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Fußballfilm: 11 Men Out

Knapp daneben ist auch vorbei. Diese alte Fußballweisheit trifft leider auch auf den Film „11 Men Out“ (isländisch: „Strákarnir okkar“) zu. Zumindest für die völlig missratene deutsche Synchronfassung…

Der Plot des Films ist eigentlich sehr vielversprechend: Ottar Thor, der beste Stürmer des besten Vereins des Landes outet sich als schwul, fliegt aus dem Team und rollt dann mit seiner schwulen Freizeitmannschaft die Amateurliga auf, während sein Ex-Verein ohne ihn kein land mehr sieht. Dass seine von ihm getrennt lebende Ehefrau, eine ehemalige Miss Island, sich dem Alkohol hingibt, sein Sohn sich vor den Hänseleien der Mitschüler_innen in Computerspiele flüchtet und der Trainer, der den Protagonisten rausschmeißt auch noch ausgerechnet sein eigener Vater ist, verkompliziert die Sache zusätzlich. Der Film ist an sich sympathisch. Die meisten Schauspieler_innen füllen ihre Rollen gut aus und auch die sehr skandinavische, unhektische Erzählweise und die betont unaufgeregte Kameraführung sind ansprechend. Außerdem ist Island einfach eine verdammt schöne Filmkulisse… Doch leider sind vor allem die homophoben Mackercharaktere bis ins bizarre überzeichnet. Insbesondere Ottars Bruder nervt eigentlich permanent. Möglicherweise ist das ein Problem der Synchronisation. Vielleicht ist es im isländischen Original anders und wirklich witzig (deutsche Synchronfassungen schaffen es ja immer wieder schwarzen Humor in flachen Klamauk zu verwandeln), doch so wie es ist, ist es kaum auszuhalten. Überhaupt scheinen sämtliche Synchronsprecher_innen ungefähr gar keine Empathie für ihre Rollen zu haben. Ein bißchen wirkt es so, als würden sie eigentlich viel lieber irgendetwas anderes machen als dieses Film aus dem Nordatlantik neu zu vertonen. Ich würde den Film gerne noch einmal in der Originalfassung mit Untertiteln sehen. Von der deutschen Fassung kann ich allen Interessierten nur nachdrücklich abraten. Schade eigentlich…

Was bleibt ist der Traum, dass etwas in dieser Art vielleicht irgendwann wirklich passieren wird. Egal ob auf Island, in Chile oder in der BRD, sobald der erste Spieler eines männlichen Profiteams outet, werde ich Fan sein!

(Regie: Róbert I. Douglas, 85 Minuten, Island 2005)