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Julius-Hirsch-Preis für Roter Stern Leipzig

Bereits zum sechsten Mal hat der DFB am gestrigen Abend den Julius-Hirsch-Preis für „Freiheit, Toleranz und Menschlichkeit“ vergeben. Presisträger in diesem Jahr ist neben dem SV Blau-Weiß Sedlitz und dem SV 06 Lehrte auch der Rote Stern Leipzig. Herzliche Glückwünsche von hier aus!

Der Julius-Hirsch-Preis ist benannt nach Julius Hirsch, einem ehemaligen deutschen Nationalspieler jüdischen Glaubens, der beim Karlsruher FV spielte und von den Nationalsozialist_innen in Auschwitz ermordet wurde.

Beim MDR gibt es auch ein kurzes Video und einen Radiobeitrag dazu…

Nachtrag: Hier noch der Reisebericht der offiziellen Delegation von Roter Stern Leipzig.

XIV. Mondiali Antirazzisti – Ein Nachbericht

Irgendjemand dort in Casalecchio di Reno brachte es ganz gut auf den Punkt mit der Feststellung, dass die Mondiali Antirazzisti eigentlich zwei Veranstaltungen in einem ist, die beide nicht unbedingt viel miteinander zu tun haben. Zum einen ist da das Fußballturnier mit 204 Teams aus diversen Ländern, das vom Team Luxembourg against Racism gewonnen wurde. Zum anderen ist da die allabendliche Ultraparty mit Bengalos zünden, Fahnen schwenken und auf Tischen tanzend Fangesänge singen, wie es die Fischerchöre nicht besser könnten. Dementsprechend wurde auch auf dem Zeltplatz in Schichten geschlafen. Während der Gesangsverein in die Kojen torkelte, standen die Sportler_innen schon wieder auf, um bei über 40° C in der Sonne zu schwitzen. Die ganz Harten schafften es auch irgendwie beides zu kombienieren und sowohl auf dem Pitch als auch im Bierzelt zu glänzen. Und natürlich gab es hüben wie drüben einen beachtlichen Männerüberschuß…

Überhaupt lässt sich feststellen, dass fast alles, was an der Mondiali kritikwürdig ist auch auf sehr ähnliche Art und Weise am Fußball generell kritisiert werden kann. Da wäre zum einen die testosteronschwangere Atmosphäre, die eine Mitreisende zu der Feststellung veranlasste, sie verstehe zum ersten Male in ihrem Leben wirklich, warum manche Menschen gerne in FrauenLesbenTrans*-Zusammenhängen leben wollen. Zum anderen und vor allem auf den Fußballplätzen wäre da das Konkurrenzverhalten Einzelner oder ganzer Teams, die so sehr damit beschäftigt waren zu gewinnen, dass sie dabei das Gebot der Fairness vergaßen und so hart zur Sache gingen, als wären sie in der Premier League. Zwar taten die Veranstalter_innen Vieles, um dagegen anzugehen, und schufen über die Jahre ein Regelwerk, dass eben solches Verhalten sanktioniert und auf ein Miteinander an Stelle eines Gegeneinanders ausgelegt ist, doch so ganz funktioniert es leider (noch) nicht. Was an dieser Stelle auch zu bemängeln wäre, ist dass keinerlei Quote für nicht-männliche Spieler_innen gibt. Von den über 200 Teams waren sicher mindestens die Hälfte de facto reine Männermannschaften, auch wenn hier und da eine Quotenfrau am Rand sitzen durfte. Natürlich gab es auch Ausnahmen wie das rein weibliche Team Lez-Bo aus Bologna, FC Xplosion aus Berlin, die Ahoi Antifa Kickers aus Bremen oder den Roten Stern Leipzig, der auch aus eben diesem Grund die diesjährige Antisexismus-Trophäe entgegennehmen durfte, aber der männlich dominierte und streng heteronormative Grundtenor blieb jedoch erhalten und wird wohl auch noch eine Weile bleiben…

Wenn mensch jedoch den Großteil dessen, was nervt, ein wenig ausblendet, gab es auch viel Tolles und Interessantes zu entdecken und stapelweise nette Menschen zu treffen, wie etwa die Brigadas Amarillas aus Cádiz oder die Abordnung vom Wiener Sportclub bzw. Sportklub. Das Highlight waren allerdings aus meiner Sicht Proodeutiki/Ekriksi (aka. Progressive FC), einem erst kürzlich von Anarchxs und Hausbesetzer_innen übernommener Verein aus Thessaloniki, der gleich mit rund 50 Leuten (und einem ballverliebten Hund) angerückt kam. Ähnlich wie in der BRD die Roten Sterne versteht sich der Verein als ein Versuch anders zu sein und Fußball ohne den üblichen Scheiß zu schaffen. Schön zu sehen, dass Versuche wie diese derzeit an ganz verschiedenen Orten gestartet werden.

Das musikalische Rahmenprogramm war eher mäßig. Die meisten Bands waren langweiliger Reggae, Ska oder Punkrock, die DJ_ane-Sets waren meist nicht unbedingt nach meinem Geschmack und Los Fastidios am ersten Abend waren zwar ein Erlebnis, aber doch eher wegen dem bekloppten, fanblockartigen Gehampel vor der Bühne. Es ist schon ein interessanter Anblick, wenn ein paar hundert Ultras zu „Antifa Hooligans“ abgehen, Bengalos und Fahnen schwenken und übereinander her purzeln. Die Poster mit den stumpfen „Boycot Israel!“-Aufrufen wären auch nicht nötig gewesen und warum Anarchoprimitivist_innen einen Infostand bei einem Fußballturnier machen, ist mir auch eher schleierhaft. Aber ich muss ja auch nicht alles verstehen…

Der Vollständigkeit halber muss natürlich noch erwähnt werden, dass die Reise nach Italien auch kulinarisch ein Genuss war. Zumindest außerhalb des Mondialigeländes… Leckere Foccacia, wirklich guter Kaffee, Lemon Soda, hammergeile vegane Puddings und Joghurts von Valsoia, Tomaten, die diesen Namen noch verdienen, und billiges Sojaeis aus dem Supermarkt. Ohne den sportlichen Ausgleich hätte ich sicher ordentlich zugelegt in den paar Tagen…

P.S.: Busse in Bologna klingen wie Vuvuzelas. Aber das nur am Rande…

Roter Stern Cup – Ein Lagebericht

Der heißeste Tag des Jahres und die Auswahl des DFB soll am Spätnachmittag bei der WM im Männerfußball gegen die des argentinischen Verbandes antreten. Nicht gerade ideale Voraussetzungen für ein Fußballturnier…

Ich kam erst gegen 14 Uhr an, doch was sich mir in den kommenden etwas mehr als zwei Stunden bot, war ein Bild des Grauens. Überall Deutschlandfahnen, Deutschlandtrikots, Deutschlandvuvuzelas und das nicht nur bei den vor Ort rumhängenden Durschnittsfußballprolls, sondern erschreckenderweise auch bei den Spieler_innen (überhaupt: fast nur Typen, ey!!!) und Anhänger_innen der meisten der angetretenen Teams. Klein-Joey vom Weissenseer FC gröhlt immer wieder: „Ich liebe Deutschland!“ und als das 1:0 für die Werkself des DFB fällt, ist der Jubel nicht weniger groß als bei jedem anderen Public Viewing. Nur eine Minderheit von vielleicht zwanzig Leuten sitzt vor dem anderen Fernseher hinter dem Merchandisestand und kann es ebenfalls nicht fassen…

Dazu kommt ein wahrscheinlich selbst ernannter „Sicherheitsbeauftragter“, der eine Spielerin eines der teilnehmenden Teams rügt, weil sich offenbar pflichtbewusst eine Deutschlandfahne von einem Auto entfernt hat und schon am Vorabend zu Menschen vom Roten Stern Leipzig irgendwas meinte von die Nazis in Leipzig wären ihm lieber als Gegner_innen als die „Boatengs“ in Berlin. What the fuck!?!

Ich will den Verantwortlichen beim Roten Stern aus Berlin hier nicht vorwerfen, das sei alles ihre schuld, denn viele von ihnen standen dort genauso fassungslos herum wie ich, aber eine Veranstaltung wie diese ist leider eher ein Event zum Fußball Abgewöhnen…

Wer Deutschland liebt, muss scheiße sein!

Edit: Die Kids auf dem zweiten Photo haben nichts direkt mit dem Turnier zu tun. Sie sind überwiegend vom Weissenseer FC, einem anderen Verein, der die Sportanlage nutzt. Auf dem Photo ist auch nicht zu sehen, dass einer von ihnen of colour ist. Das ist purer Zufall. Die Kids haben bei dem Turnier das Team der Flüchtlingsinitiative Brandenburg supportet (O-Ton „die Neger“), weil die „so schönen Fußball spielten“ (was stimmt). Einer von ihnen bejubelte Tore des Teams dadaistischerweise nacheinander mit „Ghana! Ghana!“-Rufen und mit „Tor für Deutschland!“… Das Photo entstand rund um die Semifinals und was ich daran vor allem zu kritisieren finde, ist, dass sie meines wissens nach niemand gebeten hat, mit ihrer Deutschlandparade aufzuhören. Es war einfach eine weitere Treppenstufe auf dem Weg nach unten in Richtung auf den Schlandfreudentaumel während des Länderspiels…

03.06. Roter Stern Cup in Berlin

Der Rote Stern aus dem Berliner Nordosten lädt Anfang Juli zu einem Fußballturnier ein:

Am 03. Juli 2010 wird der Rote Stern Cup erstmals in Berlin ausgetragen. Wir werden einen Tag lang gemeinsam Fußball spielen, WM-Spiele schauen, Essen & Trinken und viele interessante Gespräche haben. Eingeladen sind alle bundesweit aktiven Roten Stern Vereine und die Kooperationspartner der Kampagne „love sports – hate neonazism“. Zugesagt haben neben Türkiyemspor Berlin, FC Internationale, THC Franziskaner und einigen TeBe-Fans, auch die Roten Stern Vereine aus Altenburg, Berlin, Flensburg, Halle, Hofheim, Leipzig, Lübeck, Pankow, Senftenberg, Wehringhausen und von den Eisbären.

In den Jahren 2007 und 2008 veranstaltete bereits der Rote Stern Altenburg den Roten Stern Cup, bevor er letztes Jahr leider ausfiel. Wir lassen diese mittlerweile kleine Tradition wieder aufleben und werden 2010 ein ereignisreiches Fußballturnier erleben.

Also schnürt die Töppen zusammen und kommt vorbei!

Los geht es um 10 Uhr im Stadion Buschallee, dem Ground der diesjährigen Organisatoren des Roten Stern Nordost Berlins. Vor Ort wird es auch nach der Siegerehrung um ca. 19 Uhr noch lange Musik und Sitzmöglichkeiten geben, sodass wir gemeinsam Breiten-, Linien-, Tanz-, Trink- und Diskussionssport pflegen können.

Plakat || Banner || Jingle

Erneut Nazistress bei einem Spiel von Roter Stern Leipzig

Im Rahmen des Auswärtsspiels von Roter Stern Leipzig beim SV Mügeln-Ablaß kam es erneut zu Zwischenfällen mit neonazistischem Hintergrund. Das Wort Mügeln ruft natürlich sofort ungute Erinnerungen wach. Die meisten werden sich sicher noch an die pogromartigen Ausschreitungen im Umfeld eines Stadtfestes im August 2007 erinnern. Andere Vorfälle wie eine gezielte Menschenjagd auf „nichtrechte“ Jugendliche im April 2009 oder der Angriff auf das Vereinshaus „Vive Le Courage“ im August 2009 sind weniger bekannt, sprechen aber in Verbindung mit den aktuellen Vorfällen für gefestigte und gewaltbereite lokale Nazistrukturen, denen endlich aktiv entgegen getreten werden muss.

Hier eine Presseerklärung von Roter Stern Leipzig:

Das Bezirksklassespiel SV Mügeln-Ablaß gegen Roter Stern Leipzig `99 wurde am 24.04.2010 durch den Schiedsrichter in der 80. Spielminute abgebrochen. Grund hierfür waren andauernde antisemitische Schmähungen seitens der Mügelner Anhänger_innen. Seit Spielbeginn riefen diese Parolen wie „Ein Baum, ein Strick, ein Judengenick“ und „Eine U-Bahn bauen wir, von Jerusalem bis nach Auschwitz“. Daneben gab es auch homophobe und nazistische Äußerungen: „Schwule, Schwule, Schwule“, „Scheiß Schwuchteln“, „Zecken vergasen“ und „Frei, Sozial und National“.

Wir sind entsetzt über die offen zu Tage tretende menschenverachtende Gesinnung Mügelner Anhänger_innen. Genannte Äußerungen wurden auch seitens Vereinsvertreter_innen nicht unterbunden.

Die Tatsache, dass Mügelner Verantwortliche den Roten Stern für den Spielabbruch verantwortlich machen wollen, beweist eine völlige Fehleinschätzung der Situation. Ausdruck dessen war die Durchsage des Stadionsprechers über die Lautsprecheranlage, der Rote Stern hätte feige gehandelt.

Darauf angesprochen, meinte er, man müsse über so etwas hinweg schauen. Oliver Kahn wäre schließlich auch mit Bananen beworfen worden und hätte darüber nur gelacht.

Bereits Mitte der ersten Halbzeit wurde das Spiel längere Zeit unterbrochen. In unserem Fanbereich kam es zu diesem Zeitpunkt zu einem aus unserer Sicht unverhältnismäßigen Polizeieinsatz, so dass mehrere Personen auf das Spielfeld flüchteten. Bei diesem Einsatz wurden mindestens fünf Anhänger_innen des Roten Stern verletzt. Noch vor Ort wurden mehrere Anzeigen gegen Polizeibeamte erstattet.

Eine zweite Presseerklärung, erschienen am Folgetag, findet sich [hier].

Video aus Brandis und ein passender Song dazu

Hier ein kleines Video von Abpfiff in Brandis bzw. Beucha. Und dazu passend hier noch ein Downloadlink zu einem Hip Hop-Song zu Ehren von Roter Stern Nordost: GetOne! – „Kampfansage Nord-Ost“. Zwar geht es streng genommen um einen anderen Roten Stern, aber immerhin kommt auch Brandis im Text vor.

Nie wieder Brandis!

FSV BrandisRoter Stern Leipzig 0:2

Mittwoch, 07.04.2010., 18:15 Uhr, Sportplatz „Lange Stücken“ Beucha, Bezirksklasse Staffel 2 (Männer)

Obwohl wir nicht ganz pünktlich in Berlin aufgebrochen waren, kamen wir doch pünktlich zur Demo in Brandis an. Die Demonstration war mit etwa 350 Menschen recht gut besucht – immerhin war es ein früher Mittwochabend – und ziemlich bunt gemischt. Von Punks über Ultras bis zu Autonomen und (post-)antideutschen Antifas war alles vertreten, was sich auch in der Diversität der gerufen Sprechchöre ausdrückte, die in Niveau und Aktualität doch stark schwankten. In meinen Augen ist es zu begrüßen, dass bei einer Demo nach einem solchen Vorfall ein relativ breites und buntes Bündnis Präsenz zeigt und die Provinz nicht vollkommen der Barbarei überlässt. Auch erfreulich war die Anwesenheit vieler Menschen mit Insignien ganz unterschiedlicher Fußballvereine. Neben dem Roten Stern Leipzig waren auch Abordnungen der Roten Sterne aus Berlin und sogar Flensburg vor Ort. Ferner gesichtet wurden FC St. Pauli, Tebe Berlin, Hapoel Tel Aviv, BSG Chemie Leipzig, Babelsberg 03, Dresdner SC und sicher noch einige mehr. Auf Grund des Zeitverzugs zog die Demo recht zügig durch das beinahe menschenleere Brandis. Hier und da streckten Menschen ihre Köpfe – teil wohlwollend, teils eher nicht so – aus ihren Fenstern oder über ihre Gartenzäune, und dann und wann stand auch mal ein Grüppchen jüngerer Menschen in weiterer Entfernung herum. Die Polizei hielt es zwar für nötig, den Aufzug nach sage und schreibe ganzen zehn Metern wieder anzuhalten (Vermummung?!), verlegte sich aber sonst vor allem aufs passive Rumprollen und Solariumsbräune zur Schau stellen. Merke: Polizist_innen in Sachsen sind auch nicht schöner als Polizist_innen in Berlin. Nach der Abschlußkundgebung vor dem Tatort/Stadion ging es dann rasch per Bus und Privat-KFZ Richtung Ortsteil Beucha, wohin das Spiel mangels Flutlichtanlage in Brandis verlegt worden war. Dass es in Beucha auch kein Flutlicht gibt, ist wohl niemandem aufgefallen…

Bevor ich zum Spiel selbst komme, noch einige Zwischenbemerkungen: Der FSV Brandis und der sächsische Fußballverband haben sich nach dem Übergriff im Oktober größte Mühe gegeben nach bewehrtem, deutschem Muster das Geschehene herunterzuspielen und zu verharmlosen. Doch das Bild, das sich uns in Brandis bot, spricht (genau wie die Erkenntnisse auf tatortbrandis.blogport.eu) eine andere Sprache. Nicht nur, dass in Brandis die NPD mit einem Abgeortneten im Stadtrat sitzt, auch Autonome Nationalist_innen bzw. Frei Kräfte scheinen in Brandis fest verwurzelt zu sein. An zwei Bushaltestellen am Bahnhof, wo die Demo losgehen sollte, sowie am Stadion von Brandis waren Sprühereien mit Wortlaut „Nationaler Sozialismus jetzt“ und „Fuck RSL“ angebracht, entlang der Demoroute hingen mehrfach (offenbar teilweise recht frisch geklebte) Naziplakate ,und -Sticker und Anwohner_innen berichteten sogar von einer Flugblattaktion vor der Demo, bei der vor den Lügen, die auf der Demonstration, die nur aus linken Gewalttäter_innen bestünde, gewarnt wurde. Ein bereits völlig vergilbter Aufkleber der Kameradschaft Siegerland an einem Laternenpfahl nahe des Bahnhofs dokumentiert zum einen eine vorhandene Vernetzung zu anderen „freien“ Strukturen der Naziszene, zum anderen aber auch, dass ein solcher Aufkleber in Brandis lange genug hängen kann, um zu vergilben. Während Brandis sich ähnlich wie Mügeln oder Wurzen (um in der Region zu bleiben) als Opfer einer Schmierenkampagne sieht und partout nicht einsehen will, wie tief die Stadt in der braunen Scheiße steckt, lässt die Ortsbegehung nur einen Schluß zu: Brandis ist eine Täter_innenstadt, in der Nazis mehr oder weniger frei agieren können, weil die deutsche Mehrheit schweigend zusieht, sofern sie nicht sogar Sympathien pflegt.

Was den fußballerischen Teil angeht, so hatten wir die erste Halbzeit verpasst, als wir nach einer mittleren Odyssee durch blühende Landschaften endlich auf dem Sportplatz von Beucha, idyllisch gelegen am Rande des kleinen Waldstücks, ankamen. Zum diesem Zeitpunkt führte Roter Stern ebreits mit 1:0 und auch auf den nicht vorhandenen Rängen waren die Sympathien ganz klar verteilt. Von den 780 Zuschauer_innen dürften grob geschätzt 650-700 auf Seiten des Sterns gestanden haben. Supportmäßig ging trotzdem recht wenig, wenn auch immer noch für diese Spielklasse unsagbar viel. Das hier ist immerhin achte Liga… Vielleicht war vielen aber auch einfach zu bewusst, dass wir uns in Feindesland befanden und dass viele derer, die dort auf Brandiser Seite standen schon im Oktober dabei gewesen waren, ob nun aktiv oder passiv. Insofern war es nicht nur sportlich hochverdient, dass Roter Stern durch einen wunderschönen Schuß aus etwa 17 Metern zum 2:0-Endstand erhöhte. RS Leipig – vor den Vorfällen von Brandis souveräner und ungeschlagener Tabellenführer, der in der Folge jedoch sechs Mal verlor – bleibt damit im gesicherten Mittelfeld der Tabelle, während Brandis weiterhin abgeschlagener und hoffnungsloser Tabellenletzter ist. Dass bei Spielern, Betreuer_innen und Fans von Roter Stern spätestens seit Brandis bei jedem Auswärtsspiel die Angst mtireist und sicher keine positiven Auswirkungen auf die Leistungen hat, dass bei jedem dieser Spielen eine Hundertschaft der Polizei vor Ort sein muss, um weitere faschistische Hetzjagden unmöglich zu machen, dass es eine Frechheit des Verbands war, das Spiel überhaupt wiederholen zu lassen, anstatt es für Roter Stern zu werten, und dass Brandis so oder so ein braunes Drecksnest bleibt, all das lässt sich durch diesen Sieg nicht ungeschehen machen, aber trotzdem tat es verdammt gut, die Nazifreunde aus Brandis vom Platz zu fegen!

Beim Zwischenstopp in Leipzig auf dem Rückweg mit Champions League im Fischladen und Falafel plus arabisches alkoholfreies Bier mit Apfelgeschmack (interessant!) vom Imbiss um die Ecke, konnten wir dann noch feststellen, wie fest Roter Stern Leipzig offenbar in der lokalen linken Szene verwurzelt ist und wie sympathisch hier doch alles wirkt. Als Bonus dann noch alte Bekannte aus Hamburg und Flensburg getroffen, die hier mittlerweile residieren, und zumindest ich habe mir ziemlich fest vorgenommen, möglichst bald wiederzukommen.

Omas, Opas, Mandys, Andis – Alles Nazis hier in Brandis!

Antifaschistische Demostration vor Spiel in Brandis

Aus dem Umfeld von Roter Stern Leipzig kommt folgender Aufruf:

Für den 7. April ruft der Red Star Supporters Club (RSSC) zur Teilnahme an einer antifaschistischen Demonstration in Brandis auf! Die nach zwei Verhandlungen vom Sportgericht verfügte Neuansetzung der am 24. Oktober 2009 nach dem Überfall von rund 50 Neonazis auf Spieler, Fans und Vereinsvertreter_innen nach 2 Minuten abgebrochene Partie zwischen dem FSV Brandis und RSL wurde vom Fußballverband auf Mittwoch 7. April um 18.30 Uhr festgelegt. Nach langen Diskussionen haben Mannschaft und Verein beschlossen am 7.4. wieder in Brandis anzutreten – den Nazis wird das Spielfeld nicht überlassen!

Aber dabei wollen wir es nicht belassen! Schon um 17 Uhr werden wir uns am Bahnhof in Brandis zu einer antifaschistischen Demo einfinden und von dort gemeinsam zum Sportplatz laufen.

Zu den Hintergünden hier ein Artikel aus der Jungle World 45/09.