Ein kurzer Rundumschlag zum Thema EM


Kaum eine Woche in so was ähnlichem wie Urlaub überschlägt sich die Rassismusmaschine Deutschland mal wieder. Kaum ein Tag vergeht ohne neue Ungeheuerlichkeiten, mit denen dann aber irgendwie doch zu rechnen war. Mal kommt heraus, dass – Oh Wunder! – auch bei der Nationalelf Nazis mit im Fanblock stehen. Mal wird der deutsch-italienische Tagesthemensprecher Ingo Zamperoni bepöbelt, weil er im Halbfinale zwischen Deutschland und Italien nicht voll und ganz hinter dem Deutschen Reich, pardon, der Bundesrepublik Deutschland bzw. der Auwahlmannschaft des DFB stehen mochte und dann auch noch statt Goethe oder Schiller den Ausländer Dante zitierte. Zum gleichen Anlass entlud sich der rassistische deutsche Volkszorn dann wahlweise darüber, dass es mit Mario Balotelli ausgerechnet der einzig Nicht-Weiße Spieler der Italiener war, der die Deutschen mit zwei Traumtoren rausschoß, oder aber darüber, dass die deutsche Elf nicht deutsch genug war und bestimmt genau deshalb nicht ins Finale gekommen ist, was sich auch in der „Twitter-Affäre“ um Mesut Özil äußerte. Dass dann aber auch noch die italienische Gazetta dello Sport Balotelli mit einer rassistischen Karikatur, die ihn als King Kong zeigte, verhöhnen musste, hinterlässt dann nur noch Kopfschütteln. Offenbar ist Rassismus auch außerhalb Deutschlands mal wieder sehr en vogue, was sich ja aber auch schon in den rassistischen Attacken kroatischer Fans gegenüber Balotelli und den „Affenlauten“ polnischer Fans gegenüber Spielern aus den Niederlanden gezeigt hatte, während russische Fans eher einen auf nationalistisch machten und per Choreographie mal eben Polen annektierten, wenn sie nicht gerade den einzigen Schwarzen Spieler auf Seiten Tschechiens mit Rassismus überziehen. Dass bei all dem viele keine große Lust auf Europameisterschaften haben, ist irgendwie naheliegend. Da braucht es dann nicht einmal mehr die Angriffe deutscher Fans auf feiernde Italiener_innen und Polizist_innen, die zumindest aus Nordrhein-Westfalen gemeldet wurden und auch die homophoben Ausfälle des italienischen Spielers Cassano verwundern eigentlich niemanden mehr. Umso erfreulicher, dass im Tagesspiegel mal etwas halbwegs Vernünftiges zum Thema Homophobie im Fußball steht, während in der Jungle World ein wenig dem Verhältnis expliziter Neonazis zur deutschen Nationalmannschaft auf den Grund gegangen wird. Es ist ja eigentlich schwer zu glauben, weil im Vereinsfußball ja nun wirklich nicht alles geil ist, aber Länderspielfußball ist tatsächlich nochmal um einiges widerlicher. Echt beeindruckend, wie Fußballfans es immer wieder schaffen einander in Beschissenheit zu überbieten…

Der Form halber und weil es ja irgendwo auch um Fußball geht sei aber auch noch angemerkt, dass die deutsche Elf im Halbfinale wirklich schlecht gespielt hat und dass das zu einem Gutteil an der völlig unverständlichen Aufstellungspolitik Jogi Löws lag. Schweinsteiger wird langsam aber sicher zu einer ähnlichen Altlast für das Team, wie es neulich Michael Ballack war und die einzigen zwei Spieler der DFB-Elf, die wirklich überzeugen konnten, waren die, die bei Real Madrid spielen: Özil und Khedira. Der zentrale Fehler Löws war es, die Taktik des FC Bayern zu kopieren, denn wenn ein Team keinen Messi oder Ronaldo hat, dann ist dieses Gomez-wird’s-schon-richten-System schlicht noch einfacher auszurechnen als durchschnittliche Matheaufgaben in der Grundschule. In der Bundesliga mag so etwas vielleicht funktionieren, aber gegen ein Team wie Italien kann so etwas fast nur in die Hose gehen. Auch wenn Fußballdeutschland es nicht wahrhaben will: Dieses Team hat keine Weltklasse und höchsten vier oder fünf Spieler können bei gegenwärtiger Form auf höchstem Niveau wirklich mithalten. Der Rest ist gute Dutzendware, mehr aber auch nicht. Eigentlich könnte mensch ja sagen: „Klasse, mit einem durchschnittlichen Team bis ins Halbfinale gekommen“, aber in diesem Land wurde sich ja noch nie mit weniger als der Weltherrschaft zufrieden gegeben…


1 Antwort auf „Ein kurzer Rundumschlag zum Thema EM“


  1. 1 MondoPrinte 24. Juli 2012 um 19:22 Uhr

    Auch in der Liga hat das „System Gomez“ nicht unbedingt so geklappt, wie man es sich beim FC Bayern gewünscht hätte. Die insgesamt 4 Liga-Niederlagen gegen die Borussen aus Gladbach und Dortmund haben dies – nicht nur vom Ergebnis her – gezeigt. Vom Pokalfinale ganz zu schweigen.

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