Archiv für Mai 2012

Transparent #1


Das Layout dieses neuen Magazins für Fußball und Fankultur, wie es im Untertitel heißt, erinnert sofort stark an eine Mischung aus 11Freunde und Intro. Das passt irgendwie auch sehr gut, denn wie die beiden Zeitschriften die mittlerweile zu den Riesen ihres jeweiligen Marktsegments gehören, kommt auch das Transparent von der Basis und ich würde jede Wette eingehen, dass ein Gutteil der Beteiligten zuvor Erfahrungen mit kopierten A5-Fanzines gesammelt hat. Das hier freilich bewegt sich auf ganz anderem Niveau.

Der doppeldeutige Name deutet es bereits an. Die soziodemographischen Ursprünge der Belegschaft des Transparent liegen ganz klar in der Fankurve und in der Ultrakultur. Mit Nicole Selmer, Martin Endemann, Gerd Dembowski und anderen wurden jedoch auch in der Erstausgabe bereits durchaus namenhafte Autor_innen mit an Land gezogen. Inhaltlich gibt es vor allem einen Schwerpunkt zum Thema Derbys, ein Interview mit Ansgar Brinkmann und Artikel zu Geisterspielen und dem Fankongress in Berlin, bei dem auch dieser Blog zitiert wird. Das spricht ja schon mal prinzipiell für Qualität!

Besonders schön ist auch die Fotostrecke zum Abriss des Aachener Tivoli. Auch wenn es mich wehmütig macht, dass in den vergangenen Jahren immer wieder traditionsreiche Stadien dem Erdboden gleich gemacht wurden und werden, ohne dass ich je einen Fuß in sie gesetzt habe. Aber das ist wohl meine eigene Schuld… Doch nicht nur die Fotostrecke macht optisch etwas her, dem ganzen Heft ist anzumerken, dass Ultra – zumindest der interessantere Teil der Kultur – viel mit Optik zu tun hat. Ein großer Teil des Magazins und vor allem auch des Covers sehen echt sehr gut aus. Schwer zu glauben, dass das erst das Debüt ist.

Aber wie bei allem Neuen gibt es auch hier noch etwas zu verbessern. Nicht alle Texte sind wirklich gleich gut und vor allem das Interview mit Feine Sahne Fischfilet ist leider eher oberflächlich gehalten und viel zu kurz. Dabei ist Monschi doch sonst so eine Laberbacke und hat gute Geschichten gleich im Dutzend am Start. Außerdem ist die Adresse im Impressum falsch. Das „c/o“ muss vor das „Interkulturelle Zentrum Don Quijote“ und nicht vor das „Transparent“. Aber das ist wohl eher ein Flüchtigkeitsfehler… Übrigens habe ich in besagtem Zentrum mal ein Konzert gespielt und an einer Kunstperformance teilgenommen. Aber das ist wohl eine ganz andere Geschichte…

Ich bin jedenfalls gespannt, was aus dem Transparent wird und habe wenig Bedenken, dass das etwas Gutes sein wird. Der Erstausgabe nach hat das Teil auf jeden Fall das Potential sich als linkere 11Freunde oder auch als bundesdeutsches Gegenstück zum Ballesterer zu etablieren.

Zur Website des Magazins geht es [hier].

08.05. Linke Fußballfankultur – geht das?