Ein Spiel mit alles drin


Tennis Borussia Berlin – SC Staaken 3:1 (1:0)

Freitag, 04.05.2012, 19.30 Uhr, Mommsenstadion, Berlinliga (Männer)

Die Menschen aus Staaken mögen mir bitte verzeihen, dass ich erst das Internet fragen musste, wo zur Hölle dieser Ort bitte schön liegt. Jetzt weiß ich, dass es ein Stadtteil im Berliner Bezirk Spandau ist, der auf ein Dorf zurück geht, dass bereits im 13. Jahrhundert urkundlich erwähnt worden ist. Außerdem wurde Katharina Witt hier geboren. Na dann, wieder was dazu gelernt…

Mit Fußball hat das freilich allerdings eher wenig zu tun. Dabei kann der SC Staaken tatsächlich auf eine durchaus beachtliche und lange Geschichte zurückblicken und auch in der laufenden Saison zeigt die Kampfmannschaft des Vereins eine für einen Aufsteiger mehr als beachtliche Leistung. Der Klassenerhalt ist seit Ewigkeiten gesichert und der Vorsprung auf die Gastgeber des heutigen Spieltages beträgt vor der Partie annähernd zwanzig Punkte. Im Fußball sind das Welten. Der Abstand zum Tabellenersten Altglienicke ist allerdings ebenfalls beträchtlich und insofern geht es für die Kicker vom westlichen Stadtrand eigentlich nur noch darum, die Saison anständig und möglichst unverletzt zu Ende zu bringen. Für TeBe dagegen geht es noch immer um den Klassenerhalt.

Dementsprechend gehen die Lila-Weißen dann auch um einiges aggressiver in die Partie und erarbeiten sich von Beginn an immer wieder gute Möglichkeiten. Völlig verdient und nahezu folgerichtig gehen sie dann auch bereits in der 12. Minute durch Gino Krumnow in Führung, auch wenn die Entstehung des Tores dann doch etwas kurios anmutete. Auch in der Folge blieben die Gastgeber spielbestimmend. Erst in der 37. Minute kam Staaken zu seiner ersten guten Chance, doch Keeper Dennis Rahden kann parieren. Sein Gegenüber auf der anderen Seite hat jedoch weniger Glück. In der 42. Minute wirft er sich knapp vor dem Sechzehner mutig doch leider auch etwas grobmotorisch in den Angriff eines TeBe-Spielers, holt diesen von den Beinen und fliegt dafür regelkonform, aber doch auch ein wenig unglücklich wegen Notbremse vom Feld.

Nach diesem Platzverweis und bei der vorhandenen Führung stehen für die zweite Halbzeit also alle Zeichen auf Heimsieg, und doch kommt erstmal alles anders. In der 52. Minute schließt Gigold für die Gäste einen Konter ebenso formvollendet wie erfolgreich ab, und plötzlich steht es 1:1. In den Minuten darauf entspinnt sich ein offener Schlagabtausch mit sehr guten Chancen auf beiden Seiten. Als in der 74. Minute bei den Gästen auch noch Ehm mit Gelb-Rot (es wird gemunkelt, dass es Handspiel war) vom Platz muss, ist TeBe mit zwei Spielern mehr eindeutig am Drücker. Nur fünf Minuten später erzielt dann auch Benjamin Hendschke für die Gastgeber die erneute Führung. Von da an überschlagen sich die Ereignisse. Die Fans der Lila-Weißen haben noch gar nicht ganz ausgejubelt, da gibt es nach Gewusel im Strafraum aus aus der ferne unerklärlichen, aber sicher irgendwie berechtigten Gründen Elfmeter für Staaken. Der Strafstoß wird jedoch äußerst schlecht geschossen und Torhüter Rahden gelingt es den Ball in der rechten unteren Ecke sicher abzufangen. Der Jubel im Stadion ist ohrenbetäubend und spätestens jetzt ist bei den Gästen die Luft raus. Hendschkes zweites Tor in der 86. Minute, der (Zitat des Stadionsprechers) „von der 15 Yards-Linie einfach mal trocken abgezogen“ hatte, macht dann den Sack endgültig zu, auch wenn TeBe noch zwei Hochkaräter links liegen lässt bzw. rechts vorbeisemmelt.

Mit dem Abpfiff gibt es im E-Block noch eine kleine Pyroeinlage. Immerhin ist das Team dem Klassenerhalt mit diesem Sieg in einem turbulenten Spiel ein gutes Stück näher gekommen, und außerdem hat die zweite Mannschaft auch noch vorzeitig den Aufstieg in die zweitunterste Liga klar gemacht. Achja, und Geburtstag hatte auch noch irgendwer… Wunderbarer Auftakt zu einem hoffentlich gelungenen Fußballwochenende!