Andreas Rüttenauer for DFB-Präsident!

Beim DFB wird das Präsidentenamt ja traditionell eher vererbt bzw. bestimmt der scheidende Präsident seinen Nachfolger (fast hätte ich hier unpassenderweise gegendert, elender Männerhaufen…). Auch diesmal gibt es eigentlich schon einen designierten Nachfolger, denn der amtsmüde Theo Zwanziger, dessen größtes Verdienst es für immer bleiben wird, dass er im Gegensatz zu seinem Vorgänger Mayer-Vorfelder kein Nazi war, hat mit Generalsekretär Wolfgang Niersbach bereits einen Nachfolger auserwählt. Der ist auch immerhin fünf Jahre jünger als Zwanziger und dürfte damit für einen generationellen Umbruch nahezu ideal sein…

Doch aus der Tiefe des Raumes ist ein Gegenkandidat aufgetaucht: Andreas Rüttenauer, vielen bekannt als Sportredakteur der taz.

Unterstützt wird seine Kandidatur u.a. von Jörg Thadeusz und Gesine Lötzsch, und wie es sich für einen solchen Anlass gehört, gibt es auch ein Manifest, das den schönen Titel „Fußball für alle! – Das Manifest des deutschen Fußballs 2020″ trägt:

Wir sind Fußballerinnen und Fußballer. Wir sind Fans. Wir interessieren uns für den Fußballsport. Wir gehen regelmäßig ins Stadion oder beobachten das Spiel, wenn ein großes internationales Turnier ansteht. Wir sind laut. Wir drücken heimlich einem Team die Daumen. Wir, die den unterschiedlichsten gesellschaftlichen Bereichen entstammen, haben eines gemeinsam: Wir lieben den Sport.

Wir machen uns Sorgen!
Wir haben das Gefühl, der Fußball könnte uns entgleiten. Eine Handvoll Funktionäre bestimmt über unsere große Liebe, über unseren Sport. Das wollen wir ändern. Wir wollen den Fußball wieder zu einer Graswurzelbewegung machen. Der Fußball braucht echte Demokratie. Er muss von unten nach oben organisiert werden. Die Vereine, die Mitglieder, auch die der kleinen Klubs, sollen entscheiden können, wer im deutschen Fußball das Sagen hat. Es muss um den Sport gehen nicht um die Interessen einzelner Konzerne. Die ungebremste Kommerzialisierung darf den Fußball nicht auffressen. Im Amateursport schlägt das wahre Fußballherz. Der Hartplatz braucht im Wettstreit mit den Arenen mehr Gewicht.

Wir fordern eine lebendige Diskussionskultur!
Nur so kann der Fußball wirklich an der Lösung gesellschaftlicher Probleme mitwirken. Der Fußball mit seinen 6,5 Millionen organisierten Mitgliedern muss mitgenommen werden, wenn über Chancengleichheit und soziale Teilhabe gesprochen wird. Er kann gesellschaftliche Debatten auch befeuern, indem bestehende Probleme offen angesprochen werden. Antisemitismus, Rassismus und Homophobie werden noch allzu oft geduldet in den Kurven etlicher Stadien. Die Unterwanderung von Fußballvereinen durch Neonazis wird oft erst dann problematisiert, wenn sie von Medien skandalisiert worden ist. Wir wollen, dass Fußballstadien angstfreie Räume werden, und wir wissen, dass das nicht einfach wird.

Der Fußball braucht eine neue Ehrlichkeit!
Wir können die Schlagzeilen über die Machenschaften korrupter Funktionäre im internationalen Fußball nicht mehr hören! In deren Spiel wollen wir nicht mitmachen! Wer Reformen im Weltfußball anmahnt, braucht Glaubwürdigkeit. Der deutsche Fußball gewinnt nur dann an moralischem Gewicht, wenn er an sich selbst die höchsten Maßstäbe anlegt. Wir fordern ein Ende der Gutsherren-Mentalität im deutschen Fußball und ein Höchstmaß an Transparenz und Demokratie in der Verbandsarbeit. Wir wollen Licht in die Funktionärshinterzimmer bringen.

Der Fußball muss sich öffnen!
Wir wollen die machohafte Männerherrlichkeit, die in vielen Kurven und Kabinen herrscht aufbrechen. Fußball darf keine Männersache bleiben. Ein Verband, in dessen Präsidium nur eine Frau sitzt, darf den Fußball nicht repräsentieren. Fußball ist für alle Menschen da! Wir wollen allen Menschen das Gefühl geben, beim Fußball gut aufgehoben zu sein!

Wir wollen: Fußball für alle!