Archiv der Kategorie 'presse'

St. Pauli und der Derbysieg – Ein Kommentar

Auf SportsWire findest sich (m)ein Kommentar zum Derbysieg des FC St. Pauli über den Hamburger SV und zwar [hier]. Hier ein Auszug:

Die Bedeutung des Derbysieges des FC St. Pauli über den Hamburger SV am vergangenen Mittwoch ist kaum zu überschätzen. Es gibt viele Derbys und sicher sind auch einige davon traditionsreicher oder wichtiger als das in Hamburg, aber es gibt wohl kaum eines, bei dem zwei Teams mit derart großer Anhängerschaft aufeinander treffen, das in der Vergangenheit so unglaublich einseitig gewesen ist.

Überhaupt erst ein einziges Mal hatte der FC St. Pauli gegen den HSV in einem Pflichtspiel gewinnen können und das war im September 1977, also vor mehr als 33 Jahren. Die Mehrzahl derjenigen, die am Mittwoch in der Gästekurve der Arena im Hamburger Nordwesten standen, dürfte da noch nicht einmal geboren gewesen sein. Diese lange Durststrecke ist in der Tat ziemlich außergewöhnlich, haben Derbys doch ähnlich wie Pokalspiele , so eine allgemein akzeptierte Fußballweisheit, ihre eigenen Gesetze. Zwar ist der Hamburger SV eindeutig der Verein mit den größeren Erfolgen und dem deutlich dickeren Portemonnaie und hat von daher quasi ein Abonnement auf die Favoritenrolle, doch gibt es auch andere traditionsreiche Derbys mit äußerst ungleichen Gegnern, und keines von ihnen hat eine derart einseitige Geschichte wie das zwischen dem Stadtteilclub und dem Verein vom Rothenbaum…

Tunesien, Fussball, Revolution

In ihrem lesenswerten Artikel in der neuen Jungle World zitierenBernd Beier und Thomas von der Osten-Sacken einen jungen Tunesier, die Aufständischen hätten „bei Zusammenstößen mit der Polizei nach Fußballspielen deren Strategie gelernt und nun für die Revolution nutzbar gemacht.“ Na also, von wegen Ultraism ist nur Freizeitvergügen. Hier wird wichtige Basisarbeit für kommende Aufstände betrieben…

Von Neuer Kritik und Politischer Ökonomie

Der Protest Münchener Fans und vor allem der Ultragruppierung Schickeria gegen eine mögliche Verpflichtung des Schalker Torwarts Manuel Neuer wird derzeit heiß diskutiert. Das Thema hat dabei zwei Ebenen.

Erst einmal und nicht zuletzt gibt es da die sportliche Ebene. Bayerns Stammtorhüter Jörg Butt wird im nächsten Frühjahr 37 Jahre alt, selbst für Spieler_innen auf seiner Position ein hohes Alter. Dass die Verantwortlichen bei seinem Verein an eine Nachfolge denken, ist da nur verständlich. Der FC Bayern hat hier prinzipiell zwei Möglichkeiten: Zum einen könnte er einen bereits als bundesligatauglich erwiesenen Torhüter wie Manuel Neuer einkaufen. Zum anderen könnte er aber auch auf Nachwuchs setzen, wie die Ultras es fordern…

Den ganzen Artikel gibt es auf sportswire.de.

Die Gewaltbereitschaftspolizei

In der aktuellen Jungle World findet ihr einen Artikel zum Fall Anne H. und zu Polizeigewalt. Den ganzen Artikel gibt es [hier] und eine Auszug hier:

Die Anklage war eindeutig: Am 17. April, nach dem Gastspiel des FC St. Pauli bei Union Berlin, soll Anne H. nahe dem Gästeeingang des Stadions an der Alten Försterei einen Polizisten der Berliner Bereitschaftspolizei angegriffen und verletzt haben. Im Prozess gegen sie zeichneten Zeugenaussagen und ein vorgelegtes Handyvideo jedoch ein deutlich anderes Bild der Geschehnisse und legen den Schluss nahe, die Angeklagte sei vielmehr Opfer brutaler Polizeigewalt geworden.

Union vs. St. Pauli – Prozess gegen Anne H.

Am heutigen Mittwoch, dem 17. November 2010, fand im Amtsgericht Tiergarten in Berlin der erste Prozesstag in einem Verfahren statt, das einen eher ungewöhnlichen Verlauf zu nehmen scheint. Angeklagt ist die Studentin Anne H., die auf den Tag genau vor sieben Monaten, nach dem Spiel von Union Berlin gegen den FC St. Pauli, einen Polizisten der Berliner Bereitschaftspolizei beleidigt, angegriffen und durch Würgen am Hals verletzt haben soll. Nach der Befragung von sieben Zeugen und der Sichtung eines von einem Unbeteiligten gefilmten Handyvideos zeichnet sich jedoch ein deutlich anderes Bild…

Den ganzen Artikel gibt es auf sportswire.de.


Männermob für Männerkultur

In der aktuellen Jungle World findet ihr einen Artikel zur Demo „Zum Erhalt der Fankultur“ in Berlin am vergangenen Wochenende. Den ganzen Artikel findet ihr [hier] und hier gibt’s einen Appetithappen:

Für Samstag hatten die drei großen Fanorganisationen Pro Fans, Baff (Bündnis aktiver Fußballfans) und Unsere Kurve zu einer Demonstration »zum Erhalt der Fankultur« aufgerufen. Insgesamt kamen mehr als 4 000 Fußballanhänger nach Berlin, um nach Vereinen sortiert unter anderem gegen personalisierte Tickets, Verbote von Fanutensilien und Choreografien sowie eigener Fanzines zu protestieren.

Doch ebenso interessant wie die Frage, wer alles da war, war auch die, wer aus welchen Gründen nicht gekommen war. Gleich mehrere Ultragruppierungen hatten öffentlich angekündigt, nicht an der Demonstration teilzunehmen. So erklärten etwa Ultras aus Leverkusen, Ahlen und Mönchengladbach, dass sie es scheinheilig fänden, in Berlin gemeinsam mit Gruppen auf die Straße zu gehen, von denen sie erst vor kurzem noch angegriffen und beraubt worden seien. Auch auf der Demonstration selbst war die Gewalt in der Ultraszene eines der großen Themen. So forderte ein Vertreter der Herthaner Ultragruppe Harlekins in seinem Redebeitrag von den Anwesenden, mehr Verantwortung zu übernehmen und einen Selbstreinigungsprozess einzuleiten. Ähnlich äußerte sich auch Steffen Toll, der Pressesprecher der Demonstration. Für die Absage einzelner Gruppen äußerte er Verständnis, doch würden viele der anwesenden Gruppen deren Kritik im Grunde teilen. Es scheint jedoch mehr als wahrscheinlich, dass gerade die Absagen einiger Gruppen sehr dazu beigetragen haben, szene­interne Diskussionsprozesse in Gang zu setzen…

Red Bull verleiht Prügel!

Im Großraum Halle-Leipzig hat es mal wieder eine schöne Aktion gegeben. Die fiktive Ultragruppe von RB Leipzig hat schwer bewaffnet das Stadion des Hallischen FC geentert und wild gepost. Zur Belohnung gibt’s ein sehr gelungenes Interview in der Jungle World, das hier in einigen Auszügen zitiert werden soll:

Die Kampagne vereint so verfeindete Fanszenen wie die eher linken Anhänger der BSG Chemie Leipzig und die – vorsichtig formuliert – nach rechts ziemlich offenen Fans des 1. FC Lokomotive Leipzig sowie des Halleschen FC. Was die Ressentiments gegen RB Leipzig so widerwärtig macht, ist vor allem der gegen diesen Verein gerichtete Heuschrecken-Vergleich und die dazu gehörige Rhetorik…

Sieht man sich außerdem das klassische Publikum etwa des HFC oder von Lok Leipzig an, so braucht es einem nicht leid zu tun, wenn es sich auf ewig Spiele in Auerbach oder Meuselwitz anschauen muss…

… zumal wir die friedliche, familientaugliche Atmosphäre bei RB Leipzig sehr viel angenehmer finden als die wöchentlichen Räuber-und-Gendarm-Spiele im Umfeld der »Traditionsvereine«. Und dass Kommerz und Fußball nichts miteinander zu tun haben, war vielleicht noch in den dreißiger Jahren so…

Das wären Gründe dafür, privat und unorganisiert ins Stadion zu gehen, ganz ohne schwarze Kapuzenjacken, Jugendorganisationen, Capos und Banner mit Gruppennamen – und ohne die Angst, von anderen Ultragruppen überfallen und ausgeraubt zu werden. Leidenschaft als Programm und das »Verteidigen der eigenen Farben und des eigenes Reviers« finden wir nicht besonders ansprechend…

Dem ist wenig hinzuzufügen. Außer, dass ich die Idee mit „Für den modernen Fußball“ als Erste_r hatte! ;)

rbl

HSV-Hools attackieren St. Pauli-Fans und Benedikt Pliquett

Wie der Kicker und andere berichten wurden Benedikt Pliquett und einige Anhänger_innen des FC St. Pauli nach der Rückkehr vom Auswärtssieg in Freiburg am Bahnhof Altona von HSV-Hools tätlich angegriffen. Wenige Wochen vor dem Derby scheinen die Emotionen bei Einigen schon sehr hochzukochen:

Knapp einen Monat vor dem Hamburger Derby haben 15 vermummte Anhänger des HSV in der Nacht zum Sonntag Pauli-Fans und Ersatztorhüter Benedikt Pliquett attackiert. Der 25-Jährige war nach der Rückkehr vom Bundesliga-Spiel beim SC Freiburg mit Fans am Bahnhof Altona ausgestiegen und wurde sofort angegriffen. „Die Täter sind durchaus organisiert vorgegangen“, sagte Reiner Urban, Sprecher der Bundespolizei.

Pliquett blieb unverletzt, zwei St. Pauli-Anhänger mussten dagegen ins Krankenhaus gebracht werden. Drei HSV-Fans im Alter von 16 bis 29 Jahren wurden festgenommen, fünf weitere kurz darauf ermittelt. „Eine Flasche verfehlte ganz knapp meinen Kopf. Ich rief die Polizei. Sie griff auch sofort ein“, sagte Pliquett der Bild-Zeitung. Der Torwart konnte mehrere Tritte mit seinem Koffer abwehren. Die Hooligans hatten auch bereits am Boden liegende Personen weiter getreten und geschlagen. Laut Polizeiangaben zog sich ein Fan einen Nasenbeinbruch zu, einem weiteren wurde das Hörgerät aus dem Ohr geschlagen. „Die Täter sind durchaus organisiert vorgegangen“, sagte der Sprecher der Bundespolizei, Reiner Urban, dem Hamburger Abendblatt. Die Ermittlungen hätten ergeben, dass diese Personen in der Datei „Gewalttäter Sport“ registriert seien. Außerdem seien Dauerkarten des HSV gefunden worden, erklärte die Polizei weiter.

Den ganzen Artikel gibt es [hier].

Kein Heimspiel für Pastörs

Die Jungle World widmet mich in ihrer aktuellen Ausgabe in der Antifarubrik der Vertreibung von Udo Pastörs samt Gefolge aus dem ehemaligen Ostseestadion durch Ultras des FCH:

Bislang waren die Anhänger des FC Hansa Rostock vor allem als erbitterte Gegner des FC St. Pauli bekannt. Kürzlich ließen sie jedoch eine Abordnung der NPD ihre Abneigung spüren.

Das Wetter meinte es gut am letzten Wochenende im Juli. Seit 1964 feiert man in dem kleinen vorpommerschen Städtchen Ueckermünde die Hafftage – das größte Volksfest der Region. Nicht ganz so lange währt die Tradition der NPD, diese Veranstaltung mit ihrer Propaganda zu überziehen. Während in diesem Jahr NPD-Mitglieder am Kai Flugblätter verteilten, schipperte Tino Müller, ehemaliges Mitglied der mittlerweile verbotenen »Heimattreuen Deutschen Jugend« und NPD-Landtagsabgeordneter, auf einem kleinen Fischerkahn über die Uecker, am Heck wehte die Flagge seiner Partei. In den örtlichen Medien fand der Auftritt keine Erwähnung.

Für viele Fußballfans sind die Spiele ihrer Vereine ebenfalls große Volksfeste, die Anhänger des FC Hansa Rostock sind da keine Ausnahme. Inner- und außerhalb der Stadien kennt man nicht nur ihre einfallsreichen Choreografien, sondern auch ihre Faible für Rauchbomben und Gewalttaten.

Seit Beginn der laufenden Saison berichtet das Internetportal Mupinfo, das der NPD nahesteht und auf den stellvertretenden NPD-Landesvorsitzenden David Petereit registriert ist, begeistert über den FC Hansa und seine Spiele. Allerdings musste ein Autor namens Michael Fischer auch schon besorgt fragen: »Hansa auf linken Abwegen?« Anlass für den Artikel war die Gründung der »Unique Rebels – Hansa Rostock«. Dieser neue Fanclub, eine Abspaltung der »Suptras Rostock«, spricht sich gegen jede Form von Diskriminierung aus. Fischer meint deshalb, »klare linksfaschistische Strukturen« erkannt zu haben.

Anfang August, am vierten Spieltag der dritten Liga, versuchten Nazis dann einen kollektiven Stadionbesuch. Begleitet von seinem Bodyguard David Böttcher, seinem Fraktionskollegen Stefan Köster und etwa 20 weiteren Gesinnungsgenossen betrat Udo Pastörs, Vorsitzender der NPD-Landtagsfraktion, die DKB-Arena. Kurz vor ihrem Ziel, der neu eingerichteten Südtribüne – wo die »Suptras Rostock« das Sagen haben –, wurden Pastörs und seine Begleiter erkannt. Die Hansa-Anhänger drängten den rechtsextremen Trupp handgreiflich zurück und riefen: »Nazis raus!« Der NPD-Tross lehnte das Angebot der Veranstalter ab, das Spiel von anderen Plätzen aus zu verfolgen.

Den ganzen Artikel gibt es [hier].

Schwulen-Combo im Liebesnest

In der aktuellen Jungle World ist ein Artikel von Elke Wittich, der recht gut vieles von dem wiedergibt, was zum Thema Fußball und Homosexualität bei der Veranstaltung zu Männlichkeitsbildern im Fußball im Bandito Rosso/Berlin-Prenzlauer Berg am 17.06. gesagt worden ist. Aufhänger des Artikels sind Aussagen der Ballack-Beraters Michael Becker am Rande von Bernd Schneiders Abschiedsspiel in Leverkusen. Den lesenswerten Artikel gibt es in Gänze [hier]. Hier ein Auzug:

Was ein medialer Knaller hätte werden sollen, ist mit erstaunlicher Geschwindigkeit verpufft. Im Rahmen einer WM-Reportage hatte der Spiegel-Autor Alexander Osang in einigen Zeilen angemerkt, dass ihm zwei Monate vor der Weltmeisterschaft in Südafrika »Michael Becker, der Manager von Michael Ballack«, erzählt habe, welche deutschen Spieler angeblich schwul seien.

Und nicht nur das. Becker, so Osang weiter, habe »am Rande des Abschiedsspiels von Bernd Schneider in Leverkusen« öffentlich, und zwar »inmitten einer Traube von Spielerberatern und Journalisten im Bayer-Clubhaus« angekündigt, »dass es einen ehemaligen Nationalspieler gebe, der die ›Schwulen-Combo‹ demnächst hochgehen lassen würde … « Einen überraschend für die WM nominierten Spieler bezeichnete Becker gegenüber dem Spiegel-Schreiber als »halbschwul«, ohne genau zu erklären, was das denn nun sein solle – anscheinend fand er allerdings, dass dieses Wort gut zum von ihm angedeuteten Tatbestand einer wie auch immer gearteten Schwulenverschwörung in der Nationalmannschaft passe.

Dazu passend möchte ich hier mal ganz nebenbei auf The Justin Campaign hinweisen, eine Kampagne gegen Homophobie im Fußball, die mit ihrem Namen an Justin Fashanu, den bisher einzigen Spieler der englischen Premier League, der sich als schwul geoutet hat und schließlich unter tragischen Umständen Selbstmord beging, erinnern will. Auscheckenswert!

justin campaign