Archiv für März 2012

Hans Sarpei vs. Geschichtsrevisionismus 1:0

Hans Sarpei, Schalker Außenverteidiger und ghanaischer Nationalspieler, positioniert sich auf seinem Facebookprofil eindeutig gegen Antisemitismus und die Leugnung der Shoah und setzt damit ein eindeutiges Zeichen:

An den iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad,

ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist, wie ein jüdisches Sprichwort sagt.

Auf www.stolpersteine-online.com sind die Stolpersteine von vielen tausend Opfern des Holocaust verlegt – mit Namen und ihrem letzen Wohnort. In ganz Europa liegen bereits 32.000 dieser Steine. Täglich gehe ich an ihnen vorbei.

Die Aktion des Kölner Künstlers Gunter Demnig wird weltbekannt – dafür werde ich sorgen und die Aktion mit meinen Mitteln unterstützen.

Wir werden den Holocaust nicht vergessen!

Ihr Hans

Natürlich hagelt es sofort Kommentare darüber wie schlimm die israelische Politik gegenüber den Palästinenser_innen ist, aber es gibt auch Menschen, die vernünftigerweise anmerken, dass es darum verdammt noch einmal überhaupt nicht geht, sondern um die Shoah und darum, dass sie niemals vergessen geschweige denn geleugnet werden darf.

Ich bin ehrlich gesagt ziemlich bewegt. So etwas, wie es Sarpei hier gepostet hat, erlebt mensch in der Welt des Fußballs leider viel, viel zu selten…

Meine Fresse Dortmund!


Beim ohnehin schon recht glanzlosen 1:0 zwischen Borussia Dortmund und dem SV Werden Bremen am vergangenen Samstag kam es auf Seiten der Dortmunder Fans zu noch weit glanzloserem Verhalten. Einige Anhänger_innen des BVB hielten während des Spiels auf der Südtribüne zwei Transparente mit den Aufschriften

„Lieber ne Gruppe in der Kritik, als Lutschertum und Homofick“

und

„Gutmenschen, Schwuchtel, Alerta-Aktivist, wir haben euch im ›20 gegen 100‹ gezeigt, was Fußball ist“

in die Höhe und lieferten damit ein erneutes Lowlight in der Geschichte beschissener Banner in deutschen Fußballstadien.

Berichten zufolge griffen andere Besucher_innen nach nur wenigen Minuten ein und konnten das weitere Zeigen der homophoben Kackscheiße unterbinden und auch der Verein hat sich eindeutig von der Aktion distanziert, doch geschehen ist nun einmal leider geschehen. Natürlich ist es auch schwierig bis unmöglich so etwas bei einem enorm großen Stadion wie dem der Borussia immer vollkommen auszuschließen, aber es zeigt einmal mehr, dass es in der Dortmunder Fanszene eine vielleicht kleine, aber doch lautstarke und selbstsicher agierende Gruppe von Anhänger_innen zu geben, die politisch weit rechts des Tolerierbaren stehen. Speziell der zweite Spruch richtet sich ja explizit an Menschen aus dem antifaschistischen „Alerta Network“ und bedient sich mit „Gutmenschen“ auch explizit im Repertoire rechter Rhetorik.

Der Verein muss sich aber auch die Frage gefallen lassen, wie so ein Banner überhaupt an den Ordner_innen vorbei gelangen konnte. Torsten Siebert von „Soccer Sound“ und Christian Rudolph, Sprecher von „Fußballfans gegen Homophobie“, sehen das ähnlich:

Aus unserer Sicht ist es ein absolutes Versäumnis seitens des Vereins, dass solche diffamierenden und diskriminierenden Banner in die Kurve gelangen konnten. Wir fordern die Vereinsführung von Borussia Dortmund auf, sich von dieser Aktion zu distanzieren und klar Stellung zu beziehen. Es sollte auch geprüft werden, ob Sanktionen gegen die betreffende Gruppe verhängt werden können. Solche Banner dürfen in keinem Stadion toleriert werden.

Perspektivisch dürften sich solche Vorfälle aber wohl nur verhindern lasen, wenn sich das gesamtgesellschaftliche Klima wandelt. Solange Homophobie und Heterosexismus in der Gesamtgesellschaft vielfach mitgetragen, akzeptiert oder wenigstens toleriert werden, wird es so etwas auch immer wieder und gerade auch in Fußballstadien geben.

Ein Lichtblick jedoch ist die via Twitter kolportierte Reaktion der Bremer Fans, die Ohrenzeug_innen zufolge „Schwuler SVW“ gesungen haben sollen, ähnlich wie auch in den Kurven von Köln und TeBe gerne auf derlei tumbe Beschimpfungen reagiert wird. Und überhaupt: Wer lieber homophob als schwul ist, hat auch mal echt nix begriffen…

23.03. Zeckensalon zum Thema Grauzone

Der Zeckensalon auf St. Pauli lädt im März zu einer Veranstaltung zum Thema Grauzone:

Rech­te Le­bens­wel­ten zwi­schen Punk, OI und Deutsch­rock

Im­mer­hin: “Gegen Nazis” sind viele, die sich in Sub­kulturen oder in der Po­pu­lär­kul­tur be­we­gen – Frei.​wild-Fans auf der Fußball-​Fan­mei­le oder auch OI-​An­hän­ge­rIn­nen, die die Po­li­tik so­wie­so ab­leh­nen. Doch jen­seits der Whi­te-​Power-​Rock­mu­sik eta­blie­ren sich rech­te Le­bens­wel­ten, für die die Ka­te­go­rie “Nazis” ge­nau­so wenig zu­trifft wie das Label “un­po­li­tisch”. Sie sind ir­gend­wo da­zwi­schen, in der Grau­zo­ne. Diese Grau­zo­ne reicht weit hin­ein in “al­ter­na­ti­ve” Sze­nen und be­deu­tet einen zu­neh­en­den Raum­ver­lust für linke, eman­zi­pa­to­ri­sche Ideen.

Die von einem Re­fe­ren­ten des Ver­eins apa­biz durch­ge­führ­te Ver­an­stal­tung wird den fol­gen­den Fra­gen nach­ge­hen: Wo be­ginnt die Grau­zo­ne, wo hört sie auf? Wieso er­lebt sie heute Dy­na­mik? Und was sind ei­gent­li­che “rech­te Le­bens­wel­ten”?

Ent­spre­chen­de Strö­mun­gen im Punk, OI und Hard­core sind eben­so Thema wie die Pop­kul­tur von Böhse On­kelz und Frei.​wild. Zum Einen wird an­hand von Bei­spie­len auf­ge­zeigt, wie eng manch „un­po­li­ti­sche“ Künst­le­rIn­nen aus der Grau­zo­ne mit ex­trem rech­ten Mi­lieus ver­wo­ben sind. Zum An­de­ren gibt es un­ap­pe­tit­li­che Ein­bli­cke in re­ak­tio­nä­re Män­ner­wel­ten, spieß­bür­ger­li­che Re­bel­li­ons­phan­ta­si­en und Wer­te­bil­der, die auf Bal­ler­mann­par­tys und in Bild­zei­tungs-​Le­ser_in­nen­brie­fen wahr­lich bes­ser aufge­ho­ben wären als in links co­dier­ten Sze­nen.

23.​03. um 20 Uhr im Fan­la­den St. Pauli. Der Re­fe­rent ist ein Mit­ar­bei­ter des An­ti­fa­schis­ti­schen Pres­se­ar­chivs und Bil­dungszen­trums Ber­lin e.V. Die Ver­an­stal­tung des Ze­cken­sa­lons wird un­ter­stützt von Ball­kult e.V..

Zu Architektur Tanzen


FC Hertha 03 ZehlendorfTennis Borussia Berlin 0:0

Mittwoch, 14.03.2012, 19.45 Uhr, Ernst-Reuter-Sportfeld, Berlinliga (Männer)

Das Ernst-Reuter-Sportfeld ist eine ausgesprochen schöne Spielstätte, die noch schöner gelegen ist. Leider war es am Mittwochabend schon dunkel, denn die Großsiedlung Onkel Toms Hütte, die federführend von Architektenlegende und „Kulturbolschewist“ Bruno Taut entworfen wurde, ist wirklich sehenswert. Im Zweifelsfall wahrscheinlich sogar sehenswerter als das Spiel zwischen TeBe und der kleinen Hertha…

Dabei war das Spiel eigentlich sogar gut und hatte durchaus Spitzenspielniveau, aber Fußball ohne Tore ist halt doch irgendwie wie Vanilleeis ohne Vanille. Besonders in der ersten Hälfte gab es Chancen hüben wie drüben. Die beiden besten hatte TeBe in der 11. nach einem schönen Spielzug bis zur Grundlinie und in der 14. Minute nach einem gekonnten Schuss aus zweiter Reihe. Die erste Großchance der zweiten Hälfte hatte Hertha kurz nach dem Wiederanpfiff. Dann kam noch mal TeBe und dann kam lange Zeit sehr, sehr wenig Aufregendes, was aber auch an der guten Abwehrleistung beider Teams lag. In der 82. Minute hatte TeBe nach einer Traumkombination dann noch einmal die Chance zum entscheidenden Treffer, scheiterte einmal mehr an Keeper Korkut. Dann war Schluss und TeBe hat wieder einmal und wie schon am Wochenende in Lichtenberg einen Punkt von einem Spitzenteam entführt. Ach, hätte das Team doch schon von Saisonbeginn an auf diesem Niveau gespielt. Dann wäre es jetzt selbst eines dieser Spitzenteams…

Auch abseits des Spielfelds präsentierte sich der Zehlendorfer Verein mit der hervorragenden Jugendarbeit und der bewegten Vergangenheit sehr gastfreundlich. Bier wurde auf dem Tablett in den Gästeblock geliefert, der Kaffee war durchaus gut und die Portion Pommes für zwei Euro riesengroß und kaum alleine zu schaffen. Alles irgendwie extrem gediegen westberlinerisch da in Zehlendorf, aber das hat durchaus seinen Charme…

PS: Es nervt mich irgendwie mega an, wenn auf absolut jede Entscheidung des Schiedsrichter_innengespanns gegen das „eigene“ Team mit Riesengepöbel reagiert wird. Die allermeisten Schiedsrichter_innen machen ihre Sache in nahezu jedem Spiel ziemlich gut und hätten eigentlich auch wenig mehr Respekt verdient. Andernfalls bekommen Forderungen nach Engagement gegen Rassismus oder Homophobie irgendwie einen ironischen Unterton. Jemanden nicht wegen Hautfarbe oder Sexualität zu diskriminieren ist irgendwie halbherzig, wenn jemandem nur aufgrund seiner_ihrer Funktion als Spielleiter_in plötzlich keinerlei Akzeptanz mehr entgegen gebracht wird – vor allem dann nicht, wenn das Ganze auch noch mit einer massiven und aggressiven Affirmation und Verteidigung der Eigengruppe einhergeht. Sündenbock ick hör dir trapsen… Und kommt mir jetzt nicht mit „das gehört halt zum Fußball…“, denn das ist genau das „Argument“, dass Rassist_innen und homophobe Klappspaten auch verwenden…

Fußballfans gegen Homophobie Video

Hier ein interessantes Video über die Kampagne „Fußballfans gegen Homphobie“, bei der auch Bilder vom letzten Fankongress in Berlin zu sehen sind.

Rasismen inom fotbollen

Für all diejenigen, die des Schwedischen mächtig sind, gibt es in der aktuellen Ausgabe des schwedischen Magazins „Expo“ einen Themenschwerpunkt zum Thema „Rassismus im Fußball“, der hiermit allen an Herz gelegt sei. „Expo“ leistet seit Jahren gute Arbeit im Bereich Kampf gegen Rassismus und die extreme Rechte in Schweden und darüber hinaus und ist grundsätzlich ein sehr zu empfehlendes Medium. Zum Themenschwerpunkt geht es [hier]. Eine Selbstdarstellung von „Expo“ in englischer Sprache gibt es [hier].

Fußball, Männer und Kreisliga – eine tolle Kombination


SK Türkyurt 01 IITennis Borussia Berlin II 3:1

Sonntag, 11.03.2012, 12 Uhr, Poststadion Nebenplatz KR4, Kreisliga C Berlin (Männer)

Warum steht ein an sich zu vernünftigem Denken fähiger Mensch am Sonntag Morgen vor elf Uhr auf, um ein Spiel in der Kreisliga C anzugucken? Ich habe keinen blassen Schimmer, aber irgendwie mache ich solche Unfug immer wieder… So auch an diesem Sonntag. Die Dusche hat nicht wirklich wach gemacht. Für Frühstück ist keine Zeit. Zum Glück gibt es beim Bäcker am Bahnhof Brötchen und Kaffee. Dann in die S-Bahn Richtung Hauptbahnhof und vorbei an hässlichen Townhouses zu einem der diversen Nebenplätze des wunderschönen Poststadion, in dem Tennis Borussia schon so viele Sternstunden erlebt hat. Beide Teams sind auch schon da. Jemand erzählt mir, der Schiedsrichter, der hätte pfeifen sollen sei nicht gekommen, aber weil die Erste von Türkyurt nicht zu ihrem Spiel antritt, kann der Schiedsrichter von dort das Spiel pfeifen. Zum Glück! Würde das Spiel ausfallen, würde ich mich nach der zu kurzen Nacht mal so richtig ärgern…

Ungefähr dreißig andere Menschen sind offenbar ähnlich blöd wie ich und stehen ebenfalls am Spielfeldrand. Auf Seiten TeBes sind etwa zehn Menschen mit dabei. Immerhin. Die aber bekommen einiges geboten. Das Spiel war kaum angepfiffen, da zappelte der Ball schon im Netz der Gäste. Keine drei Minuten waren da erst gespielt. Wie der Ball aber dort gelandet ist, wird wohl sein Geheimnis bleiben. „Hineingewuselt“ scheint der passende Begriff zu sein. Um ein Haar hätte TeBe gleich im direkten Gegenzug den Ausgleich erzielt, doch der Distanzschuss geht knapp links unten vorbei. Da fehlten wirklich nur Zentimeter. Kurz darauf dann noch eine gute Chance für TeBe, doch der Keeper von Türkyurt ist aufmerksam, eilt heraus und wirft sich gekonnt in die Flugbahn des Balles. Dann ist wieder Türkyurt an der Reihe und hat nach gut einer Viertelstunde ein gute Doppelchance. In der 32. Minute dann gelingt jedoch TeBe durch einen Schuss aus spitzem Winkel der Ausgleich. Kurz vor dem Halbzeitpfiff haben dann beide Teams noch guter Möglichkeiten in Führung zu gehen, doch scheitern sie konsequent an den Torhütern oder am Pech oder am eigenen Unvermögen.

Die zweite Hälfte beginnt hektisch. TeBe hat fast sofort eine Riesenchance, doch der Schiedsrichter entscheidet fälschlicherweise auf Abseits – seine einzige wirkliche Fehlentscheidung an diesem Tag. Danach verflacht das Spiel zusehends. Erst in der 60. Minute dann wieder Aufregung. Türkyurt bekommt nach Foulspiel im Strafraum einen berechtigten Elfmeter und deren Nummer 14 verwandelt. Der Keeper von TeBe ahnt zwar die Ecke und ist auch noch am Ball, doch der Elfer ist einfach zu gut geschossen. Die Freude der Gastgeber, die in der Tabelle irgendwo im Mittelfeld herumdümpeln, ist riesig. Vor allem der Abwehrspieler mit der 31 ist völlig aus dem Häuschen und erläutert den anwesenden TeBe-Fans gerne und wiederholt mit allerlei Gesten und Worten, wie sehr ihn sein aktuelles Gefühl an Geschlechtsverkehr erinnert. Überhaupt fallen jede Menge Schimpfworte und Beleidigungen auf dem Platz, aber so ist das wohl, wenn echte Männer sich permanent ihres eigenen Geschlechts versichern müssen… Die Nummer 9 von Türkyurt fliegt dann kurz vor Schluss sogar noch mit Gelb-Rot vom Platz. Irgendetwas, was er gesagt hat, hat dem sehr guten Schiedsrichter Mohamed Abo El Oulla wohl nicht gepasst. Nachdem, was er vorher schon so alles erzählt hat, kein Wunder… Zu diesem Zeitpunkt führte Türkyurt jedoch auch schon mit 3:1 und das Spiel war im Grunde gelaufen, was den Torhüter der Gastgeber zu enormer Langsamkeit bei Abstößen zu animieren schien.

So blieb es bei einem leider verdienten Sieg der Gastgeber. TeBe war zwar über weite Strecken ebenbürtig, aber irgendwie fehlte das nötige Quentchen Glück oder Motivation. Der erste Platz in der Liga ist damit vorerst verloren, aber nur zwei Punkten Rückstand auf SV Rot-Weiß Viktoria Mitte und einem Spiel weniger ist da ja noch alles drin. Zumal der Vorsprung auf einen Nichtaufstiegsplatz lockere 12 Punkte beträgt. Da kann mensch den Männern von Türkyurt auch gerne mal die Freude gönnen, die ihnen der erste Sieg, den sie in diesem Jahr auf dem Platz erringen konnten, offensichtlich bereitete. Aber es wäre nett, wenn sie das nächste mal ihrer Motivation eher durch Fußball als durch „Hundesohn“, „Schwuchtel“ und „Ich fick dich!“ Ausdruck verleihen würden…

47 Freunde und 10.000 TeBe-Fans


SV Lichtenberg 47Tennis Borussia Berlin 0:0

Samstag, 10.03.2011, 13 Uhr, Hans-Zoschke-Stadion, Berlinliga (Männer)

In Christian Wolters „Rasen der Leidenschaften“ wird das Hans-Zoschke-Stadion ein „Schmuckkästchen“ genannt und dieser Meinung kann ich mich nur anschließen. Verkehrstechnisch günstig und nur knapp hinter der Grenze zu Friedrichshain gelegen ist das von ehemaligen Stasibauten umringte reine Fußballstadion wirklich mit das schönste, was Berlin an Spielstätten zu bieten hat. Der Polizei schien ein Spiel von TeBe in Lichtenberg jedoch offenbar nicht so ganz geheuer zu sein, wahrscheinlich weil TeBe jetzt auch Ultras hat… Jedenfalls waren mehrere Wannen der 11. Hundertschaft (was rein numerisch zum Fußball ja auch ganz gut passt) und diverse Zivis (oder heißt das so nahe am MfS dann doch IMs?!) am Start. Wirkliches Konfliktpotential war jedoch weit und breit nicht zu erkennen. Von den gut 400 Zuschauer_innen standen rund die Hälfte im Gästeblock. Support der Heimmannschaft fand jedoch nur von Seiten des Stadionsprechers und über die Lautsprecheranlage statt. Auf Lichtenberger Seite hingen zwar zwei Banner, aber mehr als ein oder zwei Pöbeleien waren nicht zu hören.

Auf dem Spielfeld ging es dagegen durchaus rasant zur Sache. Der Tabellenzweite aus Lichtenberg kam schon nach 5 Minuten zu seiner ersten Großchance. In der 10. und 11. Minute hatte jedoch auch TeBe zwei wirklich gute Möglichkeiten. Ein Distanzschuss in der 34. und ein knapp über die Latte segelnder Kopfball nach einer Ecke in der 40. rückten das Chancenverhältnis dann aber zugunsten der Gastgeber gerade. Der Anhang der Lila-Weißen schien jedoch zufrieden damit zu sein, dass ihre Elf diesmal defensiv sehr viel sicherer agierte als zuletzt gegen Trabzonspor.

Die Halbzeitpause bot dann bestes Entertainment. Ein Lichtenberger und zwei TeBe-Fans durften sich im Elfmeterschießen messen. Der verdiente Preis, ein rot-weißer Lichtenbergschal, ging dabei an einen der beiden Gästefans, was im Auswärtsblock für überbordenden Jubel sorgte. Dazu gab es dann noch eine Soli-Tapete für die Aachen Ultras. Die zweite Hälfte begann dann etwas verhalten. Erst ein Gewaltschuss eines TeBespielers von halb rechts nach einer runden Viertelstunde, der vom Lichtenberger Keeper glänzend pariert wurde, riss die Spieler aus ihrer Lethargie. Als kurz darauf ein TeBe-Spieler direkt vor der Lichtenberger Bank einen Gegenspieler ziemlich rabiat von den Beine holte und dafür völlig zurecht Gelb sah, war es mit der Ruhe völlig vorbei. Etwas Zählbares sprang jedoch trotzdem nicht heraus. Die alles in allem noch beste Chance, ein Beinahe-Eigentor per Kopf aus Seiten TeBes, wurde jedoch von Keeper Dennis Rahden vereitelt, und so blieb es bei einem durchaus unterhaltsamen, aber dennoch torlosen Unentschieden.

Einen Teil des TeBe-Anhangs zog es danach noch in die Partytram und in diverse Kneipen. Aber eher in welche, die nicht in Lichtenberg liegen…

Kölner Verhältnisse


Weil die Kölner Ultragruppe „Wilde Horde 1996″ sich aus Sicht des 1. FC Köln nicht in ausreichender Weise von den Angriffen auf Gladbacher Fans an einer Autobahnraststätte am vergangenen Wochenende distanziert hat, hat der Verein der ihr bis auf Weiteres und per sofort sämtliche Heimspielprivilegien entzogen. Ferner wurde ihr, wie der Kicker berichtet, für das kommende Heimspiel gegen Hertha verboten, das Gruppenbanner in die Kurve zu hängen.

Claus Horstmann, Geschäftsführer des 1. FC Köln, erklärte zudem: „Die uns durch die Polizei bekannt gemachten verdächtigen Personen schließen wir aus dem Verein aus und haben langjährige Stadionverbote gegen sie verhängt.“

Dass Stadionverbote ohnehin ein Mittel sind, über dessen Sinn und Zweck sich reiflich diskutieren lässt, soll hier nur am Rande erwähnt werden. Dass es aber, auch wenn der Angriff auf Gladbacher Fans ein großer Haufen Scheiße war, nicht angehen kann, dass der Verein ohne weitere Prüfung gegen alle und jede_n, die von der Polizei verdächtigt werden, sofort ein Stadionverbot verhängt, muss auch kritisiert werden. Zwar ist diese Praxis nicht unüblich, aber das macht es ja nicht besser… Auch eine Kollektivstrafe gegen eine große Fangruppe, die wie der FC selbst sagt in ihrer „Mehrheit der Mitglieder der Organisation nicht als gewaltbereit einzustufen ist“, scheint ein eher fragwürdiges Mittel der Gewaltprävention zu sein.

Vielleicht sollte mensch sich in Köln noch einmal überlegen, welche Botschaft damit an die eigenen Fans vermittelt wird. Von hier aus besehen klingt sie in etwa so: „Wir wissen, dass nahezu alle von euch nichts mit der Sache zu tun haben, aber wir bestrafen euch trotzdem, weil wir nach außen den Eindruck vermitteln wolle, wir wären megaengagiert gegen Gewalt und total schockiert von dem, was geschehen ist. Die Außenwirkung gegenüber Verband, Medien und Sponsor_innen ist uns ohnehin wichtiger als ihr, denn ihr seid ja nur dumme Fans, die sowieso ins Stadion kommen, egal wie scheiße wir euch behandeln, ihr Trottel…“

Toronto liegt nicht an der Elbe

Wie die B.Z. berichtet, flogen beim CONCACAF-Champions League-Spiel zwischen Thorsten Frings‘ Toronto FC und David Beckhams L. A. Galaxy (2:2) mit Papierrollen und einer Bierdose geworfen. Zum Glück für die Kanadier_innen ist Toronto kein Stadtteil von Hamburg. Bei DFL und DFB hätte es jetzt wahrscheinlich Geisterspiele gehagelt…