Archiv für Dezember 2011

Ultras aus Trier gegen RB Leipzig


Die Ultras von Eintracht Trier, die ja neulich erst durch geistigen Tiefflug aufgefallen sind, machen mal wieder von sich reden. In einem offenen Brief an den Verein fordern sie die Absage eines Teststpiels gegen RB Leipzig.

Die Gruppe Insane Ultra bezeichnet den Verein darin als „eine Vernichtungsmaschine der Traditionsvereine“, als „traditions-und seelenlos“ und als „Traditionszerstörer“. Mal ganz abgesehen von der inhaltlichen Redundanz stellt sich doch mal wieder die Frage, was denn so großartig schützenswert an „Tradition“ bzw. „Traditionsvereinen“ sei. Für gewöhnlich, so meine persönliche Erfahrung, ist das allermeiste, was in diesem Land unter Tradition fällt, egal ob Schützenfest, Tanzverbot an Karfreitag oder pogromartige Ausschreitungen, nicht mehr und nicht weniger als ein großer Haufen Scheiße.

Zwar ist es verständlich, dass die Anhänger_innen eines Vereins wie Eintracht Trier, der gegenwärtig in der vierten Liga vor sich hin dümpelt, sich gerne an bessere Zeiten erinnern, aber unter uns gesagt ist es bei einem Verein, der erst 1948 gegründet worden ist mit der Tradition auch nicht so weit her. Bayer Leverkusen und der VfL Wolfsburg sind da durchaus älter… Dass Eintracht Trier als ehemaliger Erstligist eine durchaus beachtenswerte Geschichte hat, soll dabei gar nicht unter den Teppich gekehrt werden. Die Frage ist nur, was das heißen soll. Auch der Eimsbüttler TV und Bremerhaven 93 waren mal erstklassig. Ein automatisches Anrecht auf sportliche Relevanz lässt sich daraus jedoch nicht ableiten. Es gibt in diesem Land einfach viel mehr Vereine, die irgendwann einmal eine große Zeit hatte, als es Platz in den oberen Ligen gibt. Wenn sich Insane Ultra auf die „ruhmreiche Tradition“ ihres Vereins berufen, dann ist das eher ein Zeichen dafür, dass es in der Gegenwart nichts zu holen gibt, als ein gutes gutes Argument. In einer kapitalistisch verfassten Fußballökonomie spielt Geld halt eine entscheidende Rolle und RB Leipzig spielt das Spiel halt etwas erfolgreicher als Eintracht Trier. Daran werden auch kein Boykott und kein Wutbürger_innentum was ändern. Daran etwas ändern kann und wird einzig die Überwindung des Kapitalismus. Da das aber wohl noch eine Weile dauern wird, müssen wir uns wohl oder übel vorerst damit abfinden, dass es beim Fußball auch oder sogar vor allem um wirtschaftliche Interessen geht.

Noch übler wird es in dem Schreiben jedoch, wenn die Gruppe sich ernsthaft auf „Werte wie Ehre und Tradition“ bezieht. Eigentlich fehlt da nur noch der „Ruhm“… Ein derart wertekonservatives und genuin rechtes Argumentationsmuster entlarvt Insane Ultra als das, was sie sind: Ein Haufen homophober, regressiver Volldepp_innen. Dass sie da etwas gegen einen Verein wie RB Leipzig haben, verwundert nicht. Kapitalismuskritik von rechts hat ja noch nie so richtig funktioniert und brauchte auch schon immer das personifizierte Böse, das außerhalb der eigenen Werte- und/oder Volksgemeinschaft verortet werden konnte. Früher waren es „die Juden“ und das „raffende Kapital“, heute sind es Red Bull, Hopp, die „Heuschrecken“ und die „internationalen Monopole“. Dumm bleibt halt bekanntlich dumm…

Hier passend zum Thema noch ein Video einer ultrabescheuerten Choreo beim Pokalspiel Eintracht Trier gegen TuS Koblenz:

PS: Noch ein catchy Slogan zum Mitschreiben: Ultra queer statt Ultras Trier!

Neonazis greifen TeBe-Fans in Frankfurt/Oder an

Am Dienstag, dem 27.12., kam es in Frankfurt/Oder im Rahmen eines Hallenturniers zu höchst unerfreulichen Vorfällen. Einen Text dazu aus dem Kreise aktiver Fans von Tennis Borussia Berlin, der es wert ist auch hier gepostet zu werden, gibt es auf dem Lila Kanal:

Am gestrigen Abend fand das “2. Krombacher Hallenturnier” des FC Union Frankfurt/Oder statt. Aufgrund diverser schlimmer Erfahrungen bei früheren Gastspielen von TeBe und zuletzt mehrfach Babelsberg 03 bestehende Befürchtungen hinsichtlich der Sicherheitssituation erwiesen sich leider als absolut berechtigt. Auch diesmal kam es zu massiven Angriffen durch Neonazis. Da deren Anwesenheit voraussehbar war, ist das (Nicht-)Verhalten der örtlichen Polizei der eigentliche Skandal des gestrigen Abends.

Während des gesamten Turniers, welches um 17 Uhr begonnen hatte, wurden TeBe-Fans bereits vor der Halle oder am Getränkestand bedroht, immer wieder fielen rassistische und antisemitische Parolen. Personen mit eindeutig rechtsradikaler Kleidung sowie Merchandising vom Frankfurter FC Viktoria 91 hatten sich ein Kleingruppen über die ganze Halle verteilt, interessierten sich sichtlich wenig für das Geschehen auf dem Parkett und schickten immer wieder Späher in Richtung des TeBe-Blockes. Diese provozierten dort und forderten demonstrativ via Handy weitere „Kameraden“ an, dem Gesprächspartner ankündigend, dass „es hier heute Abend noch krachen wird“. Die Provokationen wurden im Laufe der Zeit immer heftiger und als sich eine größere Anzahl Hooligans des FFC Viktoria in den TeBe-Block begab und sich gleichzeitig vor dem Hallenausgang eine größere Gruppe formierte, war die Situation so bedrohlich, dass das TeBe-Team seine Teilnahme am Turnier abbrechen musste.

Um eine Attacke am Hallenausgang zu vermeiden wurden die Fans dann gemeinsam über den Innenraum der Halle durch die Spielerkabinen in Richtung Bus geleitet. Rund um selbigen sammelten sich binnen kürzester Zeit dreißig bis vierzig Neonazis, welche die Abreise des Busses zu verhindern versuchten, indem sie das Tor des Parkplatzes schlossen und die TeBe-Fans mit Steinen und pyrotechnischen Gegenständen bewarfen. Es dauerte sehr lange, bis die nach langer Zeit endlich eingetroffene und massiv überforderte Polizei die Abfahrt gewährleisten konnte und diesen anschließend aus Frankfurt/Oder herauseskortierte.

Insgesamt sind die Sicherheitsvorkehrungen als Skandal schlechthin zu bezeichnen: Um eine Situation zu vermeiden, in der sich die TeBe-Anhänger selber verteidigen müssen, hatte man bereits im Vorfeld vehement auf das durch den Anhang des FFC Viktoria ausgehende Gefahrenpotenzial hingewiesen. Die zugesicherte Polizeipräsenz fand dann aber nicht nur nicht statt, sondern die Polizei reagierte nicht einmal auf mehrere Anrufe auf der zuständigen Wache, die von einer massiven Zuspitzung der Situation berichteten und dringlichst polizeiliche Unterstützung anforderten. Erst anderthalb Stunden später, kurz nach 21 Uhr, erschien sie dann endlich vor Ort und konnte gerade noch verhindern, dass der Bus gestürmt wurde. Letztlich ist es nur dem besonnenen Handeln der Tebe-Fans zu verdanken, dass bis zum Erscheinen der Polizei niemand zu Schaden kam.

Weshalb die Polizei es für überflüssig hielt, von Anfang an zumindest in geringer Zahl Präsenz zu zeigen, ist unbegreiflich. Fast ein Wunder, dass der Angriff letztendlich keine schwereren Verletzungen zur Folge hatte. Jeder, der das rechtsradikale und gewaltaffine Umfeld des FFC Viktoria nur ansatzweise einzuschätzen weiß, konnte sich an fünf Fingern abzählen, dass dieses das Turnier natürlich dazu nutzen würde, TeBe-Anhänger anzugreifen. Lediglich die Polizei war zu dieser Lageeinschätzung entweder nicht fähig oder willens – und macht Frankfurt/Oder mit ihrer Kopf-in-den-Sand-Strategie zu einem verdammt gefährlichen Pflaster für jeden, der den ortsansässigen Nazis und Hooligans nicht in den Kram passt.

Aachen Triangles

Ich bin gerade hin und weg vom Blog der Aachen Triangles Ultras. Viel wunderbare Sreet Art mit derbe viel Style. Mein absoluter Fave ist dieser hier. In seiner Schlichtheit vielleicht mit das Schönste, was ich überhaupt je an Ultra Street Art gesehen habe. Unbedingt auschecken!

Werfer hat sich gemeldet

Die Gemüter beim FC St. Pauli kochen hoch derzeit. Da hilft auch der Heimsieg gegen Eintracht Frankfurt nichts. Der Wurf einer Kassenrolle, die den Frankfurter Pirmin Schwegler getroffen hat, spaltet die Fanszene. Das Niveau dabei ist so tief gesunken, dass das viel frequentierte St. Pauli-Forum von den Moderator_innen geschlossen wurde. Grob gesagt verläuft die Frontlinie zwischen jenen, die das Ganze für unheimlich schlimm, vereinsschädigend und den Sport kaputt machend halten, und denen, die auf Verhältnismäßigkeit pochen und die Kirche im Dorf lassen wollen. FVL verortet sich hierbei klar bei letzteren, weil law and order einfach Moppelkotze ist. Die von der Pro-Verhältnismäßigkeit-Fraktion gestützte These, es könne sich ja auch um ein Versehen gehandelt haben, wurde nun vom Werfer der Kassenrolle selbst bestätigt, der sich gestern an Verein und Fanladen wandte. Hier die offizielle Mitteilung dazu von Seiten des Vereins:

Am gestrigen Mittwoch kam er in die Geschäftsstelle. Dort konnte er im Gespräch mit den Verantwortlichen glaubhaft versichern, dass es sich bei dem Wurf um ein Versehen handelte, da sich die Kassenrolle durch eine Verkettung unglücklicher Umstände nicht in der Luft abgerollt hatte, sondern als Wurfgeschoss in den Innenraum geflogen ist. Der 20-jährige Abiturient, der mit seinem Vater zu dem Gespräch erschienen war, entschuldigte sich in aller Form: „Mir tut es unfassbar leid. Ich hatte nie die Absicht, jemanden zu treffen oder zu verletzen. Die Aktion im Anschluss mit dem Wechseln der Kleidung war eine reine Panikreaktion von mir.“ Durch die Vermittlung des Fanladens hat sich der Werfer auch bereits persönlich bei Pirmin Schwegler entschuldigt.

In der Stellungnahme, die der Verein am heutigen Donnerstag beim DFB abgegeben hat, wurden die Aussagen aus dem Gespräch mit aufgenommen.

„Wir werden nach Erhalt des Urteils durch den DFB unter Berücksichtigung der Umstände des Geschehens ein vernünftiges Gleichgewicht zwischen notwendiger Sanktionierung und unserer sozialen Verantwortung finden. Allerdings muss nun auch dem Letzten klar sein, dass zu keiner Zeit während eines Spiels Gegenstände in Richtung des Innenraums geworfen werden dürfen“, erklärte Stefan Orth, Präsident des FC St. Pauli.

Das Urteil des DFB wird im neuen Jahr erwartet.

Das wird sicher nicht das letzte sein, was wir zu diesem Thema zu hören bekommen. Stay tuned!

Bald ist Weihnachten


FC St. PauliEintracht Frankfurt 2:0

Montag, 19.12.2011, 20.15 Uhr, Millerntorstadion, 2. Bundesliga (Männer)

Es war kalt am Millerntor. Knapp über null Grad. Zum Glück ist jetzt erstmal Winterpause. Aber vorher wollte de FC St. Pauli noch endlich mal gegen ein Spitzenteam der Liga gewinnen. Gegen Rostock gewinnen kann ja schließlich jede_r…

Zum Aufwärmen gab es in der Südkurve eine nette Choreo zum Thema Kiffen, die sich augenscheinlich auf den letzten Besuch der Eintracht auf St. Pauli bezog. Die Frankfurter_innen hielten es diesmal eher klassisch: Vermummte Gestalten aufm Zaun und rote Bengalos in der Familienpackung dahinter. Nett anzusehen, aber irgendwie auch nicht wirklich kreativ. Vom Deutschen Randalemeister hätte ich mehr erwartet…

Das eigentlich Spiel hatte den Titel Spitzenspiel durchaus verdient. Beide Teams schenkten sich nichts, blieben jedoch weitgehend fair dabei. Chancen gab es zuhauf auf beiden Seiten. Frankfurt scheiterte jedoch ein ums andere Mal am glänzend aufgelegten Tschauner. St. Pauli scheiterte meistens eher an sich selbst und dem berühmten einen Pass zu viel. Doch dann kam die 32. Minute. Eine Ecke von rechts segelt in den Strafraum, der Ball wird hin und her geflippert und landet schließlich vor Morenas Füßen, der aus kurzer Distanz einnetzt.

In der zweiten Hälfte dreht Frankfurt dann mächtig auf und setzt sich für eine gefühlte Viertelstunde fast komplett in der gegnerischen Hälfte fest. Ein Tor will der Eintracht jedoch nicht gelingen – und das trotz des ebenso hochkarätigen wie unsympathischen Sturmduos Gekas und Idrissou. Nach einer Ecke dann ein Konter von St. Pauli. Bartels sprintet auf der rechten Außenbahn fast über das gesamte Feld. In der Mitte läuft Kruse mit, umringt von drei Frankfurtern. Bartels passt. Kruse schießt flach und direkt. 2:0 (67. Minute). In der Folge brach die Eintracht ein und St. Pauli schaukelte das Spiel nach Hause. Kurz vor Ende verletzt sich Keeper Tschauner noch an der Schulter, hält jedoch bis zum Abpfiff durch. Unter Tränen verlässt er das Stadion, begleitet von den Rufen der Fans, die immer wieder seinen Namen skandieren. Medienberichten zufolge wird er lange ausfallen. Zum Rückrundenstart wird er in keinem Fall fit sein. Ein bitterer Wermutstropfen…

Ein weiterer Wermutstropfen war die kleine Kassenrolle, die in der 48. Minute aus der Südkurve gesegelt kam und den Frankfurter Pirmin Schwegler traf, der daraufhin erschrocken zusammensackte, behandelt wurde, aber weiter spielen konnte. Auch wenn Schwegler später sagte, es sei alles nicht so schlimm gewesen (wofür ihm höchster Respekt gebührt), dürfte das Ganze ein Nachspiel haben. So wird der FC St. Pauli wahrscheinlich wieder einmal dafür bestraft werden, dass seine Fans treffsicherer sind als die anderer Vereine, denn Gegenstände werden in den meisten Stadien beinahe regelmäßig geworfen. Warum das nur dann schlimm ist, wenn jemand getroffen wird, will mir nicht in den Kopf. Dass die Kassenrolle möglicherweise nicht mit Absicht auf Schwegler geworfen wurde, sondern ihn nur zufällig traf (immerhin waren es doch etliche Meter und ein Fangnetz dazwischen), scheint den meisten egal zu sein. Ebenso, dass solche Kassenrollen regelmäßig geworfen werden, nur halt als Luftschlagen. Dass hier jemand einfach dummerweise vergessen haben könnte, den Klebestreifen zu entfernen und so das Wurfgeschoss zu einem optischen Dekoelement zu machen, kommt offenbar keiner_m in den Kopf…

Die Vereinsführung gibt sich erschüttert, Helmut Schulte meint sogar, alle die am Millerntor Gegenstände werfen, müssten „eingewiesen“ werden und alle sind ganz furchtbar schockiert. Vielleicht soll so viel zur Schau gestellte Reue ein mildes Urteil begünstigen. Vielleicht sollte sich der FC St. Pauli sich aber auch fragen, ob er auch nach der Ära Wasserwerferfahrer Littmann unbedingt der Law-and-Order-Verein Nummer 1 des deutschen Fußballs sein will. Wenn die Verantwortlichen in Rostock oder Dresden im gleichen Verhältnis auf das Verhalten in ihren Kurven reagieren würden, dürften sie nur noch in Sack und Asche herumlaufen und sich selbst kasteiend „mea culpa, mea maxima culpa“ schreien, während sie ihre Mannschaften vom Spielbetrieb abmelden, die Stadien abreißen und alle Fans ihrer Vereine vorsorglich inhaftieren lassen. Tun sie aber vernünftigerweise nicht…

Ja, das Werfen von Gegenständen ist unsportlich und muss nicht sein, aber sich darüber künstlich aufzuregen und einzelne Fans zu ausgemachten Teufeln zu stilisieren, die im Alleingang den Ruf und das Wohl des gesamten Vereins bedrohen kann auch nicht die Lösung sein. Der Verein könnte sich auch vor seine Fans stellen, sich zwar entschuldigen, aber gleichzeitig um die Wahrung der Verhältnismäßigkeit bitten, und vielleicht bitte einfach mal die Kirche im Dorf lassen…

FVL unterstützt „Aktion Libero“

Der Blog fussballvonlinks.tk unterstützt die „Aktion Libero – Sportblogs gegen Homophobie im Fußball“. Jeder Form von gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit muss entschieden entgegen getreten werden. Im Stadion, in der Blogosphäre und anderswo. Keine Homophobie im Fußball sollte eigentlich eine Minimalforderung sein, oder besser noch ein selbstverständlicher Konsens. Ist es aber nicht…

PS: [hier] nachgereicht ein Artikel zum Coming Out des US-amerikanischen Fußballprofis David Testo (zuletzt Montreal Impact).

Solidarität mit den Aachen Ultras!

Beim Spiel gegen Aue ist es zu einem Übergriff rechter Alemannia Aachen-Fans auf Mitglieder der progressiv eingestellten Aachen Ultras gekommen. Und was macht der Verein? Er gibt den Täter_innen die Möglichkeit dazu unkommentiert Stellung zu beziehen (siehe [hier]). Da es kaum besser ausgedrückt werden kann als in einem offenem Brief von Racaille Verte, sie dieser hiermit auch auf diesem Blog veröffentlicht:

Sehr geehrte Verantwortliche bei Alemannia Aachen sowie im Aachener Fanprojekt,

wahrscheinlich kommt dieser Brief etwas unerwartet für Sie. Wir, die Mitglieder der Ultragruppierung „Racaille Verte“, schreiben Ihnen bezüglich des Angriffs von „Alemannia Supporters“ und „Karlsbande“ auf die „Aachen Ultras“, weil wir glauben, dass unsere Bremer Erfahrungen im Umgang mit rechtsgerichteten Fans Ihnen durchaus eine Hilfe sein können.

Wir haben keinen Grund anzunehmen, dass die Schilderungen der „Aachen Ultras“ in irgendeiner Weise falsch oder übertrieben sind. Es ist innerhalb der Ultraszene seit längerem bekannt, dass die „Karlsbande“ nicht nur rechts unterwandert ist, sondern ausdrücklich unter antiprogressivem Vorzeichen gegründet wurde. Die ebenfalls beteiligten „Alemannia Supporters“ können als Tarngruppe für die Aachener Hooligans gesehen werden. Auch diese sind politisch eindeutig rechts einzuordnen.

Es ist uns schleierhaft, wieso Sie den Angreifern auf der offiziellen Vereinsseite eine Plattform gegeben haben, auf der sie ihre Sicht der Dinge quasi unkommentiert darstellen dürfen. Noch viel mehr schockiert uns allerdings Ihre Aufforderung an die „Alemannia Supporters“ und die „Aachen Ultras“, „an der Lösung ihrer Konflikte aktiv zu arbeiten und zur Überwindung des tiefen Risses beizutragen, der die Aachener Fanszene durchzieht“. Wir wollen Ihnen im Detail darlegen, warum wir Ihre Wortwahl und die dahinter stehenden Vorstellungen für völlig abwegig und gefährlich halten.

Dadurch wird eine völlig unangebrachte Äquidistanz zu Opfern und Tätern geschaffen. Es hat hier einen Angriff gegeben, der ganz klar von einem rechtsgerichteten Haufen ausging. Als Verein sind Sie in der Verantwortung, sich hinter diejenigen zu stellen, die sich gegen Diskriminierung und für eine bunte Fankurve einsetzen, und diejenigen zu verurteilen und auszuschließen (nicht nur aus dem Stadion, sondern aus dem gesamten Diskurs), die sich Hass und die gewaltsame Verdrängung andersdenkender Menschen auf die Fahnen geschrieben haben.

Die „Aachen Ultras“ leisten seit einigen Jahren gute Arbeit gegen Diskriminierung. Es ist ein Hohn, nun von dieser Gruppe zu fordern, mit rassistisch, homophob, sexistisch und antisemitisch motivierten Rechtsradikalen zusammenzuarbeiten, um einen Riss in der Fanszene zu kitten. Wenn es zu einem solchen Riss in einer Fanszene kommt, ist die Zeit gekommen, klar Stellung zu beziehen und nicht die Illusion einer Einheit zu wahren.

Eine solche notwendig klare Positionierung mag gerade einem kleineren Verein schwer fallen, doch es lohnt sich. Nachdem unsere Gruppierung vor nunmehr fast fünf Jahren von Neonazis aus der Bremer Hooliganszene angegriffen wurde, erhielten auch wir über die Presse das Angebot des Vereins, sich an einen runden Tisch zu setzen. Wir waren entrüstet ob der Vorstellung, uns mit Nazi-Schlägern zu treffen, die uns erklärtermaßen mit Gewalt loswerden wollten (und bis heute wollen). Nach einiger Zeit sah der Verein seinen verfehlten Ansatz ein und unterstützte unseren Kampf gegen Diskriminierung, den wir trotz aller Drohungen immer weiter intensivierten. Heute kann sich der SV Werder damit rühmen, eine vorbildliche Arbeit gegen Diskriminierung innerhalb und außerhalb des Stadions zu leisten. Durch die kontinuierliche Arbeit der Fans und mit Hilfe der Rückendeckung des Vereins und Fanprojekts hat die Bremer Ostkurve mittlerweile den Ruf, ein offener Ort für alle Menschen zu sein. Das hat nicht nur zur Folge, dass die aktive Fanszene heute größer ist als je zuvor, es sind auch sichtbar mehr Frauen und Menschen mit Migrationshintergrund anzutreffen. Der Kampf gegen Diskriminierung ist weitgehend Konsens, rechte Schläger sind ein Randphänomen.

Aber nicht nur der Verein, sondern auch das Fanprojekt ist hier in der Pflicht. Eine deutliche, öffentliche und schnelle Positionierung zur Solidarität und Unterstützung der „Aachen Ultras“ wäre das Mindeste. Des Weiteren sollte diese heikle Situation durch ausgebildete Fachkräfte begleitet werden. Die Opfer jetzt alleine zu lassen, würde einer Akzeptanz für den politisch motivierten Angriff gleichkommen. Das Fanprojekt Bremen hat gezeigt, wie eine solche Unterstützung aussehen kann.

Wir wünschen Ihnen in Aachen eine ähnlich erfreuliche Entwicklung. Die „Aachen Ultras“ haben dafür den richtigen Weg eingeschlagen. Unterstützen Sie Ihre Fans auf diesem Weg und verabschieden Sie sich von rechten und rechtsoffenen Ewiggestrigen, denn sie werden Ihnen nicht fehlen!

Herzliche Grüße aus Bremen, Racaille Verte

Nazis raus aus den Kurven!

Gelungener Ausflug nach Steglitz


SFC Stern 1900Tennis Borussia Berlin 1:3

Samstag, 10.12.2011, 16.30 Uhr, Sportplatz Schildhornstraße, Berlinliga (Männer)

Trotz Heißgetränke war an diesem Samstagspätnachmittag in Steglitz erspürbar, warum so eine Winterpause eine gute Sache ist. Andererseits kommt für TeBe die Winterpause nicht unbedingt zum günstigsten Moment, denn das Team hat momentan einen regelrechten Lauf. Drei Siege in Folge und fünf Siege aus den letzten sechs Spielen sind durchaus beachtenswert. Der SFC Stern, der in der Tabelle deutlich weiter oben rangiert, konnte hingegen zwei Spiele in Folge keinen Dreier einfahren. Für eine mehr als berlinligareife Kulisse sorgten die fast 400 Zuschauer_innen, von denen sicher zwei Drittel den Gästen zugeneigt gewesen sein dürften. Der SFC hatte zuvor angekündigt 2,- Euro pro zahlendem Gast an Tennis Borussia zu geben, da der Verein nach wie vor in einer schwierigen finanziellen Situation steckt. Sehr nette Geste! Mindestens ebenso sehr dürfte es den Anhang des Clubs vom Eichkamp jedoch freuen, dass die Gläubigerversammlung dem Insolvenzplan zugestimmt hat.

Entsprechend gut und gelöst war die Stimmung auf den Rängen, wo sich wie so oft in letzter Zeit bei TeBe auch etliche Gäste von anderen Vereinen wie Optik Rathenow, dem FC St. Pauli oder dem FSV Frankfurt eingefunden hatten. Zum Einlauf gab es nicht nur Nebel aus der Nebelmaschine, sondern auch Wunderkerzen und Konfetti und die Stimmen schienen vom Glühwein gut geölt zu sein. Anders als branchenüblich verschwendeten beide Teams keinerlei Zeit mit Abtasten oder taktischen Sperenzien. Das Spiel ging flott los und beide Teams machten ordentlich Druck. Das 1:0 für den SFC Stern durch Dennis Dort in der 6. Minute kam dennoch etwas überraschend, nicht weil das Team bis dahin schlecht gespielt hätte, sondern weil es nach einem eigentlich harmlosen Einwurf fiel, der dann irgendwie per Kopfballgewusel ins Tor verlängert wurde. Die Gäste zeigten sich von dem Rückstand jedoch keineswegs geschockt und erhöhten die Schlagzahl. Den verdienten Lohn für ihre Mühen gab es in der 17. Minute, als Benny Hendschke nach einer Ecke von links mit einem eher holperigen Distanzschuss den Ausgleich und damit gleichzeitig auch den Pausenstand erziehlte.

Die zweite Hälfte hatte kaum begonnen, da ging TeBe plötzlich in Führung. Abermals war die Entstehung des Treffers eher kurios. Von einem Steglitzer Spieler abgefälscht landete eine Ecke von Okan Isik mehr oder weniger direkt im Tor (47. Minute). Der Rückstand schien die Gastgeber doch erst richtig zu motivieren, die Mitte der zweiten Hälfte Chance um Chance hatten. Die beste vergab Riewe in der 73. Minute, als er nur den linken Pfosten trafen. Wenige Minuten später hatte der SFC erneut eine gute Möglichkeit, scheiterte jedoch zunächst an der Reaktion des Torwarts und dann am mangelnden Zielwasser. Die Strafe folgte, wie so oft, auf dem Fuße. In der 84. Minute erzielte Fatih Dilber nach einem Freistoß per Kopf das 3:1 für TeBe.

Ein eher glücklicher, aber auch nicht wirklich unverdienter Sieg. Tennis Borussia klettert damit auf Platz 11 in der Tabelle und hat mittlerweile stolze acht Punkte Vorsprung auf einen Abstiegsplatz – nicht schlecht für ein Team, das vor sieben Spieltagen noch Tabellenletzter war. Der SFC Stern verliert mit der Niederlage ein wenig den Kontakt zur Spitzengruppe, darf sich aber immerhin damit trösten ein wirklich hervorragender Gastgeber gewesen zu sein.

Vor lauter sehenswertem Fußball verpassten die meisten Zuschauer_innen dabei die totale Mondfinsternis, die sich gut zu sehen am Himmel über dem Stadion abspielte. Aber was zählt das schon, wenn das „eigene“ Team gewinnt…

Sterne für TeBe

Beim heutigen Spiel von Tennis Borussia Berlin beim SFC Stern gehen 2,- pro zahlender Gast an die Gäste vom Eichkamp. Nette Geste das!

Tradition gegen Homophobie


Das Transpi der Kampagne „Fußballfans gegen Homophobie“ ist auf dem Weg zu RB Leipzig und die Fußballwelt steht Kopf. Auf die Ankündigung auf Facebook hin begann postwendend das Gepöbel. Wie könne das denn überhaupt angehen? Immerhin sein RB Leipzig ja bloß ein Marketinginstrument des Red Bull-Konzerns und sogar noch schlimmer als die TSG Hoffenheim. Ein Verein ganz ohne Tradition, ein Verein der „keine fans sondern kunden“ hat, kurz: Ein exponierter Vertreter des „modernen Fußballs“, gegen den momentan so viele sind. Besonders weit trieb es der Blog Mange Frei:

…Ich könnte viele Personen verstehen, die nun mit dieser Initiative brechen. Klar gilt auf das Problem „Homophobie im Fußball“ aufmerksam zu machen, aber nach einem bisher so erfolgreichen Verlauf gibt es sicher andere Mittel und Wege, sie auch weiter fortzuführen, ohne seine Ideale aufzugeben. Irgendwo kommt mir hier der Vergleich mit den „Nationalen Sozialisten für Israel“ in den Sinn,d er sicher etwas weit gegriffen ist, aber wo sich auch völlig kontroverse Aussagen ineinander vermischten.

RedBull hat in Leipzig nichts verloren, sondern RedBull geht gilt es zu boykottieren – auch von der Fußballfans gegen Homophobie – Initiative.

Offenbar gibt es viele Menschen, denen die Verteidigung des traditionellen Fußballs wichtiger ist als Engagement gegen Homophobie. Dass ihre Argumentation dabei kompletter Humbug ist, fällt ihnen wahrscheinlich nicht auf. Der Unterschied zwischen RB Leipzig, Bayer Leverkusen, Arminia Bielefeld oder dem FC St. Pauli ist allenfalls graduell. Jeder Verein ab einem gewissen Niveau aufwärts muss sich vermarkten und verkaufen, um in der Konkurrenz mithalten zu können. Es geht hier schließlich nicht nur um Sport, es geht um Unterhaltungsindustrie. Profifußball gibt es seit mittlerweile weit über hundert Jahren, auch wenn es in Deutschland sehr viel länger gedauert hat, bis diese Errungenschaft sich durchsetzen konnte. Fußall ist ein Markt und natürlich geht es da um Geld. Was sollten wir in einer kapitalistisch verfassten Gesellschaft auch anderes erwarten?

Der Rückgriff auf den ideologisch aufgeladenen Begriff der Tradition erinnert ein wenig an den Nationalismus sozial abgehängter Milieus, die da sie weder Reichtum, noch Bildung, noch irgendetwas anderes vorzuweisen haben, was ihnen Anerkennung bringt, sich zurückziehen auf das eine, was ihnen niemand nehmen kann: Ihre Nationalität respektive ihre ethnische Zugehörigkeit oder Hautfarbe. Dabei ist der Begriff der Tradition nicht nur höchst problematisch, da viele Dinge die vollkommen beschissen sind eine ziemlich lange Tradition haben, sondern auch stetiger Veränderung unterworfen. Vor einigen Jahren galten die Werksclubs aus Leverkusen und Wolfsburg (und Krefeld, aber das ist eine andere Geschichte…) als das ultimative Böse. Heute sind sie fester Bestandteil der Bundesliga, sportlich mehr oder minder erfolgreich und haben sehr aktive Fanszenen, von denen manch „Traditionsverein“ nur träumen kann. So wird es bald vielleicht auch mit Hoffenheim und, sofern das Projekt erfolgreich sein wird, auch mit RB Leipzig sein. Vielleicht verschwinden die Vereine auch bald wieder in untere Ligen und bleiben nur eine Fußnote der Fußballgeschichte wie Borussia Neunkirchen oder Tasmania Berlin. Fakt ist: Auch sie werden bald Tradition haben! Wahrscheinlich wird, falls nicht alle zu Vernunft gekommen sind, der Volkszorn dann bereits weitergezogen sein zu irgendeinem neuen Grundübel, das sich vor allem durch eines auszeichnet: Es hat viel Geld, das ihm aus irgendwelchen Befindlichkeiten heraus nicht gegönnt wird.

Dabei ist es doch zehnmal besser, wenn Red Bull einen unbedeutenden Dorfklub in Sachsen übernimmt, als wie in Salzburg einen Verein mit lange bestehender Kultur und großer Anhängerschaft und dort dann alles, aber auch alles umkrempelt bis hin zu den Vereinsfarben. Dass sich darüber Unmut äußert, kann ich sehr gut nachvollziehen. Ich möchte auch nicht, dass TeBe plötzlich in Rot-Weiß spielt oder St. Pauli in Schwarz-Blau. Ich möchte auch nicht, dass sie bald Tennis-Sterni Berlin und Ad Astra Hamburg heißen. Aber ich will das nicht, weil es Vereine sind, an denen ICH hänge. Was andere Vereine machen, kann mir doch schnurzpiepegal sein. Wenn der HSV bald in Grau-Beige aufläuft und nach seinem neuen Sponsor Ikea SV heißt, dann stört mich das höchstens in dem Maße, wie es auch die Fans des Vereins stört. Sind diese dagegen, bin ich solidarisch. Finden sie es okay, lache ich sie aus. So einfach ist das. Mir wäre nicht bekannt, dass es in Hoffenheim oder in Markranstädt großen Widerstand gegen das neue Geld und die Eingriffe ins Vereinsleben gegeben hätte. Warum soll es mich also stören? Es sind doch nicht meine Vereine…

Vor allem aber verstehe ich nicht, warum es mich mehr stören sollte als Homophobie im Stadion und anderswo. Wenn ich Kajal und Glitzer im Gesicht von der Party direkt ins Stadion gehe und dem falschen Haufen Jungmänner über den Weg laufe, dann kann ich sehr leicht auf die Fresse kriegen. DAS stört mich weit mehr als die Tatsache, dass irgendwelche Fußballvereine sich – Schockschwerenot – von Geschäftsleuten Geld geben lassen. Homophobie bedroht Leib und Leben, körperliche und psychische Unversehrtheit von Millionen von Menschen alleine hierzulande. RB Leipzig bedroht nur das Trugbild einer schönen heilen Fußballwelt, dem einige Leute anhängen…