatte ich ja Schlimmstes erwartet, doch zu Beginn war St. Pauli tatsächlich deutlich feldüberlegen, doch vor dem Tor lief wie so oft einfach nichts zusammen. Das 1:0 für Union durch Karls Bogenlampenkopfball nach einer Ecke in der 32. Minute empfand ich, auch wenn Union klar nicht das bessere Team war, als irgendwie folgerichtig. Zu frei konnten die Berliner im Sechzehner kombinieren und zu wenig und zu spät wurden sie dabei gestört. Danach kam St. Pauli bis zur Pause noch genau einmal aussichtsreich vor das gegnerische Tor, doch vergab Naki, wie es ja auch kaum anders zu erwarten war. Überhaupt wirkte das Team unharmonisch. Es gab kaum Kommunikation zwischen den Spielern – weder verbal noch nonverbal. Nie ein gutes Zeichen so etwas. Was ist da nur los in dem Team?! Dann war zum, Glück Halbzeit und meine Laune war im Keller…

Nach Wiederanpfiff zunächst das gewohnte Bild. St. Pauli war überlegen, bekam aber nichts auf die Ketten. In der 59. Minute gelang dann doch Kruse per Distanzschuss der Ausgleich und die Anspannung begann sich ein wenig zu lösen. Zumindest sah es jetzt nicht mehr nach einer Niederlage aus, sondern „nur noch“ nach einem unansehnlichen Unentschieden. Bezeichnend war es auch, dass es ausgerechnet ein Distanzschuss war, der den Ausgleich brachte, wo doch das Team bis dahin vor allem und mit sehr wenig Erfolg auf Flanken und Kopfbälle gesetzt hatte. Offenbar war das nicht die bestmögliche Taktik gewesen…

Union wechselte dann Mattuschka ein und mir lief es kalt den Rücken herunter. Mattuschka ist der Typ Spieler, der in der Lage ist immer und überall auch ohne ersichtlichen Grund ein Tor zu machen. Er war es dann auch, der die einzig nennenswerte Chance der Gäste in der zweiten Hälfte hatte. Er vergab jedoch glücklicherweise. St. Pauli dagegen drehte auf und setzte voll auf Sieg. Zum ersten Mal seit Ewigkeiten erarbeitete sich das Team Chance um Chance, vergab sie aber auch ein ums andere Mal, wobei aber zugegebenermaßen auch Pech in Form von Aluminium im Spiel war. Ungefähr in der 80. Minute dann jubelte alles, aus den Boxen dröhnte Blurs „Song 2“ und die Leute um mich herum lagen sich in den Armen. Mir war das Ganze jedoch nicht ganz geheuer und ich sollte leider Recht behalten. Nach Protest von Berliner Spielern rief Schiedsrichter Welz Marius Ebbers zu sich und der gibt dann auch zu, dass er das Tor à la Maradonese – also per Hand – erzielt hatte. Folglich wurde es dann doch nicht anerkannt. Ebbers gebührt sicher Respekt für seine Ehrlichkeit, die Kinnladen der Hamburger Fans jedoch hingen noch tiefer als ihre Köpfe. Und dennoch war noch nicht alles verloren. Außerdem war St. Pauli nach Gelb-Rot für Trapp, der Zambrano Style zweimal kurz nacheinander derbe hingelangt hatte, seit geraumer Zeit in Überzahl. Die Gastgeber kamen immer wieder und erpielten sich auch immer wieder sehr sehenswerte Möglichkeiten. Mit den eingewechselten Saglik und Sliskovic waren mittlerweile ja aber auch sage und schreibe drei nominelle Stürmer bei den Hanseaten auf dem Feld. Bei einem Team, das nur vier Stürmer im Kader hat, ist das so ziemlich das Offensivste, was überhaupt nur möglich ist. Das entscheidende Tor in der 92. Minute erzielte dann aber dennoch Mittelfeldakteur Fin Bartels nach Vorlage von Verteidiger Schachten. Dafür war das Tor umso sehenswerter und Bartels war – zumindest für mich – ohnehin der beste Spieler auf dem Platz. Der Rest war Jubel und Trubel und Tohuwabohu. Fußball halt…

Un Morceau de Gatow


SC GatowTennis Borussia Berlin 2:2

Freitag, 06.04.2012, 14 Uhr, Sportplatz Gatow, Berlinliga (Männer)

Nicht wenige Anhänger_innen von TeBe hatten für die Auswärtsfahrt nach Gatow die Fähre über den Wannsee gewählt, doch weil mir das dann doch zu früh war, habe ich mich dann doch für die – immer noch mehr als einstündige – Anreise per S-Bahn und Bus entschieden. Gatow liegt halt doch eher ziemlich am Rand von Berlin – dafür ist es dort umso idyllischer.

Mit der Idylle war es aber schnell vorbei, denn auf Seiten TeBes waren viele nicht eben erfreut von der Neuigkeit, dass das Spiel nicht wie angekündigt auf dem Naturrasenplatz stattfinden würde, der in zu schlechtem Zustand sei, sondern auf einem kleinen Nebenplatz, dessen Kunstrasen eher an mit zu viel Sand bestreutes Moosgummi erinnerte und bei dem nicht auch nicht alle der mehreren Hundert Zuschauer_innen vernünftig dem Spielgeschehen würden können. Nach Ende der Halbzeitpause kam es aus diesem Grunde sogar zu einem Disput zwischen Spielern, Fans und Offiziellen, nachdem einige Zuschauer_innen – offenbar aus Protest – das Spielfeld bzw. die Laufbahn daneben betreten hatten. Der Schiedsrichter entschied sich dazu, die Teams wieder in die Kabine zu schicken und die zweite Hälfte erst mit einer Verzögerung von rund 30 Minuten anzupfeifen in der Hoffnung, die Gemüter hätten sich dann ein wenig beruhigt.

Rein sportlich gesehen sah es zu diesem Zeitpunkt für Tennis Borussia nicht wirklich rosig aus. Zwar hatten die Gäste mehr und auch bessere Torchancen, die vor allem aus schnellen Kontern und Standards resultierten, doch irgendwie führte dennoch Gatow. Die – zumindest den Trikots nach – graue Maus der Liga war zwar kaum vor das Tor der Lila-Weißen gekommen, zeigte aber eine ungeheure Effektivität dabei. TeBe sah zu diesem Zeitpunkt fast schon wie der zwar unglückliche, aber dennoch sichere Verlierer aus.

Die zweite Hälfte verlief dann aber doch gänzlich anders als die erste. Zwar hatten die Gemüter sich in der Tat beruhigt und auch die mit Senf verschmierte und dann ausgezogene Thor Steinar-Jacke eines Zuschauers blieb eine Anekdote am Rande. Doch vor den Augen der Zuschauer_innen, unter denen sich auch einige Gäste aus Spandau und Bayreuth befanden, entspann sich ein spannendes Spiel, das das Blut der Anwesenden wieder ordentlich in Wallung brachte. Die Anhänger_innen der Gatower waren außer sich ob der Leistung des Schiedsrichters, der jedoch – auch wenn TeBe ein, zwei gelbe Karte mehr hätte bekommen müssen – eine für die spannungsgeladene Situation durchaus okaye Leistung ablieferte. Die zwei gelb-roten Karten für die Hausherren waren jedoch nicht eben dazu geeignet, sich bei ihnen beliebt zu machen. Dabei waren beide leider völlig berechtigt. Die erste gab es nach wiederholtem gelbwürdigen Foulspiel. Die zweite holte sich ein Spieler ab, der erst einen Gegenspieler foulte und sich dann über die angebrachte gelbe Karte lautstark und nicht eben mit vornehmer Wortwahl beim Schiedsrichter beschwerte. Wer so etwas macht, muss halt damit rechnen, früher duschen zu gehen… Doch wahrscheinlich wäre das auch alles noch erträglich gewesen für die Gatower_innen, wenn Dogukan Topuz, nachdem kurz zuvor Beyazit Taflan bereits den Anschlusstreffer erzielt hatte, nicht noch in der Nachspielzeit den unterm Strich verdienten Ausgleich erzielt hätte.

Manchmal schreibt der Fußball halt Geschichten, die besser sind als jedes Drehbuch. TeBe bleibt damit einen Punkt vor Gatow, verpasst aber die Möglichkeit Anschluss an die einstelligen Tabellenplätze zu finden. So aber müssen beide Teams weiter zumindest ein Auge nach unten richten, denn zumindest Hermsdorf und die Füchse, die derzeit beide auf Anstiegsrängen stehen, sind durchaus noch nicht so weit weg, als dass sie nicht doch noch aufschließen könnten. Trabzonspor und der BFC Preussen können die Saison wohl so langsam endgültig abhaken.

Vierhundert Arosa schlitzverstärkt mit kurzem Arm


Deportivo Latino IITennis Borussia II 1:0

Sonntag, 01.04.2012, 12 Uhr, Sportplatz Aroser Allee, Kreisliga C Staffel 1 (Männer)

Eigentlich wollte ich ja zum Flohmarkt am Mauerpark, aber als ich dann aus dem Fenster sah und Sonnenschein erblickte und mir das Internet dann auch noch mitteilte, dass mich die U8 quasi direkt von meiner Haustür aus zum Spiel von TeBe II fahren würde, da hat mich dann doch das Ballfieber gepackt. Außerdem erinnert der Name des Sportplatzes mich derbe an Loriot… Also schnell Kaffee und Brötchen unter den Arm geklemmt und ab nach Reinickendorf.

Zu meinem Glück hatte das Spiel mit einer Viertelstunde Verspätung begonnen, denn so kam ich trotz meiner notorischen Unpünktlichkeit noch in den Genuss von eineinhalb Halbzeiten. Weniger geil hingegen war die Tatsache, dass TeBe bei meiner Ankunft schon durch einen Elfmeter 0:1 hinten lag. Dass das auch für den Rest des Spiels das einzige Tor bleiben würde, wusste ich da ja aber auch noch nicht, und das Spiel wirkte durchaus so, als würde TeBe es noch drehen können. Beide Teams waren enorm ersatzgeschwächt. TeBe lief gleich mit vier Neuen auf. Entsprechend schlecht eingespielt wirkte vieles auf dem Platz. Dennoch waren die Gäste über weite Strecken des extrem fairen Spiels deutlich überlegen.

Was TeBe auch in die Hände spielte war die nicht eben überragende Körpergröße des Deportivo-Keepers. Bei hohen Bällen und Ecken hatte er sichtlich Mühe an den Ball zu kommen. Doch irgendwie hielt er bis zum Schluss seinen Kasten sauber, obwohl TeBe gerade in der Schlussviertelstunde mächtig Druck machten. Deportivo wirkte insgesamt ziemlich harmlos, kann sich aber dank der drei erkämpften Punkte endlich mal etwas deutlicher vom Tabellenende absetzen. TeBe hat dagegen bei einem Spiel weniger noch immer zehn Punkte Vorsprung auf einen Nichtaufstiegsplatz. In zwei Wochen Sonntag gibt es dann zuhause gegen den Tabellenführer Victoria Mitte ein echtes Spitzenspiel, das hoffentlich mehr Zuschauer_innen finden wird, als die fünf TeBe-Fans, die in Reinickendorf zugegen waren.

Dem Himmel so nah…


THC Franziskaner FCRoter Stern Nordost 0:0

Samstag, 31.03.2012, 12 Uhr, Metro Fußballhimmel, Freizeit-Landesliga Staffel 1 (Männer)

Hätte ich vorher den Wetterbericht gelesen, ich wäre wohl zu Hause geblieben, doch die Verlockung gleich zwei Teams mit links-alternativem Background im direkten Duell auf dem Dach eines Großmarktes zu sehen, war dann doch zu verlockend. Der Metro Fußballhimmel liegt verkehrstechnisch zum Glück äußerst günstig und so macht es auch nichts, dass ich verschlafen habe. Zumindest dachte ich das, weil ich ja auch dachte, das Spiel würde um 12.30 Uhr anfangen. Da es aber schon um Schlag Zwölf begonnen hatte, kam ich mit meinem Kaffee und meinem Franzbrötchen in der Hand dann doch etwas zu spät. Die Teams hatten sich bis dahin aber auch netterweise mit sehenswertem Fußball zurückgehalten, wie mir mitgeteilt wurde.

Mit dieser Zurückhaltung war es dann aber doch vorbei, denn eigentlich war das Spiel recht flott und es gab Chancen hüben wie drüben. Die besseren hatten dabei ganz klar die Gastgeber. Daran änderte auch die gelb-rote Karte in der 70. Minute nichts, die sich ein Franziskaner-Spieler durch Foulspiel und anschließendes Meckern einhandelte. Fünf Minuten später wurde ihnen dann noch durch eine zumindest fragwürdige Abseitsentscheidung ein Tor aberkannt, und der hervorragend geschossene Freistoß kurz vor Schluss wurde vom Keeper des Roten Stern noch mit Müh und Not aus der linken unteren Ecke gefischt. Somit blieb es bei dem Für die Gäste etwas schmeichelhaften, aber auch nicht völlig unverdienten torlosen Unentschieden. Der THC Franziskaner FC bleibt damit weiter Tabellenführer. Der Rote Stern hat mit acht Punkten Rückstand nur noch theoretische Chancen auf den Aufstieg, aber davon hatten sie in den vergangenen Jahren ja auch eigentlich schon eine ganze Menge da oben im Nordosten.

Als Ground ist der Metro Fußballhimmel definitiv sehenswert. Wo sonst gibt es schon ein Spielfeld mit Blick auf Stalintürme, Berghain und O2 World? Allerdings wäre besseres Wetter ohne Regen, Hagel, Graupel, Sturm und Gewitter um einiges angenehmer gewesen. Und Tore wären auch nett gewesen, aber dafür hat es ja in Frankfurt auf der M31-Demo einige Treffer gesetzt…