It’s all just history repeating…


TSV RudowTennis Borussia Berlin 0:2

Sonntag, 30.10.2012, 14.30h, Sportplatz Stubenrauchstraße, Berlinliga (Männer)

Manchmal wiederholt sich Geschichte offenbar wirklich. Jedenfalls im Fußball. Denn das Spiel zwischen Rudow und TeBe am Sonntag war fast eine perfekte Kopie des Spiels zwischen Union Berlin und dem FC St. Pauli am Freitag.

Wie zwei Tage zuvor in Köpenick war das Gästeteam in der ersten Hälfte klar feldüberlegen, kam jedoch kaum zu brauchbaren Chancen, während die Gastgeber gleich mehrere Hochkaräter vergaben. In der zweiten Hälfte eines überaus fairen Spiels konnte TeBe dann wie St. Pauli doch noch zwei Tore erzielen, wobei jeweils das zweite nach einer Ecke fiel. Das Schiedsrichtergespann war bei einigen Entscheidungen eher so auf Sechstliganiveau…

Es war ja viel gemutmaßt worden, dass bei dem Spiel einige organisierte Autonome Nationalist_innen auftauchen könnten, da Rudow immerhin eine ihrer relativen Homezones ist. Es kamen jedoch nur einige Hertha-Althools und durchschnittliche Faschoprolls. Zu Wortgefechten im Stadion und einer kurzen Konfrontation vor einem Imbiss an der Straßenecke (der übrigens sehr gute Pommes hat!) reichte es dennoch. Die Polizei ging allerdings schnell dazwischen und der TeBe-Mob zog weiter Richtung U-Bahnhof und per ÖPNV zum U-Bahnhof Rudow, wo in einer symbolischen Geste, den Mitarbeiter_innen eines Imbisses, der zwei Tage zuvor von Neonazis angegriffen worden war, ein Blumenstrauß überreicht und ihnen die Solidarität der Anwesenden bekundet wurde.

Da es das Gerücht gab, die Polizei hätte jemanden festgenommen, entschloss sich die Gruppe, erneut zum Stadion zu fahren und von den Beamt_innen vor Ort Informationen einzuholen. Offenbar war aber wohl nur einer der Faschos aus dem Imbiss mitgenommen worden und so zogen sich alle bald wieder zum Bahnhof zurück. Kurz vor Erreichen der Station griffen die Cops dann urplötzlich und ohne ersichtlichen Anlass eine Person aus der Gruppe heraus und nahmen sie in Gewahrsam. Später teilte einer von ihnen mit, die Person sei zuvor kurzfristig vermummt gewesen und das sei nun mal verboten. Ein Teil der Bereitschaftspolizist_innen ging bei der Gewahrsamnahme bzw. bei der Absicherung dieser etwas übermotiviert zu Werke, was folgerichtig den Unmut der Umstehenden auf sich zog. Was folgte war Gepöbel, Geschubse und zwei weitere Gewahrsamnahmen.

Danach beruhigte sich die Lage wieder, die Gefangenen wurden zum nächstgelegenen Abschnitt gekarrt und dort weiter behandelt. Einer von ihnen musste von dort in ein Krankenhaus gefahren werden. Aus welchen Gründen genau ist unklar. Die anderen beiden kamen eine bzw. drei Stunden später wieder frei.

Was bleibt ist der erste Auswärtssieg der Saison für TeBe vor über 100 mitgereisten Anhänger_innen und die Erkenntnis, dass beim TSV Rudow das Internet „Weltnetz“ heißt und Ordner_innen problemlos Thor Steinar-Kleidung tragen können. Aber soll mensch auch anderes erwarten in einer Neonazihochburg. Sowas kommt ja nicht von ungefähr, sondern hat meist seine Ursachen in der als Arglosigkeit verkleideten Rechtsoffenheit der Mehrheitsbevölkerung… Ach ja, neuer Tabellenletzter ist übrigens Trabzonspor…