Fußball, Männer und Kreisliga – eine tolle Kombination


SK Türkyurt 01 IITennis Borussia Berlin II 3:1

Sonntag, 11.03.2012, 12 Uhr, Poststadion Nebenplatz KR4, Kreisliga C Berlin (Männer)

Warum steht ein an sich zu vernünftigem Denken fähiger Mensch am Sonntag Morgen vor elf Uhr auf, um ein Spiel in der Kreisliga C anzugucken? Ich habe keinen blassen Schimmer, aber irgendwie mache ich solche Unfug immer wieder… So auch an diesem Sonntag. Die Dusche hat nicht wirklich wach gemacht. Für Frühstück ist keine Zeit. Zum Glück gibt es beim Bäcker am Bahnhof Brötchen und Kaffee. Dann in die S-Bahn Richtung Hauptbahnhof und vorbei an hässlichen Townhouses zu einem der diversen Nebenplätze des wunderschönen Poststadion, in dem Tennis Borussia schon so viele Sternstunden erlebt hat. Beide Teams sind auch schon da. Jemand erzählt mir, der Schiedsrichter, der hätte pfeifen sollen sei nicht gekommen, aber weil die Erste von Türkyurt nicht zu ihrem Spiel antritt, kann der Schiedsrichter von dort das Spiel pfeifen. Zum Glück! Würde das Spiel ausfallen, würde ich mich nach der zu kurzen Nacht mal so richtig ärgern…

Ungefähr dreißig andere Menschen sind offenbar ähnlich blöd wie ich und stehen ebenfalls am Spielfeldrand. Auf Seiten TeBes sind etwa zehn Menschen mit dabei. Immerhin. Die aber bekommen einiges geboten. Das Spiel war kaum angepfiffen, da zappelte der Ball schon im Netz der Gäste. Keine drei Minuten waren da erst gespielt. Wie der Ball aber dort gelandet ist, wird wohl sein Geheimnis bleiben. „Hineingewuselt“ scheint der passende Begriff zu sein. Um ein Haar hätte TeBe gleich im direkten Gegenzug den Ausgleich erzielt, doch der Distanzschuss geht knapp links unten vorbei. Da fehlten wirklich nur Zentimeter. Kurz darauf dann noch eine gute Chance für TeBe, doch der Keeper von Türkyurt ist aufmerksam, eilt heraus und wirft sich gekonnt in die Flugbahn des Balles. Dann ist wieder Türkyurt an der Reihe und hat nach gut einer Viertelstunde ein gute Doppelchance. In der 32. Minute dann gelingt jedoch TeBe durch einen Schuss aus spitzem Winkel der Ausgleich. Kurz vor dem Halbzeitpfiff haben dann beide Teams noch guter Möglichkeiten in Führung zu gehen, doch scheitern sie konsequent an den Torhütern oder am Pech oder am eigenen Unvermögen.

Die zweite Hälfte beginnt hektisch. TeBe hat fast sofort eine Riesenchance, doch der Schiedsrichter entscheidet fälschlicherweise auf Abseits – seine einzige wirkliche Fehlentscheidung an diesem Tag. Danach verflacht das Spiel zusehends. Erst in der 60. Minute dann wieder Aufregung. Türkyurt bekommt nach Foulspiel im Strafraum einen berechtigten Elfmeter und deren Nummer 14 verwandelt. Der Keeper von TeBe ahnt zwar die Ecke und ist auch noch am Ball, doch der Elfer ist einfach zu gut geschossen. Die Freude der Gastgeber, die in der Tabelle irgendwo im Mittelfeld herumdümpeln, ist riesig. Vor allem der Abwehrspieler mit der 31 ist völlig aus dem Häuschen und erläutert den anwesenden TeBe-Fans gerne und wiederholt mit allerlei Gesten und Worten, wie sehr ihn sein aktuelles Gefühl an Geschlechtsverkehr erinnert. Überhaupt fallen jede Menge Schimpfworte und Beleidigungen auf dem Platz, aber so ist das wohl, wenn echte Männer sich permanent ihres eigenen Geschlechts versichern müssen… Die Nummer 9 von Türkyurt fliegt dann kurz vor Schluss sogar noch mit Gelb-Rot vom Platz. Irgendetwas, was er gesagt hat, hat dem sehr guten Schiedsrichter Mohamed Abo El Oulla wohl nicht gepasst. Nachdem, was er vorher schon so alles erzählt hat, kein Wunder… Zu diesem Zeitpunkt führte Türkyurt jedoch auch schon mit 3:1 und das Spiel war im Grunde gelaufen, was den Torhüter der Gastgeber zu enormer Langsamkeit bei Abstößen zu animieren schien.

So blieb es bei einem leider verdienten Sieg der Gastgeber. TeBe war zwar über weite Strecken ebenbürtig, aber irgendwie fehlte das nötige Quentchen Glück oder Motivation. Der erste Platz in der Liga ist damit vorerst verloren, aber nur zwei Punkten Rückstand auf SV Rot-Weiß Viktoria Mitte und einem Spiel weniger ist da ja noch alles drin. Zumal der Vorsprung auf einen Nichtaufstiegsplatz lockere 12 Punkte beträgt. Da kann mensch den Männern von Türkyurt auch gerne mal die Freude gönnen, die ihnen der erste Sieg, den sie in diesem Jahr auf dem Platz erringen konnten, offensichtlich bereitete. Aber es wäre nett, wenn sie das nächste mal ihrer Motivation eher durch Fußball als durch „Hundesohn“, „Schwuchtel“ und „Ich fick dich!“ Ausdruck verleihen würden…