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Antisemitische Ausfallerscheinungen beim FCK


Wie der Kicker und andere berichten, haben Anhänger_innen des 1. FC Kaiserslautern beim Training m vergangenen Sonntag ihrem Ärger über die desaströse Leistung ihres Teams Luft gemacht. Das ist vielleicht weder nett noch förderlich, aber im Grunde nicht wirklich schlimm. Schlimm, um nicht zu sagen zum Kotzen, ist es hingegen, dass etwa ein Dutzend von ihnen den israelischen Stürmer Itay Shechter, der seit Saisonbeginn für die Pfälzer spielt, antisemitisch beleidigten und den „Hitlergruß“ zeigten. Die Reaktion der Umstehenden fiel laut Kicker eher verhalten aus:

Die Polizeibeamten, die am Sonntag vor Ort waren, entfernten die Radikalen nicht vom Stadiongelände – aus „deeskalierenden Gründen“, wie FCK-Sprecher Christian Gruber gegenüber dem sid erklärte.

Allerdings solle jetzt gegen die Täter_innen, die allesamt bereits Stadionverbot haben sollen, juristisch vorgegangen werden. Möglicherweise(!!!!) sei der Straftatbestand der Volksverhetzung erfüllt, so Gruber weiter.

Wenn der Verein ferner verlautbaren lässt, Rassismus habe beim FCK keinen Platz, dann kann es zwar durchaus sein, dass sie das auch wirklich so meinen, aber von einem Verein, dessen Anhänger_innenschaft am rechten Rand der Bundesliga herumlungert und bereits mehrfach durch menschenfeindliche Beschimpfungen wie etwa „Zigeuner“-Rufe aufgefallen sind, handelt es sich dabei wohl eher schlicht und ergreifend um eine beschwichtigende Fehleinschätzung, denn ganz offenbar haben Rassismus und Antisemitismus sogar einen sehr festen Platz beim FCK oder zumindest bei dessen Klientel. Selbst auf seinem Trainingsgelände, wo der Verein über Hausrecht verfügt, sahen seine Repräsentant_innen sich nicht bemüßigt Antisemit_innen des Feldes zu verweisen, was durchaus möglich gewesen wäre. Immerhin ist die Hemmschwelle zur Gewaltanwendung bei Polizeibeamt_innen ja bekanntlich berufsbedingt eher niedrig angesiedelt. Wahrscheinlich war es den Verantwortlichen aber einfach wichtiger die körperliche Unversehrtheit und „Meinungsfreiheit“ der Volksgenoss_innen zu schützen, als einen ihrer Angestellten gegen antisemitische Anfeindungen zu verteidigen.

Die Bundesrepublik Deutschland ist eben auch im Jahre 2012 noch immer ein Ort an dem jüdische Menschen sich nicht frei und sicher bewegen können, ohne Angst vor Beleidigungen und Gewalt haben zu müssen. Das Verhalten des FCK steht exemplarisch für eine Vogel-Strauß-Mentalität, die an Mittäterschaft grenzt und die nachhaltig dazu beiträgt, dass selbst krasse Ausbrüche des in der gesamten Gesellschaft weit verbreiteten Antisemitismus wohl noch lange zum Alltag in diesem Land gehören werden.

Rücktritt nach wiederholter Spielabsage

Aus dem Nordwesten Berlins erreichte uns ein Statement, dass bei uns tiefe Betroffenheit auslöste. Allerdings ist es auch nicht die Aufgabe, der Platzkommission, jeder Mücke in den Popo zu schauen! Aber sehen Sie selbst:

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Borussinnen und Borussen,

gerne habe ich die Wahl zum Mommsensrasen angenommen und mich mit ganzer Kraft dem Amt gewidmet. Es war mir ein Herzensanliegen, den Zusammenhalt einzelner Grashalme zu stärken. Alle sollen sich zugehörig fühlen, die hier bei uns in der Waldschulallee leben, eine Ausbildung machen, studieren und arbeiten, ganz gleich, welche Wurzeln sie haben. Wir gestalten unsere Zukunft gemeinsam.

Ich bin davon überzeugt, dass Tennis Borussia Berlin seine wirtschaftliche und gesellschaftliche Kraft am besten entfalten und
einen guten Beitrag zur fußballerischen Eignung leisten kann, wenn die Integration auch nach innen gelingt.

Unser Stadion, das Bundesstadion Mommse, braucht einen Rasen, der sich uneingeschränkt diesen und anderen sportlich, sowie den gewalttätigen internationalen Herausforderungen widmen kann. Einen Rasen, der vom Vertrauen nicht nur einer Mehrheit, sondern einer breiten Mehrheit der Grashalme getragen wird.

Die Entwicklung der vergangenen Tage und Wochen hat gezeigt, dass dieses Vertrauen, und damit meine Wirkungsmöglichkeiten, nachhaltig beeinträchtigt sind. Aus diesem Grund wird es mir nicht mehr möglich,
das Amt des Mommsensrasens nach innen und nach außen so wahrzunehmen, wie es notwendig ist. Ich trete deshalb heute vom Amt des Mommsenrasens zurück, um den Weg zügig für die Nachfolge freizumachen.

Der Mommsenrasen

Andreas Rüttenauer for DFB-Präsident!

Beim DFB wird das Präsidentenamt ja traditionell eher vererbt bzw. bestimmt der scheidende Präsident seinen Nachfolger (fast hätte ich hier unpassenderweise gegendert, elender Männerhaufen…). Auch diesmal gibt es eigentlich schon einen designierten Nachfolger, denn der amtsmüde Theo Zwanziger, dessen größtes Verdienst es für immer bleiben wird, dass er im Gegensatz zu seinem Vorgänger Mayer-Vorfelder kein Nazi war, hat mit Generalsekretär Wolfgang Niersbach bereits einen Nachfolger auserwählt. Der ist auch immerhin fünf Jahre jünger als Zwanziger und dürfte damit für einen generationellen Umbruch nahezu ideal sein…

Doch aus der Tiefe des Raumes ist ein Gegenkandidat aufgetaucht: Andreas Rüttenauer, vielen bekannt als Sportredakteur der taz.

Unterstützt wird seine Kandidatur u.a. von Jörg Thadeusz und Gesine Lötzsch, und wie es sich für einen solchen Anlass gehört, gibt es auch ein Manifest, das den schönen Titel „Fußball für alle! – Das Manifest des deutschen Fußballs 2020″ trägt:

Wir sind Fußballerinnen und Fußballer. Wir sind Fans. Wir interessieren uns für den Fußballsport. Wir gehen regelmäßig ins Stadion oder beobachten das Spiel, wenn ein großes internationales Turnier ansteht. Wir sind laut. Wir drücken heimlich einem Team die Daumen. Wir, die den unterschiedlichsten gesellschaftlichen Bereichen entstammen, haben eines gemeinsam: Wir lieben den Sport.

Wir machen uns Sorgen!
Wir haben das Gefühl, der Fußball könnte uns entgleiten. Eine Handvoll Funktionäre bestimmt über unsere große Liebe, über unseren Sport. Das wollen wir ändern. Wir wollen den Fußball wieder zu einer Graswurzelbewegung machen. Der Fußball braucht echte Demokratie. Er muss von unten nach oben organisiert werden. Die Vereine, die Mitglieder, auch die der kleinen Klubs, sollen entscheiden können, wer im deutschen Fußball das Sagen hat. Es muss um den Sport gehen nicht um die Interessen einzelner Konzerne. Die ungebremste Kommerzialisierung darf den Fußball nicht auffressen. Im Amateursport schlägt das wahre Fußballherz. Der Hartplatz braucht im Wettstreit mit den Arenen mehr Gewicht.

Wir fordern eine lebendige Diskussionskultur!
Nur so kann der Fußball wirklich an der Lösung gesellschaftlicher Probleme mitwirken. Der Fußball mit seinen 6,5 Millionen organisierten Mitgliedern muss mitgenommen werden, wenn über Chancengleichheit und soziale Teilhabe gesprochen wird. Er kann gesellschaftliche Debatten auch befeuern, indem bestehende Probleme offen angesprochen werden. Antisemitismus, Rassismus und Homophobie werden noch allzu oft geduldet in den Kurven etlicher Stadien. Die Unterwanderung von Fußballvereinen durch Neonazis wird oft erst dann problematisiert, wenn sie von Medien skandalisiert worden ist. Wir wollen, dass Fußballstadien angstfreie Räume werden, und wir wissen, dass das nicht einfach wird.

Der Fußball braucht eine neue Ehrlichkeit!
Wir können die Schlagzeilen über die Machenschaften korrupter Funktionäre im internationalen Fußball nicht mehr hören! In deren Spiel wollen wir nicht mitmachen! Wer Reformen im Weltfußball anmahnt, braucht Glaubwürdigkeit. Der deutsche Fußball gewinnt nur dann an moralischem Gewicht, wenn er an sich selbst die höchsten Maßstäbe anlegt. Wir fordern ein Ende der Gutsherren-Mentalität im deutschen Fußball und ein Höchstmaß an Transparenz und Demokratie in der Verbandsarbeit. Wir wollen Licht in die Funktionärshinterzimmer bringen.

Der Fußball muss sich öffnen!
Wir wollen die machohafte Männerherrlichkeit, die in vielen Kurven und Kabinen herrscht aufbrechen. Fußball darf keine Männersache bleiben. Ein Verband, in dessen Präsidium nur eine Frau sitzt, darf den Fußball nicht repräsentieren. Fußball ist für alle Menschen da! Wir wollen allen Menschen das Gefühl geben, beim Fußball gut aufgehoben zu sein!

Wir wollen: Fußball für alle!

Skandal beim Schweinske Cup

Medien- und Fanberichten zufolge ist es am heutigen Abend etwa 80 Hools von VfB Lübeck und Hamburger SV in Zusammenarbeit mit der Hamburger Polizei gelungen, die Gewalt beim diesjährigen Schweinske Cup derart eskalieren zu lassen, dass das Turnier abgebrochen werden musste.

Die Polizei schaffte es erst nicht einen Angriff der Hools, die auch vorher schon durch homophobe, nationalistische, antiziganistische und wasnichtnochalles Sprüche aufgefallen waren, auf den St. Pauli-Block zu unterbinden und entschied sich danach dazu lieber auf die Anhänger des Hamburger Stadtteilvereins loszugehen während die rechten Aggroprolls freie Bahn hatten und sich einzelne St. Paulianer_innen greifen konnten bzw. dies zumindest versuchten.

Dass es danach zu weiterer Gewalt in der und auch um die Halle kam und dabei sicher auch Anhänger_innen des FC St. Pauli nicht nur defensiv agiert haben, ist nur eine logische Konsequenz daraus, dass die Polizei von Anfang an nicht geschnallt hat, von wem hier das Bedrohungspotential ausgeht. Wer – wie in diesem Fall – rechte Schläger_innen schützt und sie mehr oder weniger frei herumprügeln lässt, ist a) auf dem rechten Auge zumindest halbblind und zudem voll und ganz dafür verantwortlich, wenn die Lage eskaliert.

Dass es von vornherein eine dumme Idee war, den VfB Lübeck einzuladen, von dem leider nur zu gut bekannt ist, dass dort eine ganze Menge rechtes Pack herumlungert und das nicht erst seit gestern, kommt hinzu… Trotzdem trifft die Hauptschuld auf organisatorischer Seite ganz klar die Hamburger Polizei, die das erstens hätte kommen sehen können und zweitens wenigstens halbwegs angebracht hätte reagieren können. Kein Wunder, dass diese Truppe von uniformierten Raufbolden nicht nur von ganz Berlin gehasst wird…

Einen sehr persönlichen, aber ungemein lesenswerten Bericht gibt es auf dem Blog magischerfc, einen kurzen Kommentar bei Supra und auch die Mopo und der NDR haben schon was am Start. Da wird die Tage sicher noch einiges zu geschrieben werden…

Edit: Interessant auch der Bericht bei Sitzblogade.

Edit 2: Sehr viel Richtiges sagt auch der Artikel auf Publikative.

Edit 3: In der immer größer werdenen Welle von Artikeln sei hiermit der Kommentar des Übersteigers besonders empfohlen!

PS: Fickpisse!

Ultras aus Trier gegen RB Leipzig


Die Ultras von Eintracht Trier, die ja neulich erst durch geistigen Tiefflug aufgefallen sind, machen mal wieder von sich reden. In einem offenen Brief an den Verein fordern sie die Absage eines Teststpiels gegen RB Leipzig.

Die Gruppe Insane Ultra bezeichnet den Verein darin als „eine Vernichtungsmaschine der Traditionsvereine“, als „traditions-und seelenlos“ und als „Traditionszerstörer“. Mal ganz abgesehen von der inhaltlichen Redundanz stellt sich doch mal wieder die Frage, was denn so großartig schützenswert an „Tradition“ bzw. „Traditionsvereinen“ sei. Für gewöhnlich, so meine persönliche Erfahrung, ist das allermeiste, was in diesem Land unter Tradition fällt, egal ob Schützenfest, Tanzverbot an Karfreitag oder pogromartige Ausschreitungen, nicht mehr und nicht weniger als ein großer Haufen Scheiße.

Zwar ist es verständlich, dass die Anhänger_innen eines Vereins wie Eintracht Trier, der gegenwärtig in der vierten Liga vor sich hin dümpelt, sich gerne an bessere Zeiten erinnern, aber unter uns gesagt ist es bei einem Verein, der erst 1948 gegründet worden ist mit der Tradition auch nicht so weit her. Bayer Leverkusen und der VfL Wolfsburg sind da durchaus älter… Dass Eintracht Trier als ehemaliger Erstligist eine durchaus beachtenswerte Geschichte hat, soll dabei gar nicht unter den Teppich gekehrt werden. Die Frage ist nur, was das heißen soll. Auch der Eimsbüttler TV und Bremerhaven 93 waren mal erstklassig. Ein automatisches Anrecht auf sportliche Relevanz lässt sich daraus jedoch nicht ableiten. Es gibt in diesem Land einfach viel mehr Vereine, die irgendwann einmal eine große Zeit hatte, als es Platz in den oberen Ligen gibt. Wenn sich Insane Ultra auf die „ruhmreiche Tradition“ ihres Vereins berufen, dann ist das eher ein Zeichen dafür, dass es in der Gegenwart nichts zu holen gibt, als ein gutes gutes Argument. In einer kapitalistisch verfassten Fußballökonomie spielt Geld halt eine entscheidende Rolle und RB Leipzig spielt das Spiel halt etwas erfolgreicher als Eintracht Trier. Daran werden auch kein Boykott und kein Wutbürger_innentum was ändern. Daran etwas ändern kann und wird einzig die Überwindung des Kapitalismus. Da das aber wohl noch eine Weile dauern wird, müssen wir uns wohl oder übel vorerst damit abfinden, dass es beim Fußball auch oder sogar vor allem um wirtschaftliche Interessen geht.

Noch übler wird es in dem Schreiben jedoch, wenn die Gruppe sich ernsthaft auf „Werte wie Ehre und Tradition“ bezieht. Eigentlich fehlt da nur noch der „Ruhm“… Ein derart wertekonservatives und genuin rechtes Argumentationsmuster entlarvt Insane Ultra als das, was sie sind: Ein Haufen homophober, regressiver Volldepp_innen. Dass sie da etwas gegen einen Verein wie RB Leipzig haben, verwundert nicht. Kapitalismuskritik von rechts hat ja noch nie so richtig funktioniert und brauchte auch schon immer das personifizierte Böse, das außerhalb der eigenen Werte- und/oder Volksgemeinschaft verortet werden konnte. Früher waren es „die Juden“ und das „raffende Kapital“, heute sind es Red Bull, Hopp, die „Heuschrecken“ und die „internationalen Monopole“. Dumm bleibt halt bekanntlich dumm…

Hier passend zum Thema noch ein Video einer ultrabescheuerten Choreo beim Pokalspiel Eintracht Trier gegen TuS Koblenz:

PS: Noch ein catchy Slogan zum Mitschreiben: Ultra queer statt Ultras Trier!

Werfer hat sich gemeldet

Die Gemüter beim FC St. Pauli kochen hoch derzeit. Da hilft auch der Heimsieg gegen Eintracht Frankfurt nichts. Der Wurf einer Kassenrolle, die den Frankfurter Pirmin Schwegler getroffen hat, spaltet die Fanszene. Das Niveau dabei ist so tief gesunken, dass das viel frequentierte St. Pauli-Forum von den Moderator_innen geschlossen wurde. Grob gesagt verläuft die Frontlinie zwischen jenen, die das Ganze für unheimlich schlimm, vereinsschädigend und den Sport kaputt machend halten, und denen, die auf Verhältnismäßigkeit pochen und die Kirche im Dorf lassen wollen. FVL verortet sich hierbei klar bei letzteren, weil law and order einfach Moppelkotze ist. Die von der Pro-Verhältnismäßigkeit-Fraktion gestützte These, es könne sich ja auch um ein Versehen gehandelt haben, wurde nun vom Werfer der Kassenrolle selbst bestätigt, der sich gestern an Verein und Fanladen wandte. Hier die offizielle Mitteilung dazu von Seiten des Vereins:

Am gestrigen Mittwoch kam er in die Geschäftsstelle. Dort konnte er im Gespräch mit den Verantwortlichen glaubhaft versichern, dass es sich bei dem Wurf um ein Versehen handelte, da sich die Kassenrolle durch eine Verkettung unglücklicher Umstände nicht in der Luft abgerollt hatte, sondern als Wurfgeschoss in den Innenraum geflogen ist. Der 20-jährige Abiturient, der mit seinem Vater zu dem Gespräch erschienen war, entschuldigte sich in aller Form: „Mir tut es unfassbar leid. Ich hatte nie die Absicht, jemanden zu treffen oder zu verletzen. Die Aktion im Anschluss mit dem Wechseln der Kleidung war eine reine Panikreaktion von mir.“ Durch die Vermittlung des Fanladens hat sich der Werfer auch bereits persönlich bei Pirmin Schwegler entschuldigt.

In der Stellungnahme, die der Verein am heutigen Donnerstag beim DFB abgegeben hat, wurden die Aussagen aus dem Gespräch mit aufgenommen.

„Wir werden nach Erhalt des Urteils durch den DFB unter Berücksichtigung der Umstände des Geschehens ein vernünftiges Gleichgewicht zwischen notwendiger Sanktionierung und unserer sozialen Verantwortung finden. Allerdings muss nun auch dem Letzten klar sein, dass zu keiner Zeit während eines Spiels Gegenstände in Richtung des Innenraums geworfen werden dürfen“, erklärte Stefan Orth, Präsident des FC St. Pauli.

Das Urteil des DFB wird im neuen Jahr erwartet.

Das wird sicher nicht das letzte sein, was wir zu diesem Thema zu hören bekommen. Stay tuned!

„Spiel“ ohne Grenzen?

Auf dem Blog Hanseator ist ein interessanter Eintrag zu den aktuellen Problemen in der Fanszene des FC Hansa Rostock erschienen, auf den ich hier gerne verweisen möchte. Ich teile sicher nicht alle Ansichten des Autoren, aber als Diskussionsbeitrag ist der Text allemal gut und wichtig:

…Inzwischen wird deutlich: Die Kontrolle innerhalb der „aktiven Fanszene“ scheint nicht zu entgleiten, sie ist, wenn es sie überhaupt je gegeben hat, entglitten oder aber liegt in den Händen von Geistesgestörten. Das Kind liegt im Brunnen. Die Entwicklung ist über die Jahre völlig aus dem Ruder gelaufen und gipfelt mittlerweile regelmäßig in Vorfällen wie zuletzt wieder rund um das Spiel gegen den FC St. Pauli.

Was haben sich alle auf die Zweitligasaison gefreut, mit packenden, emotionalen Spielen gegen alte sportliche Rivalen, mit Traditionsvereinen und starken Fanszenen wie Eintracht Frankfurt, Dynamo Dresden, Union Berlin und – ja, auch die – St. Pauli. Natürlich war kaum jemand so blauäugig zu glauben, dass all diese Spiele völlig ohne unerwünschte Begleiterscheinungen über die Bühne gehen könnten, aber ein kleines bisschen Hoffnung auf menschliche Vernunft und ein Minimum sozialer Verhaltensweisen musste doch erlaubt sein. Aber schon Goethe wusste: „Es irrt der Mensch, solang er strebt.“…

Den ganzen Text gibt es [hier].

Mainz bleibt Mainz…

Am Rande des Neonaziaufmarsches in Remagen am vergangenen Samstag kam es zu einem Zwischenfall, von dem die Rhein-Zeitung, die nebenbei erwähnt in letzter Zeit einige gute Artikel zur regionalen Naziszene am Start hatte, berichtet:

…Die Polizei hatte sich schon im Vorfeld vor einer großen Herausforderung gesehen wegen der Neonazi-Kundgebung in Remagen am Samstag. Dann kam es noch zu einem Zwischenfall am Bahnhof: Ein aus Richtung Köln kommender Zug mit Rechtsxtremisten traf zur gleichen Zeit im Bahnhof ein wie ein Zug mit Fans von Mainz 05-Fans auf dem Weg zum Auswärtsspiel in Köln. Sofort stürzten Mainz-Fans aus dem Zug – unter lauten „Nazischweine“-Rufen. Die Polizei hatte Mühe, ein Zusammentreffen beider Lager zu verhindern.

Matthias Schöffel, Mitarbeiter beim Fanprojekt Mainz und an Bord des Zuges, sah in dem Verhalten der Mainzer Anhänger „ein deutliches Zeichen unserer Fans, wie man zu so einer Gesinnung steht“. Im Nachgang zur gerade laufenden Ausstellung „Tatort Stadion“ zeige das Verhalten, dass in Mainz das Einstehen gegen Dinge wie Rassismus, Homophobie und Antisemitismus nicht nur ein Lippenbekenntnis ist…

Den kompletten Artikel gibt es [hier].

Keinen Fußbreit/Fußball den Faschist_innen!

Hans-Frankenthal-Preis für USP

Es ist zwar nicht unbedingt die aktuellste Meldung, aber sie soll hier dennoch nicht unter den Tisch fallen:

Entsprechend der Stiftungssatzung vergibt die Stiftung Auschwitz-Komitee einmal im Jahr einen Förderpreis – den Hans-Frankenthal-Preis.

Vorgeschlagen werden oder sich bewerben können Gruppen, Initiativen und Institutionen, die im Sinne des Auschwitz-Komitees Aufklärungs- und Bildungsarbeit gegen das Vergessen und gegen nationalsozialistische und neofaschistische Bestrebungen leisten.

Durch den Preis soll entweder ein bereits durchgeführtes Projekt gewürdigt werden und den InitiatorInnen die Möglichkeit gegeben werden, weitere Projekte dieser Art durchzuführen bzw. das gewürdigte Projekt zu wiederholen, oder es soll ein geplantes Projekt durch die Vergabe des Förderpreises ermöglicht werden.
Die Preisträger_innen für den Hans-Frankenthal-Preis 2011:

Heideruh e.V., Wolfram P. Kastner und Ultrà St. Pauli erhalten zu gleichen Teilen den Preis.

[…]

Der Gruppe Ultrà Sankt Pauli (USP) für das Projekt „Alerta-Netzwerk“

Aus der Fanorganisation Ultrà Sankt Pauli heraus entstand 2007 das Alerta-Netzwerk als ein internationaler antifaschistischer Zusammenschluss von jetzt 15 Fangruppen aus Europa und Israel. Der Hans-Frankenthal-Preis wird zur Unterstützung der Netzwerkarbeit verliehen. Im Gutachten heißt es: „Die direkte, Aufsehen erregende und vielfältige Art der Aktionen des Alerta-Netzwerks in einem selten von antifaschistischer Öffentlichkeitsarbeit erreichtem Feld sowie die Themenwahl haben uns imponiert. Die Möglichkeiten, die die Schaffung einer Internetpräsenz mit sich bringt, halten wir für Zukunft weisend und notwendig, insbesondere im Hinblick auf die Unterstützung von Gruppen und Einzelpersonen die dem neofaschistischem, rassistischem und sexistischem Mainstream in ihrer Umgebung etwas entgegensetzen wollen und bisher nicht im Alerta-Netzwerk beteiligt sein konnten.“

Der Gruppe wird ein Drittel des Preisgeldes 2011 zuerkannt.

Auch von hier: Herzlichen Glückwunsch!

Neuer Name Alte Scheiße

Der FC Sachsen Leipzig ist ja bekanntermaßen Geschichte. Mehr oder weniger offizieller Nachfolger des Vereins ist die SG Leipzig-Leutzsch, und gegen eben diese musste am Wochenende der Rote Stern Leipzig antreten. Der rein sportlich gesehen deutliche Sieg die SGLL mit 10:0 wurde überschattet von Szenen, die im Osten der Republik leider zum Fußballalltag gehören, aber dennoch nicht weniger zum kotzen sind. Homophob und antisemitische Beleidigungen, antikommunistische Pöbeleien, Kühnengruß… Alles mit dabei. Der Schiedsrichter hat wie immer nichts gemerkt und die Verantwortlichen bei der SGLL opfern sich – genuin rechter Logik folgend – lieber ein, weil Fans des RSL „Nazis raus!“ gerufen haben und damit ja alle Anwesenden voll arg beleidigt hätten. Dass sie damit allerdings was zumindest einen Gutteil des Publikums der SGLL relativ treffend charakterisiert haben, kommt SGLL-Sprecher Jamal Engel nicht in die Tüte: „Bei uns stehen Linke, Rechte und Menschen aus der Mitte zusammen im Block. Nur Extreme bleiben draußen.“ Da sieht mensch mal wieder wo sächsische CDU-Hegemonie und Extremismusdoktrin hinführen können…

Einen Bericht gibt es [hier] bei der Leipziger Volkszeitung. Gerade weil das Blatt auch die Idiot_innen zu Wort kommen lässt, ist der Artikel äußerst lesenswert.