Archiv der Kategorie 'politisches'

Meine Fresse Dortmund!


Beim ohnehin schon recht glanzlosen 1:0 zwischen Borussia Dortmund und dem SV Werden Bremen am vergangenen Samstag kam es auf Seiten der Dortmunder Fans zu noch weit glanzloserem Verhalten. Einige Anhänger_innen des BVB hielten während des Spiels auf der Südtribüne zwei Transparente mit den Aufschriften

„Lieber ne Gruppe in der Kritik, als Lutschertum und Homofick“

und

„Gutmenschen, Schwuchtel, Alerta-Aktivist, wir haben euch im ›20 gegen 100‹ gezeigt, was Fußball ist“

in die Höhe und lieferten damit ein erneutes Lowlight in der Geschichte beschissener Banner in deutschen Fußballstadien.

Berichten zufolge griffen andere Besucher_innen nach nur wenigen Minuten ein und konnten das weitere Zeigen der homophoben Kackscheiße unterbinden und auch der Verein hat sich eindeutig von der Aktion distanziert, doch geschehen ist nun einmal leider geschehen. Natürlich ist es auch schwierig bis unmöglich so etwas bei einem enorm großen Stadion wie dem der Borussia immer vollkommen auszuschließen, aber es zeigt einmal mehr, dass es in der Dortmunder Fanszene eine vielleicht kleine, aber doch lautstarke und selbstsicher agierende Gruppe von Anhänger_innen zu geben, die politisch weit rechts des Tolerierbaren stehen. Speziell der zweite Spruch richtet sich ja explizit an Menschen aus dem antifaschistischen „Alerta Network“ und bedient sich mit „Gutmenschen“ auch explizit im Repertoire rechter Rhetorik.

Der Verein muss sich aber auch die Frage gefallen lassen, wie so ein Banner überhaupt an den Ordner_innen vorbei gelangen konnte. Torsten Siebert von „Soccer Sound“ und Christian Rudolph, Sprecher von „Fußballfans gegen Homophobie“, sehen das ähnlich:

Aus unserer Sicht ist es ein absolutes Versäumnis seitens des Vereins, dass solche diffamierenden und diskriminierenden Banner in die Kurve gelangen konnten. Wir fordern die Vereinsführung von Borussia Dortmund auf, sich von dieser Aktion zu distanzieren und klar Stellung zu beziehen. Es sollte auch geprüft werden, ob Sanktionen gegen die betreffende Gruppe verhängt werden können. Solche Banner dürfen in keinem Stadion toleriert werden.

Perspektivisch dürften sich solche Vorfälle aber wohl nur verhindern lasen, wenn sich das gesamtgesellschaftliche Klima wandelt. Solange Homophobie und Heterosexismus in der Gesamtgesellschaft vielfach mitgetragen, akzeptiert oder wenigstens toleriert werden, wird es so etwas auch immer wieder und gerade auch in Fußballstadien geben.

Ein Lichtblick jedoch ist die via Twitter kolportierte Reaktion der Bremer Fans, die Ohrenzeug_innen zufolge „Schwuler SVW“ gesungen haben sollen, ähnlich wie auch in den Kurven von Köln und TeBe gerne auf derlei tumbe Beschimpfungen reagiert wird. Und überhaupt: Wer lieber homophob als schwul ist, hat auch mal echt nix begriffen…

Fußballfans gegen Homophobie Video

Hier ein interessantes Video über die Kampagne „Fußballfans gegen Homphobie“, bei der auch Bilder vom letzten Fankongress in Berlin zu sehen sind.

Antisemitische Ausfallerscheinungen beim FCK


Wie der Kicker und andere berichten, haben Anhänger_innen des 1. FC Kaiserslautern beim Training m vergangenen Sonntag ihrem Ärger über die desaströse Leistung ihres Teams Luft gemacht. Das ist vielleicht weder nett noch förderlich, aber im Grunde nicht wirklich schlimm. Schlimm, um nicht zu sagen zum Kotzen, ist es hingegen, dass etwa ein Dutzend von ihnen den israelischen Stürmer Itay Shechter, der seit Saisonbeginn für die Pfälzer spielt, antisemitisch beleidigten und den „Hitlergruß“ zeigten. Die Reaktion der Umstehenden fiel laut Kicker eher verhalten aus:

Die Polizeibeamten, die am Sonntag vor Ort waren, entfernten die Radikalen nicht vom Stadiongelände – aus „deeskalierenden Gründen“, wie FCK-Sprecher Christian Gruber gegenüber dem sid erklärte.

Allerdings solle jetzt gegen die Täter_innen, die allesamt bereits Stadionverbot haben sollen, juristisch vorgegangen werden. Möglicherweise(!!!!) sei der Straftatbestand der Volksverhetzung erfüllt, so Gruber weiter.

Wenn der Verein ferner verlautbaren lässt, Rassismus habe beim FCK keinen Platz, dann kann es zwar durchaus sein, dass sie das auch wirklich so meinen, aber von einem Verein, dessen Anhänger_innenschaft am rechten Rand der Bundesliga herumlungert und bereits mehrfach durch menschenfeindliche Beschimpfungen wie etwa „Zigeuner“-Rufe aufgefallen sind, handelt es sich dabei wohl eher schlicht und ergreifend um eine beschwichtigende Fehleinschätzung, denn ganz offenbar haben Rassismus und Antisemitismus sogar einen sehr festen Platz beim FCK oder zumindest bei dessen Klientel. Selbst auf seinem Trainingsgelände, wo der Verein über Hausrecht verfügt, sahen seine Repräsentant_innen sich nicht bemüßigt Antisemit_innen des Feldes zu verweisen, was durchaus möglich gewesen wäre. Immerhin ist die Hemmschwelle zur Gewaltanwendung bei Polizeibeamt_innen ja bekanntlich berufsbedingt eher niedrig angesiedelt. Wahrscheinlich war es den Verantwortlichen aber einfach wichtiger die körperliche Unversehrtheit und „Meinungsfreiheit“ der Volksgenoss_innen zu schützen, als einen ihrer Angestellten gegen antisemitische Anfeindungen zu verteidigen.

Die Bundesrepublik Deutschland ist eben auch im Jahre 2012 noch immer ein Ort an dem jüdische Menschen sich nicht frei und sicher bewegen können, ohne Angst vor Beleidigungen und Gewalt haben zu müssen. Das Verhalten des FCK steht exemplarisch für eine Vogel-Strauß-Mentalität, die an Mittäterschaft grenzt und die nachhaltig dazu beiträgt, dass selbst krasse Ausbrüche des in der gesamten Gesellschaft weit verbreiteten Antisemitismus wohl noch lange zum Alltag in diesem Land gehören werden.

Schokoladen bleibt! – Aktion in Babelsberg

FVL – Fussball von Links erklärt sich solidarisch mit dem Widerstand gegen die drohende Räumung des Schokoladens. Das linke Kulturprojekt in Berlin-Mitte, das in der vergangenen Saison auch kurzzeitig die Trikots von Tennis Borussia Berlin zierte, ist derzeit akut räumungsbedroht. Der Gerichtsvollzieher hat sein Kommen für den 22.02. morgens um 9 Uhr angekündigt. Das Haus ruft dazu auf, bereits um 8 Uhr morgens oder gerne auch schon am Abend vorher vor Ort zu erscheinen und die mögliche Räumung kritisch zu begleiten. Ebenfalls am Vorabend wird es eine Demonstration zum Thema geben. Dass das Thema offenbar auch andere Fußballanhänger_innen bewegt, zeigt diese Tapetenaktion bei Babelsberg 03, die gerne nachgeahmt werden darf:



[Quelle Fotos: turus.net]

Neonazis greifen TeBe-Fans in Frankfurt/Oder an

Am Dienstag, dem 27.12., kam es in Frankfurt/Oder im Rahmen eines Hallenturniers zu höchst unerfreulichen Vorfällen. Einen Text dazu aus dem Kreise aktiver Fans von Tennis Borussia Berlin, der es wert ist auch hier gepostet zu werden, gibt es auf dem Lila Kanal:

Am gestrigen Abend fand das “2. Krombacher Hallenturnier” des FC Union Frankfurt/Oder statt. Aufgrund diverser schlimmer Erfahrungen bei früheren Gastspielen von TeBe und zuletzt mehrfach Babelsberg 03 bestehende Befürchtungen hinsichtlich der Sicherheitssituation erwiesen sich leider als absolut berechtigt. Auch diesmal kam es zu massiven Angriffen durch Neonazis. Da deren Anwesenheit voraussehbar war, ist das (Nicht-)Verhalten der örtlichen Polizei der eigentliche Skandal des gestrigen Abends.

Während des gesamten Turniers, welches um 17 Uhr begonnen hatte, wurden TeBe-Fans bereits vor der Halle oder am Getränkestand bedroht, immer wieder fielen rassistische und antisemitische Parolen. Personen mit eindeutig rechtsradikaler Kleidung sowie Merchandising vom Frankfurter FC Viktoria 91 hatten sich ein Kleingruppen über die ganze Halle verteilt, interessierten sich sichtlich wenig für das Geschehen auf dem Parkett und schickten immer wieder Späher in Richtung des TeBe-Blockes. Diese provozierten dort und forderten demonstrativ via Handy weitere „Kameraden“ an, dem Gesprächspartner ankündigend, dass „es hier heute Abend noch krachen wird“. Die Provokationen wurden im Laufe der Zeit immer heftiger und als sich eine größere Anzahl Hooligans des FFC Viktoria in den TeBe-Block begab und sich gleichzeitig vor dem Hallenausgang eine größere Gruppe formierte, war die Situation so bedrohlich, dass das TeBe-Team seine Teilnahme am Turnier abbrechen musste.

Um eine Attacke am Hallenausgang zu vermeiden wurden die Fans dann gemeinsam über den Innenraum der Halle durch die Spielerkabinen in Richtung Bus geleitet. Rund um selbigen sammelten sich binnen kürzester Zeit dreißig bis vierzig Neonazis, welche die Abreise des Busses zu verhindern versuchten, indem sie das Tor des Parkplatzes schlossen und die TeBe-Fans mit Steinen und pyrotechnischen Gegenständen bewarfen. Es dauerte sehr lange, bis die nach langer Zeit endlich eingetroffene und massiv überforderte Polizei die Abfahrt gewährleisten konnte und diesen anschließend aus Frankfurt/Oder herauseskortierte.

Insgesamt sind die Sicherheitsvorkehrungen als Skandal schlechthin zu bezeichnen: Um eine Situation zu vermeiden, in der sich die TeBe-Anhänger selber verteidigen müssen, hatte man bereits im Vorfeld vehement auf das durch den Anhang des FFC Viktoria ausgehende Gefahrenpotenzial hingewiesen. Die zugesicherte Polizeipräsenz fand dann aber nicht nur nicht statt, sondern die Polizei reagierte nicht einmal auf mehrere Anrufe auf der zuständigen Wache, die von einer massiven Zuspitzung der Situation berichteten und dringlichst polizeiliche Unterstützung anforderten. Erst anderthalb Stunden später, kurz nach 21 Uhr, erschien sie dann endlich vor Ort und konnte gerade noch verhindern, dass der Bus gestürmt wurde. Letztlich ist es nur dem besonnenen Handeln der Tebe-Fans zu verdanken, dass bis zum Erscheinen der Polizei niemand zu Schaden kam.

Weshalb die Polizei es für überflüssig hielt, von Anfang an zumindest in geringer Zahl Präsenz zu zeigen, ist unbegreiflich. Fast ein Wunder, dass der Angriff letztendlich keine schwereren Verletzungen zur Folge hatte. Jeder, der das rechtsradikale und gewaltaffine Umfeld des FFC Viktoria nur ansatzweise einzuschätzen weiß, konnte sich an fünf Fingern abzählen, dass dieses das Turnier natürlich dazu nutzen würde, TeBe-Anhänger anzugreifen. Lediglich die Polizei war zu dieser Lageeinschätzung entweder nicht fähig oder willens – und macht Frankfurt/Oder mit ihrer Kopf-in-den-Sand-Strategie zu einem verdammt gefährlichen Pflaster für jeden, der den ortsansässigen Nazis und Hooligans nicht in den Kram passt.

Solidarität mit den Aachen Ultras!

Beim Spiel gegen Aue ist es zu einem Übergriff rechter Alemannia Aachen-Fans auf Mitglieder der progressiv eingestellten Aachen Ultras gekommen. Und was macht der Verein? Er gibt den Täter_innen die Möglichkeit dazu unkommentiert Stellung zu beziehen (siehe [hier]). Da es kaum besser ausgedrückt werden kann als in einem offenem Brief von Racaille Verte, sie dieser hiermit auch auf diesem Blog veröffentlicht:

Sehr geehrte Verantwortliche bei Alemannia Aachen sowie im Aachener Fanprojekt,

wahrscheinlich kommt dieser Brief etwas unerwartet für Sie. Wir, die Mitglieder der Ultragruppierung „Racaille Verte“, schreiben Ihnen bezüglich des Angriffs von „Alemannia Supporters“ und „Karlsbande“ auf die „Aachen Ultras“, weil wir glauben, dass unsere Bremer Erfahrungen im Umgang mit rechtsgerichteten Fans Ihnen durchaus eine Hilfe sein können.

Wir haben keinen Grund anzunehmen, dass die Schilderungen der „Aachen Ultras“ in irgendeiner Weise falsch oder übertrieben sind. Es ist innerhalb der Ultraszene seit längerem bekannt, dass die „Karlsbande“ nicht nur rechts unterwandert ist, sondern ausdrücklich unter antiprogressivem Vorzeichen gegründet wurde. Die ebenfalls beteiligten „Alemannia Supporters“ können als Tarngruppe für die Aachener Hooligans gesehen werden. Auch diese sind politisch eindeutig rechts einzuordnen.

Es ist uns schleierhaft, wieso Sie den Angreifern auf der offiziellen Vereinsseite eine Plattform gegeben haben, auf der sie ihre Sicht der Dinge quasi unkommentiert darstellen dürfen. Noch viel mehr schockiert uns allerdings Ihre Aufforderung an die „Alemannia Supporters“ und die „Aachen Ultras“, „an der Lösung ihrer Konflikte aktiv zu arbeiten und zur Überwindung des tiefen Risses beizutragen, der die Aachener Fanszene durchzieht“. Wir wollen Ihnen im Detail darlegen, warum wir Ihre Wortwahl und die dahinter stehenden Vorstellungen für völlig abwegig und gefährlich halten.

Dadurch wird eine völlig unangebrachte Äquidistanz zu Opfern und Tätern geschaffen. Es hat hier einen Angriff gegeben, der ganz klar von einem rechtsgerichteten Haufen ausging. Als Verein sind Sie in der Verantwortung, sich hinter diejenigen zu stellen, die sich gegen Diskriminierung und für eine bunte Fankurve einsetzen, und diejenigen zu verurteilen und auszuschließen (nicht nur aus dem Stadion, sondern aus dem gesamten Diskurs), die sich Hass und die gewaltsame Verdrängung andersdenkender Menschen auf die Fahnen geschrieben haben.

Die „Aachen Ultras“ leisten seit einigen Jahren gute Arbeit gegen Diskriminierung. Es ist ein Hohn, nun von dieser Gruppe zu fordern, mit rassistisch, homophob, sexistisch und antisemitisch motivierten Rechtsradikalen zusammenzuarbeiten, um einen Riss in der Fanszene zu kitten. Wenn es zu einem solchen Riss in einer Fanszene kommt, ist die Zeit gekommen, klar Stellung zu beziehen und nicht die Illusion einer Einheit zu wahren.

Eine solche notwendig klare Positionierung mag gerade einem kleineren Verein schwer fallen, doch es lohnt sich. Nachdem unsere Gruppierung vor nunmehr fast fünf Jahren von Neonazis aus der Bremer Hooliganszene angegriffen wurde, erhielten auch wir über die Presse das Angebot des Vereins, sich an einen runden Tisch zu setzen. Wir waren entrüstet ob der Vorstellung, uns mit Nazi-Schlägern zu treffen, die uns erklärtermaßen mit Gewalt loswerden wollten (und bis heute wollen). Nach einiger Zeit sah der Verein seinen verfehlten Ansatz ein und unterstützte unseren Kampf gegen Diskriminierung, den wir trotz aller Drohungen immer weiter intensivierten. Heute kann sich der SV Werder damit rühmen, eine vorbildliche Arbeit gegen Diskriminierung innerhalb und außerhalb des Stadions zu leisten. Durch die kontinuierliche Arbeit der Fans und mit Hilfe der Rückendeckung des Vereins und Fanprojekts hat die Bremer Ostkurve mittlerweile den Ruf, ein offener Ort für alle Menschen zu sein. Das hat nicht nur zur Folge, dass die aktive Fanszene heute größer ist als je zuvor, es sind auch sichtbar mehr Frauen und Menschen mit Migrationshintergrund anzutreffen. Der Kampf gegen Diskriminierung ist weitgehend Konsens, rechte Schläger sind ein Randphänomen.

Aber nicht nur der Verein, sondern auch das Fanprojekt ist hier in der Pflicht. Eine deutliche, öffentliche und schnelle Positionierung zur Solidarität und Unterstützung der „Aachen Ultras“ wäre das Mindeste. Des Weiteren sollte diese heikle Situation durch ausgebildete Fachkräfte begleitet werden. Die Opfer jetzt alleine zu lassen, würde einer Akzeptanz für den politisch motivierten Angriff gleichkommen. Das Fanprojekt Bremen hat gezeigt, wie eine solche Unterstützung aussehen kann.

Wir wünschen Ihnen in Aachen eine ähnlich erfreuliche Entwicklung. Die „Aachen Ultras“ haben dafür den richtigen Weg eingeschlagen. Unterstützen Sie Ihre Fans auf diesem Weg und verabschieden Sie sich von rechten und rechtsoffenen Ewiggestrigen, denn sie werden Ihnen nicht fehlen!

Herzliche Grüße aus Bremen, Racaille Verte

Nazis raus aus den Kurven!

Tradition gegen Homophobie


Das Transpi der Kampagne „Fußballfans gegen Homophobie“ ist auf dem Weg zu RB Leipzig und die Fußballwelt steht Kopf. Auf die Ankündigung auf Facebook hin begann postwendend das Gepöbel. Wie könne das denn überhaupt angehen? Immerhin sein RB Leipzig ja bloß ein Marketinginstrument des Red Bull-Konzerns und sogar noch schlimmer als die TSG Hoffenheim. Ein Verein ganz ohne Tradition, ein Verein der „keine fans sondern kunden“ hat, kurz: Ein exponierter Vertreter des „modernen Fußballs“, gegen den momentan so viele sind. Besonders weit trieb es der Blog Mange Frei:

…Ich könnte viele Personen verstehen, die nun mit dieser Initiative brechen. Klar gilt auf das Problem „Homophobie im Fußball“ aufmerksam zu machen, aber nach einem bisher so erfolgreichen Verlauf gibt es sicher andere Mittel und Wege, sie auch weiter fortzuführen, ohne seine Ideale aufzugeben. Irgendwo kommt mir hier der Vergleich mit den „Nationalen Sozialisten für Israel“ in den Sinn,d er sicher etwas weit gegriffen ist, aber wo sich auch völlig kontroverse Aussagen ineinander vermischten.

RedBull hat in Leipzig nichts verloren, sondern RedBull geht gilt es zu boykottieren – auch von der Fußballfans gegen Homophobie – Initiative.

Offenbar gibt es viele Menschen, denen die Verteidigung des traditionellen Fußballs wichtiger ist als Engagement gegen Homophobie. Dass ihre Argumentation dabei kompletter Humbug ist, fällt ihnen wahrscheinlich nicht auf. Der Unterschied zwischen RB Leipzig, Bayer Leverkusen, Arminia Bielefeld oder dem FC St. Pauli ist allenfalls graduell. Jeder Verein ab einem gewissen Niveau aufwärts muss sich vermarkten und verkaufen, um in der Konkurrenz mithalten zu können. Es geht hier schließlich nicht nur um Sport, es geht um Unterhaltungsindustrie. Profifußball gibt es seit mittlerweile weit über hundert Jahren, auch wenn es in Deutschland sehr viel länger gedauert hat, bis diese Errungenschaft sich durchsetzen konnte. Fußall ist ein Markt und natürlich geht es da um Geld. Was sollten wir in einer kapitalistisch verfassten Gesellschaft auch anderes erwarten?

Der Rückgriff auf den ideologisch aufgeladenen Begriff der Tradition erinnert ein wenig an den Nationalismus sozial abgehängter Milieus, die da sie weder Reichtum, noch Bildung, noch irgendetwas anderes vorzuweisen haben, was ihnen Anerkennung bringt, sich zurückziehen auf das eine, was ihnen niemand nehmen kann: Ihre Nationalität respektive ihre ethnische Zugehörigkeit oder Hautfarbe. Dabei ist der Begriff der Tradition nicht nur höchst problematisch, da viele Dinge die vollkommen beschissen sind eine ziemlich lange Tradition haben, sondern auch stetiger Veränderung unterworfen. Vor einigen Jahren galten die Werksclubs aus Leverkusen und Wolfsburg (und Krefeld, aber das ist eine andere Geschichte…) als das ultimative Böse. Heute sind sie fester Bestandteil der Bundesliga, sportlich mehr oder minder erfolgreich und haben sehr aktive Fanszenen, von denen manch „Traditionsverein“ nur träumen kann. So wird es bald vielleicht auch mit Hoffenheim und, sofern das Projekt erfolgreich sein wird, auch mit RB Leipzig sein. Vielleicht verschwinden die Vereine auch bald wieder in untere Ligen und bleiben nur eine Fußnote der Fußballgeschichte wie Borussia Neunkirchen oder Tasmania Berlin. Fakt ist: Auch sie werden bald Tradition haben! Wahrscheinlich wird, falls nicht alle zu Vernunft gekommen sind, der Volkszorn dann bereits weitergezogen sein zu irgendeinem neuen Grundübel, das sich vor allem durch eines auszeichnet: Es hat viel Geld, das ihm aus irgendwelchen Befindlichkeiten heraus nicht gegönnt wird.

Dabei ist es doch zehnmal besser, wenn Red Bull einen unbedeutenden Dorfklub in Sachsen übernimmt, als wie in Salzburg einen Verein mit lange bestehender Kultur und großer Anhängerschaft und dort dann alles, aber auch alles umkrempelt bis hin zu den Vereinsfarben. Dass sich darüber Unmut äußert, kann ich sehr gut nachvollziehen. Ich möchte auch nicht, dass TeBe plötzlich in Rot-Weiß spielt oder St. Pauli in Schwarz-Blau. Ich möchte auch nicht, dass sie bald Tennis-Sterni Berlin und Ad Astra Hamburg heißen. Aber ich will das nicht, weil es Vereine sind, an denen ICH hänge. Was andere Vereine machen, kann mir doch schnurzpiepegal sein. Wenn der HSV bald in Grau-Beige aufläuft und nach seinem neuen Sponsor Ikea SV heißt, dann stört mich das höchstens in dem Maße, wie es auch die Fans des Vereins stört. Sind diese dagegen, bin ich solidarisch. Finden sie es okay, lache ich sie aus. So einfach ist das. Mir wäre nicht bekannt, dass es in Hoffenheim oder in Markranstädt großen Widerstand gegen das neue Geld und die Eingriffe ins Vereinsleben gegeben hätte. Warum soll es mich also stören? Es sind doch nicht meine Vereine…

Vor allem aber verstehe ich nicht, warum es mich mehr stören sollte als Homophobie im Stadion und anderswo. Wenn ich Kajal und Glitzer im Gesicht von der Party direkt ins Stadion gehe und dem falschen Haufen Jungmänner über den Weg laufe, dann kann ich sehr leicht auf die Fresse kriegen. DAS stört mich weit mehr als die Tatsache, dass irgendwelche Fußballvereine sich – Schockschwerenot – von Geschäftsleuten Geld geben lassen. Homophobie bedroht Leib und Leben, körperliche und psychische Unversehrtheit von Millionen von Menschen alleine hierzulande. RB Leipzig bedroht nur das Trugbild einer schönen heilen Fußballwelt, dem einige Leute anhängen…

Manche lernen es wohl nie…

Mainz bleibt Mainz…

Am Rande des Neonaziaufmarsches in Remagen am vergangenen Samstag kam es zu einem Zwischenfall, von dem die Rhein-Zeitung, die nebenbei erwähnt in letzter Zeit einige gute Artikel zur regionalen Naziszene am Start hatte, berichtet:

…Die Polizei hatte sich schon im Vorfeld vor einer großen Herausforderung gesehen wegen der Neonazi-Kundgebung in Remagen am Samstag. Dann kam es noch zu einem Zwischenfall am Bahnhof: Ein aus Richtung Köln kommender Zug mit Rechtsxtremisten traf zur gleichen Zeit im Bahnhof ein wie ein Zug mit Fans von Mainz 05-Fans auf dem Weg zum Auswärtsspiel in Köln. Sofort stürzten Mainz-Fans aus dem Zug – unter lauten „Nazischweine“-Rufen. Die Polizei hatte Mühe, ein Zusammentreffen beider Lager zu verhindern.

Matthias Schöffel, Mitarbeiter beim Fanprojekt Mainz und an Bord des Zuges, sah in dem Verhalten der Mainzer Anhänger „ein deutliches Zeichen unserer Fans, wie man zu so einer Gesinnung steht“. Im Nachgang zur gerade laufenden Ausstellung „Tatort Stadion“ zeige das Verhalten, dass in Mainz das Einstehen gegen Dinge wie Rassismus, Homophobie und Antisemitismus nicht nur ein Lippenbekenntnis ist…

Den kompletten Artikel gibt es [hier].

Keinen Fußbreit/Fußball den Faschist_innen!

Neonaziauflauf bei Viktoria Frankfurt/Oder gegen Babelsberg

Wie auf Indymedia berichtet wird kam es beim Pokalspiel zwischen dem FFC Viktoria Frankfurt/Oder und dem SV Babelsberg 03 am vergangenen Wochenende wie erwartet zu einem wahren Naziauflauf samt entsprechenden Sprechchören:

…Beim Eintreffen der ersten der über 200 angereisten Babelsberger Fans wurden diese mit antisemitischen Sprechchor begrüßt („Jude, Jude, Jude“). Im folgenden versuchten die Neonazis zudem den Babelsberger Block anzugreifen. Es flogen Leuchtmunition und Böller in Richtung der Gästefans. Nachdem die Polizei die Lage wieder unter Kontrolle gebracht hatte begann das Spiel und weitere Provokationen seitens der selbsternannten FCV-Fans. Die zu hörenden Sprechchöre hatten wenig mit Fussball zu tun. Neben dem besagten „Ruhm & Ehre des FCV“, wurde weitere deutlich rassistische und antisemitische Sprechchöre gerufen, so u.a. „Babelsberg 03 – Arbeit macht frei!“, „Babelsberg 03 – Zecken, Zigeuner, Juden“ sowie Affen-Laute gegenüber einem Spieler des SVB. Später stimmten die „Heim-Fans“ auch noch ein Lied der Lunikoff-Verschwörung des verurteilten Landser-Sängers Michael „Lunikoff“ Regner an. Sanktionen seitens der Polizei oder gar anderer Fans des FFC blieben aus…

Den ganzen Artikel gibt es [hier] und hier noch ein kleiner videographischer Eindruck der Geschehnisse, bei dem die Rufe der Nazis ganz gut zu hören sind:

Und noch ein Video von 2008 als Bonus:


Fußballkaoten aus Cottbus in Frankfurt gegen Babel… – MyVideo