Altona gegen Neuona


Altona 93USC Paloma 3:1

Sonntag, 02.10.2011, 14 Uhr, Adolf-Jäger-Kampfbahn, Oberliga Hamburg (Männer)

Nach ziemlich langer Nacht und ausgesprochen wenig Schlaf in Hamburg-Wilhelmsburg ging es per Fahrrad und Bahn nach Altona, heute ein Stadtteil der Hansestadt, früher dänische Hafenstadt. Volksetymologisch wird oft gemutmaßt der Name leite sich davon ab, dass Altona all to nah an Hamburg dran sei, aber jüngere Forschungen haben das als ziemlichen Humbug entlarvt. In Wahrheit verhält es sich nämlich so, dass irgendwann vor langer Zeit einmal an der Elbe der kleine Ort Ona gegründet wurde. Irgendwann beschlossen die mittelalterlichen Stadtplaner_innen, dass Ona eine Neustadt bräuchte, weil die Altstadt langsam aber sicher zu klein wurde. Kurz darauf wurde Neu-Ona gegründet, was rasch wuchs und gedieh. Im Volksmund etablierte sich in der Folge schnell die Bezeichnung Alt-Ona für den Teil der Stadt, der schon vorher da gewesen war. Als dann die hochmittelalterliche Rechtschreibreform von Anno Tobak den Bindestrich bei Androhung der Todesstrafe verbot wurde daraus schließlich Altona, der Name, den der Ort noch heute trägt. Neu-Ona bzw. Neuona war in der Zwischenzeit jedoch selbst zu einer bedeutenden Stadt geworden, die sich bald um administrative Trennung von der Mutterstadt bemühte. Wahrscheinlich ging es damals um Gewerbesteuereinnahmen, aber sicher ist das nicht… So kam es, dass sich irgendwann im Zeitalter der Renaissance Neuona von Altona lossagten und fortan eigene Wege gingen. Europa trat unterdessen in ein Zeitalter gesellschaftlicher und politischer Umwälzungen ein. In Frankreich fegte die Revolution die Monarchie hinfort und spülte auf Umwegen einen gewissen Napoleon an die Macht, der dem Zeitgeist entsprechend auf territoriale Expansion setzte und irgendwann schließlich auch Neuona eroberte. Da im revolutionären Frankreich jedoch Städtenamen mit mehr als drei verschiedenen Vokalen aus naheliegenden Gründen verboten waren, entschlossen die Bürger_innen Neuonas sich, aus den Namen der zwei Stadtteile Neuona-Ham (heute Hamburg-Hamm) und Neuona-Burg (heute St. Pauli, Neustadt, St. Georg, Borgfelde, Barmbek, Rotherbaum, Eppendorf undsoweiter) den Kunstnamen „Hamburg“ zu amalgamieren und ihre Stadt künftig bei diesem Namen zu rufen. Dass dieser Name im Gegensatz zu Neuona überhaupt keinen Sinn ergab, war den Menschen durchaus bewusst, aber so waren halt die Zeiten…

All das ist heute in Vergessenheit geraten, und mit Fußball – und darum geht es hier schließlich – hat es auch nichts zu tun. Und Fußball gab es reichlich auf der Adolf-Jäger-Kampfbahn. Zum Glück hatten wir nicht noch eine Bahn länger gewartet, denn bei Anpfiff waren wir noch beim Fahrrad Anschließen und gerade die ersten Minuten hatten es in sich. In der 7. Minute lässt Paloma-Keeper Chergui einen Flachschuss von Rechts nur abprallen und Bektas staubt dankbar aus wenigen Metern ab. Der Jubel über den frühen Treffer war noch gar nicht ganz verklungen, da zimmert Demirbaga aus grob 30 Metern einen Distanzschuss ins rechte obere Eck und plötzlich steht das Spiel 2:0 und alle Münder offen (9. Minute). Ein solches Tor sieht mensch selbst in höheren Ligen eher selten. Die Anreise hat sich jetzt schon gelohnt!

In der Folge verflachte das Spiel zusehends und der Drops schien eigentlich schon gelutscht, doch dann erzielte Meyer in der 32. Minute plötzlich den Anschlusstreffer und die Partie gewann wieder an Fahrt, was auch in zahlreichen Unsportlichkeiten seinen Ausdruck fand. Schiedsrichter Florian Lechner aus Schwerin reagierte mit Humor. Anders lässt sich seine absurde Kartenvergabe nicht erklären. Mal gab er Karten für nix, mal ließ er harte Fouls ungestraft durchgehen. Am amüsantesten war aber sicher die Szene in der er auf Zuruf des Publikums dem Palomasen Graf erst Gelb-Rot zeigte, dann aber doch wieder zurücknahm, weil jemand ganz anderes das Foul begangen hatte. Auch wenn die Entscheidung richtig war, souverän war sie nicht…

Die zweite Hälfte knüpfte zunächst nahtlos an die erste an, doch als Sidiki Straub in der 56. Minute das 3:1 erzielte, war der Sack zu und der Sieg der Gastgeber mehr oder weniger eingetütet. So blieb genug Zeit, um in der prallen Sonne gute Pommes zu essen und sich gechillt halb tot zu schwitzen.

Altona ist immer eine Reise wert. Das dachten sich wohl auch die zahlreichen Anhänger_innen von HSV und Schalke, die vor der Bundesligapartie beider Teams noch mal eben auf der AJK vorbeischauten.