Archiv für November 2012

„Ehrenkodex“ für Fans in Aachen

Die relevanten Fangruppierungen bei Alemannia Aachen inklusive Aachen Ultras, Karlsbande, Supporters und Interessengemeinschaft haben, wie der Verein heute auf seiner Homepage berichtet, einen »Ehrenkodex« unterzeichnet, der sich gegen Gewalt und »politischen Extremismus« sowie für »Respekt und Toleranz« ausspricht. Dabei sollen »Ruf als auch Wohl der Alemannia« stets im Vordergrund stehen. Was das in der Praxis bedeutet muss sich wohl erst noch zeigen. Nachzulesen ist der Kodex [hier].

Die Aachen Ultras haben kurz nach der Veröffentlichung seitens des Vereins ein eigenes Statement veröffentlicht, das zum Teil deutliche Kritik äußert, aber lest am besten selbst und zwar [hier] (Link zu einer PDF).

Es bleibt also offenbar spannend im belgischen Grenzgebiet. Fortsetzung folgt mit Sicherheit…

»Unsterblich« in Wien dreht frei

Folgende über Facebook verbreitete Meldung aus Wien hat uns doch ein wenig bestürzt und soll von daher unkommentiert für sich stehen:

Vorfälle im Viola Pub nach dem Spiel

Sehr geehrte Damen und Herren,

Seit meinem 15. Geburtstag – also nun seit 13 Jahren -bin ich regelmäßiger Besucher der Austria Spiele. Viele Jahre hatte ich auch ein Abo, zuerst auf der West, dann mit Baubeginn der Ost, wechselte ich auf die Nord Tribüne.

In all diesen Jahren ist es leider fast alltäglich geworden, im Rahmen des Stadionbesuches mit rassistischen Äußerungen konfrontiert zu werden. Meist handelt es sich um den schon fast als normal zu bezeichnenden Alltagsrassismus gegen den man, so verwerflich er auch ist, aufgrund seiner tiefen Verankerung in der österreichischen Gesellschaft nur mit langfristig geplanten Schritten etwas unternehmen kann. Leider vermisse ich auch diese in der aktiven Kommunikationspolitik des FK Austria Wien, ein Umstand der nahezu als Einladung für organisierten Rechtsextremismus zu gelten hat.

Das Einsickern von sogenannten Fans mit einer Affinität zu Gedankengut und Symbolik des 3. Reiches ist leider nun seit mehreren Jahren fest zu stellen. Der Verein unternimmt punktuell etwas, meist dann wenn es zu medienwirksamen Vorfällen kam, viel mehr ist von mir als „passiver“ Fan jedoch nicht wahr zu nehmen. Offensichtlich gibt es im Verein auch zu wenige Verantwortliche, die sich der Problematik wirklich bewusst sind und bereit sind Verantwortung zu übernehmen, bzw ein fundiertes Wissen über die Symboliken von Faschismus und Nationalsozialismus besitzen. Anders ist das wiederholte Auftauchen nationalsozialistischer / faschistischer Botschaften auf der Osttribüne nicht zu erklären.

Das gestrige Spiel hat meinen Begleitern und mir wirklich viel Freude bereitet. Eine Austria Mannschaft, wie man sie sich nur wünschen kann, nur schade, dass dies schon bald in den Hintergrund trat.

Nach der Spielerverabschiedung entschieden wir uns dazu die Leistung unserer Austria gemeinsam im Viola Pub zu feiern. Während sich mit der Zeit das Lokal langsam leerte, ließ uns die gemütliche Atmosphäre schon von Zukünftigen besuchen im Pub träumen.
Am Nebentisch von uns war noch eine Gruppe des „Fanclubs“ „Unsterblich“ versammelt, sie stellten unter den noch anwesenden Gästen wohl die Mehrheit dar. Gegen 20:15 Uhr versammelte sich ein großer Teil von ihnen an der Bar und begann neben dem Hitlergruß auch Gesänge anzustimmen, die den Nationalsozialismus verherrlichten, bzw. Menschen anderer sexuellen Orientierung herabwürdigten. Das Entsetzen unter uns unbeteiligten Besuchern war entsprechend groß (auch wenn uns wie bereits gesagt diese Problematik im Austria Stadion nicht gänzlich fremd ist), steigerte sich allerdings um so mehr, als wir erkennen mussten, dass auch die anwesenden Fanordner sich begeistert an diesen strafbaren Handlungen beteiligten. Es gab auch keine Reaktion von Seiten des übrigen Personals, vielmehr machte es den Eindruck als wäre man solche Vorkommnisse bereits als alltäglich gewohnt.

Da wir gemeinsam mit einigen anderen Fans (die übrigen Teile der Besucher, welche dieses Verhalten ablehnen und den UST wohl nicht nahe stehen) das Lokal verließen, war es mir jedoch trotzdem ein Anliegen, eine/n Verantwortliche/n zu finden. Im Nebenraum (Viola Bar) traf ich auch tatsächlich eine Angestellte, die sich zuerst auch selbst als zuständige Person deklarierte, jedoch bei der Schilderung der Vorfälle sofort jegliche Zuständigkeit von sich wies. Wörtlich erklärte sie mir, dass sie nur für die VIP Betreuung angestellt wäre (sie schrieb gerade ihre Listen) und ich müsse mich an jemand anderen wenden. Auf meinen Einwand, dass dies wohl ein Thema des Vereins als gesamtes wäre, blockte sie abermalig ab und verwies mich auf „Herrn Herman“. Abgesehen davon, dass wir besagten Herrn nicht finden konnten, bin ich der Ansicht dass es die Pflicht eines jeden Angestellten dieses Vereins zu sein habe, auf entsprechende Meldungen auch angemessen zu reagieren. Ob dies nun durch die Verständigung von Sicherheitskräften/ der Polizei oder durch direkte Kontaktaufnahme zu einem direkten Verantwortlichen im Verein passiert, ist dabei nebensächlich, es kann aber nicht sein, dass sich die Fans selbst darum zu kümmern haben. Abgesehen davon sollte doch bereits das Personal im Bereich des Restaurants dahingehend geschult sein, dass solchen Situationen bestmöglich unterbunden oder gegebenenfalls schnellstmöglich beendet werden. Der FK Austria Wien hat auch die Verantwortung für die von ihm betriebenen Räumlichkeiten zu tragen und damit einhergehend auch betreffend der dort handelnden Personen. Seien dies Angestellte des Unternehmens, oder eben Gäste in Form von Fanclubs, welche die Austria als Bühne für ihre menschen verachtenden Ideen missbrauchen.

Seit Eröffnung des Viola Pubs war ich nun drei Mal als Gast anwesend. Dabei kam es zwei Mal zu Aktionen, welche unter das Verbotsgesetz fallen. Verbunden mit der Performance auf den Tribünen, wird man den Eindruck nicht los, dass der Verein seine Geschichte nicht respektiert und mehr oder weniger tatenlos dem rechtsextremen Treiben zusieht.