Ultras aus Trier gegen RB Leipzig


Die Ultras von Eintracht Trier, die ja neulich erst durch geistigen Tiefflug aufgefallen sind, machen mal wieder von sich reden. In einem offenen Brief an den Verein fordern sie die Absage eines Teststpiels gegen RB Leipzig.

Die Gruppe Insane Ultra bezeichnet den Verein darin als „eine Vernichtungsmaschine der Traditionsvereine“, als „traditions-und seelenlos“ und als „Traditionszerstörer“. Mal ganz abgesehen von der inhaltlichen Redundanz stellt sich doch mal wieder die Frage, was denn so großartig schützenswert an „Tradition“ bzw. „Traditionsvereinen“ sei. Für gewöhnlich, so meine persönliche Erfahrung, ist das allermeiste, was in diesem Land unter Tradition fällt, egal ob Schützenfest, Tanzverbot an Karfreitag oder pogromartige Ausschreitungen, nicht mehr und nicht weniger als ein großer Haufen Scheiße.

Zwar ist es verständlich, dass die Anhänger_innen eines Vereins wie Eintracht Trier, der gegenwärtig in der vierten Liga vor sich hin dümpelt, sich gerne an bessere Zeiten erinnern, aber unter uns gesagt ist es bei einem Verein, der erst 1948 gegründet worden ist mit der Tradition auch nicht so weit her. Bayer Leverkusen und der VfL Wolfsburg sind da durchaus älter… Dass Eintracht Trier als ehemaliger Erstligist eine durchaus beachtenswerte Geschichte hat, soll dabei gar nicht unter den Teppich gekehrt werden. Die Frage ist nur, was das heißen soll. Auch der Eimsbüttler TV und Bremerhaven 93 waren mal erstklassig. Ein automatisches Anrecht auf sportliche Relevanz lässt sich daraus jedoch nicht ableiten. Es gibt in diesem Land einfach viel mehr Vereine, die irgendwann einmal eine große Zeit hatte, als es Platz in den oberen Ligen gibt. Wenn sich Insane Ultra auf die „ruhmreiche Tradition“ ihres Vereins berufen, dann ist das eher ein Zeichen dafür, dass es in der Gegenwart nichts zu holen gibt, als ein gutes gutes Argument. In einer kapitalistisch verfassten Fußballökonomie spielt Geld halt eine entscheidende Rolle und RB Leipzig spielt das Spiel halt etwas erfolgreicher als Eintracht Trier. Daran werden auch kein Boykott und kein Wutbürger_innentum was ändern. Daran etwas ändern kann und wird einzig die Überwindung des Kapitalismus. Da das aber wohl noch eine Weile dauern wird, müssen wir uns wohl oder übel vorerst damit abfinden, dass es beim Fußball auch oder sogar vor allem um wirtschaftliche Interessen geht.

Noch übler wird es in dem Schreiben jedoch, wenn die Gruppe sich ernsthaft auf „Werte wie Ehre und Tradition“ bezieht. Eigentlich fehlt da nur noch der „Ruhm“… Ein derart wertekonservatives und genuin rechtes Argumentationsmuster entlarvt Insane Ultra als das, was sie sind: Ein Haufen homophober, regressiver Volldepp_innen. Dass sie da etwas gegen einen Verein wie RB Leipzig haben, verwundert nicht. Kapitalismuskritik von rechts hat ja noch nie so richtig funktioniert und brauchte auch schon immer das personifizierte Böse, das außerhalb der eigenen Werte- und/oder Volksgemeinschaft verortet werden konnte. Früher waren es „die Juden“ und das „raffende Kapital“, heute sind es Red Bull, Hopp, die „Heuschrecken“ und die „internationalen Monopole“. Dumm bleibt halt bekanntlich dumm…

Hier passend zum Thema noch ein Video einer ultrabescheuerten Choreo beim Pokalspiel Eintracht Trier gegen TuS Koblenz:

PS: Noch ein catchy Slogan zum Mitschreiben: Ultra queer statt Ultras Trier!


9 Antworten auf „Ultras aus Trier gegen RB Leipzig“


  1. 1 chaosz 02. Januar 2012 um 13:15 Uhr

    Moin Moin,

    an dieser Stelle zunächst großes Lob für diesen Blog. Die Artikel sind stets interessant und im gleichen Atemzug auch erschreckend was in den deutschen Stadien so „abgelassen“ wird.

    In dieser langen Reihe von Rostock, Dresden, Frankfurt/Oder…kann sich erneut Trier einreihen.
    Ich kann diesem Artikel 100%-ig zustimmen.

    Die (feindliche) Übernhame von Vereinen durch große Kapitalismusorientierte Konzerne ist ja schließlich nur die Spitze des Eisberges. Vorausgegangen waren ja die Umbenennung von Kurven bis hin zum Verkauf von Stadiennamen. Die kritische Auseinandersetzung und Protest dagegen ist ligitim und auch notwendig. Auch wenn ich mir Feinde mache und ich bei weitem kein Befürworter solcher Vorgehensweisen bin, ist dies nunmal das Resultat dieser angeblich ach so freien kapitalistischen Marktwirtschaft. Wir Fans verlangen doch auch, schönen und erfolgreichen Fussball unseres Teams, welches uns so sehr am Herzen liegt. Dies geht aber nun mal nicht mit 100% Stehplätzen und Eintrittspreisen unter 10€. Das einzige wofür wir kämpfen müssen, ist dass unsere Fanrechte nicht so sehr eingeschnitten werden wi es die Green Brigade von Celtic Glasgow zur Zeit in Schottland erlebt. Ansonsten können wir auch hierzulande den Fussball bald beeridgen.

    Trotzdem bleibe ich dabei, ich besuche liebe Spiele von RB, Hoffenheim, Wolfsburg…etc. als von Trier und den ganzen anderen Scum!

    In diesem Sinne:
    Lets kick fascism, racism and homophobia out of football!

  2. 2 AllesfahrerSTP 23. Januar 2012 um 16:17 Uhr

    Moin,
    wollte eigentlich zum Zeckensalon, aber nach Lesen dieses antideutschen Müll auf BILD Niveau, verzichte ich dankend darauf, noch mehr „geistige Ergüße“ von dir zu rezipieren,

  3. 3 fussballvonlinks 24. Januar 2012 um 1:20 Uhr

    wie sagte mal irgendwer: „ein kluges wort schon biste antideutsch…“

    aber wahrscheinlich triggert dich nur das wort „antisemitismus“ and dann kommt der beissreflex…

  4. 4 italiener 24. Januar 2012 um 11:34 Uhr

    wer hat dir denn ins gehirn geschissen? ganz ehrlich, ich hasse nazis, bin nicht deutsch und alles andere als rechts… aber was du da von dir gibst geht ja mal gar nicht. wenn man keine ahnung hat dann einfach mal die fresse halten!

  5. 5 fussballvonlinks 24. Januar 2012 um 15:53 Uhr

    haste auch irgendein argument zu bieten? oder kannste irgendwie erklären, was genau dich stört?

  6. 6 Interessante Infos 24. Januar 2012 um 17:17 Uhr

    Hier eine interessante Erklärung einiger Gruppen aus und um Trier zu einigen bedenklichen Vorfällen in der Trierer Fanszene.

  7. 7 fussballvonlinks 24. Januar 2012 um 19:05 Uhr

    @ interessante infos: da fehlt leider der link…

  8. 8 bidde 25. Januar 2012 um 12:49 Uhr
  1. 1 Europapokal « Plakatieren Verboten Pingback am 04. Januar 2012 um 23:26 Uhr
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