Kein Wunder an der Weser


SV Werder BremenFC Bayern München 1:2

Samstag, 21.04.2012, 15.30 Uhr, Weserstadion, Bundesliga (Männer)

Die Frage, weshalb ich bis dato noch nie bei einem Heimspiel des SVW gewesen war, gehört zu den bisher ungelösten Rätseln der Menschheitsgeschichte. Immerhin lebte ich jahrelang nicht wirklich weit weg von Bremen und auch Möglichkeiten mal mit dem FC St. Pauli zusammen vorbeizuschneien hatte es eigentlich schon genug gegeben. Doch gut Ding will ja bekanntlich manchmal Weile haben.

Umso beeindruckter war ich dann doch, als ich die Fanräumlichkeiten unter der Ostkurve in Augenschein nahm, die wirklich kaum Wünsche offen lassen und auch das Stadion selbst gefällt. Nur die Akustik ist eher suboptimal. So war die Schickeria auf der Gegenseite während des gesamten Spiels nur ein oder zweimal überhaupt wahrzunehmen, obwohl im Gästeblock dem Augenschein nach zu urteilen recht fleißig supportet wurde. Schade, aber irgendwie verpufft der Schall da wohl irgendwo. Was mir als Freund der Stehplatzgeraden auch sofort auffiel war darüber hinaus die unsagbare Stille der Geraden im Weserstadion. Support aus Richtung der Seitenauslinien – komplette Fehlanzeige. In der Ostkurve dagegen war der Support durchaus gut und einige Lieder der dortigen Szene finde ich richtig geil – allen voran „Andree Wiedener“ und die Adaption von „Wonderful Days“.

Das Spiel verlief in etwa so wie ich erwartet hatte. Bayern unterschätzte die ersatzgeschwächten Bremer und kam mit seiner B-Elf ohne Gomez, Robben, Ribéry und andere mit den engagiert auftretenden Bremern nicht wirklich zurecht. Die ersten 45 Minuten über neutralisierten die Teams sich nahezu komplett, auch wenn es auf beiden Seiten gute Chancen gab. Kurz nach der Pause ging Bremen dann unerwartet, aber nicht unverdient durch Naldo nach einer Ecke in Führung (51. Minute) und die Ostkurve tobte. Die Bayern jedoch wirkten nach dem Rückstand wie aus ihrer Lethargie befreit und legten endlich ihre schon aus der Aufstellung abzulesene Überheblichkeit ab. Mit der Einwechslung von Ribéry bewies Trainer Heynckes dann ein goldenes Händchen, denn erst legt dieser mustergültig für Naldo auf, der den Ball ins eigene Tor grätscht (75. Minute) und dann erzielt der Franzose kurz vor Schluss auch noch den Siegtreffer für die Bayern (90. Minute). Bremen fehlte es an diesem Tage wie auch überhaupt schon seit Längerem einfach an personeller Substanz, um mit einem Team wie den Bayern über 90 Minuten voll mithalten zu können.

Die Frage, die mensch sich an der Weser stellen muss, ist die, ob der Aderlass, der dem Team nach Saisonende bevorsteht, eine nachhaltige Schwächung bedeuten wird oder ob ein personeller Umbruch gelingen wird. Letzteres ist Schaaf und Allofs ja schon öfters gelungen…

Rund ums Stadion blieb es trotz aufgeheizter Atmosphäre weitgehend ruhig. Das am ehesten Erwähnenswerte für den Rest des Tages war wohl der auch aus Berliner Sicht sehr leckere Falafel von Tandour im Viertel. Und außerdem werden sollte, dass es schon kackfrech von Mario Gomez war, beim Aufwärmen einfach mal vor statt hinter dem Tor lang zu joggen – während das Spiel lief…