Zu Architektur Tanzen


FC Hertha 03 ZehlendorfTennis Borussia Berlin 0:0

Mittwoch, 14.03.2012, 19.45 Uhr, Ernst-Reuter-Sportfeld, Berlinliga (Männer)

Das Ernst-Reuter-Sportfeld ist eine ausgesprochen schöne Spielstätte, die noch schöner gelegen ist. Leider war es am Mittwochabend schon dunkel, denn die Großsiedlung Onkel Toms Hütte, die federführend von Architektenlegende und „Kulturbolschewist“ Bruno Taut entworfen wurde, ist wirklich sehenswert. Im Zweifelsfall wahrscheinlich sogar sehenswerter als das Spiel zwischen TeBe und der kleinen Hertha…

Dabei war das Spiel eigentlich sogar gut und hatte durchaus Spitzenspielniveau, aber Fußball ohne Tore ist halt doch irgendwie wie Vanilleeis ohne Vanille. Besonders in der ersten Hälfte gab es Chancen hüben wie drüben. Die beiden besten hatte TeBe in der 11. nach einem schönen Spielzug bis zur Grundlinie und in der 14. Minute nach einem gekonnten Schuss aus zweiter Reihe. Die erste Großchance der zweiten Hälfte hatte Hertha kurz nach dem Wiederanpfiff. Dann kam noch mal TeBe und dann kam lange Zeit sehr, sehr wenig Aufregendes, was aber auch an der guten Abwehrleistung beider Teams lag. In der 82. Minute hatte TeBe nach einer Traumkombination dann noch einmal die Chance zum entscheidenden Treffer, scheiterte einmal mehr an Keeper Korkut. Dann war Schluss und TeBe hat wieder einmal und wie schon am Wochenende in Lichtenberg einen Punkt von einem Spitzenteam entführt. Ach, hätte das Team doch schon von Saisonbeginn an auf diesem Niveau gespielt. Dann wäre es jetzt selbst eines dieser Spitzenteams…

Auch abseits des Spielfelds präsentierte sich der Zehlendorfer Verein mit der hervorragenden Jugendarbeit und der bewegten Vergangenheit sehr gastfreundlich. Bier wurde auf dem Tablett in den Gästeblock geliefert, der Kaffee war durchaus gut und die Portion Pommes für zwei Euro riesengroß und kaum alleine zu schaffen. Alles irgendwie extrem gediegen westberlinerisch da in Zehlendorf, aber das hat durchaus seinen Charme…

PS: Es nervt mich irgendwie mega an, wenn auf absolut jede Entscheidung des Schiedsrichter_innengespanns gegen das „eigene“ Team mit Riesengepöbel reagiert wird. Die allermeisten Schiedsrichter_innen machen ihre Sache in nahezu jedem Spiel ziemlich gut und hätten eigentlich auch wenig mehr Respekt verdient. Andernfalls bekommen Forderungen nach Engagement gegen Rassismus oder Homophobie irgendwie einen ironischen Unterton. Jemanden nicht wegen Hautfarbe oder Sexualität zu diskriminieren ist irgendwie halbherzig, wenn jemandem nur aufgrund seiner_ihrer Funktion als Spielleiter_in plötzlich keinerlei Akzeptanz mehr entgegen gebracht wird – vor allem dann nicht, wenn das Ganze auch noch mit einer massiven und aggressiven Affirmation und Verteidigung der Eigengruppe einhergeht. Sündenbock ick hör dir trapsen… Und kommt mir jetzt nicht mit „das gehört halt zum Fußball…“, denn das ist genau das „Argument“, dass Rassist_innen und homophobe Klappspaten auch verwenden…


2 Antworten auf „Zu Architektur Tanzen“


  1. 1 Holzbein 15. März 2012 um 13:31 Uhr

    …sag Bescheid, wenn Dir noch was einfällt was nervt und was die Leute zu denken und zu sagen haben. Man kanns auch übertreiben mit der Interpretation. PS: Hat nix mit Kritik an „Fußball von Links“ generell zu tun. :) ))

  2. 2 Jimbo 15. März 2012 um 14:07 Uhr

    Abgesehen davon, das ich es diesmal gar nicht so wahrgenommen habe, dass die Schiedsrichter übermäßig angepöbelt wurden, erschließt sich mir der Zusammenhang zwischen Rassismus und Schiedsrichterbeleidigung respektive Hautfarbe und Funktion nicht so recht. Polizisten zu beleidigen, weil sie Polizisten sind, beispielsweise, könnte doch durchaus angebracht sein?
    Hm. Fußballfans (das sind die, die ihre Eigengruppe anfeuern) versuchen, glaube ich, auch dergestalt Einfluss auf den Spielverlauf zu nehmen, dass sie dem Schiedsrichter, ohne den es übrigens nicht geht, sagen, was er bitte zu pfeifen oder auch nicht zu pfeifen hat. Ich finde es manchmal durchaus amüsant, Abseitsentscheidungen, die von Fanseite gar nicht beurteilt werden können (weil wo sie stehn) oder die sonnenklar sind, lauthals in Zweifel zu ziehn. „Niemals!“
    Ansonsten, ja, seid lieber mit die Schiedsrichter, finde ich ja auch … naja.

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