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10.08. USP Party auf St. Pauli

USP-Frauen aus dem Gästeblock…

Nachdem sich beim Gastspiel des FC St. Pauli bei der SG Dynamo Dresden ein Teil der Heimkurve bemühte neue Rekorde in Sachen dumm-sexistischer Provokation aufzustellen und u.a. eine Tapete mit dem Spruch „USP-Frauen aus dem Gästeblock damit die Küche lebt!“ hochhielten, konterten besagte USP-Frauen* jetzt mit einem Foto samt Pyro, Küchengeräten und eben jener Tapete aus Dresden. Dazu wurde auf der Website von USP folgendes Statement gepostet:

Hallo ihr Lieben,

fast wären uns ja Tränen gekommen vor Rührung. Wie außerordentlich gentlemen-like und aufmerksam von euch, dass ihr nach über zwei Jahren immer noch unserer Femminile-Aktion gedenkt. Wir scheinen damit wirklich bleibenden Eindruck in euren Köpfen oder wahlweise als euer Desktop-Hintergrundbild hinterlassen zu haben – sehr schmeichelhaft.
Fast genauso schmeichelhaft wie die Tatsache, dass ihr euch Sorgen um unsere Lebensführung macht und uns auf unsere wahre Bestimmung hinweist: „USP Frauen aus dem Gästeblock, damit die Küche lebt.“ Dafür sind wir euch so dankbar, dass wir diese Tapete gleich mal mitnehmen mussten.
Und ihr habt ja recht, wir sind auch alle wirklich gute Köchinnen und können äußerst geschickt mit unserem Werkzeug umgehen. So ein Dresdner Sauerbraten aus dem fetten Keulenstück eines ostdeutschen Ochsen ist schon was Feines. Braucht man allerdings scharfe Messer für.
Kommt doch mal zum Essen vorbei; zum Nachtisch gibt’s dann Dresdner Stollen. Da ihr eh viel Alkohol trinkt, müssen die Rosinen auch nicht mehr extra in Rum eingelegt werden.

Einen guten Appetit wünschen euch

eure Küchenfeen von Ultrà Sankt Pauli

Tschüüüüüüüß Gegengerade!


FC St. PauliSC Paderborn 07 5:0 (2:0)

Sonntag, 06.05.2012, 13.30 Uhr, Millerntorstadion, 2. Bundesliga (Männer)

Für Fans im Exil ist jedes Heimspiel ein Auswärtsspiel. Das heißt dann also Sonntagmorgen um Sechs nach viel zu wenig Schlaf Aufstehen und ab auf die Autobahn. In Hamburg dann erstmal zweites Frühstück und starker Kaffee. Dazu die Info, dass gerade ein Bus mit Paderborner Nazis vor dem Jolly Roger gehalten haben soll, um sich eine Tüte Auf’s Maul abzuholen. Aber von Faschos erwarten dass sie keine dummen Sachen machen sollen, wäre wohl auch irgendwie widersinnig.

Im Stadion dann eine Mischung aus Euphorie, Anspannung und Wehmut. Irgendwie rechnen fast alle damit, dass St. Pauli heute eine gute Leistung zeigen wird und der Relegationsplatz scheint durchaus noch in Reichweite. Dafür muss nur Duisburg gegen Düsseldorf gewinnen, was dann auch immer wieder zu „MSV“-Rufen führt. Gleichzeitig hieße ein verpassen der Relegation nicht nur ein weiteres Jahr in Liga 2, sondern auch, dass heute das letzte Spiel der alten Gegengerade sein wird. Als jemand, der seit vielen Jahren dort zu Hause ist, lässt mich das natürlich alles andere als kalt. Den Menschen um mich herum scheint es ähnlich zu gehen. Außerdem dann noch die Gerüchte, dass Trainer Schubert sich mehrfach scheiße verhalten hat und vor dem Rausschmiss steht, und vor allem der mehr als traurige Abschied von Deniz Naki. Selten hat einem einzelnen Spieler am Millerntor so viel Wohlwollen entgegengeschlagen wie Naki an diesem Tag. Als er später eingewechselt wird und sogar noch in der Naxchspielzeit sein Tor macht, wird jede Aktion von ihm vom Publikum mit dem Rufen seines Namens bejubelt. Ich werde diese herzuallerliebste Drecksau echt vermissen. Junge, komm bald wieder!

Auf dem Rasen läuft es dann auch wirklich formidabel. Paderborn ist nahezu chancenlos und fünf Tore sprechen an sich ja auch schon eine deutliche Sprache. Allerdings stellt sich da auch schon die Frage, warum St. Pauli diese Abwehr aufkauft, wenn sie offenbar nicht wirklich die Stabilste ist. Kruse war bestens in Form und macht seine Abgang so noch um einiges schwerer zu verdauen als ohnehin schon. Ebbers bereitet drei Tore vor und bestätigt damit seine starke Form der letzten Wochen. Der Rest des Teams weiß ebenfalls zu überzeugen. Mit einer solchen Leistung in jedem Spiel wäre der Aufstieg nicht nur gerechtfertigt, sondern auch eigentlich unvermeidlich gewesen. Bleibt natürlich die Frage, wieso sie so oft ausgeblieben ist und wieso sie jetzt dann doch erbracht wird. Liegt es daran, dass die Causa Schubert endlich öffentlich ist? Darüber lässt sich nur spekulieren. Ich persönlich fände das jedenfalls einleuchtend.

Wenig einleuchtend hingegen, um es vorsichtig auszudrücken, fand ich das, was sich in den ersten Minuten des Spiels auf den Rängen abgespielt hat. USP auf der Süd bringt den auch schon in Dresden gebrachten neuen Opener mit „Ganz Hamburg hasst die Polizei“. Auf der Gegengerade versuchen mehrere Grüppchen gleichzeitig „Aux Armes“ anzustimmen und wundern sich dann auch noch, wenn es ein heilloses Durcheinander gibt. Schuld daran ist aus Sicht der meisten natürlich USP. In den ersten rund fünf Minuten wird auch tatsächlich in diversen Ecken der Gegengerade so mancher Gesang angestimmt, doch endet das meiste in Kanon und Kakophonie. Gesänge von USP hingegen werden weitgehend boykottiert. Mich überkommt das Gefühl, in diesem doch irgendwie potentiell wichtigen und durch den kommenden Abriss der Gegengerade auch sehr emotionalen Spiel, fast nur von Trotzköpfen und zickigen Kleinkindern umgeben zu sein. Wenn dabei wenigstens tatsächlich so etwas wie ein Roar entstanden wäre, dann könnte ich die Fraktion Anti-USP ja sogar noch verstehen. Stattdessen herrschte weitgehend Schweigen und Diskussion darüber, wenn jetzt Bier holen geht. Einzig der kleine Haufen Kutten und hier und da mal kleine Grüppchen scheinen überhaupt an so etwas wie Support interessiert zu sein. Bei so einer Scheiße gehe ich nächste Saison echt lieber auf die Süd, auch wenn die Gegengerade mir eigentlich sehr am Herzen liegt.

Erst später, als St. Pauli sicher führt und noch mehr als das Gerücht durch das Stadion eilt, Duisburg wäre in Führung gegangen, wird es auch auf der Gegengeraden laut. Noch ironischer freilich ist die Tatsache, dass von Seiten der Ultragegner_inmen fast ausschließlich Besinnliches und Melodisches Marke „Que sera sera“ und „Tüdelband“ angestimmt wurde. Ich dachte immer Schalala wäre scheiße…

Am Ende jedoch bin ich irgendwie wieder versöhnt. Diese Reibung aneinander gehört wohl auch irgendwie dazu bei St. Pauli. Und das kollektive Rausreißen der Plastikschalensitze und der verkehrtrume Blocksturm, als Ordner_innen verhindern wollen, dass die Anwesenden die Sitze einfach so mitnehmen statt sie zu bezahlen, wie der Verein in seiner Dreistigkeit es wünscht, hat auch irgendwie Charme. Und dann ist Sommerpause. Irgendwie schade. Irgendwie aber auch egal, denn bald ist ja auch Antira-Trunier und überhaupt…

01.05. Solikonzert in Hamburg

Am 1. Mai finden in diesem Jahr nicht zur zahlreiche Demos statt und gilt es nicht nur mehrere Naziaufmärsche zu verhindern, es wird in Hamburg auch ein Solikonzert für MTZ Ripo Minsk geben.

Um 20 Uhr spielen im Hafenklang in Altona Notgemeinschaft Peter Pan (Hamburg), United Struggle (Düsseldorf) und Hors Contrôle (Montceau-les-Mines/F).

Wo Recht zu Unrecht wird oder so


Nach oben Bücken, nach unten Treten. Es ist immer wieder das Gleiche. Der FC St. Pauli hat mal wieder vom DFB eine Strafe aufgebrummt bekommen und gibt den Druck postwendend nach unten – sprich zu den eigenen Fans – weiter. Diesmal gab es eine Strafe von 15.000 Euro, weil die Fans des FC St. Pauli sich beim Hallenturnier im Wintern nicht anstandslos von Polizei und Lübecker Nazihools verprügeln ließen und weil in einer Choreo, die die verzerrte Außenwahrnehmung der Fans des Vereins darstellte, das Wort „Bullenschweine“ vorkam.

Wir sind es langsam leid. Eine Strafe hier, eine Strafe dort. Das läppert sich zusammen und wird von uns nicht mehr tatenlos hingenommen.

, sagt Präsident Stefan Orth. Doch meint er damit nicht die Willkür des DFB, sondern die Anhänger_innen seines eigenen Vereins. Es ist versatändlich, dass Orth und der Verein angepisst sind von den ständigen sinnfreien Strafen des DFB, doch die Schuld dafür bei den Fans statt beim Verband zu suchen ist einfach falsch.

Es ist mehr als offensichtlich, dass die Rechtsprechung des DFB vollkommen willkürlich ist. Vergehen von der Schwere der hier bestraften Fälle gibt es an jedem Spieltag in oder vor so gut wie jedem Stadion. In einer Vielzahl von Fällen geschieht sogar noch weit Schlimmeres. Immer und immer wieder kommt es zu homophoben und sexistischen Beleidigungen in verbaler oder schriftlicher Form. Wenn der DFB das gleiche Maß an Vereine wie Dynamo Dresden oder Hansa Rostock anlegen würde, dann müssten sie – auch wenn es dort jede Menge mehr oder minder korrekte Fans gibt – konsequenterweise auf Generationen hinweg von jeglichem Spielbetrieb ausgeschlossen werden. Alleine die antisemitische Scheiße, die einige Anhänger_innen beider Vereine bei den Matches beider Teams gegeneinander abgezogen haben, sind um ein solches Maß heftiger als ein einzelnes „Bullenschweine“, dass die Geldstrafe im Millionenbereich liegen müsste. Und was ist mit der Tatsache, dass neulich im Ostseestadion Tausende Rostocker_innen „Schwule! Schwule!“ in Richtung St. Pauli-Block riefen? Wo ist hier der entschiedene Kampf des DFB gegen Homophobie? Oder das „Dönerverkäufer“ von Seiten des SGD gegen Frankfurt? Wo war da das Engagement gegen Rassismus? Wahrscheinlich gelten Menschenrechte beim DFB einfach ausschließlich für Polizist_innen…

Vor solch willkürlicher Bestrafung seitens eines Verbandes, der fast sein ganzes Bestehen lang von (Ex-)Nazis geführt wurde und noch immer nur sehr larifari gegen gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit vorgeht und auch das nur, wenn jemand rechtzeitig aufschreit und es skandalisiert, zu kuschen bedeutet sich mitschuldig machen. Autoritärer Charakter ahoi!

Es ist okay, wenn der Verband Strafen ausspricht. Das ist Teil des Deals, wenn Vereine an seinen Wettbewerben teilnehmen. Doch muss das dann auch konsequent geschehen und es muss die Verhältnismäßigkeit gewahrt bleiben. Hier gab und gibt es enorme strukturelle Defizite. Manche Geschehnisse werden enorm hart betraft und manche Menschen bekommen für den bloßen Verdacht, etwas gemacht zu haben, ein Stadionverbot. Anderes wird jedoch absichtlich übersehen, weil nicht sein kann, was nicht sein darf. Wenn der DFB wirklich jeden Fall gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit ahnden würde, dann würde durch die schiere Menge der Fälle (geschätzt von Bundes- bis Kreisliga mehrere Hundert pro Woche) offenbar werden, dass die Antidiskriminierungsarbeit des DFB bei aller guter Intention eigentlich ein schlechter Witz ist. Wer heute im Stadion oder auf dem Sportplatz jemand anderen als „Jude“, „Hurensohn“ oder „Zecke“ beschimpft kann nahezu sicher sein, niemals dafür zur Rechenschaft gezogen zu werden. Außer vielleicht durch Selbstjustiz…

Der DFB will den klinisch reinen Fußball. Deshalb sollen Hässlichkeiten wie Gewalt und Pyrotechnik möglichst effektiv bekämpft werden. Genauso aber müssen rassistische, sexistische, homophobe etc. Vorkommnisse möglichst effektiv vertuscht werden, denn das Image können sie ja nur schädigen, wenn sie öffentlich werden. Das Problem für den DFB ist nicht, dass diese Dinge geschehen, sondern, dass sie skandalisiert werden, weil das die Marke Fußball schädigen könnte, die die ökonomische Grundlage des Verbandes bildet. Es geht und ging dem DFB, wenn es hart auf hart kommt, nie um die Menschen, sondern immer ums Geschäft. Solange es das Geschäft nicht störte (in den 1980ern z.B.) durften Hools und Nazis im Stadion vollkommen frei drehen. Heute wären sie imageschädigend und deshalb muss dafür gesorgt werden, dass sie nicht mehr so auffallen. Als Kund_innen sind sie aber natürlich weiter willkommen.

Es gibt im Grunde nur zwei Möglichkeiten: Entweder der DFB und seine Regionalverbände ahnden in Zukunft konsequent „Zigeuner“-, „“Arbeit macht frei, Babelsberg 03“-, „Schwule“- oder sonstwie faschistische oder diskriminierende Rufe, Transpis und Aussagen von Seiten der Fans, der Spieler_innen und der Funktionär_innen (wurde Leverkusen jemals für Völlers „Der Schiri soll Frauenfußball pfeifen“-Aussage bestraft?!?) oder aber die Verbände haben keinerlei Respekt verdient und gehören selbst auf allen Ebenen und mit allen Mitteln kritisiert, weil sie – entgegen ihrer Außendarstellung – durch ihre Willkür und Inkonsequenz menschenfeindlichen Umtrieben im Fußball nachdrücklich Vorschub leisten. Folglich muss auch seine Rechtsprechung kritisiert werden und darf nicht unwidersprochen hingenommen werden. Der FC St. Pauli würde gut daran tun, das Urteil nicht zu akzeptieren und stattdessen darauf hinzuweisen, dass es undemokratisch wäre sich einer willkürlichen Justiz zu beugen. Noch dazu, wenn diese ganz offensichtlich aus dem Nationalsozialismus nichts oder zumindest nicht genug gelernt hat.

Ganz Hamburg und Rostock hassen die Polizei


FC St. Pauli FC Hansa Rostock 3:0

Sonntag, 22.04.2012, 13.30 Uhr, Millerntorstadion, 2. Bundesliga (Männer)

Wenn St. Pauli und Rostock aufeinander treffen, dann ist immer Pfeffer drin, doch in diesem Fall bemühte sich die Hamburger Polizei durch das Verbot des Ticketverkaufs an Gästefans noch einmal nach Kräften nachzuwürzen. Der Plan, die Lage enspannter und leichter zu kontrollierbar zu machen, ist jedenfalls mal kräftig in die Hose gegangen. Geschehen ist einiges. Deshalb hier ein Versuch der schematischen Aufarbeitung:

1. Auf dem Spielfeld

St. Pauli war von Beginn an überlegn und siegte verdient 3:0 gegen Rostocker, von denen zuminest gegen Ende aufgegeben zu haben schienen. Eine Einstellung, die weder der Verein noch seine Fans geschweige denn die eigenen Mitspieler verdient haben, auch wenn es in der Tat sehr schwer werden dürfte für Hansa, doch noch die Klasse zu halten. Spieler des Spiels war zweifelsohne Marius Ebbers der zwei Tore selbst erzielte (12. und 49. Minute) und das dritte für Bartels auflegte (79. Minute). Viel besser kann ein Spieler in einem Zweitligaspiel nicht spielen – und das nach der doch recht langen Durststrecke in Teilen der Saison. Tiefster Respekt!

2. Vor dem Spiel

Für einen Teil der beiden Fanszenen egann der Tag sehr früh. Etwa 1.700 Rostocker_innen trafen sich um 11 Uhr am Bahnhof Altona und zogen von dort aus Medienangaben zufolge friedlich in einer angemeldeten Demonstration durch die Straßen Altonas. Um 10.30 Uhr, also sogar noch etwas früher, aber ebenso friedlich zogen etwa 300 Anhänger_innen des FC St. Pauli vom Schanzenviertel aus in einem Trauermarsch zum Südkurvenvorplatz. Mit Sarg, Kranz, Blumen und Kerzen wurde dort symbolisch die Fankultur zu Grabe getragen. Die Rufe, die den Zug begleiteten richteten sich ausschließlich gegen die Polizei, deren Führung ja durch ihre polizeistaatliche Anordnung des Ausschlusses einer ganzen Fanszene, die dadurch mal ganz nebenbei auch noch unter Generalverdacht gestellt wird, den ganzen Schlamassel ja überhaupt erst ausgelöst hatte.

3. Vor der Südkurve

Etliche – die Zahlen reichen von 800 bis 2.000 – St. Pauli-Fans, die überwiegend aus den Spektren Ultras und organisierte Fans kamen hatten sich darüber hinaus vor dem AFM-Container auf dem Südkurvenvorplatz getroffen, um dort kollektiv die Radioübertragung des Spiels zu hören und durch den Boykott des Stadionbesuchs ihren Protest auszudrücken. Die Stimmung dort war gut, die Übertragung aber leider nicht wirklich laut genug, um dem Spiel effektiv folgen zu können. Gejubelt und ab und an auch gerufen wurde trotzdem. In der Halbzeitpause kam es dann noch zu einem Tumult direkt vor der Südkurve. Ein junger Mann mit hellem Haar und blutigem Gesicht wurde von St. Pauli-Fans verfolgt und konnte in den Bürotrakt des Stadions fliehen. Er soll eine Thor Steinar-Jacke getragen haben. Das wäre dann aber auch wirklich ziemlich fahrlässig gewesen. Dass die Dinger in gewissen Gegenden, zu denen St. Pauli sicher gehört, gesundheitsschädigend sein können, ist schließlich weithin bekannt…

4. Auf den Rängen

Ich war in der zweiten Hälfte kurz drin, um mir selbst ein Bild zu machen und mitredcn zu können bei den zu erwartenden Diskussionen. Dass ich dadurch auch das 3:0 live gesehen habe, ist natürlich ein netter Bonus. Mir war aber auch sofort klar, dass die üblichen Verdächtigen im stpauli-forum sich ihre Münder zerreißen würden, wie megageil das war ohne USP und ohne Schalala. Endlich wieder so wie früher, denn da war ja bekanntlich alles besser… In der Tat wurde auf der Gegengerade ziemlich viel gesungen und auch auf der Süd gab es halbwegs okayen Support. Dem unkoordinierten Singsang seinen anarchischen Charme absprechen läge mir auch fern, doch was wirklich Bände sprach, was was das gesungen wurde. Nahezu jeder Gesang, der da kam – von Reeperbahn bis XY Fußballgott – wurde exakt so schon vor zwanzig Jahren gesungen. Einzig der Block 1 brachte hin und wieder auch mal etwas interessanteres zu Stande. Wo sind all die tollen Lieder mit mehr als fünf Wörtern im Text hin, die wir alle noch vor zwei Wochen gesungen – und auch gerne gesungen – haben? Vielleicht hilft ein wenig Koordination da doch… Ich würde jedenfalls diverse Körperteile darauf verwetten, dass mit den Leuten die draußen standen, mit USP und Trommel und Megaphon ein Spiel wie dieses 3:0 gegen Rostock der schiere Wahnsinn mit Gänsehaut bis Mittwoch gewesen wäre. So aber war es halt ein gutes Spiel mit guter Stimmung. Mehr aber auch nicht. Vor allem aber möchte ich mal die Frage in den Raum werfen, was wohl gewesen wäre, wenn nicht alles eitel Sonnenschein gewesen wäre, wenn Rostock nach 20 Minuten 2:0 geführt hätte. Dann erst hätten wir sehen können, wie viel das Publikum ohne Ultras und ohne die anderen aktiven Fans, die draußen standen, gebacken bekommt. Bei Siegen jubeln kann jede_r…

5. Rostocker im Stadion

Ungefär vierzig Rostocker_innen haben es doch irgendwie ins Stadion geschafft, ein blaues Banner mit „Ganz Rostock hasst die Polizei“ enrollt und ihr Team nach Kräften unterstützt, was von der Mehrheit der St. Paulianer_innen mit Wohlwollen aufgenommen wurde. Bei aller Rivalität ist polizeiliche Repression halt doch noch schlimmer als der Verein mit der Kogge im Wappen.

6. Hinterher

Schon kurz vor Schlusspfiff hatte das Geschehen draußen sich zunehmend auf die Budapester Straße und vor das Jolly Roger verlegt. Polizeifahrzeuge wurden beworfen und die Polizei reagierte entsprechend. Über 1.500 Polizist_innen im Einsatz sind immerhin schon eine kleine Armee. Trotzdem wurde auch der HSV-Treffpunkt Tankstelle nahe dem Hans-Albers-Platz entglast und die Polizei immer wieder und an verschiedenen Orten angegriffen. Es gab zehn Fest- und sieben Gewahrsamnahmen. Ob das jetzt nötig oder zielführend war, mag jede_r für sich entscheiden. Ich würde ja sagen, dass derart viel Polizei wahrscheinlich so ziemlich überall auf wenig Gegenliebe stoßen würde. ACABAB und so…

PS: Auch lesenswert zum Thema sind u.a. Übersteiger, magischerfc und metalust!

Hamburg City Ausnahmezustand UPDATES

Das Verwaltungsgericht in Hamburg hat inzwischen die Demo der Rostocker_innen verboten und sie stattdessen zu einer stationären Kundgebung zwischen Kunsthalle und Hauptbahnhof abgeschoben. Super zum Kesseln. Bestimmt ein Zufall…

Ob dagegen von Rostocker Seite Widerspruch eingelegt werden wird ist unklar, wäre aber ratsam.

Unterdessen hat die Hamburger Polizei die hiesige Überschrift mit dem „Ausnahmezustand“ wohl etwas zu ernst genommen und fast ganz St. Pauli zu einem Gefahrengebiet erklärt. Das bedeutet im Klartext, dass die Cops dort jede Person ohne wirklichen Grund oder auch einfach nur aus Bock kontrollieren, des Platzes verweisen oder gleich in Gewahrsam nehmen kann. „Lageabhängig“ heißt das in der Polizeisprache. Allgemeinverständlich ausgedrückt heißt es, die Polizei entscheidet selbst, was sie darf und was nicht. Missbrauch und Willkür stehen da Tür und Tor noch weiter auf als ohnehin schon.

Zu dem Gefahrengebiet gehört auch das Millerntorstadion selbst samt Vorplatz. Ebenso das Jolly Roger und der Fanladen. Wenn die Polizei also will, kann sie alle Menschen vor dem Jolly in Gewahrsam nehmen – einfach so – und falls jemand nach drinnen flüchtet mal wieder den Laden stürmen und Leuten die Zähne ausschlagen. Kennen wir ja alles schon…

Und Jugendliche, die zufälligerweise eine schwarze Jacke tragen und aus Sicherheitsgründen mal den Schal zuhause gelassen haben und auch kein Ticket dabei haben, weil jemand damit vor der Kurve wartet, kann die Polizei einfach nicht zum Stadion lassen. Es könnten ja auch Rostocker_innen sein…

Verhältnismäßigkeit der Mittel Ahoi!

Hamburg City Ausnahmezustand


Na, das kann ja was werden. Frankfurt kann den Aufstieg klarmachen. Sandhausen in Liga 3 genauso. Falls Babelsberg in Darmstadt gewinnt und Jena in Bielefeld nicht, steht der FCC als zweiter Absteiger fest. In der ersten Liga kann dagegen nur Kaiserslautern den Abstieg endgültig in trockene Tücher bringen. Sollten sie jedoch gegen Hertha gewinnen und Köln gegen Stuttgart verlieren, dann müssten Augsburg und der HSV nur noch gewinnen, um den möglichen Abstieg endgültig abzuhaken. Hertha und Köln hätten dann noch zwei Spieltage, um sich um den Relegationsplatz zu balgen. Sollte Stuttgart allerdings in Köln verlieren, könnte sich Gladbach zumindest schon mal über die Champions League-Qualifikation freuen – selbst wenn sie gegen Dortmund patzen sollten. Der BVB wiederum muss nur gewinnen und der zweiter Meistertitel in Folge ist ihnen sicher. Sollte der SV Werder Bremen am Samstag Nachmittag den FC Bayern gewinnen, so würde er nicht nur die Tür zum europäischen Geschäft weiter offen halten, die Dortmunder wären auch automatisch Deutscher Meister und das sogar bevor sie abends im heimischen Westfalenstadion auflaufen. Verrückt!

Persönlich ist mir das aber alles halbwegs egal im Vergleich zu dem, was am Sonntag auf St. Pauli passieren wird. Nachdem alle Versuche gescheitert sind und der Verein keine Tickets an Gästefans verkaufen darf, haben Anhänger_innen des FCH als auch Fans und Ultras von St. Pauli angekündigt in Altona gegen diese Entscheidung zu demonstrieren. Die Mopo rechnet mit mindestens 2.000 Menschen. USP und andere Fans haben zudem angekündigt ebenfalls nicht ins Stadion zu gehen. Hier ein Zitat vom Basch-Blog:

Als Re­ak­ti­on wird es am Sonn­tag kei­nen or­ga­ni­sier­ten Sup­port oder Ak­tio­nen im Sta­di­on geben. Ein sol­ches Spiel ist nichts wert – es ist eine Farce und eine Ge­fahr! Der Treff­punkt für alle, die sich gegen die Maß­nah­men aus­spre­chen ist der Süd­kur­ven­vor­platz! Die Mann­schaft wird Hansa in die drit­te Liga schie­ßen, den Kampf um den Re­le­ga­ti­ons­platz span­nend hal­ten und wir wer­den drau­ßen dafür ein­ste­hen, dass wir auch in Zu­kunft dahin fah­ren kön­nen, wo un­se­re Mann­schaft spielt.

Solidarität ist die Zärtlichkeit zwischen den Kurven, hätte Ché Guevara wohl gesagt. Die Boykotierenden wollen sich stattdessen am AFM-Container vor der Südkurve und in umliegenden Kneipen treffen, um das Spiel zu verfolgen. Immerhin geht es für beide Teams um sehr, sehr viel. Wenn es scheiße läuft, kann entweder St. Pauli den Aufstieg quasi vergessen, Hansa hingegegen kann sogar, wenn Cottbus und Aue beide gewinnen zusammen mit Aachen für die dritte Liga planen.

Dabei könnte jetzt ironsicher- wie logischerweise genau die Entscheidung die Rostocker Fans nicht ins Stadion zu lassen, der Polizei jetzt auf die Füße fallen. Nicht nur der Fanclubsprecherrat des FC St. Pauli rechnet mit der Möglichkeit von Ausschreitungen und rät den Fans des FCSP zur Vorsicht:

- Meidet das Domgelände.
- Lasst euch nicht provozieren.
- Helft anderen Fans, wenn sie in Auseinandersetzungen verwickelt sind.
- Lasst Kleinkinder an diesem Tag zu Hause.
- Und vor allem versucht nicht, die Fandemo der Rostocker in irgendeiner Art zu stören oder zu begleiten. Es ist ihr gutes Recht ihren Unmut über die Verfügung der Polizei kundzutun. Es ist aber auch unser gutes Recht, unsere eigenen Wege zu finden, unseren Unmut darüber auszudrücken.

Auch andere Stimmen aus beiden Hansestädten gehen davon aus, dass die Situation unter Umständen unkontrollierbar werden wird. Wer sicher gehen will, sollte am Sonntag die gesamte Hamburger Innenstadt von St. Georg bis Altona meiden. Alleine oder mit deutlich sichtbaren Fanutensilien herumlaufen ist mit Sicherheit auch keine gute Idee. Das gilt im Zweifelsfall auch für Rostocker_innen oder Fans anderer Vereine, die sich verlaufen haben. Wer dennoch vor Ort ist, sollte sich auch darauf gefasst machen, dass Teile der Polizei stinksauer sind, weil ihre Vorgesetzten mal wieder riesige Scheiße verzapft haben. Und wie Polizist_innen reagieren, wenn sie sauer sind, wissen wir ja…

Passt auf euch auf!

Erster Sieg seit Anno Tobak


FC St. Pauli1. FC Union Berlin 2:1

Dienstag, 17.30 Uhr, Millerntorstadion, 2. Bundesliga (Männer)

Der Tag fing schon gut an mit Kaffee, 11Freunde und veganer Currywurst mit Pommes und Salat zum Frühstück im Backbord. Er ging auch gut weiter mit Platten Kaufen, im Fanladen Abhängen und Freund_innen vorm Jolly Treffen. Dann noch in der Schlange vor der Gegengerade einen ehemaligen Kommilitonen getroffen und erfahren, dass er gerade Vater geworden ist (Glückwunsch nochmal!) und tolle Choreo in der Südkurve zum Einlaufen der Teams. Alles dufte also! Doch dann kam das Spiel…

Nach den – vorsichtig gesprochen – mäßigen Leistungen der letzten Wochen hatte ich ja Schlimmstes erwartet, doch zu Beginn war St. Pauli tatsächlich deutlich feldüberlegen, doch vor dem Tor lief wie so oft einfach nichts zusammen. Das 1:0 für Union durch Karls Bogenlampenkopfball nach einer Ecke in der 32. Minute empfand ich, auch wenn Union klar nicht das bessere Team war, als irgendwie folgerichtig. Zu frei konnten die Berliner im Sechzehner kombinieren und zu wenig und zu spät wurden sie dabei gestört. Danach kam St. Pauli bis zur Pause noch genau einmal aussichtsreich vor das gegnerische Tor, doch vergab Naki, wie es ja auch kaum anders zu erwarten war. Überhaupt wirkte das Team unharmonisch. Es gab kaum Kommunikation zwischen den Spielern – weder verbal noch nonverbal. Nie ein gutes Zeichen so etwas. Was ist da nur los in dem Team?! Dann war zum, Glück Halbzeit und meine Laune war im Keller…

Nach Wiederanpfiff zunächst das gewohnte Bild. St. Pauli war überlegen, bekam aber nichts auf die Ketten. In der 59. Minute gelang dann doch Kruse per Distanzschuss der Ausgleich und die Anspannung begann sich ein wenig zu lösen. Zumindest sah es jetzt nicht mehr nach einer Niederlage aus, sondern „nur noch“ nach einem unansehnlichen Unentschieden. Bezeichnend war es auch, dass es ausgerechnet ein Distanzschuss war, der den Ausgleich brachte, wo doch das Team bis dahin vor allem und mit sehr wenig Erfolg auf Flanken und Kopfbälle gesetzt hatte. Offenbar war das nicht die bestmögliche Taktik gewesen…

Union wechselte dann Mattuschka ein und mir lief es kalt den Rücken herunter. Mattuschka ist der Typ Spieler, der in der Lage ist immer und überall auch ohne ersichtlichen Grund ein Tor zu machen. Er war es dann auch, der die einzig nennenswerte Chance der Gäste in der zweiten Hälfte hatte. Er vergab jedoch glücklicherweise. St. Pauli dagegen drehte auf und setzte voll auf Sieg. Zum ersten Mal seit Ewigkeiten erarbeitete sich das Team Chance um Chance, vergab sie aber auch ein ums andere Mal, wobei aber zugegebenermaßen auch Pech in Form von Aluminium im Spiel war. Ungefähr in der 80. Minute dann jubelte alles, aus den Boxen dröhnte Blurs „Song 2“ und die Leute um mich herum lagen sich in den Armen. Mir war das Ganze jedoch nicht ganz geheuer und ich sollte leider Recht behalten. Nach Protest von Berliner Spielern rief Schiedsrichter Welz Marius Ebbers zu sich und der gibt dann auch zu, dass er das Tor à la Maradonese – also per Hand – erzielt hatte. Folglich wurde es dann doch nicht anerkannt. Ebbers gebührt sicher Respekt für seine Ehrlichkeit, die Kinnladen der Hamburger Fans jedoch hingen noch tiefer als ihre Köpfe. Und dennoch war noch nicht alles verloren. Außerdem war St. Pauli nach Gelb-Rot für Trapp, der Zambrano Style zweimal kurz nacheinander derbe hingelangt hatte, seit geraumer Zeit in Überzahl. Die Gastgeber kamen immer wieder und erpielten sich auch immer wieder sehr sehenswerte Möglichkeiten. Mit den eingewechselten Saglik und Sliskovic waren mittlerweile ja aber auch sage und schreibe drei nominelle Stürmer bei den Hanseaten auf dem Feld. Bei einem Team, das nur vier Stürmer im Kader hat, ist das so ziemlich das Offensivste, was überhaupt nur möglich ist. Das entscheidende Tor in der 92. Minute erzielte dann aber dennoch Mittelfeldakteur Fin Bartels nach Vorlage von Verteidiger Schachten. Dafür war das Tor umso sehenswerter und Bartels war – zumindest für mich – ohnehin der beste Spieler auf dem Platz. Der Rest war Jubel und Trubel und Tohuwabohu. Fußball halt…

FC St. Pauli klagt für die Fans des FCH

Eigentlich wollte ich an dieser Stelle einen Kommentar dazu verfassen, wie gut, richtig und wichtig es ist, dass der FC St. Pauli sich dazu entschieden hat gegen die Untersagungsverfügung der Polizei zu klagen, die jeglichen Ticketverkauf an Anhänger_innen des FC Hansa Rostock für das Spiel der beiden Vereine am 22. April verbietet. Nach der Südkurvenblockade vor zwei Jahren die zweite richtige Geste in Richtung Ostseestadion, bei der auf vorhandene Feindschaften geschissen wird, weil es immerhin um Präzedenzfälle geht, die alle Fans in der Bundesrepublik etwas angehen. Eigentlich wollte ich noch irgendwas dazu schreiben, dass solche Feindschaften eh ziemlicher Mumpitz sind, auch wenn ich genau so gut wie die meisten, die das hier lesen werden, weiß, dass manche Spiele halt doch irgendwie etwas Besonderes an sich haben und das FCSP vs. FCH ganz klar in diese Schublade gehört. Ja, eigentlich wollte ich da machen, aber etwas Besseres als den Kommentar im Blog des Übersteigers würde ich so oder so nicht hinbekommen, also kann ich auch einfach auf ihn verweisen:

…Und doch: All dies darf kein Grund sein, einer kompletten Fanszene die Anreise zu einem Fußballspiel zu verwehren, sonst sind wir tatsächlich schon in einem Polizeistaat angekommen.
Ohne Rücksprache mit dem DFB und der DFL, ohne Rücksprache mit den beiden beteiligten Vereinen, ohne Einbeziehung der Fanprojekte, will die Polizei hier “verfügen”. Exekutive und Judikative will die Polizei damit bereits in einer Person sein, in der Hoffnung, dass niemand die Legislative anruft.

Die Polizei spielt hier ganz klar auf den Faktor des derzeit in Deutschland herrschenden Medienhypes über die angeblich zunehmende Gewalt im Fußball, ungeachtet der Tatsache, dass dies eher in Wechselwirkung mit der seit 2005 stark zunehmenden Zahl an Polizei-Einsatzstunden einhergeht, wie u.a. im 11FREUNDE – Heft 11/2011 sehr ausführlich von Christoph Biermann und Ron Ulrich ausgearbeitet und nachzulesen. Vom zunehmenden Einsatz des Pfeffersprays und damit verbundener höherer Verletztenzahlen ganz zu schweigen…

Mehr gibt es [hier].