Archiv für November 2011

„Spiel“ ohne Grenzen?

Auf dem Blog Hanseator ist ein interessanter Eintrag zu den aktuellen Problemen in der Fanszene des FC Hansa Rostock erschienen, auf den ich hier gerne verweisen möchte. Ich teile sicher nicht alle Ansichten des Autoren, aber als Diskussionsbeitrag ist der Text allemal gut und wichtig:

…Inzwischen wird deutlich: Die Kontrolle innerhalb der „aktiven Fanszene“ scheint nicht zu entgleiten, sie ist, wenn es sie überhaupt je gegeben hat, entglitten oder aber liegt in den Händen von Geistesgestörten. Das Kind liegt im Brunnen. Die Entwicklung ist über die Jahre völlig aus dem Ruder gelaufen und gipfelt mittlerweile regelmäßig in Vorfällen wie zuletzt wieder rund um das Spiel gegen den FC St. Pauli.

Was haben sich alle auf die Zweitligasaison gefreut, mit packenden, emotionalen Spielen gegen alte sportliche Rivalen, mit Traditionsvereinen und starken Fanszenen wie Eintracht Frankfurt, Dynamo Dresden, Union Berlin und – ja, auch die – St. Pauli. Natürlich war kaum jemand so blauäugig zu glauben, dass all diese Spiele völlig ohne unerwünschte Begleiterscheinungen über die Bühne gehen könnten, aber ein kleines bisschen Hoffnung auf menschliche Vernunft und ein Minimum sozialer Verhaltensweisen musste doch erlaubt sein. Aber schon Goethe wusste: „Es irrt der Mensch, solang er strebt.“…

Den ganzen Text gibt es [hier].

Mainz bleibt Mainz…

Am Rande des Neonaziaufmarsches in Remagen am vergangenen Samstag kam es zu einem Zwischenfall, von dem die Rhein-Zeitung, die nebenbei erwähnt in letzter Zeit einige gute Artikel zur regionalen Naziszene am Start hatte, berichtet:

…Die Polizei hatte sich schon im Vorfeld vor einer großen Herausforderung gesehen wegen der Neonazi-Kundgebung in Remagen am Samstag. Dann kam es noch zu einem Zwischenfall am Bahnhof: Ein aus Richtung Köln kommender Zug mit Rechtsxtremisten traf zur gleichen Zeit im Bahnhof ein wie ein Zug mit Fans von Mainz 05-Fans auf dem Weg zum Auswärtsspiel in Köln. Sofort stürzten Mainz-Fans aus dem Zug – unter lauten „Nazischweine“-Rufen. Die Polizei hatte Mühe, ein Zusammentreffen beider Lager zu verhindern.

Matthias Schöffel, Mitarbeiter beim Fanprojekt Mainz und an Bord des Zuges, sah in dem Verhalten der Mainzer Anhänger „ein deutliches Zeichen unserer Fans, wie man zu so einer Gesinnung steht“. Im Nachgang zur gerade laufenden Ausstellung „Tatort Stadion“ zeige das Verhalten, dass in Mainz das Einstehen gegen Dinge wie Rassismus, Homophobie und Antisemitismus nicht nur ein Lippenbekenntnis ist…

Den kompletten Artikel gibt es [hier].

Keinen Fußbreit/Fußball den Faschist_innen!

Neonaziauflauf bei Viktoria Frankfurt/Oder gegen Babelsberg

Wie auf Indymedia berichtet wird kam es beim Pokalspiel zwischen dem FFC Viktoria Frankfurt/Oder und dem SV Babelsberg 03 am vergangenen Wochenende wie erwartet zu einem wahren Naziauflauf samt entsprechenden Sprechchören:

…Beim Eintreffen der ersten der über 200 angereisten Babelsberger Fans wurden diese mit antisemitischen Sprechchor begrüßt („Jude, Jude, Jude“). Im folgenden versuchten die Neonazis zudem den Babelsberger Block anzugreifen. Es flogen Leuchtmunition und Böller in Richtung der Gästefans. Nachdem die Polizei die Lage wieder unter Kontrolle gebracht hatte begann das Spiel und weitere Provokationen seitens der selbsternannten FCV-Fans. Die zu hörenden Sprechchöre hatten wenig mit Fussball zu tun. Neben dem besagten „Ruhm & Ehre des FCV“, wurde weitere deutlich rassistische und antisemitische Sprechchöre gerufen, so u.a. „Babelsberg 03 – Arbeit macht frei!“, „Babelsberg 03 – Zecken, Zigeuner, Juden“ sowie Affen-Laute gegenüber einem Spieler des SVB. Später stimmten die „Heim-Fans“ auch noch ein Lied der Lunikoff-Verschwörung des verurteilten Landser-Sängers Michael „Lunikoff“ Regner an. Sanktionen seitens der Polizei oder gar anderer Fans des FFC blieben aus…

Den ganzen Artikel gibt es [hier] und hier noch ein kleiner videographischer Eindruck der Geschehnisse, bei dem die Rufe der Nazis ganz gut zu hören sind:

Und noch ein Video von 2008 als Bonus:


Fußballkaoten aus Cottbus in Frankfurt gegen Babel… – MyVideo

9. November


Die diesjährige Broschüre der Antifaschistischen Initiative Moabit zum 9. November enthält neben anderen interessanten Texten auch einen zu dem legendären Boxkampf Max Baer gegen Max Schmeling, dem „Battle of the Maxes“, im Juni 1933, der zum Politikum wurde. Schmeling trat als mehr oder minder offizieller Vertreter des nationalsozialistischen Deutschlands an, Baer als Sohn eines jüdischen Vaters. Während Schmeling alles dafür tat der amerikanischen Presse gegenüber die Verfolgung jüdischer Menschen in Deutschland zu leugnen, nähte Baer sich einen Davidstern auf die Boxhose in Solidarität mit den jüdischen Sportler_innen, die kurz zuvor in Deutschland aus den Vereinen geworfen wurden. Baer gewann den Kampf durch technischen KO. Baer war sich der Bedeutung des Kampfes dabei sehr bewusst: „Mein Vater ist jüdisch, und meine Mutter ist schottisch-irisch. Ich habe den Davidstern getragen, weil ich dachte, es ist das Richtige, und ich werde ihn in jedem weiteren Kampf tragen.“ Die Deutsche Presse spielte die Bedeutung von Baers Herkunft nach dem Kampf jedoch herunter. Für sie war er plötzlich ein Deutsch-Amerikaner…

Was das Ganze mit Tennis Borussia Berlin zu tun hat, kann [hier] online auf der Geschichtsseite des Vereins nachgelesen werden, von der der Text in der Broschüre entliehen wurde. Die ganze Broschüre gibt es als pdf [hier].

Demonstrationen und Kundgebungen anlässlich des 73. Jahrestages der Reichspogromnacht gibt es unter anderem hier:

Berlin: 17 Uhr, Mahnmal Levetzowstrasse (U-Bhf Hansaplatz, S-Bhf Tiergarten)

Dresden: 15.30 Uhr, Brühlscher Garten

Göttingen: 18 Uhr, Mahnmal am Platz der Synagoge

Hamburg: 15.30 Uhr, Joseph Carlebach Platz (Nähe Universität)

Leipzig: 17 Uhr, Denkmal der alten Synagoge

Mainz: 17.30 Uhr, Römerpassage

Kein Vergessen! Kein Vergeben!

Startschuss Masters in Hamburg

Im Rahmen der Startschuss Masters in Hamburg haben Bastian Reinhard vom HSV und Dr. Bernd-Georg Spies öffentlich Stellung gegen Homophobie im Fußball bezogen. Gute Sache das, auch wenn Spies‘ Kokettieren damit, der FC St. Pauli sei so furchtbar mehr tolerant als alle anderen echt nervt und er sich zudem auf falsche Tatsachen stützt. Das Banner von dem er spricht war keinen Monat später auch beim HSV und das ist auch gut so…

Auch wenn mein Herz für den FCSP schlägt, Reinhard kommt hier tausendmal symapthischer rüber und ich schäme mich fast für diese anbiedernde Art von Spies. Engagement gegen Diskriminierung und Scheiße sollte kein Alleinstellungsmerkmal und keine Marketingstratgie, sondern eine verdammte Selbstverständlichkeit sein!

Aber sehen sie selbst:


Hans-Frankenthal-Preis für USP

Es ist zwar nicht unbedingt die aktuellste Meldung, aber sie soll hier dennoch nicht unter den Tisch fallen:

Entsprechend der Stiftungssatzung vergibt die Stiftung Auschwitz-Komitee einmal im Jahr einen Förderpreis – den Hans-Frankenthal-Preis.

Vorgeschlagen werden oder sich bewerben können Gruppen, Initiativen und Institutionen, die im Sinne des Auschwitz-Komitees Aufklärungs- und Bildungsarbeit gegen das Vergessen und gegen nationalsozialistische und neofaschistische Bestrebungen leisten.

Durch den Preis soll entweder ein bereits durchgeführtes Projekt gewürdigt werden und den InitiatorInnen die Möglichkeit gegeben werden, weitere Projekte dieser Art durchzuführen bzw. das gewürdigte Projekt zu wiederholen, oder es soll ein geplantes Projekt durch die Vergabe des Förderpreises ermöglicht werden.
Die Preisträger_innen für den Hans-Frankenthal-Preis 2011:

Heideruh e.V., Wolfram P. Kastner und Ultrà St. Pauli erhalten zu gleichen Teilen den Preis.

[…]

Der Gruppe Ultrà Sankt Pauli (USP) für das Projekt „Alerta-Netzwerk“

Aus der Fanorganisation Ultrà Sankt Pauli heraus entstand 2007 das Alerta-Netzwerk als ein internationaler antifaschistischer Zusammenschluss von jetzt 15 Fangruppen aus Europa und Israel. Der Hans-Frankenthal-Preis wird zur Unterstützung der Netzwerkarbeit verliehen. Im Gutachten heißt es: „Die direkte, Aufsehen erregende und vielfältige Art der Aktionen des Alerta-Netzwerks in einem selten von antifaschistischer Öffentlichkeitsarbeit erreichtem Feld sowie die Themenwahl haben uns imponiert. Die Möglichkeiten, die die Schaffung einer Internetpräsenz mit sich bringt, halten wir für Zukunft weisend und notwendig, insbesondere im Hinblick auf die Unterstützung von Gruppen und Einzelpersonen die dem neofaschistischem, rassistischem und sexistischem Mainstream in ihrer Umgebung etwas entgegensetzen wollen und bisher nicht im Alerta-Netzwerk beteiligt sein konnten.“

Der Gruppe wird ein Drittel des Preisgeldes 2011 zuerkannt.

Auch von hier: Herzlichen Glückwunsch!