Archiv für Mai 2012

DDoS-Attacke auf Blogsport

Blogsport, das Bloguniversum, zu dem auch dieser Blog gehört, ist in den vergangenen Tagen Opfer einer DDoS-Attacke geworden. Es war nicht die erste, aber die bis dato effektivste. Die Blogs auf Blogsport.de und blogsport.eu waren nahezu über das gesamte Pfingstwochenende nicht zu erreichen. Es gibt Vermutungen, dass sich die Attacke gegen die Gegenmaßnahmen zum Coburger Convent in eben jenen Tage richtet und aus dem Milieu rechter Studis kommt. Das scheint durchaus möglich, aber sicher ist nichts…

FVL freut sich jedenfalls wieder online zu sein, erklärt sich solidarisch mit den Aktionen gegen das scheiß Burschitreffen und sendet freundliche Grüße an die Datenantifa!

Fußballturniere Dieses Wochenende

Wem die paar Testspiele, das Finale des Berliner Pokals und eine Hand voll Spiele in unterklassigen Ligen irgendwo nicht ausreichen, bekommt an diesem Wochenende ausreichend Alternativangebote geliefert.

Antira Turnier St. Pauli (25.-07.05.)

Bereits zum siebten Mal findet das Antira Turnier auf St. Pauli statt. Mit dabei sind so namhafte Teams und Gruppen wie Antifa Bergamo, Bierkurve Winterthur, Easton Cowboys und Cowgirls, Infamous Youth, Polisportiva San Precario, Republica Internationale FC Leeds, Roter Stern Leipzig, Filmstadtinferno, Ultras Hapoel, die TeBe Party Army und unzählige mehr. Wer irgendwie eine Chance hat in Hamburg zu sein, sollte sich das nicht entgehen lassen und in die Waidmannstraße 17 kommen. Mehr Infos gibt es [hier].

Cup der Angst (gegen die Festung Europa) (28.05.)

Wenn ihr schon in Hamburg seid und wo das Antria auch eh schon in Altona stattfindet, könnt ihr auch gerne noch einen Tag länger bleiben und beim Turnier der Fans von Altona 93 vorbeischauen. Einige, wenn auch nicht viele Infos gibt es [hier].

25 Jahre Red Zombies (27.05.)

Wer in Berlin ist am Wochenende und Bock auf Kicken hat, kann das am Sonntag auf dem Tempelhofer Feld beim Jubiläumsturnier der Red Zombies aus Neukölln, die ja als langjährige Mondiali-Veteran_innen einigen bekannt sein dürften, tun. Alle nötigen Infos zu Regeln und Formalitäten gibt es [hier] und abends gibt es dann noch ein Punkkonzert im Clash für den gemütlichen Ausklang.

USP-Frauen aus dem Gästeblock…

Nachdem sich beim Gastspiel des FC St. Pauli bei der SG Dynamo Dresden ein Teil der Heimkurve bemühte neue Rekorde in Sachen dumm-sexistischer Provokation aufzustellen und u.a. eine Tapete mit dem Spruch „USP-Frauen aus dem Gästeblock damit die Küche lebt!“ hochhielten, konterten besagte USP-Frauen* jetzt mit einem Foto samt Pyro, Küchengeräten und eben jener Tapete aus Dresden. Dazu wurde auf der Website von USP folgendes Statement gepostet:

Hallo ihr Lieben,

fast wären uns ja Tränen gekommen vor Rührung. Wie außerordentlich gentlemen-like und aufmerksam von euch, dass ihr nach über zwei Jahren immer noch unserer Femminile-Aktion gedenkt. Wir scheinen damit wirklich bleibenden Eindruck in euren Köpfen oder wahlweise als euer Desktop-Hintergrundbild hinterlassen zu haben – sehr schmeichelhaft.
Fast genauso schmeichelhaft wie die Tatsache, dass ihr euch Sorgen um unsere Lebensführung macht und uns auf unsere wahre Bestimmung hinweist: „USP Frauen aus dem Gästeblock, damit die Küche lebt.“ Dafür sind wir euch so dankbar, dass wir diese Tapete gleich mal mitnehmen mussten.
Und ihr habt ja recht, wir sind auch alle wirklich gute Köchinnen und können äußerst geschickt mit unserem Werkzeug umgehen. So ein Dresdner Sauerbraten aus dem fetten Keulenstück eines ostdeutschen Ochsen ist schon was Feines. Braucht man allerdings scharfe Messer für.
Kommt doch mal zum Essen vorbei; zum Nachtisch gibt’s dann Dresdner Stollen. Da ihr eh viel Alkohol trinkt, müssen die Rosinen auch nicht mehr extra in Rum eingelegt werden.

Einen guten Appetit wünschen euch

eure Küchenfeen von Ultrà Sankt Pauli

Überball durch Bremer Nazihools in Wunstorf

Wie der NDR meldet, wurde in der Nacht von Samstag auf Sonntag eine Electroparty in dem linken Kulturprojekt Wohnwelt in Wunstorf nahe Hannover von rechten Fußballfans aus Bremen angegriffen, wobei etwa zehn Menschen leicht und zwei schwer verletzt wurden. Einige der Täter_innen sollen Abzeichen der rechten Hoolgruppe Standarte 88 getragen haben. Was sie aber in Wunstorf zu suchen hatten und ob der Angriff geplant oder spontan verübt wurde – die Wohnwelt liegt direkt am Bahnhof der Kleinstadt – bleibt vorerst im Dunkeln. Das Tragen rechter Insignien wie auch das Rufen rechter Parolen lassen jedoch eindeutig auf eine politische Motivation schließen. Mittlerweile gibt es jedoch ein Statement der Wohnwelt, das hier in voller Länge zitiert werden soll:

Stellungnahme des Vereins Lebenstraum – Wohnwelt Wunstorf zu den Vorkommnissen in der Nacht vom 19.- auf den 20. Mai. 2012

Am Samstag, dem 19. Mai 2012, fand in den Räumlichkeiten der Wohnwelt Wunstorf eine
Electro-Party statt, zu welcher etwa 180, zumeist jugendliche Gäste gekommen waren.

Im Laufe der Veranstaltung um circa 22:20 Uhr betraten 2 männliche Personen mittleren Alters den Thekenraum. Äußerlich unverkennbar waren Tattoos sowie übliche Bekleidung der rechten Szene zu erkennen. Unter anderem SS-Runen sowie ein Poloshirt mit der Inschrift der rechtsradikalen Hooligangruppe „Standarte Bremen“. Diese fragten ohne Scheu und selbstbewusst nach 2 Getränken und blieben circa 10 Minuten, in denen sie aufmerksam Personen musterten und die räumlichen Gegebenheiten besichtigten.

Nachdem Beide die Wohnwelt wieder verließen hielten sie sich in einer Gruppe von circa 5-7 Personen auf der gegenüberliegenden Straßenseite auf.
Etwa eine dreiviertel Stunde später sprach besagte Gruppe dort einen Gast der Veranstaltung an und einer der Männer schlug ihm ohne Vorwarnung frontal ins Gesicht.
Der Angegriffene zog sich daraufhin in die Wohnwelt zurück.
Komplett koordiniert und auf ein bestimmtes Zeichen abgesprochen, stürmten besagte 5-7 Personen sowie 15 weitere Personen aus dem Hintergrund in einer sicheren Angriffskonstellation auf die Wohnwelt zu. Innerhalb weniger Sekunden, während Verantwortliche Kräfte der Wohnwelt Gäste in Sicherheit bzw. in das Gebäude zu bringen versuchten, erreichte die Gruppe bereits den Eingangsbereich, drang mit Gewalt durch die Haupteingangstür, welche von innen versucht wurde zuzuhalten, ein und griff männliche sowie weibliche Gäste der Veranstaltung auf brutalste Weise an. Hierbei kamen unter anderem Teleskopschlagstöcke, Schlagringe und so genannte „Chakos“ zum Einsatz. Während der Dauer des Angriffs fielen seitens der Rechtsradikalen immer wieder „Wo ist die Antifa?!“-Rufe sowie weitere einschlägige Sätze betreffend der politischen Ausrichtung und der Suche nach einem „Gegner“. Die Gäste wurden vollkommen unkontrolliert in den Rücken getreten, geschlagen und gejagt. Eine Person wurde über einen Kicker-Tisch geworfen und am Boden liegend weiter zusammengetreten. Inventar wurde umgeschmissen und Türen versucht aufzutreten.
Durch entschlossenes Handeln einiger Anwesender im Veranstaltungsraum konnte den Angreifern der Zugang zu diesem verwehrt werden, während die restlichen Gäste in den Flur- und Küchenbereich im hinteren Teil des Gebäudes flüchteten.

Ebenso koordiniert wie der Angriff verlief, zog sich die Gruppe zügig geschlossen zum Bahnhof zurück.

Die gerufene Polizei erreichte wenig später den Bahnhof und setzte die Angreifer fest.

Durch das brutale Vorgehen der Angreifer wurden ca. 10 Personen leicht verletzt, sowie 2 Personen derart, dass sie in umliegende Krankenhäuser verbracht werden mussten. (U.a. Rücken- und Kopfverletzungen).

Im Verlaufe der Polizeilichen Maßnahmen konnte beobachtet werden, wie die Angreifer, die sich bereits im von der Polizei gestoppten Zug befanden, die Kleidung untereinander tauschten, um das Wiedererkennen durch Zeugen zu erschweren.

Ein großes Problem stellte sich dadurch dar, dass es den verantwortlichen der Veranstaltung nicht möglich war, die Gäste in die schwerer zugängliche und dadurch erheblich sicherere obere Etage zu verbringen, da diese von der Stadt nicht an die NutzerInnen der Wohnwelt freigegeben wird.

Dass es sich bei dem Angriff mitnichten um „gelangweilte Fußballfans auf der Durchreise“ handelte, sondern um einen organisierten Angriff von Rechtsradikalen, zeigt sich unter Anderem durch die gezielten Rufe der Männer nach „Antifas“, durch ihr politisch eindeutiges Auftreten und die Koordination des Angriffs.
Da sich die Personen über eine Stunde am Bahnhof aufhielten, ist deutlich, dass sie nicht auf ihren Zug nach Bremen warteten, da dieser bereits eine Stunde eher gefahren wäre, sondern nach dem Ausspionieren der Veranstaltung auf einen geeigneten Zeitpunkt für einen Angriff warteten.

Die Verantwortlichen des Vereins Lebenstraum e.V. rufen Geschädigte und Zeugen dazu auf, sich per Mail oder auf anderem Weg beim Verein zu melden um einen persönlichen Kontakt herzustellen und gegebenenfalls Unterstützung bei weitergehenden Maßnahmen leisten zu können.

FVL wünscht den Betroffenen alles Gute und sendet solidarische Grüße ins westdeutsche Hinterland!

Düsseldorf gestern Abend – Untergang des Abendlandes live im Fernsehen


Es ist eine alte Weisheit, dass Objektivität ein Ding der Unmöglichkeit ist. Das gilt auch und insbesondere für den Journalismus. Wenn Journalist_innen behaupten, sie würden „objektiv berichten“, dann ist das entweder dumm oder gelogen oder beides. Was hingegen möglich ist, ist kritischer Journalismus. Journalist_innen können und sollten Kritik üben an den Gegenständen ihrer Berichterstattung. Andernfalls kommt solche Grütze wie dabei heraus wie das völlig missratene Ahmadinedschad-Interview von Klaus Cleber für das ZDF.

Wenn es um Fußball, seine Fans und ihr Verhalten im Stadion geht, geben Journalist_innen hierzulande sich auch gerne kritisch. Wenn irgendwo ein Bengalo brennt oder es ein wenig raucht, ist sofort von „Chaoten“ die Rede, von „Randale“, „Schande“ oder ganz allgemein vom Untergang des Abendlands oder zumindest des Sports an sich. Dass diese Haltung bei genauerer Betrachtung jedoch mitnichten kritisch ist, sondern viel mehr das genaue Gegenteil, wird deutlich, wenn mensch einen Blick darauf wirft, was Vereine und Verbände derzeit für eine Linie fahren. Diese sind nämlich sein Jahren oder fast schon Jahrzehnten nach Kräften darum bemüht die Fans des Fußballs und ihre Kultur zu befrieden und zu zivilisieren. Da sie damit im Großen und Ganzen auch durchaus erfolgreich sind, reichen mittlerweile immer kleinere Anlässe aus, um einen regelrechten Shitstorm von Seiten der Medien losbrechen zu lassen.

Natürlich kommt es vor, dass beim Abbrennen von Pyrotechnik Menschen verletzt werden. Genau aus diesem Grunde bemühen Fans und Ultras sich seit Jahren eine einvernehmliche Lösung zu finden, die das sichere Abbrennen von Feuerwerk ermöglichen würde. Selbst verständlich ist auch, dass Gewalt gegen Spieler_innen, Schiedsrichter_innen, Fans oder überhaupt irgendwen zu verurteilen ist. Allerdings vergessen Presse, Vereine und Verbände dabei in der Regel systematisch eine Gruppe Gewalttäter_innen. Die seit Jahren immer stärker eskalierende Gewalt von Seiten der Polizei wird zwar von mittlerweile von Amnesty International regelmäßig scharf kritisiert. Medien und verantwortliche Stelle innerhalb des Sports scheinen jedoch wenig Probleme damit zu haben, dass Woche für Woche uniformierte Hooligans Pfefferspray, Tränengas und Schlagstöcke auch gegen völlig Unbeteiligte einsetzen. So schwerwiegend das Gewaltproblem beim Anhang zumindest einiger Vereine auch ist, kann keine Ultragruppe mit der geballten und staatliche legitimierten Gewalt von Seiten der Polizei mithalten.

Wenn nun wie gestern in Düsseldorf Pyrotechnik abgebrannt wird und wie von Seiten des Hertha-Anhangs geschehen auf das Spielfeld geworfen wird, dann kann und muss das sicher kritisiert werden. Das Werfen von Bengalos aufs Spielfeld gehört ganz sicher zu den Dingen, die auch Befürworter_innen von Pyrotechnik im Stadion für problematisch halten. Es sollte jedoch auch bedacht werden, dass Relegationsspiele besondere Spiele sind, die enorm wichtig sind und deshalb auch enorm starke Emotionen auf Seiten der Fans hervorrufen. Wenn dann jedoch Hunderte oder gar Tausende Fans von Fortuna Düsseldorf das Spielfeld stürmen, weil sie irrigerweise annehmen, dass das Spiel abgepfiffen und sie damit aufgestiegen seien, dann ist es vollkommen unangebracht, sie als „Chaoten“ (Bild) oder „Idioten“ (Welt) zu bezeichnen. So etwas kann einfach passieren und ist vollkommen menschlich. Es wurde doch schließlich niemand ermordet. Die Leute wollten einfach feiern.

Es ist ganz offensichtlich bei vielen der Bezugsrahmen verlorengegangen in den letzten Jahren. Noch vor zwanzig Jahren etwa waren Schlägereien zwischen aber auch innerhalb von Fangruppen sogar im Stadion noch die Regel. Schwere Gewalt war an der Tagesordnung und mit dem Bremer Adrian Maleika, der 1982 von rechten HSV-Hools totgeprügelt wurde und dem BFC Dynamo-Fan Mike Polley, der 1990 in Leipzig von einem Polizisten erschossen wurde, gab es sogar Tote. Dagegen ist das, was heute passiert, auch wenn es in den letzten ein, zwei Jahren sicher eine gewisse Zunahme an schwereren Vorfällen gab, nichts als Pipifax. Selbst die heutigen Ultras von „Randalemeister“ Eintracht Frankfurt oder die Wilde Horde aus Köln, die ja in letzter Zeit öfters Schlagzeilen gemacht hat, würden von jeder Durchschnittsfankurve eines 1980er Jahre Bundesligavereins ohne viel Gesabbel zu Mus gekloppt werden. Fans und Ultras von heute sind unsagbar viel friedlicher als die rechtsoffenen bis offen neonazistischen Männerbünde, die in den 1980ern in jeder Kurve tonangebend waren. Das ständige, sensationsgeile Gefasel der Medien und Verbände, die sich permanent bei FC Sodom gegen Eintracht Gomorrha wähnen, trägt nicht nur keinerlei Rechnung, es schreibt eine mögliche neuerliche Eskalation sogar aktiv herbei. Wenn junge Kids heute im Internet gucken, was „Ultra“ denn eigentlich bedeutet, weil sie auch gern eine_r sein wollen, dann finden sie in den Standardmedien detaillierte Anleitungen dazu, die sich vor allem aus Gewalt, Schal- und Fahnenklau, Pyrotechnik und Randale zusammensetzt. Dass Ultra jedoch vor allem bedeutet sich mit anderen zusammen zu Tun und gemeinsam etwas auf die Beine zu Stellen, steht da nicht. Kein Wort von Choreos oder von Aktionen gegen Rassismus und Homophobie. Kein Wort von Street Art, selbstorganisierten Fanturnieren oder Freundschaften über Ländergrenzen hinweg. Kein Wort von Do It Yourself, Solidarität mit Stadionverbotler_innen oder sozialem Engagement im eigenen Stadtteil. Dabei ist für Ultra genau das. Gewalt kommt vor. Das darf nicht verschwiegen werden, aber erstens ist sie für die allerallermeisten Ultras nicht das, worum es eigentlich geht und zweitens – und das sollten Medien, Vereine und Verbände sich bitte mal hinter die Ohren schreiben – sind Bengalos, Rauchtöpfe und Platzstürme vieles, aber ganz, ganz sicher keine Gewalt und folglich sollten sie auch nicht so behandelt werden, als seien sie es, sondern als das was sie sind – nämlich Ausdruck von Leidenschaft, Emotion und Fußballverrücktheit. Drei Dinge, die den meisten, die sich über Ultra- und Fankultur das Maul zerreißen, in den allermeisten Fällen nicht zu bieten haben.

Derbe Schlappe zu hause umme Ecke


BSV Hürriyet-BurgundTennis Borussia Berlin 4:1 (2:1)

Sonntag, 13.05.2012, 14.30 Uhr, Sportplatz Stralsunder Straße, Berlinliga (Männer)

Zu Fuß zum Auswärtsspiel. Das gibt es auch nicht so oft. Dazu auch noch Besuch aus Bremen mit dabei. Eigentlich alles super. Dazu ein recht sympathischer Gastgeberverein mit zwar nicht sehr veganem, aber dafür umso ungewöhnlicheren (zumindest für deutsche Stadien…) kulinarischen Angebot. Dafür aber nur ein kleiner Kunstrasenplatz mit lediglich einer Seite, auf der Publikum wie auf der Hühnerstange aufgereiht stehen kann. Naja, und Fußball wurde dann leider auch noch gespielt werden…

Beide Teams spielen noch gegen den Abstieg. TeBe fehlt nur noch plusminus ein Sieg um die Klasse entgültig zu sichern. Hürriyet-Burgund steht vor dem Spiel auf einem Abstiegsplatz und wird wohl noch bis zum Ende zittern müssen. Dennoch hat das Spiel vom Start weg ein recht hohes Niveau, wobei die Gastgeber mit den Platzverhältnissen offensichtlich um einiges besser zurecht kommen, aber immerhin ist es ja auch ihr Platz. In der 7. Minute bereits fällt dann auch durch Harun Cicek der Führungstreffer für den Verein vom Gesundbrunnen. Gino Krumnow schafft es jedoch in der 23. Minute den Ausgang für die Gäste zu erzielen, wobei sein gemurmelter Ball wohl einen neuen Rekord in Langsamkeit aufgestellt haben dürfte. Dündar Yaka bringt allerdings Hürriyet-Burgund nur sieben Minuten später wieder in Führung (30. Minute).

Nach der Pause kam es für TeBe dann ganz bitter. Auch wenn das Team nie wirklich schlechter wirkte, waren die Gastgeber doch die ganze Zeit überlegen, was die Präsenz auf dem Spielfeld angeht. Bis kurz vor Ende blieb das Spiel jedoch offen. Erst durch zwei späte Tore von Martial Djoumessi Ngueduheu (76. Minute) und abermals Harun Cicek (80. Minute) machte Hürriyet-Burgund dann alles klar. Passend dazu fing es dann auch noch an zu regnen…

Fazit: Verdienter Sieg. Hoffentlich wird es was mit dem Klassenerhalt und hoffentlich macht TeBe dann nächste Woche zu hause gegen Wilmersdorf alles klar.

Tschüüüüüüüß Gegengerade!


FC St. PauliSC Paderborn 07 5:0 (2:0)

Sonntag, 06.05.2012, 13.30 Uhr, Millerntorstadion, 2. Bundesliga (Männer)

Für Fans im Exil ist jedes Heimspiel ein Auswärtsspiel. Das heißt dann also Sonntagmorgen um Sechs nach viel zu wenig Schlaf Aufstehen und ab auf die Autobahn. In Hamburg dann erstmal zweites Frühstück und starker Kaffee. Dazu die Info, dass gerade ein Bus mit Paderborner Nazis vor dem Jolly Roger gehalten haben soll, um sich eine Tüte Auf’s Maul abzuholen. Aber von Faschos erwarten dass sie keine dummen Sachen machen sollen, wäre wohl auch irgendwie widersinnig.

Im Stadion dann eine Mischung aus Euphorie, Anspannung und Wehmut. Irgendwie rechnen fast alle damit, dass St. Pauli heute eine gute Leistung zeigen wird und der Relegationsplatz scheint durchaus noch in Reichweite. Dafür muss nur Duisburg gegen Düsseldorf gewinnen, was dann auch immer wieder zu „MSV“-Rufen führt. Gleichzeitig hieße ein verpassen der Relegation nicht nur ein weiteres Jahr in Liga 2, sondern auch, dass heute das letzte Spiel der alten Gegengerade sein wird. Als jemand, der seit vielen Jahren dort zu Hause ist, lässt mich das natürlich alles andere als kalt. Den Menschen um mich herum scheint es ähnlich zu gehen. Außerdem dann noch die Gerüchte, dass Trainer Schubert sich mehrfach scheiße verhalten hat und vor dem Rausschmiss steht, und vor allem der mehr als traurige Abschied von Deniz Naki. Selten hat einem einzelnen Spieler am Millerntor so viel Wohlwollen entgegengeschlagen wie Naki an diesem Tag. Als er später eingewechselt wird und sogar noch in der Naxchspielzeit sein Tor macht, wird jede Aktion von ihm vom Publikum mit dem Rufen seines Namens bejubelt. Ich werde diese herzuallerliebste Drecksau echt vermissen. Junge, komm bald wieder!

Auf dem Rasen läuft es dann auch wirklich formidabel. Paderborn ist nahezu chancenlos und fünf Tore sprechen an sich ja auch schon eine deutliche Sprache. Allerdings stellt sich da auch schon die Frage, warum St. Pauli diese Abwehr aufkauft, wenn sie offenbar nicht wirklich die Stabilste ist. Kruse war bestens in Form und macht seine Abgang so noch um einiges schwerer zu verdauen als ohnehin schon. Ebbers bereitet drei Tore vor und bestätigt damit seine starke Form der letzten Wochen. Der Rest des Teams weiß ebenfalls zu überzeugen. Mit einer solchen Leistung in jedem Spiel wäre der Aufstieg nicht nur gerechtfertigt, sondern auch eigentlich unvermeidlich gewesen. Bleibt natürlich die Frage, wieso sie so oft ausgeblieben ist und wieso sie jetzt dann doch erbracht wird. Liegt es daran, dass die Causa Schubert endlich öffentlich ist? Darüber lässt sich nur spekulieren. Ich persönlich fände das jedenfalls einleuchtend.

Wenig einleuchtend hingegen, um es vorsichtig auszudrücken, fand ich das, was sich in den ersten Minuten des Spiels auf den Rängen abgespielt hat. USP auf der Süd bringt den auch schon in Dresden gebrachten neuen Opener mit „Ganz Hamburg hasst die Polizei“. Auf der Gegengerade versuchen mehrere Grüppchen gleichzeitig „Aux Armes“ anzustimmen und wundern sich dann auch noch, wenn es ein heilloses Durcheinander gibt. Schuld daran ist aus Sicht der meisten natürlich USP. In den ersten rund fünf Minuten wird auch tatsächlich in diversen Ecken der Gegengerade so mancher Gesang angestimmt, doch endet das meiste in Kanon und Kakophonie. Gesänge von USP hingegen werden weitgehend boykottiert. Mich überkommt das Gefühl, in diesem doch irgendwie potentiell wichtigen und durch den kommenden Abriss der Gegengerade auch sehr emotionalen Spiel, fast nur von Trotzköpfen und zickigen Kleinkindern umgeben zu sein. Wenn dabei wenigstens tatsächlich so etwas wie ein Roar entstanden wäre, dann könnte ich die Fraktion Anti-USP ja sogar noch verstehen. Stattdessen herrschte weitgehend Schweigen und Diskussion darüber, wenn jetzt Bier holen geht. Einzig der kleine Haufen Kutten und hier und da mal kleine Grüppchen scheinen überhaupt an so etwas wie Support interessiert zu sein. Bei so einer Scheiße gehe ich nächste Saison echt lieber auf die Süd, auch wenn die Gegengerade mir eigentlich sehr am Herzen liegt.

Erst später, als St. Pauli sicher führt und noch mehr als das Gerücht durch das Stadion eilt, Duisburg wäre in Führung gegangen, wird es auch auf der Gegengeraden laut. Noch ironischer freilich ist die Tatsache, dass von Seiten der Ultragegner_inmen fast ausschließlich Besinnliches und Melodisches Marke „Que sera sera“ und „Tüdelband“ angestimmt wurde. Ich dachte immer Schalala wäre scheiße…

Am Ende jedoch bin ich irgendwie wieder versöhnt. Diese Reibung aneinander gehört wohl auch irgendwie dazu bei St. Pauli. Und das kollektive Rausreißen der Plastikschalensitze und der verkehrtrume Blocksturm, als Ordner_innen verhindern wollen, dass die Anwesenden die Sitze einfach so mitnehmen statt sie zu bezahlen, wie der Verein in seiner Dreistigkeit es wünscht, hat auch irgendwie Charme. Und dann ist Sommerpause. Irgendwie schade. Irgendwie aber auch egal, denn bald ist ja auch Antira-Trunier und überhaupt…

Sticker #6

Berlin, Mommsenstadion.

Hamburg, irgendwo auf St. Pauli.

Hamburg, Wohlwillstraße Ecke Thadenstraße.

Ein Spiel mit alles drin


Tennis Borussia Berlin – SC Staaken 3:1 (1:0)

Freitag, 04.05.2012, 19.30 Uhr, Mommsenstadion, Berlinliga (Männer)

Die Menschen aus Staaken mögen mir bitte verzeihen, dass ich erst das Internet fragen musste, wo zur Hölle dieser Ort bitte schön liegt. Jetzt weiß ich, dass es ein Stadtteil im Berliner Bezirk Spandau ist, der auf ein Dorf zurück geht, dass bereits im 13. Jahrhundert urkundlich erwähnt worden ist. Außerdem wurde Katharina Witt hier geboren. Na dann, wieder was dazu gelernt…

Mit Fußball hat das freilich allerdings eher wenig zu tun. Dabei kann der SC Staaken tatsächlich auf eine durchaus beachtliche und lange Geschichte zurückblicken und auch in der laufenden Saison zeigt die Kampfmannschaft des Vereins eine für einen Aufsteiger mehr als beachtliche Leistung. Der Klassenerhalt ist seit Ewigkeiten gesichert und der Vorsprung auf die Gastgeber des heutigen Spieltages beträgt vor der Partie annähernd zwanzig Punkte. Im Fußball sind das Welten. Der Abstand zum Tabellenersten Altglienicke ist allerdings ebenfalls beträchtlich und insofern geht es für die Kicker vom westlichen Stadtrand eigentlich nur noch darum, die Saison anständig und möglichst unverletzt zu Ende zu bringen. Für TeBe dagegen geht es noch immer um den Klassenerhalt.

Dementsprechend gehen die Lila-Weißen dann auch um einiges aggressiver in die Partie und erarbeiten sich von Beginn an immer wieder gute Möglichkeiten. Völlig verdient und nahezu folgerichtig gehen sie dann auch bereits in der 12. Minute durch Gino Krumnow in Führung, auch wenn die Entstehung des Tores dann doch etwas kurios anmutete. Auch in der Folge blieben die Gastgeber spielbestimmend. Erst in der 37. Minute kam Staaken zu seiner ersten guten Chance, doch Keeper Dennis Rahden kann parieren. Sein Gegenüber auf der anderen Seite hat jedoch weniger Glück. In der 42. Minute wirft er sich knapp vor dem Sechzehner mutig doch leider auch etwas grobmotorisch in den Angriff eines TeBe-Spielers, holt diesen von den Beinen und fliegt dafür regelkonform, aber doch auch ein wenig unglücklich wegen Notbremse vom Feld.

Nach diesem Platzverweis und bei der vorhandenen Führung stehen für die zweite Halbzeit also alle Zeichen auf Heimsieg, und doch kommt erstmal alles anders. In der 52. Minute schließt Gigold für die Gäste einen Konter ebenso formvollendet wie erfolgreich ab, und plötzlich steht es 1:1. In den Minuten darauf entspinnt sich ein offener Schlagabtausch mit sehr guten Chancen auf beiden Seiten. Als in der 74. Minute bei den Gästen auch noch Ehm mit Gelb-Rot (es wird gemunkelt, dass es Handspiel war) vom Platz muss, ist TeBe mit zwei Spielern mehr eindeutig am Drücker. Nur fünf Minuten später erzielt dann auch Benjamin Hendschke für die Gastgeber die erneute Führung. Von da an überschlagen sich die Ereignisse. Die Fans der Lila-Weißen haben noch gar nicht ganz ausgejubelt, da gibt es nach Gewusel im Strafraum aus aus der ferne unerklärlichen, aber sicher irgendwie berechtigten Gründen Elfmeter für Staaken. Der Strafstoß wird jedoch äußerst schlecht geschossen und Torhüter Rahden gelingt es den Ball in der rechten unteren Ecke sicher abzufangen. Der Jubel im Stadion ist ohrenbetäubend und spätestens jetzt ist bei den Gästen die Luft raus. Hendschkes zweites Tor in der 86. Minute, der (Zitat des Stadionsprechers) „von der 15 Yards-Linie einfach mal trocken abgezogen“ hatte, macht dann den Sack endgültig zu, auch wenn TeBe noch zwei Hochkaräter links liegen lässt bzw. rechts vorbeisemmelt.

Mit dem Abpfiff gibt es im E-Block noch eine kleine Pyroeinlage. Immerhin ist das Team dem Klassenerhalt mit diesem Sieg in einem turbulenten Spiel ein gutes Stück näher gekommen, und außerdem hat die zweite Mannschaft auch noch vorzeitig den Aufstieg in die zweitunterste Liga klar gemacht. Achja, und Geburtstag hatte auch noch irgendwer… Wunderbarer Auftakt zu einem hoffentlich gelungenen Fußballwochenende!

Shitstorm für den FC Siewillja

Die Kolleg_innen von Monsters of Göttingen beschäftigen sich auf ihrem Blog mit wahrhaft beschissenen Teamnamen in der Göttinger Uniliga. Der Schwerpunk liegt dabei auf dem FC Siewillja, aber auch Borussia Bunga Bunga, Olympicke Restefick und Standard Nuttich bekommen die Erwähnung, die sie verdienen. Ich würde aber auch noch Eintracht Fraunschweigt und Sportclub Dingen-Schwingen nennen. Dass dazu noch gefühlte zwei Dutzend Teams mit Sauf-Namen wie SV Wacker Durchsaufen oder ESG 1899 Besoffenheim kommen, lässt vermuten, dass Unifußball ganz sicher keinen NC hat…

Viel geiler sind da schon Namen wie SK Sturm Hartz 04, Quietschbeus oder Schmetterlinge des Zorns… Ihr könnt auch gerne [hier] selber nach weiteren Highlights suchen!

Hier ein Auszug aus dem Artikel von M.O.G.:

Niveaulosigkeit und Universität schließen sich nicht aus. Das wissen alle, die schon mal die Sprechchöre und das Gebaren einer O-Phase miterleben mussten. Auch im Fußball wird gern unter Gruppenzwang gegröhlt und gebechert. Wenn nun Fußball und Universität aufeinander treffen, scheint das Niveau nochmals zu fallen, wie das Beispiel des „FC Siewillja“, einer Fußballmannschaft des Instituts für Psychologie zeigt. Andere Teams stehen dem in nichts nach.

Den ganzen Artikel gibt es [hier].