Hamburg City Ausnahmezustand


Na, das kann ja was werden. Frankfurt kann den Aufstieg klarmachen. Sandhausen in Liga 3 genauso. Falls Babelsberg in Darmstadt gewinnt und Jena in Bielefeld nicht, steht der FCC als zweiter Absteiger fest. In der ersten Liga kann dagegen nur Kaiserslautern den Abstieg endgültig in trockene Tücher bringen. Sollten sie jedoch gegen Hertha gewinnen und Köln gegen Stuttgart verlieren, dann müssten Augsburg und der HSV nur noch gewinnen, um den möglichen Abstieg endgültig abzuhaken. Hertha und Köln hätten dann noch zwei Spieltage, um sich um den Relegationsplatz zu balgen. Sollte Stuttgart allerdings in Köln verlieren, könnte sich Gladbach zumindest schon mal über die Champions League-Qualifikation freuen – selbst wenn sie gegen Dortmund patzen sollten. Der BVB wiederum muss nur gewinnen und der zweiter Meistertitel in Folge ist ihnen sicher. Sollte der SV Werder Bremen am Samstag Nachmittag den FC Bayern gewinnen, so würde er nicht nur die Tür zum europäischen Geschäft weiter offen halten, die Dortmunder wären auch automatisch Deutscher Meister und das sogar bevor sie abends im heimischen Westfalenstadion auflaufen. Verrückt!

Persönlich ist mir das aber alles halbwegs egal im Vergleich zu dem, was am Sonntag auf St. Pauli passieren wird. Nachdem alle Versuche gescheitert sind und der Verein keine Tickets an Gästefans verkaufen darf, haben Anhänger_innen des FCH als auch Fans und Ultras von St. Pauli angekündigt in Altona gegen diese Entscheidung zu demonstrieren. Die Mopo rechnet mit mindestens 2.000 Menschen. USP und andere Fans haben zudem angekündigt ebenfalls nicht ins Stadion zu gehen. Hier ein Zitat vom Basch-Blog:

Als Re­ak­ti­on wird es am Sonn­tag kei­nen or­ga­ni­sier­ten Sup­port oder Ak­tio­nen im Sta­di­on geben. Ein sol­ches Spiel ist nichts wert – es ist eine Farce und eine Ge­fahr! Der Treff­punkt für alle, die sich gegen die Maß­nah­men aus­spre­chen ist der Süd­kur­ven­vor­platz! Die Mann­schaft wird Hansa in die drit­te Liga schie­ßen, den Kampf um den Re­le­ga­ti­ons­platz span­nend hal­ten und wir wer­den drau­ßen dafür ein­ste­hen, dass wir auch in Zu­kunft dahin fah­ren kön­nen, wo un­se­re Mann­schaft spielt.

Solidarität ist die Zärtlichkeit zwischen den Kurven, hätte Ché Guevara wohl gesagt. Die Boykotierenden wollen sich stattdessen am AFM-Container vor der Südkurve und in umliegenden Kneipen treffen, um das Spiel zu verfolgen. Immerhin geht es für beide Teams um sehr, sehr viel. Wenn es scheiße läuft, kann entweder St. Pauli den Aufstieg quasi vergessen, Hansa hingegegen kann sogar, wenn Cottbus und Aue beide gewinnen zusammen mit Aachen für die dritte Liga planen.

Dabei könnte jetzt ironsicher- wie logischerweise genau die Entscheidung die Rostocker Fans nicht ins Stadion zu lassen, der Polizei jetzt auf die Füße fallen. Nicht nur der Fanclubsprecherrat des FC St. Pauli rechnet mit der Möglichkeit von Ausschreitungen und rät den Fans des FCSP zur Vorsicht:

- Meidet das Domgelände.
- Lasst euch nicht provozieren.
- Helft anderen Fans, wenn sie in Auseinandersetzungen verwickelt sind.
- Lasst Kleinkinder an diesem Tag zu Hause.
- Und vor allem versucht nicht, die Fandemo der Rostocker in irgendeiner Art zu stören oder zu begleiten. Es ist ihr gutes Recht ihren Unmut über die Verfügung der Polizei kundzutun. Es ist aber auch unser gutes Recht, unsere eigenen Wege zu finden, unseren Unmut darüber auszudrücken.

Auch andere Stimmen aus beiden Hansestädten gehen davon aus, dass die Situation unter Umständen unkontrollierbar werden wird. Wer sicher gehen will, sollte am Sonntag die gesamte Hamburger Innenstadt von St. Georg bis Altona meiden. Alleine oder mit deutlich sichtbaren Fanutensilien herumlaufen ist mit Sicherheit auch keine gute Idee. Das gilt im Zweifelsfall auch für Rostocker_innen oder Fans anderer Vereine, die sich verlaufen haben. Wer dennoch vor Ort ist, sollte sich auch darauf gefasst machen, dass Teile der Polizei stinksauer sind, weil ihre Vorgesetzten mal wieder riesige Scheiße verzapft haben. Und wie Polizist_innen reagieren, wenn sie sauer sind, wissen wir ja…

Passt auf euch auf!