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Nevermind „Freiheit statt Angst“ – This is 03 vs. HRO

SV Babelsberg 03FC Hansa Rostock 0:2

Samstag, 11.09.2010, 14:00 Uhr, Karl-Liebknecht-Stadion, 3. Liga (Männer)

Wer vom Pferd geworfen wurde, soll ja bekanntlich gleich wieder aufsteigen. Deshalb ging es nach den unschönen Ereignissen nach dem Spiel von TeBe gegen Union II am Vorabend und nicht eben gutem Schlaf gleich weiter zum nächsten Sicherheitsspiel. Der SV Babelsberg 03 hatte den FC Hansa Rostock zu Gast und der wiederum weit über zweitausend Fans im Schlepptau. Fußballfest vorprogrammiert sozusagen…

So ging es also gegen halb eins mit Apfelecken und Premium Cola bewaffnet bei schönstem Spätsommerwetter per S-Bahn nach Potsdam und dort auf fast direktem Wege zum Stadion. Dort angekommen, mussten wir feststellen, dass es keine Tickets mehr gab, doch irgendwie haben diejenigen aus der Reisegruppe, die nicht vorsorglich in der Baiz ihr Ticket gekauft hatten, dann doch noch welche aufgetrieben und wir konnten versuchen uns irgendwo im knallvollen Karli Plätze mit Sicht aufs Spielfeld zu sichern. Gar nicht so einfach…

Gleich zum Anpfiff legte der Mob aus Rostock richtig los mit diversen Bengalos und Rauch in Weiss und Grün (Polizei?). Ohnehin war es mehr als beeindruckend, was die Rostockkurve an Support bot. Eine Mitmachquote von 98% in der gesamten Kurve macht ordentlich Alarm. Sympathisch sind mir die meisten der Menschen dort trotzdem nicht. Dafür gibt es dort einfach viel zu viele „echte Männer“ und leider auch immer noch Idioten, die den rechten Arm hebend auf dem Zaun rumhängen. Ätzend! Interessant auch, dass die Heimniederlage gegen St. Pauli letzte Saison offenbar die Fanszene sehr traumatisiert hat. Anders lässt es sich nicht erklären, dass die ganze Kurve immer wieder „Scheiß St. Pauli“ rief, obwohl der FC St. Pauli ja gar nicht da war. Komische Sache…

Das Filmstadt Inferno samt Umfeld auf der anderen Seite mühte sich zwar redlich, aber gegen die Wand von der Ostsee war kein Gegenankommen. Da half auch der Kasernenhofton von einem der Kapos nichts, der sein pädagogisches Wissen wohl aud „Full Metal Jacket“ hat. Die überwiegende Mehrheit der Babelsberger_innen bekam nicht ein einziges Mal den Mund auf. Schade, aber vielleicht liegt es auch an diesem Ultrading, das möglicherweise viele Menschen in der Kurve zu einer Konsumhaltung verleitet, in der sie keinerlei Eigeninitiative mehr zeigen. Wenn dann durch so einen Übersupport wie jenen von den Rostocker_innen das eigene Liedgut schon zwanzig Meter links der Kapos fast nicht mehr zu hören ist, erstarrt die Kurve offenbar schnell in Ehrfurcht. Für meinen Geschmack könnte das Babelsberger Liedgut allerdings auch ein paar mehr kurze, prägnante Rufe beinhalten statt 99% melodiösem Singsang. Ein einfaches „Null Drei! Null Drei! Null Drei!“ oder ähnliches hätte oft mehr Energie rüberbringen können als der schönste Gesang. Und das Team hätte echt jeden Support gebrauchen können…

Denn das Spiel begann mit Einbahnstraßenfußball. In den ersten zwanzig Minuten wirkten die Nulldreier so, als hätten sie Angst oder zumindest übertriebenen Respekt vor ihrem Gegner. Das sehenswerte Tor durch Ziegenbein in der 8. Minute war da nur logische Konsequenz. In der Folge war das Spiel ausgeglichener und Babelsberg hatte durchaus Chancen. Nach dem Seitenwechsel waren sie sogar für eine Viertelstunde klar überlegen. Doch als dann wie aus dem Nichts Schied in der 60. Minute nach einem Freistoß das 2:0 erzielte, war das Spiel entschieden. Rostock spielte souverän seinen Stiefel runter und Babelsberg hatte einfach nicht die richtigen Ideen, die die kompakte Rostockabwehr vor Torwart Hahnel im Rijkaard Jugend-Gedächtnistrikot hätten überlisten können. Zwar waren sie sichtlich bemüht und vor allem Koc machte ein wirklich gutes Spiel, doch das etwas eintönige Flankenspiel war viel zu berechenbar. Schüsse aus der zweiten Reihe wären vielleicht eine Option gewesen, aber die waren wohl leider grad ausverkauft.

Nach dem Spiel ging es mit Zwischenstopp am Fanladen zum Bahnhof Babelsberg, wo die Polizei aber leider gerade sichtlich Probleme mit der Fantrennung hatte. Vor und im Bahnhof standen überwiegend friedliche Babelsberger_innen und teilweise enorm aggressive Rostocker_innen bunt durcheinander. Zum Glück entschied sich die Bundespolizei, nachdem auf dem Bahnsteig schon Menschen aneinander geraten waren, diesmal mit in die S-Bahn nach Berlin zu steigen. Da war durchaus Konfliktpotential vorhanden. Es reichen halt schon ein paar Arschlöcher um eine Situation eskalieren zu lassen. Alles in allem blieben die von der Presse heraufbeschworenen schweren Krawalle aber offenbar aus. Ein Zitat dazu vom Blog von Zujezogen Nulldrei:

4 Stunden nach dem Spiel sitzen circa 20 Hansa-Fans im Babelsberger Kiez und feiern ihre Mannschaft; dies ohne jedwede Anfeindungen unsererseits. Die Frage nach der Möglichkeit eben jenes umgekehrt in Rostock stellt sich mitnichten.

War alles in allem ein gelungener Ausflug nach Brandenburg und für mich persönlich ein gutes erstes Drittligaspiel.

PS: Alle zur Antifademo in Potsdam am 25.09.!

In Demuth nach oben

SV Babelsberg 03FC St. Pauli II 4:1

Samstag, 29.05.2010, 13.30 Uhr, Karl-Liebknecht-Stadion, Regionalliga Nord (Männer)

Während in Fürth und Nürnberg demonstriert wurde, um an den beinahe tödlichen Angriff eines Neonazis auf einen jungen Antifaschisten mit kurdischem Migrationshintergrund am 28.04. dieses Jahres zu erinnern, machte ich mich zum ersten Mal überhaupt auf den Weg nach Babelsberg. Der Verein stand schon längst als Aufsteiger und Meister der Regionalliga Nord fest, und dass der Gast aus Hamburg sich nur würde durch Lizenzentzüge anderer Vereine in der Liga halten können auch. Somit standen die Zeichen auf dem Spielfeld ganz auf Sommerfußball. Abseits des Spielfeldes standen die Zeichen zum einen auf Feiern, zum anderen aber auch auf Antifaschismus. Nicht nur, dass an diesem Wochenende in Potsdam das Ultrash-Festival stattfand, auch in beiden Fanblöcken hingen große Transpis in Solidarität mit den Opfern von Nazigewalt in Nürnberg, Moskau, Berlin und anderswo.

Die Stimmung im Stadion und auch vor dem nahen Fanladen war den Umständen und dem sonnigen Wetter entsprechend gut und die vollkommene Abwesenheit von Polizei oder Fantrennung tat ihr Übriges dazu. So wurde teilweise fröhlich zwischen den Blöcken hin- und hergewechselt und Wechselgesänge zwischen den Blöcken hin- und hergerufen. Babelsberg und St. Pauli – das passt irgendwie schon wie Arsch auf Eimer!

Das Spiel selbst war schon Mitte der ersten Halbzeit nach zwei Toren von Goalgetter Frahn (9. und 24. Minute) und einem von Moritz (26. Minute), die allesamt schön herausgespielt waren, mehr oder weniger im Sack, was vor allem daran lag, dass St. Pauli erst nach dem 3:0 aufzuwachen schien. Bis dahin hatten sie sich – gute Gäste, die sie nun einmal sind – eigentlich vollkommen aus dem Spiel herausgehalten. Die letzte Viertelstunde der ersten Hälfte spielten sie dann aber doch mit und waren wenigstens bemüht, gefährlich vor das gegnerische Tor zu kommen. Doch falls sie sich in der Halbzeitpause vorgenommen hatten, jetzt tatsächlich noch einmal an dem Spielstand etwas grundlegend zu ändern, so wurden alle Hoffnungen darauf keine zwei Minuten nach Wiederanpfiff zunicht gemacht, als Ergirdi den Ball irgendwie mit dem Oberkörper ins Tor lief. St. Pauli kam zwar in der 55. Minute durch Marc Lange noch zum Ehrentreffer, aber das war eigentlich auch schon egal. Irgendwann war dann Abpfiff und Pitch Invasion und großer Jubel überall. Dietmar Demuth hatte mal wieder einen Aufstieg klar gemacht. „In Demuth nach oben“ hiess es 2001 auf St. Pauli und ja ich habe geweint damals. So war es irgendwie passend, dass heute ausgerechnet die Anhänger_innen des Hamburger Stadtteilvereins mitfeierten, als er mal wieder einen der wenigen wirklich sympathsichen Vereine eine Etage noch oben hievte.