Bombenstrafe bei Babelsberg

Dass Menschen sich von „Bomber Harris do it again!“ provoziert fühlen können, ist nachvollziehbar. Dass explizite Neonazis in der Kurve des Chemnitzer FC sich darüber aufregen, ist sogar nahezu logisch. Dass der DFB deswegen eine Strafe ausspricht, wäre vielleicht sogar noch verständlich, wenn er rigoros gegen jede Form der Schmähung des sportlichen Gegners vorgehen würde. Da aber an jedem Scheißwochenende in irgendeinem Stadion rassistische, homophobe, sexistische oder antiziganistische Schmährufe, Banner und sonstwas am Start sind, ohne dass der DFB auch nur bei 1% der Fälle eingreifen und Strafen verhängen würde, kann hier nur von politisch motivierter Willkür gesprochen werden. Wenn Antifaschismus mit Repression begegnet wird, während Neonazis ungestraft so ziemlich alles rufen dürfen, was das Repertoire der Menschenfeindlichkeit so hergibt, dann hat der deutsche Fußball ein Problem. Wenn der Verein, in diesem Fall der SV Babelsberg 03, sich dann auch noch gegen die eigenen Fans stellt und das Urteil des DFB akzeptiert ohne auch nur mit der Wimper zu zucken oder wenigstens mal dezent darauf hinzuweisen, dass der eigene Verein regelmäßig und ungestraft mit „Arbeit macht frei – Babelsberg Null Drei“-Rufen empfangen wird, dann hat hat dieses Problem offensichtlich epische Ausmaße angenommen, denn offenbar grassiert mal wieder eine akute Epedemie der Auf-dem-rechten-Auge-Blindheit gepaart mit Symptomen einer leichten Antikommunismunitis…

Achja, und wer gar nicht weiß, worum es hier überhaupt geht, kann es [hier] in der Jungle World nachlesen. Hier mal ein Auszug:

…Am 16. März wurde der SVB 03 vom DFB-Sportgericht wegen »unsportlichen Verhaltens seiner Anhänger« zu einer Geldstrafe von 5 000 Euro verurteilt. Der Grund: Beim Spiel gegen den Chemnitzer FC am 3. März in Potsdam hatten Babelsberger Fans ein Transparent mit der Aufschrift »5. 3. – Bomber Harris do it again!« hochgehalten, um gegen einen an diesem Datum von Nazis geplanten »nationalen Trauermarsch« zum Gedenken an die Bombardierung von Chemnitz im Frühjahr 1945 zu protestieren. Nicht wenige der potentiellen Teilnehmer dieses Trauermarschs standen in Babelsberg im Chemnitzer Fanblock. Jacob Roth, Ultra im Ostblock des Babelsberger Karl-Liebknecht-Stadions, erklärte gegenüber der Jungle World: »Das Spruchband wurde wegen des Naziaufmarsches in Chemnitz gemacht. Wir wollten damit auf die Verquickungen zwischen der Chemnitzer Fangruppe New Society, genannt NS-Boys, und den Nationalen Sozialisten Chemnitz hinweisen.«

Die Motive der Babelsberger Fans spielten für den DFB jedoch keine Rolle, dort wurde das Zeigen des Transparents nach § 9 Nr. 3 Abs. 1 und § 9 Nr. 2 der DFB-Rechts- und Verfahrensordnung als strafbares »diskriminierendes Verhalten« gewertet. Wie das DFB-Sportgericht zu dieser Bewertung kam, lässt sich nicht nachvollziehen. Die genannten Vorschriften richten sich gegen rassistisches und menschenverachtendes Verhalten sowie »herabwürdigende, diskriminierende oder verunglimpfende Äußerungen in Bezug auf Rasse, Hautfarbe, Sprache, Religion oder Herkunft«. Doch die Urteile des Sportgerichts werden grundsätzlich nicht veröffentlicht, »denn hier besteht einzig und allein eine Sportrechtsbeziehung zwischen DFB und Verein«, so die Pressestelle des DFB gegenüber der Jungle World…


3 Antworten auf „Bombenstrafe bei Babelsberg“


  1. 1 M.L.H. 02. April 2012 um 22:06 Uhr

    meine Fresse! Wieviel Strafen hatten das die Drestener und Rostocker für die Transparente der letzten Jahre kriegen müßen? Wie oft singen dämliche Gastfans am Millerntor das U-Bahn Lied ohne das es irgendein Sportgericht interessiert!

  2. 2 werner 04. April 2012 um 15:06 Uhr

    Bestes beispiel dafür ist ja wohl Dynamo Dresden gegen Eintracht Frankfurt
    http://www.youtube.com/watch?v=eyAYPNznQZA
    wo bleibt die strafe für DD ???

  3. 3 Chris 05. April 2012 um 13:07 Uhr

    Auch hier -->http://www.hagalil.com/archiv/2012/04/03/fussball-3/kann nachgelesen werden, daß die Sanktionierung entsprechender Slogans und anderer Auswüchse entweder gewürfelt oder sonstwie ernsthaft und mit vollem Engagement angegangen wird. Aber auch dort wo Fans sich darüber auseinandersetzen, wird großen Wert darauf gelegt, „daß Extremisten den Sport mißbrauchen, ob links oder rechts“…Genau, immer schön raushalten. Ick kann garnich so viel fressen, wie ich usw…

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