Archiv für April 2012

No Dice #2


Irgendwie erscheint es in einem gewissen Licht folgerichtig, dass es in Berlin jetzt auch ein Fußballmagazin in englischer Sprache gibt. Zum einen leben in der Stadt, die wie kaum eine andere in Deutschland wenigstens an einigen wenigen Orten etwas Kosmopolitisches und Internationales verströmt, tatsächlich eine nicht zu unterschätzenden Bevölkerungsanteil von Menschen, die Englisch zur Muttersprache haben. Zum anderen ist der Berliner Fußball zwar derzeit ausgesprochen erfolglos, aber dafür soziokulturell umso interessanter. Höchstens in Leipzig oder im Ruhrgebiet gibt es derart viele Fußballvereine von Bedeutung auf so engem Raum. Neben den beiden Riesen – Hertha im Westen und Union im Osten – haben auch TeBe und der BFC Fanszenen, die diesen Namen auch verdienen. Dazu kommen Vereine wie der BAK oder Türkiyemspor, die zwar kaum Fans aber dennoch eine gewisse Relevanz haben. In den unteren Ligen tummeln sich jede Menge interessente Nischenclubs wie der THC Franziskaner, FC Internationale oder Roter Stern Nordost. Und schließlich gibt es ja auch noch Potsdam mit Babelsberg 03 und Turbine. Viel Berichtenswertes also…

In der zweiten Ausgabe widmet No Dice sich der Geschichte von Erwin Kostedde bei Hertha BSC und der von Türkiyemspor, die ja leider neben Höhen vor allem jüngst auch etliche Tiefen aufweist. Dazu gibt es einen Bericht von Union gegen Dynamo Dresden und eine Fotoserie, die verschiedene Torwarte zeigt. Alles ausgesprochen interessant und lesenswert. Ich hoffe sehr, dass das Magazin sich am Markt etablieren kann und dass die Macher_innen weiter Bock auf das Projekt haben werden. Allerdings fände ich es wünschenswert, wenn vielleicht wenigstens ein Teil der Druckkosten durch Werbung gedeckt werden könnte, denn 6,- Euro für ein nicht wirklich dickes Heft sind schon recht happig. Ich denke für 3,- oder 4,- würden gleich dreimal so viele Menschen das Teil kaufen. Verdient hätte No Dice es jedenfalls.

01.05. Solikonzert in Hamburg

Am 1. Mai finden in diesem Jahr nicht zur zahlreiche Demos statt und gilt es nicht nur mehrere Naziaufmärsche zu verhindern, es wird in Hamburg auch ein Solikonzert für MTZ Ripo Minsk geben.

Um 20 Uhr spielen im Hafenklang in Altona Notgemeinschaft Peter Pan (Hamburg), United Struggle (Düsseldorf) und Hors Contrôle (Montceau-les-Mines/F).

Beschissene Aufkleber #1

Hamburg, Detlev-Bremer-Straße.

Racaille Verte aufgelöst

Mit ihrem wahrscheinlich letzten Blogeintrag gab die Bremer Ultragruppe Racaille Verte am Sonntag ihre Auflösung bekannt:

Der Weg der Gruppe Racaille Verte ist hier zu Ende.

Wir waren alle Teil eines besonderen, einzigartigen Projekts. Diese Entscheidung haben wir gemeinschaftlich und ohne böses Blut getroffen. Ein Teil der Gruppe wird nun als Caillera einen Neuanfang starten.

Racaille Verte am 22. April 2012

Wenn es nicht mehr läuft, ist es wohl einfach besser so…

Wo Recht zu Unrecht wird oder so


Nach oben Bücken, nach unten Treten. Es ist immer wieder das Gleiche. Der FC St. Pauli hat mal wieder vom DFB eine Strafe aufgebrummt bekommen und gibt den Druck postwendend nach unten – sprich zu den eigenen Fans – weiter. Diesmal gab es eine Strafe von 15.000 Euro, weil die Fans des FC St. Pauli sich beim Hallenturnier im Wintern nicht anstandslos von Polizei und Lübecker Nazihools verprügeln ließen und weil in einer Choreo, die die verzerrte Außenwahrnehmung der Fans des Vereins darstellte, das Wort „Bullenschweine“ vorkam.

Wir sind es langsam leid. Eine Strafe hier, eine Strafe dort. Das läppert sich zusammen und wird von uns nicht mehr tatenlos hingenommen.

, sagt Präsident Stefan Orth. Doch meint er damit nicht die Willkür des DFB, sondern die Anhänger_innen seines eigenen Vereins. Es ist versatändlich, dass Orth und der Verein angepisst sind von den ständigen sinnfreien Strafen des DFB, doch die Schuld dafür bei den Fans statt beim Verband zu suchen ist einfach falsch.

Es ist mehr als offensichtlich, dass die Rechtsprechung des DFB vollkommen willkürlich ist. Vergehen von der Schwere der hier bestraften Fälle gibt es an jedem Spieltag in oder vor so gut wie jedem Stadion. In einer Vielzahl von Fällen geschieht sogar noch weit Schlimmeres. Immer und immer wieder kommt es zu homophoben und sexistischen Beleidigungen in verbaler oder schriftlicher Form. Wenn der DFB das gleiche Maß an Vereine wie Dynamo Dresden oder Hansa Rostock anlegen würde, dann müssten sie – auch wenn es dort jede Menge mehr oder minder korrekte Fans gibt – konsequenterweise auf Generationen hinweg von jeglichem Spielbetrieb ausgeschlossen werden. Alleine die antisemitische Scheiße, die einige Anhänger_innen beider Vereine bei den Matches beider Teams gegeneinander abgezogen haben, sind um ein solches Maß heftiger als ein einzelnes „Bullenschweine“, dass die Geldstrafe im Millionenbereich liegen müsste. Und was ist mit der Tatsache, dass neulich im Ostseestadion Tausende Rostocker_innen „Schwule! Schwule!“ in Richtung St. Pauli-Block riefen? Wo ist hier der entschiedene Kampf des DFB gegen Homophobie? Oder das „Dönerverkäufer“ von Seiten des SGD gegen Frankfurt? Wo war da das Engagement gegen Rassismus? Wahrscheinlich gelten Menschenrechte beim DFB einfach ausschließlich für Polizist_innen…

Vor solch willkürlicher Bestrafung seitens eines Verbandes, der fast sein ganzes Bestehen lang von (Ex-)Nazis geführt wurde und noch immer nur sehr larifari gegen gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit vorgeht und auch das nur, wenn jemand rechtzeitig aufschreit und es skandalisiert, zu kuschen bedeutet sich mitschuldig machen. Autoritärer Charakter ahoi!

Es ist okay, wenn der Verband Strafen ausspricht. Das ist Teil des Deals, wenn Vereine an seinen Wettbewerben teilnehmen. Doch muss das dann auch konsequent geschehen und es muss die Verhältnismäßigkeit gewahrt bleiben. Hier gab und gibt es enorme strukturelle Defizite. Manche Geschehnisse werden enorm hart betraft und manche Menschen bekommen für den bloßen Verdacht, etwas gemacht zu haben, ein Stadionverbot. Anderes wird jedoch absichtlich übersehen, weil nicht sein kann, was nicht sein darf. Wenn der DFB wirklich jeden Fall gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit ahnden würde, dann würde durch die schiere Menge der Fälle (geschätzt von Bundes- bis Kreisliga mehrere Hundert pro Woche) offenbar werden, dass die Antidiskriminierungsarbeit des DFB bei aller guter Intention eigentlich ein schlechter Witz ist. Wer heute im Stadion oder auf dem Sportplatz jemand anderen als „Jude“, „Hurensohn“ oder „Zecke“ beschimpft kann nahezu sicher sein, niemals dafür zur Rechenschaft gezogen zu werden. Außer vielleicht durch Selbstjustiz…

Der DFB will den klinisch reinen Fußball. Deshalb sollen Hässlichkeiten wie Gewalt und Pyrotechnik möglichst effektiv bekämpft werden. Genauso aber müssen rassistische, sexistische, homophobe etc. Vorkommnisse möglichst effektiv vertuscht werden, denn das Image können sie ja nur schädigen, wenn sie öffentlich werden. Das Problem für den DFB ist nicht, dass diese Dinge geschehen, sondern, dass sie skandalisiert werden, weil das die Marke Fußball schädigen könnte, die die ökonomische Grundlage des Verbandes bildet. Es geht und ging dem DFB, wenn es hart auf hart kommt, nie um die Menschen, sondern immer ums Geschäft. Solange es das Geschäft nicht störte (in den 1980ern z.B.) durften Hools und Nazis im Stadion vollkommen frei drehen. Heute wären sie imageschädigend und deshalb muss dafür gesorgt werden, dass sie nicht mehr so auffallen. Als Kund_innen sind sie aber natürlich weiter willkommen.

Es gibt im Grunde nur zwei Möglichkeiten: Entweder der DFB und seine Regionalverbände ahnden in Zukunft konsequent „Zigeuner“-, „“Arbeit macht frei, Babelsberg 03“-, „Schwule“- oder sonstwie faschistische oder diskriminierende Rufe, Transpis und Aussagen von Seiten der Fans, der Spieler_innen und der Funktionär_innen (wurde Leverkusen jemals für Völlers „Der Schiri soll Frauenfußball pfeifen“-Aussage bestraft?!?) oder aber die Verbände haben keinerlei Respekt verdient und gehören selbst auf allen Ebenen und mit allen Mitteln kritisiert, weil sie – entgegen ihrer Außendarstellung – durch ihre Willkür und Inkonsequenz menschenfeindlichen Umtrieben im Fußball nachdrücklich Vorschub leisten. Folglich muss auch seine Rechtsprechung kritisiert werden und darf nicht unwidersprochen hingenommen werden. Der FC St. Pauli würde gut daran tun, das Urteil nicht zu akzeptieren und stattdessen darauf hinzuweisen, dass es undemokratisch wäre sich einer willkürlichen Justiz zu beugen. Noch dazu, wenn diese ganz offensichtlich aus dem Nationalsozialismus nichts oder zumindest nicht genug gelernt hat.

Ganz Hamburg und Rostock hassen die Polizei


FC St. Pauli FC Hansa Rostock 3:0

Sonntag, 22.04.2012, 13.30 Uhr, Millerntorstadion, 2. Bundesliga (Männer)

Wenn St. Pauli und Rostock aufeinander treffen, dann ist immer Pfeffer drin, doch in diesem Fall bemühte sich die Hamburger Polizei durch das Verbot des Ticketverkaufs an Gästefans noch einmal nach Kräften nachzuwürzen. Der Plan, die Lage enspannter und leichter zu kontrollierbar zu machen, ist jedenfalls mal kräftig in die Hose gegangen. Geschehen ist einiges. Deshalb hier ein Versuch der schematischen Aufarbeitung:

1. Auf dem Spielfeld

St. Pauli war von Beginn an überlegn und siegte verdient 3:0 gegen Rostocker, von denen zuminest gegen Ende aufgegeben zu haben schienen. Eine Einstellung, die weder der Verein noch seine Fans geschweige denn die eigenen Mitspieler verdient haben, auch wenn es in der Tat sehr schwer werden dürfte für Hansa, doch noch die Klasse zu halten. Spieler des Spiels war zweifelsohne Marius Ebbers der zwei Tore selbst erzielte (12. und 49. Minute) und das dritte für Bartels auflegte (79. Minute). Viel besser kann ein Spieler in einem Zweitligaspiel nicht spielen – und das nach der doch recht langen Durststrecke in Teilen der Saison. Tiefster Respekt!

2. Vor dem Spiel

Für einen Teil der beiden Fanszenen egann der Tag sehr früh. Etwa 1.700 Rostocker_innen trafen sich um 11 Uhr am Bahnhof Altona und zogen von dort aus Medienangaben zufolge friedlich in einer angemeldeten Demonstration durch die Straßen Altonas. Um 10.30 Uhr, also sogar noch etwas früher, aber ebenso friedlich zogen etwa 300 Anhänger_innen des FC St. Pauli vom Schanzenviertel aus in einem Trauermarsch zum Südkurvenvorplatz. Mit Sarg, Kranz, Blumen und Kerzen wurde dort symbolisch die Fankultur zu Grabe getragen. Die Rufe, die den Zug begleiteten richteten sich ausschließlich gegen die Polizei, deren Führung ja durch ihre polizeistaatliche Anordnung des Ausschlusses einer ganzen Fanszene, die dadurch mal ganz nebenbei auch noch unter Generalverdacht gestellt wird, den ganzen Schlamassel ja überhaupt erst ausgelöst hatte.

3. Vor der Südkurve

Etliche – die Zahlen reichen von 800 bis 2.000 – St. Pauli-Fans, die überwiegend aus den Spektren Ultras und organisierte Fans kamen hatten sich darüber hinaus vor dem AFM-Container auf dem Südkurvenvorplatz getroffen, um dort kollektiv die Radioübertragung des Spiels zu hören und durch den Boykott des Stadionbesuchs ihren Protest auszudrücken. Die Stimmung dort war gut, die Übertragung aber leider nicht wirklich laut genug, um dem Spiel effektiv folgen zu können. Gejubelt und ab und an auch gerufen wurde trotzdem. In der Halbzeitpause kam es dann noch zu einem Tumult direkt vor der Südkurve. Ein junger Mann mit hellem Haar und blutigem Gesicht wurde von St. Pauli-Fans verfolgt und konnte in den Bürotrakt des Stadions fliehen. Er soll eine Thor Steinar-Jacke getragen haben. Das wäre dann aber auch wirklich ziemlich fahrlässig gewesen. Dass die Dinger in gewissen Gegenden, zu denen St. Pauli sicher gehört, gesundheitsschädigend sein können, ist schließlich weithin bekannt…

4. Auf den Rängen

Ich war in der zweiten Hälfte kurz drin, um mir selbst ein Bild zu machen und mitredcn zu können bei den zu erwartenden Diskussionen. Dass ich dadurch auch das 3:0 live gesehen habe, ist natürlich ein netter Bonus. Mir war aber auch sofort klar, dass die üblichen Verdächtigen im stpauli-forum sich ihre Münder zerreißen würden, wie megageil das war ohne USP und ohne Schalala. Endlich wieder so wie früher, denn da war ja bekanntlich alles besser… In der Tat wurde auf der Gegengerade ziemlich viel gesungen und auch auf der Süd gab es halbwegs okayen Support. Dem unkoordinierten Singsang seinen anarchischen Charme absprechen läge mir auch fern, doch was wirklich Bände sprach, was was das gesungen wurde. Nahezu jeder Gesang, der da kam – von Reeperbahn bis XY Fußballgott – wurde exakt so schon vor zwanzig Jahren gesungen. Einzig der Block 1 brachte hin und wieder auch mal etwas interessanteres zu Stande. Wo sind all die tollen Lieder mit mehr als fünf Wörtern im Text hin, die wir alle noch vor zwei Wochen gesungen – und auch gerne gesungen – haben? Vielleicht hilft ein wenig Koordination da doch… Ich würde jedenfalls diverse Körperteile darauf verwetten, dass mit den Leuten die draußen standen, mit USP und Trommel und Megaphon ein Spiel wie dieses 3:0 gegen Rostock der schiere Wahnsinn mit Gänsehaut bis Mittwoch gewesen wäre. So aber war es halt ein gutes Spiel mit guter Stimmung. Mehr aber auch nicht. Vor allem aber möchte ich mal die Frage in den Raum werfen, was wohl gewesen wäre, wenn nicht alles eitel Sonnenschein gewesen wäre, wenn Rostock nach 20 Minuten 2:0 geführt hätte. Dann erst hätten wir sehen können, wie viel das Publikum ohne Ultras und ohne die anderen aktiven Fans, die draußen standen, gebacken bekommt. Bei Siegen jubeln kann jede_r…

5. Rostocker im Stadion

Ungefär vierzig Rostocker_innen haben es doch irgendwie ins Stadion geschafft, ein blaues Banner mit „Ganz Rostock hasst die Polizei“ enrollt und ihr Team nach Kräften unterstützt, was von der Mehrheit der St. Paulianer_innen mit Wohlwollen aufgenommen wurde. Bei aller Rivalität ist polizeiliche Repression halt doch noch schlimmer als der Verein mit der Kogge im Wappen.

6. Hinterher

Schon kurz vor Schlusspfiff hatte das Geschehen draußen sich zunehmend auf die Budapester Straße und vor das Jolly Roger verlegt. Polizeifahrzeuge wurden beworfen und die Polizei reagierte entsprechend. Über 1.500 Polizist_innen im Einsatz sind immerhin schon eine kleine Armee. Trotzdem wurde auch der HSV-Treffpunkt Tankstelle nahe dem Hans-Albers-Platz entglast und die Polizei immer wieder und an verschiedenen Orten angegriffen. Es gab zehn Fest- und sieben Gewahrsamnahmen. Ob das jetzt nötig oder zielführend war, mag jede_r für sich entscheiden. Ich würde ja sagen, dass derart viel Polizei wahrscheinlich so ziemlich überall auf wenig Gegenliebe stoßen würde. ACABAB und so…

PS: Auch lesenswert zum Thema sind u.a. Übersteiger, magischerfc und metalust!

Kein Wunder an der Weser


SV Werder BremenFC Bayern München 1:2

Samstag, 21.04.2012, 15.30 Uhr, Weserstadion, Bundesliga (Männer)

Die Frage, weshalb ich bis dato noch nie bei einem Heimspiel des SVW gewesen war, gehört zu den bisher ungelösten Rätseln der Menschheitsgeschichte. Immerhin lebte ich jahrelang nicht wirklich weit weg von Bremen und auch Möglichkeiten mal mit dem FC St. Pauli zusammen vorbeizuschneien hatte es eigentlich schon genug gegeben. Doch gut Ding will ja bekanntlich manchmal Weile haben.

Umso beeindruckter war ich dann doch, als ich die Fanräumlichkeiten unter der Ostkurve in Augenschein nahm, die wirklich kaum Wünsche offen lassen und auch das Stadion selbst gefällt. Nur die Akustik ist eher suboptimal. So war die Schickeria auf der Gegenseite während des gesamten Spiels nur ein oder zweimal überhaupt wahrzunehmen, obwohl im Gästeblock dem Augenschein nach zu urteilen recht fleißig supportet wurde. Schade, aber irgendwie verpufft der Schall da wohl irgendwo. Was mir als Freund der Stehplatzgeraden auch sofort auffiel war darüber hinaus die unsagbare Stille der Geraden im Weserstadion. Support aus Richtung der Seitenauslinien – komplette Fehlanzeige. In der Ostkurve dagegen war der Support durchaus gut und einige Lieder der dortigen Szene finde ich richtig geil – allen voran „Andree Wiedener“ und die Adaption von „Wonderful Days“.

Das Spiel verlief in etwa so wie ich erwartet hatte. Bayern unterschätzte die ersatzgeschwächten Bremer und kam mit seiner B-Elf ohne Gomez, Robben, Ribéry und andere mit den engagiert auftretenden Bremern nicht wirklich zurecht. Die ersten 45 Minuten über neutralisierten die Teams sich nahezu komplett, auch wenn es auf beiden Seiten gute Chancen gab. Kurz nach der Pause ging Bremen dann unerwartet, aber nicht unverdient durch Naldo nach einer Ecke in Führung (51. Minute) und die Ostkurve tobte. Die Bayern jedoch wirkten nach dem Rückstand wie aus ihrer Lethargie befreit und legten endlich ihre schon aus der Aufstellung abzulesene Überheblichkeit ab. Mit der Einwechslung von Ribéry bewies Trainer Heynckes dann ein goldenes Händchen, denn erst legt dieser mustergültig für Naldo auf, der den Ball ins eigene Tor grätscht (75. Minute) und dann erzielt der Franzose kurz vor Schluss auch noch den Siegtreffer für die Bayern (90. Minute). Bremen fehlte es an diesem Tage wie auch überhaupt schon seit Längerem einfach an personeller Substanz, um mit einem Team wie den Bayern über 90 Minuten voll mithalten zu können.

Die Frage, die mensch sich an der Weser stellen muss, ist die, ob der Aderlass, der dem Team nach Saisonende bevorsteht, eine nachhaltige Schwächung bedeuten wird oder ob ein personeller Umbruch gelingen wird. Letzteres ist Schaaf und Allofs ja schon öfters gelungen…

Rund ums Stadion blieb es trotz aufgeheizter Atmosphäre weitgehend ruhig. Das am ehesten Erwähnenswerte für den Rest des Tages war wohl der auch aus Berliner Sicht sehr leckere Falafel von Tandour im Viertel. Und außerdem werden sollte, dass es schon kackfrech von Mario Gomez war, beim Aufwärmen einfach mal vor statt hinter dem Tor lang zu joggen – während das Spiel lief…

Sticker #5

Hamburg, nähe Lerchenwache.

Bremen, im Viertel.

Bremen, nähe Weserstadion.

Hamburg City Ausnahmezustand UPDATES

Das Verwaltungsgericht in Hamburg hat inzwischen die Demo der Rostocker_innen verboten und sie stattdessen zu einer stationären Kundgebung zwischen Kunsthalle und Hauptbahnhof abgeschoben. Super zum Kesseln. Bestimmt ein Zufall…

Ob dagegen von Rostocker Seite Widerspruch eingelegt werden wird ist unklar, wäre aber ratsam.

Unterdessen hat die Hamburger Polizei die hiesige Überschrift mit dem „Ausnahmezustand“ wohl etwas zu ernst genommen und fast ganz St. Pauli zu einem Gefahrengebiet erklärt. Das bedeutet im Klartext, dass die Cops dort jede Person ohne wirklichen Grund oder auch einfach nur aus Bock kontrollieren, des Platzes verweisen oder gleich in Gewahrsam nehmen kann. „Lageabhängig“ heißt das in der Polizeisprache. Allgemeinverständlich ausgedrückt heißt es, die Polizei entscheidet selbst, was sie darf und was nicht. Missbrauch und Willkür stehen da Tür und Tor noch weiter auf als ohnehin schon.

Zu dem Gefahrengebiet gehört auch das Millerntorstadion selbst samt Vorplatz. Ebenso das Jolly Roger und der Fanladen. Wenn die Polizei also will, kann sie alle Menschen vor dem Jolly in Gewahrsam nehmen – einfach so – und falls jemand nach drinnen flüchtet mal wieder den Laden stürmen und Leuten die Zähne ausschlagen. Kennen wir ja alles schon…

Und Jugendliche, die zufälligerweise eine schwarze Jacke tragen und aus Sicherheitsgründen mal den Schal zuhause gelassen haben und auch kein Ticket dabei haben, weil jemand damit vor der Kurve wartet, kann die Polizei einfach nicht zum Stadion lassen. Es könnten ja auch Rostocker_innen sein…

Verhältnismäßigkeit der Mittel Ahoi!

Hamburg City Ausnahmezustand


Na, das kann ja was werden. Frankfurt kann den Aufstieg klarmachen. Sandhausen in Liga 3 genauso. Falls Babelsberg in Darmstadt gewinnt und Jena in Bielefeld nicht, steht der FCC als zweiter Absteiger fest. In der ersten Liga kann dagegen nur Kaiserslautern den Abstieg endgültig in trockene Tücher bringen. Sollten sie jedoch gegen Hertha gewinnen und Köln gegen Stuttgart verlieren, dann müssten Augsburg und der HSV nur noch gewinnen, um den möglichen Abstieg endgültig abzuhaken. Hertha und Köln hätten dann noch zwei Spieltage, um sich um den Relegationsplatz zu balgen. Sollte Stuttgart allerdings in Köln verlieren, könnte sich Gladbach zumindest schon mal über die Champions League-Qualifikation freuen – selbst wenn sie gegen Dortmund patzen sollten. Der BVB wiederum muss nur gewinnen und der zweiter Meistertitel in Folge ist ihnen sicher. Sollte der SV Werder Bremen am Samstag Nachmittag den FC Bayern gewinnen, so würde er nicht nur die Tür zum europäischen Geschäft weiter offen halten, die Dortmunder wären auch automatisch Deutscher Meister und das sogar bevor sie abends im heimischen Westfalenstadion auflaufen. Verrückt!

Persönlich ist mir das aber alles halbwegs egal im Vergleich zu dem, was am Sonntag auf St. Pauli passieren wird. Nachdem alle Versuche gescheitert sind und der Verein keine Tickets an Gästefans verkaufen darf, haben Anhänger_innen des FCH als auch Fans und Ultras von St. Pauli angekündigt in Altona gegen diese Entscheidung zu demonstrieren. Die Mopo rechnet mit mindestens 2.000 Menschen. USP und andere Fans haben zudem angekündigt ebenfalls nicht ins Stadion zu gehen. Hier ein Zitat vom Basch-Blog:

Als Re­ak­ti­on wird es am Sonn­tag kei­nen or­ga­ni­sier­ten Sup­port oder Ak­tio­nen im Sta­di­on geben. Ein sol­ches Spiel ist nichts wert – es ist eine Farce und eine Ge­fahr! Der Treff­punkt für alle, die sich gegen die Maß­nah­men aus­spre­chen ist der Süd­kur­ven­vor­platz! Die Mann­schaft wird Hansa in die drit­te Liga schie­ßen, den Kampf um den Re­le­ga­ti­ons­platz span­nend hal­ten und wir wer­den drau­ßen dafür ein­ste­hen, dass wir auch in Zu­kunft dahin fah­ren kön­nen, wo un­se­re Mann­schaft spielt.

Solidarität ist die Zärtlichkeit zwischen den Kurven, hätte Ché Guevara wohl gesagt. Die Boykotierenden wollen sich stattdessen am AFM-Container vor der Südkurve und in umliegenden Kneipen treffen, um das Spiel zu verfolgen. Immerhin geht es für beide Teams um sehr, sehr viel. Wenn es scheiße läuft, kann entweder St. Pauli den Aufstieg quasi vergessen, Hansa hingegegen kann sogar, wenn Cottbus und Aue beide gewinnen zusammen mit Aachen für die dritte Liga planen.

Dabei könnte jetzt ironsicher- wie logischerweise genau die Entscheidung die Rostocker Fans nicht ins Stadion zu lassen, der Polizei jetzt auf die Füße fallen. Nicht nur der Fanclubsprecherrat des FC St. Pauli rechnet mit der Möglichkeit von Ausschreitungen und rät den Fans des FCSP zur Vorsicht:

- Meidet das Domgelände.
- Lasst euch nicht provozieren.
- Helft anderen Fans, wenn sie in Auseinandersetzungen verwickelt sind.
- Lasst Kleinkinder an diesem Tag zu Hause.
- Und vor allem versucht nicht, die Fandemo der Rostocker in irgendeiner Art zu stören oder zu begleiten. Es ist ihr gutes Recht ihren Unmut über die Verfügung der Polizei kundzutun. Es ist aber auch unser gutes Recht, unsere eigenen Wege zu finden, unseren Unmut darüber auszudrücken.

Auch andere Stimmen aus beiden Hansestädten gehen davon aus, dass die Situation unter Umständen unkontrollierbar werden wird. Wer sicher gehen will, sollte am Sonntag die gesamte Hamburger Innenstadt von St. Georg bis Altona meiden. Alleine oder mit deutlich sichtbaren Fanutensilien herumlaufen ist mit Sicherheit auch keine gute Idee. Das gilt im Zweifelsfall auch für Rostocker_innen oder Fans anderer Vereine, die sich verlaufen haben. Wer dennoch vor Ort ist, sollte sich auch darauf gefasst machen, dass Teile der Polizei stinksauer sind, weil ihre Vorgesetzten mal wieder riesige Scheiße verzapft haben. Und wie Polizist_innen reagieren, wenn sie sauer sind, wissen wir ja…

Passt auf euch auf!