Archiv der Kategorie 'sankt pauli'

MOPO OMG WTF

Die Hamburger Morgenpost hat vor dem heutigen Spiel von St. Pauli gegen den VfL Bochum mal wieder das ganz große Niveau ausgepackt…

27.01. St. Pauli: Holocaustgedenkveranstaltung

Im Cluheim des FC St. Pauli findet am 27.01, dem internationalen Holocaustgedenktag aka. Jahrestag der Befreiung des KZs Auschwitz, eine Gedenkveranstaltung für die Opfer des Nationalsozialismus statt:

Am 27.​01.​2012 um 18 Uhr ver­an­stal­tet der Fan­la­den St. Pauli im Club­heim des FC St. Pauli zum drit­ten Mal eine Ver­an­stal­tung zum in­ter­na­tio­na­len Ho­lo­caust­ge­denk­tag. Der the­ma­ti­sche Schwer­punkt wird in die­sem Jahr auf der Ver­fol­gung Ho­mo­se­xu­el­ler lie­gen.

Zu Be­ginn der Ver­an­stal­tung re­fe­riert der His­to­ri­ker Mo­ritz Ter­floth über Ho­mo­se­xu­el­len­ver­fol­gung im Na­tio­nal­so­zia­lis­mus. Da­nach be­rich­tet der Spre­cher des Netz­wer­kes Queer Foot­ball Fan­clubs Dirk Brüllau über Dis­kri­mi­nie­rung im heu­ti­gen Fuß­ball all­ge­mein und über den FC St. Pauli im spe­zi­el­len.

Nach den Vor­trä­gen be­steht die Mög­lich­keit, an die Re­fe­ren­ten Fra­gen zu stel­len sowie an­ge­regt und offen zu dis­ku­tie­ren. An­schlie­ßend wol­len wir ge­mein­sam an der Ge­denk­ta­fel für die Opfer des Na­tio­nal­so­zia­lis­mus vor der Süd­tri­bü­ne einen Kranz nie­der­le­gen sowie eine Schwei­ge­mi­nu­te ein­le­gen.

Zum Ab­schluss laden wir zu einem ge­müt­li­chen Bei­sam­men­sein bei Tee und Glüh­wein wie­der­um ins Club­heim ein.

Pressemeldung von BAFF

Jetzt meldet auch das Bündnis aktiver FußballFans sich zu Wort in der Causa Schweinske Cup:

Das Bündnis Aktiver Fußballfans verurteilt den erneuten Einsatz von Pfefferspray in einer Menschenansammlung und kritisiert die Form der Berichterstattung zum Abbruch des Hamburger Hallenfußballturniers.

Bis auf wenige Ausnahmen wurden in den Medien statt selbst recherchierter Erkenntnisse lediglich Informationen der Polizei abgedruckt und nicht entsprechend gekennzeichnet oder der Text von Presseagenturen übernommen. Der durch die Verbindung von Halbwahrheiten mit Zahlen aus dem Polizeibericht entstandene Eindruck weicht deutlich von den Schilderungen der Betroffenen und Augenzeug_innen ab.

Weder die Rolle der Polizei noch eine Verantwortung des Veranstalters werden thematisiert und teilweise werden Abläufe nicht korrekt wiedergegeben.
Statt den Angriff der Vfb Lübeck- und HSV-Fans als solchen zu benennen, ist die Rede von einer zwischen allen drei Fanszenen verabredeten Auseinandersetzung im Hooligan-Style und ein politischer Hintergrund des Konflikts wird ebenso wie die diskriminierenden und judenfeindlichen Rufe der „Gäste“ komplett ausgeblendet. Auf die offizielle Stellungnahme des FC Sankt Pauli schließlich reagieren Teile der Presse mit Skepsis und einer Interpretation von einseitiger Schuldzuweisung.
Abgesehen davon, dass hier weder Boulevardmedien noch vermeintlich seriöse Zeitungen ihrem Auftrag nachgekommen sind, führt eine derartige Berichterstattung zu weiterem Misstrauen gegenüber der Presse.
Für besonders perfide erachten wir in diesem Zusammenhang – und dies nicht zuletzt unter den Eindrücken um die sog. Zwickauer Neonazi-Zelle und vor dem Hintergrund der Forderung couragierten Auftretens gegen Rechtsextremismus-, dass einzelne Medien die Aussage des Organisationsleiters und Sicherheitschefs vom FC Sankt Pauli, Nazis sollten im Sankt Pauli-Block durchaus auch „das Gefühl haben“, „gesundheitlichen Schaden“ zu nehmen, als allgemeine Legitimierung von Gewalt deuten.

Nachdem es im letzten Jahr bei Fußballspielen mehrfach zu Verletzungen durch den Einsatz von Pfefferspray in Menschenmengen kam – exemplarisch seien hier die Begegnungen Rot-Weiß Erfurt / Darmstadt 98, Hannover 96 / FC Bayern München und SGE Frankfurt / Karlsruher SC genannt –, stellen die Vorgänge in der Alsterdorfer Sporthalle einen neuen Negativrekord dar.
Vorgeblich als Distanzmittel zur Abwehr von „Störern“ und als Mittelweg zwischen körperlicher Abwehr durch Schlagstockeinsatz und Schusswaffengebrauch gedacht, wurde am Freitag in Hamburg Pfefferspray häufig präventiv und in Verbindung mit Schlagstöcken auch gegen vermeintlich nicht angreifende Menschen eingesetzt. Fehlende Zielgenauigkeit führte dazu, dass neben den angeblich abzuwehrenden Gewalttäter_innen auch Kinder, ältere Menschen und die Beschäftigten an den Verkaufsständen in Mitleidenschaft gezogen wurden. Sowohl in der Halle als auch bei den Toiletten wurde Pfefferspray eingesetzt, das bis in den Umlauf zog. Beim Abtransport der FCSP-Fans wurde in einen voll besetzten S-Bahn-Wagen ebenfalls Pfefferspray gesprüht.
Mag es vom Standpunkt der Polizei aus noch nachvollziehbar sein, dass „gewalttätige“ Fußballfans durch solche Einsätze gesundheitlichen Schaden erleiden können, zeugt die Aussage Rüdiger Reedwischs von der Deutschen Polizeigewerkschaft zu den gesundheitlichen Risiken für Kranke von menschenverachtendem Zynismus: „ Wir können nicht jeden fragen, ob er irgendwelche Medikamente nimmt. Wer sich ordnungsgemäß verhält, kriegt kein Pfefferspray ab.“ (Neues Deutschland vom 9.11.2011)
Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, warum bereits vor Beginn des Turniers eine derart hohe Anzahl an Krankenwagen vor der Halle stand.

Bedauerlicherweise führte die Expertenanhörung des Innenausschusses zum Einsatz von Pfefferspray im November letzten Jahres zu keinem positiven Ergebnis, so dass von weiteren willkürlichen Einsätzen auszugehen ist, bei denen lebensgefährliche Verletzungen von der Polizei in Kauf genommen werden.

Stellungnahme des FC St. Pauli

Es kommt selten vor, dass eine offizielle Stellungnahme sich noch drastischer liest als die Augenzeug_innenberichte zuvor, ddch in diesem Fall ist es mal so. Mit viel Akribie haben die Verantwortlichen beim FC St. Pauli einen Text verfasst, der eine detailiertere Übersicht über das Geschehene bietet als jeder andere Text zuvor. Es ist schlicht unfassbar, wie beschissen sich die Polizei verhalten hat und wie blind diverse Medien jeden Scheiß reproduzieren auf der Suche nach der wilden Fußballrandale (ganz schlecht heute auch die Süddeutsche Zeitung…). Der Verein findet da zwar andere Worte für, aber das gehört wohl dazu. Hier ein paar Auszüge:

…Es kam zu Schmährufen wie „Schwule, Schwule“, „Judenkinder“, „Zick Zack Zigeunerpack“ und Ähnliches. Ein Vorgehen seitens des Veranstalters oder der Polizei gegen diese Sprüche war nicht erkennbar. Auch hier müssen wir der o.g. Polizeimeldung widersprechen: Von Fans des FC St. Pauli wurde zu diesem Zeitpunkt keine Konfrontation mit den Lübecker Fans gesucht. Vielmehr hörten u.a. Journalisten auf der Westtribüne Gespräche Lübecker Fans mit, in denen diese sich gegenseitig darüber informierten, gar darüber lustig machten, wie einfach es sei, die Sperren zu umgehen und zu den St. Pauli-Fans zu gelangen. Diese Beobachtungen wurden der Polizei gemeldet, jedoch offensichtlich ohne einen erkennbaren Effekt…

…Kurz darauf trieb die Polizei die St. Pauli-Fans die Treppe hoch in den Eingangsbereich der Halle. Hierbei wurde ein 20-jähriger, der zur Toilette wollte, von einem Beamten mittels Quarzhandschuh o.ä. bewusstlos geschlagen. Andere Fans trugen den Bewusstlosen zum Rettungsdienst, der ihn ins Krankenhaus einwies, in dem er bis zum späten Abend des Folgetages verbleiben musste…

…Hier ist also festzuhalten, dass es sich bei dem in den Medien erwähnten und von Veranstalterseite beklagten „Sturm auf den VIP Bereich“ nicht um einen Versuch handelte, dort Straftaten zu begehen, sondern um eine Flucht vor der heranrückenden Polizei. Hierbei wurden auch Verletzte aus dem Hallenumlauf in Sicherheit gebracht, u.a. ein 72-Jähriger Mann, der durch Reizgas stark angegriffen war. In dieser Situation wurde auch ein Mitglied des Aufsichtsrats des FC St. Pauli von mehreren Knüppelschlägen getroffen…

…Es wird deutlich, dass sich der Gesamtablauf deutlich komplexer darstellt, als er kurz nach den Ereignissen in der Öffentlichkeit zusammengefasst wurde. Der FC St. Pauli ist der Ansicht, dass der Beginn der Auseinandersetzungen auch durch handwerkliche Fehler in Planung und Durchführung seitens des Veranstalters und der Polizei ermöglicht wurde. So hat man die verhältnismäßig kleine Lübecker Gruppe viel zu lange ungestört agieren lassen und diese sogar im Nachhinein unbehelligt wieder zum Hauptbahnhof gebracht. Hierfür fehlt uns jedes Verständnis…

Die ganze Stellungnahme gibt es [hier].

So schön könnte Hallenfußball sein

So schön hätte der ganze Schweinske Cup sein können, wenn keine rechten Hools aus Lübeck oder Stellingen vor Ort gewesen wären…

Skandal beim Schweinske Cup

Medien- und Fanberichten zufolge ist es am heutigen Abend etwa 80 Hools von VfB Lübeck und Hamburger SV in Zusammenarbeit mit der Hamburger Polizei gelungen, die Gewalt beim diesjährigen Schweinske Cup derart eskalieren zu lassen, dass das Turnier abgebrochen werden musste.

Die Polizei schaffte es erst nicht einen Angriff der Hools, die auch vorher schon durch homophobe, nationalistische, antiziganistische und wasnichtnochalles Sprüche aufgefallen waren, auf den St. Pauli-Block zu unterbinden und entschied sich danach dazu lieber auf die Anhänger des Hamburger Stadtteilvereins loszugehen während die rechten Aggroprolls freie Bahn hatten und sich einzelne St. Paulianer_innen greifen konnten bzw. dies zumindest versuchten.

Dass es danach zu weiterer Gewalt in der und auch um die Halle kam und dabei sicher auch Anhänger_innen des FC St. Pauli nicht nur defensiv agiert haben, ist nur eine logische Konsequenz daraus, dass die Polizei von Anfang an nicht geschnallt hat, von wem hier das Bedrohungspotential ausgeht. Wer – wie in diesem Fall – rechte Schläger_innen schützt und sie mehr oder weniger frei herumprügeln lässt, ist a) auf dem rechten Auge zumindest halbblind und zudem voll und ganz dafür verantwortlich, wenn die Lage eskaliert.

Dass es von vornherein eine dumme Idee war, den VfB Lübeck einzuladen, von dem leider nur zu gut bekannt ist, dass dort eine ganze Menge rechtes Pack herumlungert und das nicht erst seit gestern, kommt hinzu… Trotzdem trifft die Hauptschuld auf organisatorischer Seite ganz klar die Hamburger Polizei, die das erstens hätte kommen sehen können und zweitens wenigstens halbwegs angebracht hätte reagieren können. Kein Wunder, dass diese Truppe von uniformierten Raufbolden nicht nur von ganz Berlin gehasst wird…

Einen sehr persönlichen, aber ungemein lesenswerten Bericht gibt es auf dem Blog magischerfc, einen kurzen Kommentar bei Supra und auch die Mopo und der NDR haben schon was am Start. Da wird die Tage sicher noch einiges zu geschrieben werden…

Edit: Interessant auch der Bericht bei Sitzblogade.

Edit 2: Sehr viel Richtiges sagt auch der Artikel auf Publikative.

Edit 3: In der immer größer werdenen Welle von Artikeln sei hiermit der Kommentar des Übersteigers besonders empfohlen!

PS: Fickpisse!

Werfer hat sich gemeldet

Die Gemüter beim FC St. Pauli kochen hoch derzeit. Da hilft auch der Heimsieg gegen Eintracht Frankfurt nichts. Der Wurf einer Kassenrolle, die den Frankfurter Pirmin Schwegler getroffen hat, spaltet die Fanszene. Das Niveau dabei ist so tief gesunken, dass das viel frequentierte St. Pauli-Forum von den Moderator_innen geschlossen wurde. Grob gesagt verläuft die Frontlinie zwischen jenen, die das Ganze für unheimlich schlimm, vereinsschädigend und den Sport kaputt machend halten, und denen, die auf Verhältnismäßigkeit pochen und die Kirche im Dorf lassen wollen. FVL verortet sich hierbei klar bei letzteren, weil law and order einfach Moppelkotze ist. Die von der Pro-Verhältnismäßigkeit-Fraktion gestützte These, es könne sich ja auch um ein Versehen gehandelt haben, wurde nun vom Werfer der Kassenrolle selbst bestätigt, der sich gestern an Verein und Fanladen wandte. Hier die offizielle Mitteilung dazu von Seiten des Vereins:

Am gestrigen Mittwoch kam er in die Geschäftsstelle. Dort konnte er im Gespräch mit den Verantwortlichen glaubhaft versichern, dass es sich bei dem Wurf um ein Versehen handelte, da sich die Kassenrolle durch eine Verkettung unglücklicher Umstände nicht in der Luft abgerollt hatte, sondern als Wurfgeschoss in den Innenraum geflogen ist. Der 20-jährige Abiturient, der mit seinem Vater zu dem Gespräch erschienen war, entschuldigte sich in aller Form: „Mir tut es unfassbar leid. Ich hatte nie die Absicht, jemanden zu treffen oder zu verletzen. Die Aktion im Anschluss mit dem Wechseln der Kleidung war eine reine Panikreaktion von mir.“ Durch die Vermittlung des Fanladens hat sich der Werfer auch bereits persönlich bei Pirmin Schwegler entschuldigt.

In der Stellungnahme, die der Verein am heutigen Donnerstag beim DFB abgegeben hat, wurden die Aussagen aus dem Gespräch mit aufgenommen.

„Wir werden nach Erhalt des Urteils durch den DFB unter Berücksichtigung der Umstände des Geschehens ein vernünftiges Gleichgewicht zwischen notwendiger Sanktionierung und unserer sozialen Verantwortung finden. Allerdings muss nun auch dem Letzten klar sein, dass zu keiner Zeit während eines Spiels Gegenstände in Richtung des Innenraums geworfen werden dürfen“, erklärte Stefan Orth, Präsident des FC St. Pauli.

Das Urteil des DFB wird im neuen Jahr erwartet.

Das wird sicher nicht das letzte sein, was wir zu diesem Thema zu hören bekommen. Stay tuned!

Bald ist Weihnachten


FC St. PauliEintracht Frankfurt 2:0

Montag, 19.12.2011, 20.15 Uhr, Millerntorstadion, 2. Bundesliga (Männer)

Es war kalt am Millerntor. Knapp über null Grad. Zum Glück ist jetzt erstmal Winterpause. Aber vorher wollte de FC St. Pauli noch endlich mal gegen ein Spitzenteam der Liga gewinnen. Gegen Rostock gewinnen kann ja schließlich jede_r…

Zum Aufwärmen gab es in der Südkurve eine nette Choreo zum Thema Kiffen, die sich augenscheinlich auf den letzten Besuch der Eintracht auf St. Pauli bezog. Die Frankfurter_innen hielten es diesmal eher klassisch: Vermummte Gestalten aufm Zaun und rote Bengalos in der Familienpackung dahinter. Nett anzusehen, aber irgendwie auch nicht wirklich kreativ. Vom Deutschen Randalemeister hätte ich mehr erwartet…

Das eigentlich Spiel hatte den Titel Spitzenspiel durchaus verdient. Beide Teams schenkten sich nichts, blieben jedoch weitgehend fair dabei. Chancen gab es zuhauf auf beiden Seiten. Frankfurt scheiterte jedoch ein ums andere Mal am glänzend aufgelegten Tschauner. St. Pauli scheiterte meistens eher an sich selbst und dem berühmten einen Pass zu viel. Doch dann kam die 32. Minute. Eine Ecke von rechts segelt in den Strafraum, der Ball wird hin und her geflippert und landet schließlich vor Morenas Füßen, der aus kurzer Distanz einnetzt.

In der zweiten Hälfte dreht Frankfurt dann mächtig auf und setzt sich für eine gefühlte Viertelstunde fast komplett in der gegnerischen Hälfte fest. Ein Tor will der Eintracht jedoch nicht gelingen – und das trotz des ebenso hochkarätigen wie unsympathischen Sturmduos Gekas und Idrissou. Nach einer Ecke dann ein Konter von St. Pauli. Bartels sprintet auf der rechten Außenbahn fast über das gesamte Feld. In der Mitte läuft Kruse mit, umringt von drei Frankfurtern. Bartels passt. Kruse schießt flach und direkt. 2:0 (67. Minute). In der Folge brach die Eintracht ein und St. Pauli schaukelte das Spiel nach Hause. Kurz vor Ende verletzt sich Keeper Tschauner noch an der Schulter, hält jedoch bis zum Abpfiff durch. Unter Tränen verlässt er das Stadion, begleitet von den Rufen der Fans, die immer wieder seinen Namen skandieren. Medienberichten zufolge wird er lange ausfallen. Zum Rückrundenstart wird er in keinem Fall fit sein. Ein bitterer Wermutstropfen…

Ein weiterer Wermutstropfen war die kleine Kassenrolle, die in der 48. Minute aus der Südkurve gesegelt kam und den Frankfurter Pirmin Schwegler traf, der daraufhin erschrocken zusammensackte, behandelt wurde, aber weiter spielen konnte. Auch wenn Schwegler später sagte, es sei alles nicht so schlimm gewesen (wofür ihm höchster Respekt gebührt), dürfte das Ganze ein Nachspiel haben. So wird der FC St. Pauli wahrscheinlich wieder einmal dafür bestraft werden, dass seine Fans treffsicherer sind als die anderer Vereine, denn Gegenstände werden in den meisten Stadien beinahe regelmäßig geworfen. Warum das nur dann schlimm ist, wenn jemand getroffen wird, will mir nicht in den Kopf. Dass die Kassenrolle möglicherweise nicht mit Absicht auf Schwegler geworfen wurde, sondern ihn nur zufällig traf (immerhin waren es doch etliche Meter und ein Fangnetz dazwischen), scheint den meisten egal zu sein. Ebenso, dass solche Kassenrollen regelmäßig geworfen werden, nur halt als Luftschlagen. Dass hier jemand einfach dummerweise vergessen haben könnte, den Klebestreifen zu entfernen und so das Wurfgeschoss zu einem optischen Dekoelement zu machen, kommt offenbar keiner_m in den Kopf…

Die Vereinsführung gibt sich erschüttert, Helmut Schulte meint sogar, alle die am Millerntor Gegenstände werfen, müssten „eingewiesen“ werden und alle sind ganz furchtbar schockiert. Vielleicht soll so viel zur Schau gestellte Reue ein mildes Urteil begünstigen. Vielleicht sollte sich der FC St. Pauli sich aber auch fragen, ob er auch nach der Ära Wasserwerferfahrer Littmann unbedingt der Law-and-Order-Verein Nummer 1 des deutschen Fußballs sein will. Wenn die Verantwortlichen in Rostock oder Dresden im gleichen Verhältnis auf das Verhalten in ihren Kurven reagieren würden, dürften sie nur noch in Sack und Asche herumlaufen und sich selbst kasteiend „mea culpa, mea maxima culpa“ schreien, während sie ihre Mannschaften vom Spielbetrieb abmelden, die Stadien abreißen und alle Fans ihrer Vereine vorsorglich inhaftieren lassen. Tun sie aber vernünftigerweise nicht…

Ja, das Werfen von Gegenständen ist unsportlich und muss nicht sein, aber sich darüber künstlich aufzuregen und einzelne Fans zu ausgemachten Teufeln zu stilisieren, die im Alleingang den Ruf und das Wohl des gesamten Vereins bedrohen kann auch nicht die Lösung sein. Der Verein könnte sich auch vor seine Fans stellen, sich zwar entschuldigen, aber gleichzeitig um die Wahrung der Verhältnismäßigkeit bitten, und vielleicht bitte einfach mal die Kirche im Dorf lassen…

„Spiel“ ohne Grenzen?

Auf dem Blog Hanseator ist ein interessanter Eintrag zu den aktuellen Problemen in der Fanszene des FC Hansa Rostock erschienen, auf den ich hier gerne verweisen möchte. Ich teile sicher nicht alle Ansichten des Autoren, aber als Diskussionsbeitrag ist der Text allemal gut und wichtig:

…Inzwischen wird deutlich: Die Kontrolle innerhalb der „aktiven Fanszene“ scheint nicht zu entgleiten, sie ist, wenn es sie überhaupt je gegeben hat, entglitten oder aber liegt in den Händen von Geistesgestörten. Das Kind liegt im Brunnen. Die Entwicklung ist über die Jahre völlig aus dem Ruder gelaufen und gipfelt mittlerweile regelmäßig in Vorfällen wie zuletzt wieder rund um das Spiel gegen den FC St. Pauli.

Was haben sich alle auf die Zweitligasaison gefreut, mit packenden, emotionalen Spielen gegen alte sportliche Rivalen, mit Traditionsvereinen und starken Fanszenen wie Eintracht Frankfurt, Dynamo Dresden, Union Berlin und – ja, auch die – St. Pauli. Natürlich war kaum jemand so blauäugig zu glauben, dass all diese Spiele völlig ohne unerwünschte Begleiterscheinungen über die Bühne gehen könnten, aber ein kleines bisschen Hoffnung auf menschliche Vernunft und ein Minimum sozialer Verhaltensweisen musste doch erlaubt sein. Aber schon Goethe wusste: „Es irrt der Mensch, solang er strebt.“…

Den ganzen Text gibt es [hier].

Startschuss Masters in Hamburg

Im Rahmen der Startschuss Masters in Hamburg haben Bastian Reinhard vom HSV und Dr. Bernd-Georg Spies öffentlich Stellung gegen Homophobie im Fußball bezogen. Gute Sache das, auch wenn Spies‘ Kokettieren damit, der FC St. Pauli sei so furchtbar mehr tolerant als alle anderen echt nervt und er sich zudem auf falsche Tatsachen stützt. Das Banner von dem er spricht war keinen Monat später auch beim HSV und das ist auch gut so…

Auch wenn mein Herz für den FCSP schlägt, Reinhard kommt hier tausendmal symapthischer rüber und ich schäme mich fast für diese anbiedernde Art von Spies. Engagement gegen Diskriminierung und Scheiße sollte kein Alleinstellungsmerkmal und keine Marketingstratgie, sondern eine verdammte Selbstverständlichkeit sein!

Aber sehen sie selbst: