Archiv der Kategorie 'neuigkeiten'

Deutschland gegen Israel

Dass Länderspiele zwischen Deutschland und Israel etwas Besonderes an sich haben und dass nicht alle auf deutscher Seite dabei wirklich ein „Freundschaftsspiel“ im Kopf haben, ist ein alter Hut. Trotzdem sind der Antisemitismus und die plumpe Gleichsetzung von Israelis und „Juden“ jedes Mal wieder von Neuem zum Kotzen, wie ein von bloggezwitscher zusammengetragener Haufen Kommentare auf Twitter mal wieder sehr greifbar macht…

(Foto geklaut bei torsun)

Überball durch Bremer Nazihools in Wunstorf

Wie der NDR meldet, wurde in der Nacht von Samstag auf Sonntag eine Electroparty in dem linken Kulturprojekt Wohnwelt in Wunstorf nahe Hannover von rechten Fußballfans aus Bremen angegriffen, wobei etwa zehn Menschen leicht und zwei schwer verletzt wurden. Einige der Täter_innen sollen Abzeichen der rechten Hoolgruppe Standarte 88 getragen haben. Was sie aber in Wunstorf zu suchen hatten und ob der Angriff geplant oder spontan verübt wurde – die Wohnwelt liegt direkt am Bahnhof der Kleinstadt – bleibt vorerst im Dunkeln. Das Tragen rechter Insignien wie auch das Rufen rechter Parolen lassen jedoch eindeutig auf eine politische Motivation schließen. Mittlerweile gibt es jedoch ein Statement der Wohnwelt, das hier in voller Länge zitiert werden soll:

Stellungnahme des Vereins Lebenstraum – Wohnwelt Wunstorf zu den Vorkommnissen in der Nacht vom 19.- auf den 20. Mai. 2012

Am Samstag, dem 19. Mai 2012, fand in den Räumlichkeiten der Wohnwelt Wunstorf eine
Electro-Party statt, zu welcher etwa 180, zumeist jugendliche Gäste gekommen waren.

Im Laufe der Veranstaltung um circa 22:20 Uhr betraten 2 männliche Personen mittleren Alters den Thekenraum. Äußerlich unverkennbar waren Tattoos sowie übliche Bekleidung der rechten Szene zu erkennen. Unter anderem SS-Runen sowie ein Poloshirt mit der Inschrift der rechtsradikalen Hooligangruppe „Standarte Bremen“. Diese fragten ohne Scheu und selbstbewusst nach 2 Getränken und blieben circa 10 Minuten, in denen sie aufmerksam Personen musterten und die räumlichen Gegebenheiten besichtigten.

Nachdem Beide die Wohnwelt wieder verließen hielten sie sich in einer Gruppe von circa 5-7 Personen auf der gegenüberliegenden Straßenseite auf.
Etwa eine dreiviertel Stunde später sprach besagte Gruppe dort einen Gast der Veranstaltung an und einer der Männer schlug ihm ohne Vorwarnung frontal ins Gesicht.
Der Angegriffene zog sich daraufhin in die Wohnwelt zurück.
Komplett koordiniert und auf ein bestimmtes Zeichen abgesprochen, stürmten besagte 5-7 Personen sowie 15 weitere Personen aus dem Hintergrund in einer sicheren Angriffskonstellation auf die Wohnwelt zu. Innerhalb weniger Sekunden, während Verantwortliche Kräfte der Wohnwelt Gäste in Sicherheit bzw. in das Gebäude zu bringen versuchten, erreichte die Gruppe bereits den Eingangsbereich, drang mit Gewalt durch die Haupteingangstür, welche von innen versucht wurde zuzuhalten, ein und griff männliche sowie weibliche Gäste der Veranstaltung auf brutalste Weise an. Hierbei kamen unter anderem Teleskopschlagstöcke, Schlagringe und so genannte „Chakos“ zum Einsatz. Während der Dauer des Angriffs fielen seitens der Rechtsradikalen immer wieder „Wo ist die Antifa?!“-Rufe sowie weitere einschlägige Sätze betreffend der politischen Ausrichtung und der Suche nach einem „Gegner“. Die Gäste wurden vollkommen unkontrolliert in den Rücken getreten, geschlagen und gejagt. Eine Person wurde über einen Kicker-Tisch geworfen und am Boden liegend weiter zusammengetreten. Inventar wurde umgeschmissen und Türen versucht aufzutreten.
Durch entschlossenes Handeln einiger Anwesender im Veranstaltungsraum konnte den Angreifern der Zugang zu diesem verwehrt werden, während die restlichen Gäste in den Flur- und Küchenbereich im hinteren Teil des Gebäudes flüchteten.

Ebenso koordiniert wie der Angriff verlief, zog sich die Gruppe zügig geschlossen zum Bahnhof zurück.

Die gerufene Polizei erreichte wenig später den Bahnhof und setzte die Angreifer fest.

Durch das brutale Vorgehen der Angreifer wurden ca. 10 Personen leicht verletzt, sowie 2 Personen derart, dass sie in umliegende Krankenhäuser verbracht werden mussten. (U.a. Rücken- und Kopfverletzungen).

Im Verlaufe der Polizeilichen Maßnahmen konnte beobachtet werden, wie die Angreifer, die sich bereits im von der Polizei gestoppten Zug befanden, die Kleidung untereinander tauschten, um das Wiedererkennen durch Zeugen zu erschweren.

Ein großes Problem stellte sich dadurch dar, dass es den verantwortlichen der Veranstaltung nicht möglich war, die Gäste in die schwerer zugängliche und dadurch erheblich sicherere obere Etage zu verbringen, da diese von der Stadt nicht an die NutzerInnen der Wohnwelt freigegeben wird.

Dass es sich bei dem Angriff mitnichten um „gelangweilte Fußballfans auf der Durchreise“ handelte, sondern um einen organisierten Angriff von Rechtsradikalen, zeigt sich unter Anderem durch die gezielten Rufe der Männer nach „Antifas“, durch ihr politisch eindeutiges Auftreten und die Koordination des Angriffs.
Da sich die Personen über eine Stunde am Bahnhof aufhielten, ist deutlich, dass sie nicht auf ihren Zug nach Bremen warteten, da dieser bereits eine Stunde eher gefahren wäre, sondern nach dem Ausspionieren der Veranstaltung auf einen geeigneten Zeitpunkt für einen Angriff warteten.

Die Verantwortlichen des Vereins Lebenstraum e.V. rufen Geschädigte und Zeugen dazu auf, sich per Mail oder auf anderem Weg beim Verein zu melden um einen persönlichen Kontakt herzustellen und gegebenenfalls Unterstützung bei weitergehenden Maßnahmen leisten zu können.

FVL wünscht den Betroffenen alles Gute und sendet solidarische Grüße ins westdeutsche Hinterland!

Racaille Verte aufgelöst

Mit ihrem wahrscheinlich letzten Blogeintrag gab die Bremer Ultragruppe Racaille Verte am Sonntag ihre Auflösung bekannt:

Der Weg der Gruppe Racaille Verte ist hier zu Ende.

Wir waren alle Teil eines besonderen, einzigartigen Projekts. Diese Entscheidung haben wir gemeinschaftlich und ohne böses Blut getroffen. Ein Teil der Gruppe wird nun als Caillera einen Neuanfang starten.

Racaille Verte am 22. April 2012

Wenn es nicht mehr läuft, ist es wohl einfach besser so…

Hamburg City Ausnahmezustand UPDATES

Das Verwaltungsgericht in Hamburg hat inzwischen die Demo der Rostocker_innen verboten und sie stattdessen zu einer stationären Kundgebung zwischen Kunsthalle und Hauptbahnhof abgeschoben. Super zum Kesseln. Bestimmt ein Zufall…

Ob dagegen von Rostocker Seite Widerspruch eingelegt werden wird ist unklar, wäre aber ratsam.

Unterdessen hat die Hamburger Polizei die hiesige Überschrift mit dem „Ausnahmezustand“ wohl etwas zu ernst genommen und fast ganz St. Pauli zu einem Gefahrengebiet erklärt. Das bedeutet im Klartext, dass die Cops dort jede Person ohne wirklichen Grund oder auch einfach nur aus Bock kontrollieren, des Platzes verweisen oder gleich in Gewahrsam nehmen kann. „Lageabhängig“ heißt das in der Polizeisprache. Allgemeinverständlich ausgedrückt heißt es, die Polizei entscheidet selbst, was sie darf und was nicht. Missbrauch und Willkür stehen da Tür und Tor noch weiter auf als ohnehin schon.

Zu dem Gefahrengebiet gehört auch das Millerntorstadion selbst samt Vorplatz. Ebenso das Jolly Roger und der Fanladen. Wenn die Polizei also will, kann sie alle Menschen vor dem Jolly in Gewahrsam nehmen – einfach so – und falls jemand nach drinnen flüchtet mal wieder den Laden stürmen und Leuten die Zähne ausschlagen. Kennen wir ja alles schon…

Und Jugendliche, die zufälligerweise eine schwarze Jacke tragen und aus Sicherheitsgründen mal den Schal zuhause gelassen haben und auch kein Ticket dabei haben, weil jemand damit vor der Kurve wartet, kann die Polizei einfach nicht zum Stadion lassen. Es könnten ja auch Rostocker_innen sein…

Verhältnismäßigkeit der Mittel Ahoi!

Hans Sarpei vs. Geschichtsrevisionismus 1:0

Hans Sarpei, Schalker Außenverteidiger und ghanaischer Nationalspieler, positioniert sich auf seinem Facebookprofil eindeutig gegen Antisemitismus und die Leugnung der Shoah und setzt damit ein eindeutiges Zeichen:

An den iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad,

ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist, wie ein jüdisches Sprichwort sagt.

Auf www.stolpersteine-online.com sind die Stolpersteine von vielen tausend Opfern des Holocaust verlegt – mit Namen und ihrem letzen Wohnort. In ganz Europa liegen bereits 32.000 dieser Steine. Täglich gehe ich an ihnen vorbei.

Die Aktion des Kölner Künstlers Gunter Demnig wird weltbekannt – dafür werde ich sorgen und die Aktion mit meinen Mitteln unterstützen.

Wir werden den Holocaust nicht vergessen!

Ihr Hans

Natürlich hagelt es sofort Kommentare darüber wie schlimm die israelische Politik gegenüber den Palästinenser_innen ist, aber es gibt auch Menschen, die vernünftigerweise anmerken, dass es darum verdammt noch einmal überhaupt nicht geht, sondern um die Shoah und darum, dass sie niemals vergessen geschweige denn geleugnet werden darf.

Ich bin ehrlich gesagt ziemlich bewegt. So etwas, wie es Sarpei hier gepostet hat, erlebt mensch in der Welt des Fußballs leider viel, viel zu selten…

Meine Fresse Dortmund!


Beim ohnehin schon recht glanzlosen 1:0 zwischen Borussia Dortmund und dem SV Werden Bremen am vergangenen Samstag kam es auf Seiten der Dortmunder Fans zu noch weit glanzloserem Verhalten. Einige Anhänger_innen des BVB hielten während des Spiels auf der Südtribüne zwei Transparente mit den Aufschriften

„Lieber ne Gruppe in der Kritik, als Lutschertum und Homofick“

und

„Gutmenschen, Schwuchtel, Alerta-Aktivist, wir haben euch im ›20 gegen 100‹ gezeigt, was Fußball ist“

in die Höhe und lieferten damit ein erneutes Lowlight in der Geschichte beschissener Banner in deutschen Fußballstadien.

Berichten zufolge griffen andere Besucher_innen nach nur wenigen Minuten ein und konnten das weitere Zeigen der homophoben Kackscheiße unterbinden und auch der Verein hat sich eindeutig von der Aktion distanziert, doch geschehen ist nun einmal leider geschehen. Natürlich ist es auch schwierig bis unmöglich so etwas bei einem enorm großen Stadion wie dem der Borussia immer vollkommen auszuschließen, aber es zeigt einmal mehr, dass es in der Dortmunder Fanszene eine vielleicht kleine, aber doch lautstarke und selbstsicher agierende Gruppe von Anhänger_innen zu geben, die politisch weit rechts des Tolerierbaren stehen. Speziell der zweite Spruch richtet sich ja explizit an Menschen aus dem antifaschistischen „Alerta Network“ und bedient sich mit „Gutmenschen“ auch explizit im Repertoire rechter Rhetorik.

Der Verein muss sich aber auch die Frage gefallen lassen, wie so ein Banner überhaupt an den Ordner_innen vorbei gelangen konnte. Torsten Siebert von „Soccer Sound“ und Christian Rudolph, Sprecher von „Fußballfans gegen Homophobie“, sehen das ähnlich:

Aus unserer Sicht ist es ein absolutes Versäumnis seitens des Vereins, dass solche diffamierenden und diskriminierenden Banner in die Kurve gelangen konnten. Wir fordern die Vereinsführung von Borussia Dortmund auf, sich von dieser Aktion zu distanzieren und klar Stellung zu beziehen. Es sollte auch geprüft werden, ob Sanktionen gegen die betreffende Gruppe verhängt werden können. Solche Banner dürfen in keinem Stadion toleriert werden.

Perspektivisch dürften sich solche Vorfälle aber wohl nur verhindern lasen, wenn sich das gesamtgesellschaftliche Klima wandelt. Solange Homophobie und Heterosexismus in der Gesamtgesellschaft vielfach mitgetragen, akzeptiert oder wenigstens toleriert werden, wird es so etwas auch immer wieder und gerade auch in Fußballstadien geben.

Ein Lichtblick jedoch ist die via Twitter kolportierte Reaktion der Bremer Fans, die Ohrenzeug_innen zufolge „Schwuler SVW“ gesungen haben sollen, ähnlich wie auch in den Kurven von Köln und TeBe gerne auf derlei tumbe Beschimpfungen reagiert wird. Und überhaupt: Wer lieber homophob als schwul ist, hat auch mal echt nix begriffen…

FC St. Pauli klagt für die Fans des FCH

Eigentlich wollte ich an dieser Stelle einen Kommentar dazu verfassen, wie gut, richtig und wichtig es ist, dass der FC St. Pauli sich dazu entschieden hat gegen die Untersagungsverfügung der Polizei zu klagen, die jeglichen Ticketverkauf an Anhänger_innen des FC Hansa Rostock für das Spiel der beiden Vereine am 22. April verbietet. Nach der Südkurvenblockade vor zwei Jahren die zweite richtige Geste in Richtung Ostseestadion, bei der auf vorhandene Feindschaften geschissen wird, weil es immerhin um Präzedenzfälle geht, die alle Fans in der Bundesrepublik etwas angehen. Eigentlich wollte ich noch irgendwas dazu schreiben, dass solche Feindschaften eh ziemlicher Mumpitz sind, auch wenn ich genau so gut wie die meisten, die das hier lesen werden, weiß, dass manche Spiele halt doch irgendwie etwas Besonderes an sich haben und das FCSP vs. FCH ganz klar in diese Schublade gehört. Ja, eigentlich wollte ich da machen, aber etwas Besseres als den Kommentar im Blog des Übersteigers würde ich so oder so nicht hinbekommen, also kann ich auch einfach auf ihn verweisen:

…Und doch: All dies darf kein Grund sein, einer kompletten Fanszene die Anreise zu einem Fußballspiel zu verwehren, sonst sind wir tatsächlich schon in einem Polizeistaat angekommen.
Ohne Rücksprache mit dem DFB und der DFL, ohne Rücksprache mit den beiden beteiligten Vereinen, ohne Einbeziehung der Fanprojekte, will die Polizei hier “verfügen”. Exekutive und Judikative will die Polizei damit bereits in einer Person sein, in der Hoffnung, dass niemand die Legislative anruft.

Die Polizei spielt hier ganz klar auf den Faktor des derzeit in Deutschland herrschenden Medienhypes über die angeblich zunehmende Gewalt im Fußball, ungeachtet der Tatsache, dass dies eher in Wechselwirkung mit der seit 2005 stark zunehmenden Zahl an Polizei-Einsatzstunden einhergeht, wie u.a. im 11FREUNDE – Heft 11/2011 sehr ausführlich von Christoph Biermann und Ron Ulrich ausgearbeitet und nachzulesen. Vom zunehmenden Einsatz des Pfeffersprays und damit verbundener höherer Verletztenzahlen ganz zu schweigen…

Mehr gibt es [hier].

Dresden in anders?

auf addn.me und Indymedia findet sich ein lesenswerter Artikel zu einer Diskussionsveranstaltung, die sich mit der SG Dynamo Dresden und ihren Fans auseinandersetzte. Es geht darum vor allem um ein aus Sicht der Veranstalter_innen notwendiges Update der Außenwahrnehmung der Dresdener Szene, die für viele neben Hansa Rostock und in geringerem Maße auch einigen unterklassigen Ostclubs noch immer als der Inbegriff rechter Barbar_innenhorden gilt. Hier ein Auszug:

…Die von der Fangemeinschaft schon vor etlichen Jahren gemeinsam mit der Geschäftsführung verabschiedete und mittlerweile von 50 der 140 offiziellen Fanclubs unterzeichnete so genannte Fancharta beinhaltet Regeln und Normen, wonach sich beispielsweise der Verein SG Dynamo Dresden e.V. und seine Fans aktiv gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit aussprechen. Vorfälle wie zuletzt nach dem Auswärtsspiel in Bochum sollten den Anhängerinnen und Anhängern von Dynamo klarmachen, dass sie damit nicht nur das Bild des Vereins in der Öffentlichkeit dauerhaft schädigen und die jahrelange Arbeit von Faninitiativen vor Probleme stellen, sondern auch den Erfolg einer multikulturellen Mannschaft ad absurdum führen…

Linke Fankultur in Minsk darf nicht sterben

Von Seiten des Roten Sterns aus Leipzig erreicht uns folgender Aufruf zur Solidarität mit den Fans MTZ-RIPO bzw. FC Partizan Minsk in Weißrussland, dem wir hiermit gerne zu weiterer Verbreitung verhelfen wollen:

Linke Fankultur in Minsk darf nicht sterben:

Aufruf zur Solidarität!

MTZ Ripo ist ein Fußballklub aus der weißrussischen Hauptstadt Minsk, der seit 2009 unter dem Namen Partizan spielt. In den vergangenen Jahren entwickelte sich bei dem Verein eine starke antifaschistische Fan- und Ultra-Szene. Damit ist der Klub nicht nur in der ehemaligen Sowjetunion, sondern im gesamten Ostblock einzigartig.

Natürlich gibt es auch bei anderen Vereinen Ansätze einer progressiven Fankultur, doch bei MTZ Ripo steht eine Masse dahinter. Einige Hundert, zumeist junge Leute, zählen zur Fanszene, darunter viele Angehörige antifaschistischer Subkulturen (u.a. Punkrock, Hardcore, Veganismus). Die Fans widersetzen sich nicht nur der krassen Repression des autoritären Staates, sondern konnten im Laufe der Zeit die Dominanz faschistischer und neonazistischer Hooligans (u.a. vom Traditionsklub Dinamo Minsk) brechen – das Klima in der Stadt hat sich gewandelt. Der Verein mit seiner Fanszene bildet eine enorm wichtige Gegenkultur zum autoritären und extrem rechten Mainstream in der Gesellschaft. Die Ausstrahlungskraft reicht weit über die Landesgrenzen hinaus und zeigt, dass auch unter schwierigsten Bedingungen eine Alternative möglich ist.

Unterstützen wir die Rettung MTZ Ripo Minsk!

Im letzten Jahr konnte MTZ Ripo den Aufstieg in die höchste Spielklasse feiern, was die positiven Entwicklungen weiter beförderte.Im Dezember 2011 hat sich allerdings der Klubbesitzer und Sponsor Vladimir Romanov zurückgezogen. Die Suche nach neuen Sponsoren war nicht erfolgreich, die Mannschaft stellte den Spielbetrieb ein und es drohte ein endgültiges Aus.

Mit einer Rettungskampagne wollen die Fans und Ultras ihren Verein retten und zumindest die 2. Liga ermöglichen.

Der Verein benötigt insgesamt ca. 80.000 EURO für die Registrierung zur 2. Liga, die Stadionmiete und den Bürobetrieb. Bis zum April müssen die ersten 10.000 EURO gesammelt werden. Um diese Aufgabe zu stemmen, wurde eine Genossenschaft gegründet, bei der jede/r TeilnehmerIn (bisher 400, Stand 23.02.2012) einen monatlichen Betrag zahlt. Dieser Schritt zur Selbstorganisation gewährleistet, dass alle TeilhaberInnen ihres Klubs werden und die zukünftigen Entwicklungen – wie beispielsweise Personalentscheidungen – mitbestimmen können.

Für uns kann es nur heißen, diesen Klub mit seiner einzigartigen Fankultur zu unterstützen. Helfen wir mit, dass sich auch in Zukunft die antifaschistische Fankultur in Minsk im Speziellen und die progressiven, sowie antifaschistischen Subkulturen im Allgemeinen weiter entwickeln können!

Auch werden wir während der nächsten Spiele am Eingang/Grillstand/Bus für den MTZ Ripo Minsk und die dortigen antifaschistischen Strukturen Spenden sammeln.

Also Augen offen halten und Kleingeld mitbringen.

PayPal: szymon666@poczta.onet.pl (Betreff: MTZ)

Infos: mtz-ripo-soli@riseup.net

Soli-Internetblock und Spendenkonto sind in Planung

FSV Zwickau schon wieder

Nach „Sieg Heil“ in der Kabine und NSU-Gesängen in der Kurve hat jetzt, wie der Focus berichtet, Robin Hölzel, Stürmer beim FSV Zwickau eine Geldstrafe und eine vierwöchige Sperre vom Verein erhalten, weil er im Internet kundgetan hatte, dass in seinen Augen Ivy Quainoo, die Siegerin der Castingshow „The Voice of Germany“ keine Deutsche sei. Die in Berlin geborene und aufgewachsene Sängerin, deren Eltern aus Ghana stammen ist als Person of Color für den aus der Nähe der Nazihochburg Chemnitz stammenden Hölzel offenbar automatisch undeutsch. Nazis wie das Freie Netz Köln nehmen diesen Steilpass gerne auf und sekundieren dem Stürmer in seinem Rassismus.

Quainoo selbst gibt sich gegenüber der Stuttgarter Zeitung wenig beeindruckt: „Ich denke, unsere Gesellschaft ist so weit, dass die Hautfarbe bei einer Casting-Show egal ist.“ Allerdings ist sie wie gesagt in Berlin aufgewachsen und nicht in Zwickau. Gerhardt Neef aus dem Präsidium des FSV klingt da im Focus schon weniger optimistisch: „Wir können nicht im Verein nachholen, was die Gesellschaft nur halbherzig betreibt.“ Wobei halbherzig zumindest für Teile des Landes eigentlich auch schon ein wenig übertrieben optimistisch formuliert ist…