Christian Wolter – Rasen der Leidenschaften


Es gibt Bücher, die sind eigentlich zu schön um wahr zu sein. Christian Wolters „Rasen der Leidenschaften“ gehört trotz des eher mäßig guten Titels mir Sicherheit in diese Kategorie. Schon die Idee, ein Buch über die Fußballplätze – und Stadien der Hauptstadt zu schreiben, ist eine sehr, sehr gute. Doch auch und vor allem die Akribie, mit der Wolter Daten, Fakten, Anekdoten und Fotos für dieses Buch zusammen getragen hat, ist mehr als beeindrucken; und das Ergebnis all dieser Mühen ist es auch.

Auf fast 300 Seiten werden hier 66 Stadien, Kampfbahnen, Arenen und Sportplätze vorgestellt und egal wie gut mensch sich mit dem Thema auskennt – hier kann jede_r noch etwas dazulernen. Zu jeder einzelnen Sportanlage hat Wolter nicht nur deren Geschichte recherchiert, sondern auch allerlei nette Geschichtchen zu ihnen gesammelt. So bietet sein Buch nicht nur einen gigantische Haufen an Informationen, sondern ist dazu auch noch unterhaltsam und bietet Lesespaß für viele, viele Stunden. Das ganze ist gehalten in einer Sprache, wie sie wohl nur eine Sozialisation in der ehemaligen DDR bzw. dem, was daraus geworden ist, hervorbringen kann. Die ostdeutsche Schnauze lässt sich förmlich herauslesen aus den Zeilen des Buches.

Dazu gibt es unzählige Fotos und einen unfassbar detailierten Statistikteil, der Ergebnisse liefert für Wettbewerbe, von denen die meisten wohl nicht einmal wissen, dass es sie je gab. Wer wusste schon ernsthaft, dass 1937 die Mannschaft des Niederrheins im Post-Stadion den Reichsbundpokal gewonnen hat oder das TeBe am selben Ort fünf Jahre später gegen Hertha den Dr. Goebbels-Preis erringen konnte. Ob der noch immer irgendwo in den Vereinsvitrinen steht und wann ja warum?!

Auch für schätzungsweise alle aktuellen Teams des BFV wird in einer Liste aufgeführt, auf welchem Platz sie ihre Heimspiele austragen, was sehr hilfreich ist, denn ich bin fest überzeugt, dass ich nicht der einzige bin, den nach Lektüre dieses Buches der feste Wunsch packt, sämtliche hier aufgeführten Stadien – oder zumindest, die die noch existieren – einmal persönlich aufzusuchen. Groundhopping ahoi! Zumindest, wer in Berlin wohnt und Fußball liebt, kommt an diesem Buch nicht vorbei. Wer einfach „nur“ Fußball liebt, sollte zumindest mal einen Blick riskieren. Vielleicht fühlt sich ja jemand inspiriert ein ähnliches Standardwerk für Hamburg, Leipzig oder das Ruhrgebiet zu verfassen. Wünschenswert wäre es.

„Rasen der Leidenschaften – Die Fußballplätze von Berlin“ von Christian Wolter ist bei Edition Else erschienen.


1 Antwort auf „Christian Wolter – Rasen der Leidenschaften“


  1. 1 Eine schöne Geschichte » unrund Pingback am 19. Mai 2012 um 13:10 Uhr
Die Kommentarfunktion wurde für diesen Beitrag deaktiviert.