Archiv der Kategorie 'presse'

Einige Artikel zum Thema Aachen

In den letzten eineinhalb Wochen ist viel geschrieben worden über den Angriff rechter und rechtsoffener Aachener Hools und Ultras auf die Aachen Ultras nach dem Spiel in Saarbrücken. Hier eine kleine Zusammenstellung relativ lesenswerter Artikel zum Thema:

Aachener Zeitung (09.08.): Alemannia-Fans prügeln auf Alemannia-Fans ein

RevierSport (09.08.): Rechte greifen Aachener Ultras brutal an

11 Freunde (09.08.): Eine Hetzjagd

Zeit Online (10.08.): Aachen droht Hooligans mit drastischen Maßnahmen

Aachener Zeitung (13.08.): «Stadtverbot» für prügelnde Hooligans

Jungle World (16.08.): Die braunen Hools von Alemannia

Aachener Zeitung (16.08.): Alemannias «Fan-Krieg»: Fall für den Strafrichter

Und [hier] der Vollständigkeit halber auch noch die Presseerklärung von BAFF.

Shitstorm für den FC Siewillja

Die Kolleg_innen von Monsters of Göttingen beschäftigen sich auf ihrem Blog mit wahrhaft beschissenen Teamnamen in der Göttinger Uniliga. Der Schwerpunk liegt dabei auf dem FC Siewillja, aber auch Borussia Bunga Bunga, Olympicke Restefick und Standard Nuttich bekommen die Erwähnung, die sie verdienen. Ich würde aber auch noch Eintracht Fraunschweigt und Sportclub Dingen-Schwingen nennen. Dass dazu noch gefühlte zwei Dutzend Teams mit Sauf-Namen wie SV Wacker Durchsaufen oder ESG 1899 Besoffenheim kommen, lässt vermuten, dass Unifußball ganz sicher keinen NC hat…

Viel geiler sind da schon Namen wie SK Sturm Hartz 04, Quietschbeus oder Schmetterlinge des Zorns… Ihr könnt auch gerne [hier] selber nach weiteren Highlights suchen!

Hier ein Auszug aus dem Artikel von M.O.G.:

Niveaulosigkeit und Universität schließen sich nicht aus. Das wissen alle, die schon mal die Sprechchöre und das Gebaren einer O-Phase miterleben mussten. Auch im Fußball wird gern unter Gruppenzwang gegröhlt und gebechert. Wenn nun Fußball und Universität aufeinander treffen, scheint das Niveau nochmals zu fallen, wie das Beispiel des „FC Siewillja“, einer Fußballmannschaft des Instituts für Psychologie zeigt. Andere Teams stehen dem in nichts nach.

Den ganzen Artikel gibt es [hier].

Bombenstrafe bei Babelsberg

Dass Menschen sich von „Bomber Harris do it again!“ provoziert fühlen können, ist nachvollziehbar. Dass explizite Neonazis in der Kurve des Chemnitzer FC sich darüber aufregen, ist sogar nahezu logisch. Dass der DFB deswegen eine Strafe ausspricht, wäre vielleicht sogar noch verständlich, wenn er rigoros gegen jede Form der Schmähung des sportlichen Gegners vorgehen würde. Da aber an jedem Scheißwochenende in irgendeinem Stadion rassistische, homophobe, sexistische oder antiziganistische Schmährufe, Banner und sonstwas am Start sind, ohne dass der DFB auch nur bei 1% der Fälle eingreifen und Strafen verhängen würde, kann hier nur von politisch motivierter Willkür gesprochen werden. Wenn Antifaschismus mit Repression begegnet wird, während Neonazis ungestraft so ziemlich alles rufen dürfen, was das Repertoire der Menschenfeindlichkeit so hergibt, dann hat der deutsche Fußball ein Problem. Wenn der Verein, in diesem Fall der SV Babelsberg 03, sich dann auch noch gegen die eigenen Fans stellt und das Urteil des DFB akzeptiert ohne auch nur mit der Wimper zu zucken oder wenigstens mal dezent darauf hinzuweisen, dass der eigene Verein regelmäßig und ungestraft mit „Arbeit macht frei – Babelsberg Null Drei“-Rufen empfangen wird, dann hat hat dieses Problem offensichtlich epische Ausmaße angenommen, denn offenbar grassiert mal wieder eine akute Epedemie der Auf-dem-rechten-Auge-Blindheit gepaart mit Symptomen einer leichten Antikommunismunitis…

Achja, und wer gar nicht weiß, worum es hier überhaupt geht, kann es [hier] in der Jungle World nachlesen. Hier mal ein Auszug:

…Am 16. März wurde der SVB 03 vom DFB-Sportgericht wegen »unsportlichen Verhaltens seiner Anhänger« zu einer Geldstrafe von 5 000 Euro verurteilt. Der Grund: Beim Spiel gegen den Chemnitzer FC am 3. März in Potsdam hatten Babelsberger Fans ein Transparent mit der Aufschrift »5. 3. – Bomber Harris do it again!« hochgehalten, um gegen einen an diesem Datum von Nazis geplanten »nationalen Trauermarsch« zum Gedenken an die Bombardierung von Chemnitz im Frühjahr 1945 zu protestieren. Nicht wenige der potentiellen Teilnehmer dieses Trauermarschs standen in Babelsberg im Chemnitzer Fanblock. Jacob Roth, Ultra im Ostblock des Babelsberger Karl-Liebknecht-Stadions, erklärte gegenüber der Jungle World: »Das Spruchband wurde wegen des Naziaufmarsches in Chemnitz gemacht. Wir wollten damit auf die Verquickungen zwischen der Chemnitzer Fangruppe New Society, genannt NS-Boys, und den Nationalen Sozialisten Chemnitz hinweisen.«

Die Motive der Babelsberger Fans spielten für den DFB jedoch keine Rolle, dort wurde das Zeigen des Transparents nach § 9 Nr. 3 Abs. 1 und § 9 Nr. 2 der DFB-Rechts- und Verfahrensordnung als strafbares »diskriminierendes Verhalten« gewertet. Wie das DFB-Sportgericht zu dieser Bewertung kam, lässt sich nicht nachvollziehen. Die genannten Vorschriften richten sich gegen rassistisches und menschenverachtendes Verhalten sowie »herabwürdigende, diskriminierende oder verunglimpfende Äußerungen in Bezug auf Rasse, Hautfarbe, Sprache, Religion oder Herkunft«. Doch die Urteile des Sportgerichts werden grundsätzlich nicht veröffentlicht, »denn hier besteht einzig und allein eine Sportrechtsbeziehung zwischen DFB und Verein«, so die Pressestelle des DFB gegenüber der Jungle World…

Rasismen inom fotbollen

Für all diejenigen, die des Schwedischen mächtig sind, gibt es in der aktuellen Ausgabe des schwedischen Magazins „Expo“ einen Themenschwerpunkt zum Thema „Rassismus im Fußball“, der hiermit allen an Herz gelegt sei. „Expo“ leistet seit Jahren gute Arbeit im Bereich Kampf gegen Rassismus und die extreme Rechte in Schweden und darüber hinaus und ist grundsätzlich ein sehr zu empfehlendes Medium. Zum Themenschwerpunkt geht es [hier]. Eine Selbstdarstellung von „Expo“ in englischer Sprache gibt es [hier].

Luchse gegen Luchskatzen

In der aktuellen Jungle World ist eine interessante Reportage über Fußball in der finnischen Stadt Tampere erschienen. Hier ein kurzer Auszug:

Es sind nicht gerade riesige Menschenmassen, die an diesem frühen Freitagabend in das Tammelan-Stadion in Tampere strömen. Dabei trifft heute das derzeit erfolgreichste Team der finnischen Stadt auf das dritterfolgreichste, was in der Praxis allerdings nur bedeutet, dass hier zwei Drittligateams aufeinandertreffen. Dabei ist Tampere die drittgrößte Stadt des Landes und so etwas wie eine Sportmetropole. Die beiden erfolgreichsten finnischen Eishockeyteams spielen hier, und auch fünf Meistertitel im Fußball gingen bereits in die Stadt zwischen den Seen. Jeweils einen davon konnten Ilves-Kissat und Ilves, die heute gegeneinander antreten werden, erringen.

Den kompletten Artikel gibt es [hier].

Schwulenfeindlich, na und?

Es geschieht eher selten, dass bei n-tv ein Kommentar kommentarlos stehen gelassen werden kann. Deshalb hier und zur Feier des Tages ganz unkommentiert ein Kommentar von Christian Bartlau zu Roman Weidenfäller, Torhüter des BVB und homophobes Arschloch vor dem Herrn:

Dortmunds Roman Weidenfeller hat ein Problem. Er fühlt sich von Joachim Löw zum wiederholten Male übergangen. Statt des Torhüters vom Meister erkor der Bundestrainer den Youngster Ron-Robert Zieler von Hannover 96 für die nächsten Spiele zur Nummer drei des Nationalteams. Die Entscheidung für den Perspektivspieler ist sportlich so gut nachvollziehbar wie die Wut des 31-Jährigen, der seit Jahren eine verlässliche Stütze für das Meisterteam ist. Doch die Art und Weise, wie er seinem Ärger Luft machte, ist schlicht unerträglich. Noch schlimmer ist eigentlich nur die Reaktion der Medien und Fans, die den Vorfall einfach ignorieren.

„Vielleicht sollte ich mir einfach die Haare schneiden. Oder etwas zierlicher werden“, zitiert der „Spiegel“ den Torhüter, und entblödet sich nicht anzufügen, dass der Torhüter seine Aussage nicht weiter erläutern wollte. Dabei weiß der Autor genau, worauf der Dortmunder Kapitän mit dieser Aussage anspielt: auf die Gerüchte, der Bundestrainer sei schwul. Der „Kicker“ bezog die „Boshaftigkeit“ gar auf Ron-Robert Zielers Frisur. Dabei hatte Weidenfeller, wohl um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen, gleich noch eine zweite Bemerkung parat: „Ich hatte dazu früher schon immer einen Spruch auf den Lippen, der sehr böse ist. Den verkneife ich mir jetzt lieber“, versprach der Torhüter, lieferte aber passenden Ersatz: „Vielleicht gibt es ja bald in irgendwelchen Jugendcamps noch weitere junge Torhüter.“ Bis zur kruden Verbindung von Homosexualität und Pädophilie, mit der Christoph Daum noch in Diensten des 1. FC Köln glänzte, war es kein weiter Schritt mehr.

Den ganzen Kommentar gibt’s [hier].

You‘ll never walk alone

In der Jüdischen Allgemeinen ist ein ausgesprochen interessanter Artikel über die Geschichte des Fußballschlagers „You‘ll never walk alone“ erschienen. Die Wurzeln des Hits von Gerry & The Pacemakers, der auf St. Pauli leider lange Zeit in der grausamen Rubbermaids-Version gespielt wurde, liegen dabei deutlich weter in der Vergangenheit, als manch eine_r vermuten mag:

Wäre es nach Brian Epstein gegangen, würde dem Fußball etwas Wichtiges fehlen. Der Mann, der als Manager der Beatles berühmt wurde, hatte 1963 auch eine zweite Band aus Liverpool unter Vertrag: Gerry and the Pacemakers. Nach zwei Beat-Hits schlug der Sänger Gerry Marsden ausgerechnet eine alte Ballade als dritte Single vor. Epstein war dagegen. »Wir wollen wieder eine Nummer eins von dir und glauben nicht, dass das stark genug ist«, sagte er. Am Ende wurde die Single doch veröffentlicht. Ihr Titel: You’ll never walk alone.

Am 2. November 1963 erreichte der Song die Spitze der Hitparade und wurde daraufhin im Stadion des Liverpool FC gespielt. Bald übernahmen die Fans You’ll never walk alone in ihr Repertoire. Anfang der 1990er-Jahre kam der Song nach Deutschland. Schnell wurde er zur wichtigsten Fußballhymne, die vereinsübergreifend in den Stadien gesungen und gespielt wird. Wenn am Freitag die Bundesliga startet, hat auch You’ll never walk alone wieder Saison.

Vielen Fans ist allerdings nicht bewusst, dass die Geschichte des Songs wesentlich weiter zurückreicht. Und dass diese Geschichte eine dezidiert jüdische ist. You’ll never walk alone stammt aus dem Broadway-Musical Carousel, das 1945 von Richard Rodgers und Oscar Hammerstein geschrieben wurde. Das Musical wiederum basiert auf dem 1909 uraufgeführten Theaterstück Liliom des ungarischen Schriftstellers Franz (Ferenc) Molnár…

Den ganzen Artikel gibt es [hier].

Interview mit Carsten Bangel

Die 11 Freunde hat passend zum Mommsenstadion-Poster in der aktuellen Ausgabe ein sehr lesenswertes Interview mit TeBe-Langzeitfan und Stadionsprecher Carsten Bangel am Start. Zu lesen [hier] und als Appetithappen ein kleiner Auszug:

Carsten Bangel, gerade in der tristen Gegenwart des Oberliga-Abstiegskampfs: Kann man das Mommsenstadion überhaupt lieben?

Carsten Bangel: Oh ja. Wir lieben es alle. Das Mommsenstadion ist keine Schönheit, es ist aber ein Old-School-Paradies. Es hat Soul. Wir haben rund 80 Prozent Stehplätze und im Stadion totale Bewegungsfreiheit. Es gibt keine Videowürfel, wo man mit Werbung bombardiert wird und keine Kameraüberwachung. So wie Fußball eben vor 20, 30 Jahren war. Man hört auch von vielen Groundhoppern, dass sie auf das Ambiente stehen.

Das ist dann wohl der Luxus der Oberliga…

Carsten Bangel: Gewissermaßen schon, ohne damit den Absturz der letzten Jahre romantisch verklären zu wollen. Natürlich träumen wir davon, in absehbarer Zeit auch wieder höher zu spielen. Das wird dann auch Veränderungen mit sich bringen. Aber momentan genießen wir eben die Dinge, die im großen Fußball etwas verloren gegangen sind.

Becherwürfe, Schuld und Sühne – Ein Kommentar

Auf SportsWire ist ein Kommentar zu den Diskussionen um den Becherwurf von St. Pauli erschienen. Hier ein Auszug:

Nur noch wenige Minuten waren zu spielen am Millerntor. Der FC St. Pauli lag nach schwacher Leistung gegen Schalke mit 0:2 zurück und hatte bei zwei Mann Unterzahl auch wenig Chancen darauf, an diesem Ergebnis noch etwas zu ändern. Plötzlich wirft jemand von den teuren Sitzplätzen auf der neuen Haupttribüne aus einen Bierbecher. Es ist nicht der erste und auch nicht der letzte, der an diesem Tag fliegt, doch dieser trifft. Von dem halbvollen Wurfgeschoss im Nacken getroffen sackt Schiedsrichterassistent Thorsten Schiffner in sich zusammen und wirkt kurz irritiert. Schiedsrichter Aytekin unterbricht das Spiel und entscheidet, nachdem er sich mit seinen beiden Assistenten beraten hat, das Spiel abzupfeifen. Zu diesem Zeitpuntk wären noch zwei Minuten zu spielen gewesen. Die Fans im Stadion und auch einige Spieler sind verwirrt bis empört. Immerhin haben sie, anders als die Menschen vor den Fernsehschirmen, nicht mitbekommen, was eigentlich geschehen ist. Genauso wenig können sie wissen, dass Assistent Schiffner richtig lag, als er in der 65. Minute ein Tor von Boll wegen passiven Abseits nicht gegeben hatte. Es dürfte vor allem diese Szene gewesen sein, die den Bierbecherwerfer zu seiner Tat bewegt hat.

Nach dem Spiel sind sich fast alle einig. Der Becherwurf war unter aller Sau. Zwar wirft sich Schalke-Neutrainer Rangnick noch für St. Pauli in die Bresche, indem er darauf verweist, dass die Schalke-Fans ja auch mit Gegenständen geworfen hätten, und St. Pauli-Keeper Pliquett meint zum NDR, dass so etwas doch Usus sei und er ständig beworfen und auch getroffen werden würde. Doch im Grunde sagen und wissen alle, dass egal wie üblich so etwas sein mag, es dennoch falsch ist und die körperliche Unversehrtheit jedes Menschen höher anzusiedeln ist als das Spielgeschehen. Selbst im Forum der St. Pauli-Fans, in dem sich oft und gerne gezofft wird, herrscht weitgehend Einigkeit darüber, dass dieser Bierbecherwurf dumm, falsch und schädlich für den Verein war.

Und [hier] der ganze Artikel.

Nicht irgendein Spieler

In der aktuellen Jungle World ist ein längerer Artikel über das Coming-out von Anton Hysén erschienen. Den ganzen Artikel gibt es [hier] und als Vorgeschmack gibt es das hier:

In Schweden beginnt die neue Fußballsaison wetterbedingt zwar erst Anfang April, die erste Sensation gab es jedoch schon bereits einen knappen Monat früher, genauer gesagt am 9. März. An diesem Tag erschien nämlich die neue Ausgabe des Fußballmagazins Offside mit einem Fußballschuh in Regenbogenfarben auf der Titelseite, darunter stand die Frage: »Wo sind all die anderen?«

In dem dazugehörigen Artikel outete sich Anton Hysén, der in der vierten schwedischen Liga für den Göteborger Verein Utsiktens BK spielt, als schwul und erklärte die Beweggründe für sein Coming-out. Nun ist Anton Hysén nicht irgendein Spieler irgendeines Vereins der Division 2 (in Schweden nummeriert man die Ligen etwas eigenartig, die 1. Division entspricht der deutschen 3. Liga) – er stammt aus einer ausgewiesenen, in Skandinavien sehr bekannten Fußballerfamile: Antons Vater ist Glenn Hysén, eine der wenigen lebenden Legenden des schwedischen Fußballs, ehemaliger Kapitän der Nationalmannschaft und mit dem IFK Göteborg gleich zweifacher Gewinner des Uefa-Pokals. Auch Antons Brüder Alexander und Tobias sind Fußballspieler, letztgenannter spielt derzeit ebenfalls für den IFK und seit 2005 in der Nationalmannschaft.