Bald ist Weihnachten


FC St. PauliEintracht Frankfurt 2:0

Montag, 19.12.2011, 20.15 Uhr, Millerntorstadion, 2. Bundesliga (Männer)

Es war kalt am Millerntor. Knapp über null Grad. Zum Glück ist jetzt erstmal Winterpause. Aber vorher wollte de FC St. Pauli noch endlich mal gegen ein Spitzenteam der Liga gewinnen. Gegen Rostock gewinnen kann ja schließlich jede_r…

Zum Aufwärmen gab es in der Südkurve eine nette Choreo zum Thema Kiffen, die sich augenscheinlich auf den letzten Besuch der Eintracht auf St. Pauli bezog. Die Frankfurter_innen hielten es diesmal eher klassisch: Vermummte Gestalten aufm Zaun und rote Bengalos in der Familienpackung dahinter. Nett anzusehen, aber irgendwie auch nicht wirklich kreativ. Vom Deutschen Randalemeister hätte ich mehr erwartet…

Das eigentlich Spiel hatte den Titel Spitzenspiel durchaus verdient. Beide Teams schenkten sich nichts, blieben jedoch weitgehend fair dabei. Chancen gab es zuhauf auf beiden Seiten. Frankfurt scheiterte jedoch ein ums andere Mal am glänzend aufgelegten Tschauner. St. Pauli scheiterte meistens eher an sich selbst und dem berühmten einen Pass zu viel. Doch dann kam die 32. Minute. Eine Ecke von rechts segelt in den Strafraum, der Ball wird hin und her geflippert und landet schließlich vor Morenas Füßen, der aus kurzer Distanz einnetzt.

In der zweiten Hälfte dreht Frankfurt dann mächtig auf und setzt sich für eine gefühlte Viertelstunde fast komplett in der gegnerischen Hälfte fest. Ein Tor will der Eintracht jedoch nicht gelingen – und das trotz des ebenso hochkarätigen wie unsympathischen Sturmduos Gekas und Idrissou. Nach einer Ecke dann ein Konter von St. Pauli. Bartels sprintet auf der rechten Außenbahn fast über das gesamte Feld. In der Mitte läuft Kruse mit, umringt von drei Frankfurtern. Bartels passt. Kruse schießt flach und direkt. 2:0 (67. Minute). In der Folge brach die Eintracht ein und St. Pauli schaukelte das Spiel nach Hause. Kurz vor Ende verletzt sich Keeper Tschauner noch an der Schulter, hält jedoch bis zum Abpfiff durch. Unter Tränen verlässt er das Stadion, begleitet von den Rufen der Fans, die immer wieder seinen Namen skandieren. Medienberichten zufolge wird er lange ausfallen. Zum Rückrundenstart wird er in keinem Fall fit sein. Ein bitterer Wermutstropfen…

Ein weiterer Wermutstropfen war die kleine Kassenrolle, die in der 48. Minute aus der Südkurve gesegelt kam und den Frankfurter Pirmin Schwegler traf, der daraufhin erschrocken zusammensackte, behandelt wurde, aber weiter spielen konnte. Auch wenn Schwegler später sagte, es sei alles nicht so schlimm gewesen (wofür ihm höchster Respekt gebührt), dürfte das Ganze ein Nachspiel haben. So wird der FC St. Pauli wahrscheinlich wieder einmal dafür bestraft werden, dass seine Fans treffsicherer sind als die anderer Vereine, denn Gegenstände werden in den meisten Stadien beinahe regelmäßig geworfen. Warum das nur dann schlimm ist, wenn jemand getroffen wird, will mir nicht in den Kopf. Dass die Kassenrolle möglicherweise nicht mit Absicht auf Schwegler geworfen wurde, sondern ihn nur zufällig traf (immerhin waren es doch etliche Meter und ein Fangnetz dazwischen), scheint den meisten egal zu sein. Ebenso, dass solche Kassenrollen regelmäßig geworfen werden, nur halt als Luftschlagen. Dass hier jemand einfach dummerweise vergessen haben könnte, den Klebestreifen zu entfernen und so das Wurfgeschoss zu einem optischen Dekoelement zu machen, kommt offenbar keiner_m in den Kopf…

Die Vereinsführung gibt sich erschüttert, Helmut Schulte meint sogar, alle die am Millerntor Gegenstände werfen, müssten „eingewiesen“ werden und alle sind ganz furchtbar schockiert. Vielleicht soll so viel zur Schau gestellte Reue ein mildes Urteil begünstigen. Vielleicht sollte sich der FC St. Pauli sich aber auch fragen, ob er auch nach der Ära Wasserwerferfahrer Littmann unbedingt der Law-and-Order-Verein Nummer 1 des deutschen Fußballs sein will. Wenn die Verantwortlichen in Rostock oder Dresden im gleichen Verhältnis auf das Verhalten in ihren Kurven reagieren würden, dürften sie nur noch in Sack und Asche herumlaufen und sich selbst kasteiend „mea culpa, mea maxima culpa“ schreien, während sie ihre Mannschaften vom Spielbetrieb abmelden, die Stadien abreißen und alle Fans ihrer Vereine vorsorglich inhaftieren lassen. Tun sie aber vernünftigerweise nicht…

Ja, das Werfen von Gegenständen ist unsportlich und muss nicht sein, aber sich darüber künstlich aufzuregen und einzelne Fans zu ausgemachten Teufeln zu stilisieren, die im Alleingang den Ruf und das Wohl des gesamten Vereins bedrohen kann auch nicht die Lösung sein. Der Verein könnte sich auch vor seine Fans stellen, sich zwar entschuldigen, aber gleichzeitig um die Wahrung der Verhältnismäßigkeit bitten, und vielleicht bitte einfach mal die Kirche im Dorf lassen…


1 Antwort auf „Bald ist Weihnachten“


  1. 1 Gegengeraden-Gerd: Jetzt rede ich! » » Gebrannte Mandeln Pingback am 21. Dezember 2011 um 18:54 Uhr
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