Archiv für Juni 2012

Nationalistische Gewalt auf der Fanmeile

Wie die Bild berichtet, wurde eine 19-jährige Deutsch-Griechin auf der Berliner Fanmeile bewusstlos geschlagen. Der Schlag ins Gesicht hat ihr außerdem die Knochen rund um das Auge gebrochen. Laut Bild werden ihr Narben bleiben und sie wird eine Brille tragen müssen.

Über den Grund mutmaßt die Bild: „Weil sie Deutsch-Griechin ist?“ Die Betroffene gibt an, bereits in der S-Bahn mehrfach angepöbelt worden zu sein, weil sie sowohl eine deutsche als auch griechische Flagge um ihre Schultern getragen hat. Da liegt die Vermutung der Bild nicht völlig fern. Richtiger jedoch, wäre wohl zu vermuten, das der_die Angreifer_in sie niedergeschlagen hat, weil er_sie sich in seine_ihrem rassistischen Blut-und-Boden-Nationalismus, der von Hurra-Patriotismus nur maximal hauchzart überdeckt wird, gekränkt fühlte, weil – Himmel hilf! – es Menschen gibt, die „weniger deutsch“ sind als er_sie und diese sich dann auch noch erdreisten nicht mit Kadavergehorsam zur DFB-Auswahl zu stehen. Bei einem Patriotismus, der sich durch kollektive Verdrängung nur partiell vom althergebrachten „Ein Volk, ein Reich, ein Führer“-Nationalismus emanzipiert hat, ist das eigentlich kein Wunder.

Ebensowenig verwundert es, dass der_die Täter_in in der Menge ungestört untertauchen konnte und ganz offenbar niemand mit ausreichend Nachdruck versucht hat ihn_sie zu stoppen oder wenigstens dingfest zu machen. Unrecht haben in diesem Land ja schon immer die meisten lieber geschehen lassen.

Nationalismus ist überall große Kackscheiße. Noch beschissener ist allerdings, dass er in Deutschland jetzt Patriotismus heißt und auf Teufel komm raus harmlos sein muss, selbst wenn er auf Fanmeilen und in den den Stadien gewaltförmig, diskriminierend und einfach widerwärtig daherkommt.

Zum Kotzen das alles…

Sticker #7

Göttingen, nähe Bahnhof.

Göttingen, nähe Bahnhof.

Göttingen, nähe Bahnhof.

Thein und Linkelmann – Ultras im Abseits?


Die Sozialwissenschaften haben die Ultras entdeckt. Bereits seit geraumer Zeit flattern immer wieder Bücher auf meinen Schreibtisch, die sich entweder explizit mit Ultras befassen oder aber sie zumindest nach immerhin 15 Jahren mal als wichtigen Faktor zur Kenntnis nehmen. Ein gerade erschienener Sammelband, herausgegeben von Martin Thein und Jannis Linkelmann ,hebt den Diskurs über Ultras nun auf ein völlig neues Niveau.

Schon die Tatsache, dass es sich um einen Sammelband handelt, also um eine Bündelung vieler verschiedener Stimmen an Stelle einer mehr oder weniger fundierten Einzelmeinung, verleiht dem Buch ein Maß an Repräsentanz, das es in diesem Bereich bis jetzt schlicht nicht gab. Erstmals kommen wirklich fast alle zu Wort – die Ultras selbst genauso, wie die Wissenschaft, die Funktionär_innen, die Sozialarbeiter_innen und auch die Polizei. Was hingegen fehlt – und das ist sicher die größte und im Grunde unverzeihliche Schwäche des Buches – ist die Stimme der Frauen.

Nur ein einziger Text, nämlich der der Juristin Alexandra Schröder über die polizeistaatliche Repression, die Fans des BVB in Sevilla erleiden mussten, ist von einer Frau verfasst worden, doch thematisiert dieser die weibliche Sicht genauso wenig wie alle anderen Texte. Das Thema Gender findet schlicht nicht statt. Männer reden mit Männern über Fußball und wundern sich nicht einmal darüber, dass nur Männliches dabei herauskommt. Aus feministischer Sicht taugt dieser Buch daher höchstens als abschreckendes Beispiel dafür, wie mann es leider allzu oft macht in den Wissenschaften.

Doch wenn wir diese richtige und wichtige Kritik einmal beiseite lassen, lässt sich in dem Sammelband dennoch einiges Gutes entdecken. Sicher sind nicht alle Text gut. Das wäre auch zu viel verlangt. Doch gerade auch der unsagbar schlechte und fast schon grotesk weltfremde Text des Polizisten Udo Tönjann trägt in seiner entlarvenden Unbedarftheit bei der Affirmation der rechtstaatlichen Law-and-Order-Grütze und seiner wohl berufstypischen Blindheit für das noch immer unterschätzte Problem der Polizeigewalt einiges zum Diskurs bei, denn, wenn mensch erst einmal weiß, wie ein Teil der Polizei offenbar tickt, wird auch klar, warum sie für logische Argumente nicht zugänglich sind.

Wirklich gut hingegen ist das von Martin Thein geführte Gespräch mit Commando Cannstadt aus Stuttgart, das tatsächlich bis dato unbekannte Einblicke in das Innere einer Ultragruppe liefert. Genauso gut ist auch das Gespräch, das er und Jannis Linkelmann mit Helmut Spahn, dem ehemaligen Sicherheitsbeauftragten des DFB, geführt haben und in dem Spahn sich als Mensch mit für den DFB völlig untypischem Weitblick sowie enormen und Einfühlungs- und Abstraktionsvermögen zeigt. Wahrscheinlich ist er deshalb auch nicht mehr beim DFB…

Ebenfalls positiv hervorzuheben sind Thomas Feltes‘ statistische Erhebungen unter Fanbeauftragten und Gerd Dembowskis Gedanken zum Thema Identität, bei denen abermals seine Vorliebe für Gilles Deleuze zum Vorschein kommt. Amüsiert hingegen hat mich Mike Glindmeiers Annekdote, wie er uns der spätere St. Pauli-Profi Markus Ahlf als Jungspunde Pyrotechnik ins Stadion geschmuggelt und recht dilettantisch gezündet haben. Das hat meinen Blick auf Markus Ahlf, als etwas farblosen Kicker doch nachträglich etwas relativiert.

Alles in allem ist dieses Buch ungemein wichtig und wird meiner Einschätzung nach die Debatten rund um die Fankultur sicher voranbringen. Solange dabei allerdings weiterhin Männer über die Jungs schreiben, die sie selbst gerne noch wären, werden Nostalgie und romantische Verklärung dem Erkenntnisgewinn sicher weiter im Weg stehen. Genau das nämlich schlillert zwischen den Zeilen immer wieder durch. Viele derer, die hier schreiben, lieben Fußball und das ja auch zurecht, doch darf ihnen das nicht das Hirn vernebeln. Sonst werden sie zwangsläufig so blind sein für die Probleme der männerbündischen und sexistisch aufgeladenen Fankultur wie Udo Tönjann es dank Korpsgeist und ideologischer Verblendung für die für andere offenkundigen Verfehlungen seitens der Polizei ist. Schon den Untertitel „Portrait einer verwegenen Fankultur“ umweht der Hauch von Faszination und Träumerei. Dazu das Coverfoto, das einen in das Rot von Bengalos getauchten und vernebelten Fanblock zeigt. Da kann mensch (oder Mann?) schon ins Träumen geraten. Das sit auch legitim, doch sollte sich derlei Liebhaberei in der Belletristik, da irgendwo zwischen „Fever Pitch“ und „Football Factories“ austoben und nicht im Reich der Wissenschaft. Diese nämlich ist verpflichtet, sich nicht blenden zu lassen, sondern „Scheiße beim Namen zu nennen“. Doch wer nicht mal wahrnimmt, das Fankultur männlich geprägt ist, scheitert wohl zwangsläufig schon am „Scheiße erkennen“…

„Ultras im Abseits? – Portrait einer verwegenen Subkultur“ von Martin Thein und Jannis Linkelmann ist im Verlag die Werkstatt erschienen.

buch

You’ll never walk alone…

Bereits seit einiger Zeit am Laufen ist eine weitere Veranstaltungsreihe rund um die EM in Berlin. Unter dem Motto „You’ll never walk alone…“ mach(t)en die die Gruppen AINO und Siempre Antifascista folgende Veranstaltungen:

04.06. | 19.00Uhr | Cafe Morgenrot (Kastanienallee 85)
Vom Spielfeld zum Testraum – Sportliche “Sicherheitsarchitekturen” und die Pazifizierung von Protest

06.06. | 19.00Uhr | Baiz (Christinen/Torstr.)
Die Ultras: Stay Rude – Stay Rebel!

14.06. | 20.00 Uhr | Bunte Kuh (Bernkastelerstr. 78)
Sexismus im Fußball

18.06. | 19.00 Uhr | Linse (Parkaue 25)
Antisemitismus im Fußball

21.06. | 20.00 Uhr | Bandito Rosso (Lottumstr.10a)
Homophobie ins Abseits stellen

23.06. | 12.00 Uhr | Sporthalle Leuenbergerstr. 5 (Hohenschönhausen)
Antifaschistisches Fußballturnier

28.06. | 20.00 Uhr | Bunte Kuh (Bernkastellerstr. 78)
“Ganz entspannt in schwarz-rot-gold?” – Nationalismus im Fußball

29.06 | 19.00 Uhr | New Yorck (Mariannenplatz)
Vernissage: “Tatort Stadion II – Fußball und Diskriminierung”

Antonio Cassano ist ein homophobes Arschloch

Wie Spiegel Online berichtet, hat sich der italienische Nationalspieler Antonio Cassano als homophob geoutet:

„Ich hoffe, dass keine Schwulen in der Mannschaft sind“, antwortete der italienische Nationalstürmer am Dienstagnachmittag bei einer Pressekonferenz in Krakau auf die Frage eines Reporters. „Wenn es Schwule in unserem Team gibt, ist es ihre Sache.“ Anschließend sagte der 29-Jährige zum Dolmetscher: „Das werden Sie aber nicht übersetzen, oder?“

Wenn Cassano nach so einer Aussage auch nur noch ein einziges Spiel für die Squadra Azzurra oder auch sonstwen macht, dann möchte ich gerne mal hören, wie das legitimiert wird. „Freie Meinungsäußerung“? Wer keine Schwulen im Team haben möchte, die_den möchte ich nicht im Fußball haben…

Nazis in der Kurve?

Der aktuelle „Rundbrief“ der AG Rechts­extremismus/Antifaschismus beim Bundesvorstand der Partei Die Linke befasst sich mit rechten Ideologien im Fußball und bietet einige interessante Texte. Das beste aber ist, dass er [hier] für umsonst heruntergeladen werden kann.

rundbrief

Neues Egotronic-Video zur EM

Pünktlich zur EM ein neues Video von Egotronic. Deutschland ist einfach nix zum mögen…

Die EM, der „wilde Osten“ und der Rassismus


In den letzten Tagen und Wochen ist viel geschrieben und geredet worden darüber, ob Polen und die Ukraine, die Gastgeberländer der EM 2012, ein Problem mit Rassismus und Antisemitismus in den Fußballstadien haben bzw. welches Ausmaß dieses Problem hat. Wirklich beantworten lässt sich diese Frage vom Berliner Schreibtisch aus und ohne sich ins Feld zu begeben sicher nicht, aber für ein paar Gedanken zum Thema reicht es dann doch.

Zunächst einmal dürfte klar sein, dass es dieses Problem in der Tat gibt. Ich würde sogar sagen, dass es zumindest in Europa überall existiert, wo nur genügend Menschen zusammenkommen. Rassistische, homophobe, antiziganistische, sexistische und anderweitig diskriminierende Äußerungen gibt es auch in der Bundesliga mit höchster Wahrscheinlichkeit an jedem Spieltag in jedem Stadion, in dem gespielt wird. Meist bleibt es bei Äußerungen Einzelner oder Weniger und nicht selten äußern Umstehende auch Dissens. Es gibt jedoch auch an fast jedem Spieltag einen Fall in den oberen Ligen, bei dem ganze Gruppen oder eine größere Anzahl Fans sich diskriminierend äußern oder verhalten. Meist handelt es sich dabei um Rufe, Transparente oder sogenannte „Tapeten“. Wer problematische Fans sehen wil, braucht also nicht zwingend jenseits der Oder nach ihnen zu suchen. Dass gerade deutsche Medien aber eben doch genau das tun, verwundert allerdings kein Stück. Zum einen werden sie sicher wie andere Medien auch von der reißerisch aufmachbaren Story selbst angezogen, weil sie halt Auflage bzw. Einschaltquote verspricht. Zum anderen fühlen sich aber auch gerade viele Deutsche, seit dem deutschen Eingreifen im Kosovokrieg und dessen Legitimierung durch Auschwitz, zunehmend dazu berufen, stets wachsam und kritisch gegenüber Rassismus und Antisemitismus zu sein – dem der anderen natürlich…

Wenn wir also nach Rassismus und Antisemitismus in polnischen und ukrainischen Stadien fragen, dann ist es keine Frage des ob, sondern des wie viel. Im aktuellen Ballesterer sagt ein führender Kopf der Ultras von Polonia Warszawa dazu:

Wir sind Patrioten, politisch rechts einzuordnen wie alle organisierten Fangruppen.

Auch wenn in dieser Aussage ein gewisses Maß an selektiver Wahrnehmung mitschwingen dürfte und es vielleicht hier und dort Ausnahmen gibt, so dürfte diese Aussage zumindest für Polen, wahrscheinlich auch für einen Großteil der Ukraine richtig sein. Und das hat vor allem historische Gründe.

Was beiden Ländern gemein ist, ist die Tatsache, dass sie zumindest in der Neuzeit die längste Zeit nicht unabhängig waren und das beide abwechselnd und mehrfach mal unter deutscher, mal unter russischer Vorherrschaft standen. Da die russische Vorherrschaft – denn die Sowjetunion war ganz klar russisch dominiert – die am wenigsten lang zurück liegende Besatzung (als genau das wird diese Epoche in beiden Ländern meist empfunden) ist, haben die meisten Leute dort an sie viel eher und viel mehr negative Erinnerungen als an alles, was davor war und von den wenigsten noch Lebenden überhaupt noch miterlebt worden ist. Die Unabhängigkeitsbewegungen in der Ukraine und noch mehr in Polen in den 1980ern waren explizit antirussisch und antikommunistisch, und natürlich waren sie auch nationalistisch. Wenn sich Pol_innen und Ukrainer_innen nun auf die Suche nach historischen Referenzpunkten innerhalb ihrer geographischen Region machen, bei denen genau diese drei Punkte auch eine Rolle spielten, dann landen sie sehr schnell beim nationalsozialistischen Deutschland. Es mag verwundern, aber es gibt Tausende polnische Nazis, die es fertig bringen, etwas abzuhypen, was ihr eigenes Land mit Krieg und Terror überzogen hat, aber ohne Frage geschieht genau das. Der Feind meines Feindes ist mein Freund oder so… In der Ukraine dagegen lässt sich explizit an nationalistische und antirussische Truppenverbände anknüpfen, die mit den Deutschen kollaboriert haben. Wenn polnische und ukrainische Fußballfans stark nach rechts tendieren, dann ist das vor allem Produkt eines rigorosen Antikommunismus, der in beiden Gesellschaften vorherrscht und auf den der Gang nach weit rechts eine probate Antwort zu sein scheint. Wenn sie dabei auf Symbole des Nationalsozialismus zurückgreifen, so liegt das schlicht daran, dass sich die deutschen Nazis leicht als „Kämpfer gegen den Kommunismus“ verbrämen lassen. Die Frage, wie etwas Fans von Polonia Warszawa es schaffen, sich dennoch und gleichzeitig positiv auf den Aufstand von Warschau zu beziehen, lässt sich wohl nur mit dem Allgemeinplatz beantworten, dass rechte Ideologien oft halt explizit unlogisch sind.

Das wirkliche Problem jedoch ist, dass Rassismus, Antisemitismus, Homophobie, Antiziganismus und andere Formen der Diskriminierung in Polen und der Ukraine als Einstellungsmuster weit verbreitet sind, weil sie zu keinem Zeitpunkt effektiv bekämpft wurden. Das gilt für die Gesamtgesellschaften, aber es gilt für den Fußball noch einmal besonders. Wenn wir den Teilbereich Fußball aus deutscher Sicht betrachten, haben wir es hier mit einer Ungleichzeitigkeit zu tun. Einerseits dominieren wie anderswo auch Ultras die Fankultur und die Kommerzialisierung des Fußballs ist weit vorangeschritten. Gleichzeitig hat es jedoch bis jetzt keinen Selbstreinigungsprozess gegeben, wie er in England oder Deutschland irgendwann Ende der 1980er, Anfang der 1990er einsetzte, als die Interessen antirassistischer Faninitiativen und die Vermarktungsinteressen von Vereinen und Verbänden zusammenkamen. Wir haben in der Ukraine und in Polen quasi die Einstellungsmuster der Kurven der 1980er gepaart mit der medialen Präsenz und der ultraesquen Organisationsfähigkeit der Jetztzeit. Rassismus, Antisemitismus und Nationalismus waren in bundesdeutschen Stadien in den 1980ern mit Sicherheit noch weiter verbreitet, als sie es jetzt in Polen und der Ukraine sind. Sie waren damals geradezu hegemonial. Doch da es kaum Liveübertragungen und keine Initiativen gab, die all das dokumentierten, fehlen uns dazu weitestgehend die Bilder. In Polen und der Ukraine sind in jedem Stadion X Kameras des Pay TV, zig Journalist_innen und dazu noch ehrlich empörte Fans mit Smartphones, die all die Scheiße, die ja tatsächlich geschieht, auch dokumentieren. Hätte es all das schon in der BRD der 1980er gegeben, könnten wie heute wohl alleine mir Fotos von Reichskriegsflaggen ganze Bibliotheken füllen.

Die Aufregung über Rassismus und Antisemitismus in Polen – die oft fälschlicherweise in einen Topf geworfen wird mit der Gewaltdiskussion – ist also einerseits berechtigt, andererseits ist sie aber auch gezeichnet von Externalisierung und Projektion oder einfacher ausgedrückt: Da zeigen Leute mit Fingern auf andere, während sie selbst noch halb im Glashaus stehen. Anstatt in diesen Chor mit einzustimmen, sollten wir vielmehr internationale Organisationen wie FSE oder FARE in ihren Osteuropabestrebungen unterstützen und emanzipatorische Kampagnen vor Ort wie etwa die Kampagne „Wykopmy Razism ze Stadionów“ supporten. Denn wie Karl Marx schon sagte: „Philosophen haben viel Zeit damit verbracht, die Scheiße zu benennen. Es kommt aber darauf an, sie auch wegzuwischen!“

Kein Aufstieg für Antisemitismus

Wie der Tagesspiegel berichtet, wurde der Verein BSV Hürtürkel nach krassem Fehlverhalten von Seiten seiner Spieler, seines Trainers und seiner Fans im Spiel gegen TUS Makkabi mit Punktabzug und mehreren Sperren bestraft. Hier ein paar Auszüge dessen, was geschehen ist:

…Die muslimischen Spieler von Makkabi wurden von draußen als „Schande“ bezeichnet, ein Spieler mit schwarzer Hautfarbe wurde als „Scheiß-Nigger“ beschimpft. Dies bestätigten vor dem Gericht ein Schiedsrichterbeobachter und ein Spielbeobachter. Auch im Spiel kam es zu Ausfällen. Einem Spieler von Makkabi wurde gedroht: „Ich habe draußen 150 Albaner, die dich abstechen werden.“ Weiter: „Du stinkst schon wie ein Jude.“ Kurz vor Schluss flog ein Spieler von Hürtürkel wegen einer Tätlichkeit vom Platz. Er soll seinen Mitspielern auf Türkisch zugerufen haben, „den Scheiß-Sechser von Makkabi umzuhauen“… . Trainer Vedat Beyazit soll sich jubelnd und mit ausgestrecktem Mittelfinger vor den Ersatzspielern von Makkabi aufgebaut und gerufen haben: „Amina koydum yahudi!“ – „Jetzt haben wir euch Juden gefickt.“ Das sagte zumindest ein Spieler von Maccabi, der Türkisch versteht…

Den ganzen Artikel gibt es [hier].

All das ist leider wenig überraschend. Der Verein BSV Hürtürkel wird von Kenner_innen der Szene seit Jahren immer wieder mit den Bozkurtlar, den Grauen Wölfen, in Verbindung gebracht. Bozkurtlar ist dabei ein Ausdruck für die türkisch-nationalistische Partei MHP. Zum Kotzen sowas…

Wer möchte, kann gerne am Sonntag um 14 Uhr zum Spiel zwischen Al-Dersimspor und Hürtürkel gehen, bei dem es um den zweiten Aufstiegsplatz hinter Makkabi geht, damit TeBe in der kommenden Saison nicht gegen die bekackten Nationalist_innen antreten muss. Gespielt wird auf dem Lilli-Henoch-Sportplatz nahe Anhalter Bahnhof, sofern Hürtürkel sich nicht weigert anzutreten. Immerhin ist der Sportplatz nach einer Jüdin benannt…

OFFsites

Eine weitere Veranstaltungsreihe in Berlin rund um die EM steht unter dem Motto „OFFsites – Kultur abseits des Spielfelds“. Zentraler Bestandteil des Projekts ist eine Ausstellung, die wie folgt beschrieben wird:

Die dokumentarische Ausstellung „Fußball. Macht. Identität.“ in der Galerie Zero ergründet die fußballhistorischen Mythen der EM-Gastgeber. Die Ausstellung erkundet den polnischen und ukrainischen Fußball in seiner wechselhaften Geschichte. Von den gemeinsamen Anfängen zu Beginn des 20. Jahrhunderts, dem Fußballverbot und der Mythenbildung während des Zweiten Weltkriegs, der Instrumentalisierung des Fußballs unter dem Einfluss der sozialistischen Propaganda, sportlichen Erfolgen in den 1970er- und 80er-Jahren bis zur Annäherung an den Westen und schließlich der daraus resultierenden Europameisterschaft 2012. Der Blick richtet sich dabei aus zwei Perspektiven auf die Geschichte des Fußballs in Polen und der Ukraine. Zum einen auf die politisch aufgeladenen Repräsentationsformen der Nationalmannschaften seitens der Machthaber und zum anderen auf die sozialen Bezüge innerhalb der Alltags- und Fankultur.

Mittels erläuternder Texte, historischer Dokumente, Plakate, Filmausschnitte, Fotografien, Wimpel, Abzeichen und anderer Fußballdevotionalien soll so während der EM in Polen und der Ukraine ein tieferer Einblick in die Fußballgeschichte der beiden Gastgeberländer gewährt werden.

Dazu gibt es eine weitere Ausstellunf und ein Rahmenprogramm mit Vorträgen, Diskussionen und anderem. Alle Termine finden sich [hier].

offsitesplakat