Archiv für Oktober 2011

It’s all just history repeating…


TSV RudowTennis Borussia Berlin 0:2

Sonntag, 30.10.2012, 14.30h, Sportplatz Stubenrauchstraße, Berlinliga (Männer)

Manchmal wiederholt sich Geschichte offenbar wirklich. Jedenfalls im Fußball. Denn das Spiel zwischen Rudow und TeBe am Sonntag war fast eine perfekte Kopie des Spiels zwischen Union Berlin und dem FC St. Pauli am Freitag.

Wie zwei Tage zuvor in Köpenick war das Gästeteam in der ersten Hälfte klar feldüberlegen, kam jedoch kaum zu brauchbaren Chancen, während die Gastgeber gleich mehrere Hochkaräter vergaben. In der zweiten Hälfte eines überaus fairen Spiels konnte TeBe dann wie St. Pauli doch noch zwei Tore erzielen, wobei jeweils das zweite nach einer Ecke fiel. Das Schiedsrichtergespann war bei einigen Entscheidungen eher so auf Sechstliganiveau…

Es war ja viel gemutmaßt worden, dass bei dem Spiel einige organisierte Autonome Nationalist_innen auftauchen könnten, da Rudow immerhin eine ihrer relativen Homezones ist. Es kamen jedoch nur einige Hertha-Althools und durchschnittliche Faschoprolls. Zu Wortgefechten im Stadion und einer kurzen Konfrontation vor einem Imbiss an der Straßenecke (der übrigens sehr gute Pommes hat!) reichte es dennoch. Die Polizei ging allerdings schnell dazwischen und der TeBe-Mob zog weiter Richtung U-Bahnhof und per ÖPNV zum U-Bahnhof Rudow, wo in einer symbolischen Geste, den Mitarbeiter_innen eines Imbisses, der zwei Tage zuvor von Neonazis angegriffen worden war, ein Blumenstrauß überreicht und ihnen die Solidarität der Anwesenden bekundet wurde.

Da es das Gerücht gab, die Polizei hätte jemanden festgenommen, entschloss sich die Gruppe, erneut zum Stadion zu fahren und von den Beamt_innen vor Ort Informationen einzuholen. Offenbar war aber wohl nur einer der Faschos aus dem Imbiss mitgenommen worden und so zogen sich alle bald wieder zum Bahnhof zurück. Kurz vor Erreichen der Station griffen die Cops dann urplötzlich und ohne ersichtlichen Anlass eine Person aus der Gruppe heraus und nahmen sie in Gewahrsam. Später teilte einer von ihnen mit, die Person sei zuvor kurzfristig vermummt gewesen und das sei nun mal verboten. Ein Teil der Bereitschaftspolizist_innen ging bei der Gewahrsamnahme bzw. bei der Absicherung dieser etwas übermotiviert zu Werke, was folgerichtig den Unmut der Umstehenden auf sich zog. Was folgte war Gepöbel, Geschubse und zwei weitere Gewahrsamnahmen.

Danach beruhigte sich die Lage wieder, die Gefangenen wurden zum nächstgelegenen Abschnitt gekarrt und dort weiter behandelt. Einer von ihnen musste von dort in ein Krankenhaus gefahren werden. Aus welchen Gründen genau ist unklar. Die anderen beiden kamen eine bzw. drei Stunden später wieder frei.

Was bleibt ist der erste Auswärtssieg der Saison für TeBe vor über 100 mitgereisten Anhänger_innen und die Erkenntnis, dass beim TSV Rudow das Internet „Weltnetz“ heißt und Ordner_innen problemlos Thor Steinar-Kleidung tragen können. Aber soll mensch auch anderes erwarten in einer Neonazihochburg. Sowas kommt ja nicht von ungefähr, sondern hat meist seine Ursachen in der als Arglosigkeit verkleideten Rechtsoffenheit der Mehrheitsbevölkerung… Ach ja, neuer Tabellenletzter ist übrigens Trabzonspor…

Luchse gegen Luchskatzen

In der aktuellen Jungle World ist eine interessante Reportage über Fußball in der finnischen Stadt Tampere erschienen. Hier ein kurzer Auszug:

Es sind nicht gerade riesige Menschenmassen, die an diesem frühen Freitagabend in das Tammelan-Stadion in Tampere strömen. Dabei trifft heute das derzeit erfolgreichste Team der finnischen Stadt auf das dritterfolgreichste, was in der Praxis allerdings nur bedeutet, dass hier zwei Drittligateams aufeinandertreffen. Dabei ist Tampere die drittgrößte Stadt des Landes und so etwas wie eine Sportmetropole. Die beiden erfolgreichsten finnischen Eishockeyteams spielen hier, und auch fünf Meistertitel im Fußball gingen bereits in die Stadt zwischen den Seen. Jeweils einen davon konnten Ilves-Kissat und Ilves, die heute gegeneinander antreten werden, erringen.

Den kompletten Artikel gibt es [hier].

Herzschlagfinale in Finnland


Die finnische Liga ist derzeit eher bekannt für Wettskandale als für hochklassigen Fußball. Diesen Samstag, am 33. und letzten Spieltag der Saison, kam es in der Veikkausliiga zu einem echten Herzschlagfinale um die Teilnahme an der Europaleague.

Die Ausgangslage war denkbar knapp. Hinter dem mehr als souveränen (24 Punkte Vorsprung!!) Meister HJK Helsinki standen Inter Turku und JJK Jyväskylä punktgleich mit 54 Punkten auf den beiden Europaleagueplätzen. Zwei Punkte dahinter lag Honka Espoo, das jedoch mit +17 das bessere Torverhältnis gegenüber Jyväskylä (+13) hatte. Der Tabellenfünfte Turku PS war nach dem 1:1 im Derby gegen Inter am vorletzten Spieltag bereits aus dem Rennen.

Spannend wurde das Ganze, weil zum Abschluss der Saison ausgerechnet Inter und Jyväskylä aufeinandertrafen. Inter hatte dabei mit seiner Tordifferenz von +25 die beste Ausgangssituation. Ihnen würde ein Unentschieden auf jeden Fall reichen, selbst wenn Espoo gewinnen sollte. Jyväskylä würde bei einem Sieg Zweiter werden und könnte den dritten Platz verteidigen, wenn sie gegen Inter unentschieden spielen oder verlieren, Espoo aber nicht bei Mariehamm, das irgendwo im Niemandsland der Tabelle steht, gewinnt. Espoo war also zum Siegen verdammt, hatte allerdings in der Vorwoche, als sie kurioserweise ebenfalls gegen das Team von den Âlandinseln spielten locker mit 2:0 gewonnen. Sollten sie nun tatsächlich gewinnen und Jyväskylä auch, wäre am Ende sogar Inter raus, obwohl sie quasi die gesamte Saison auf den Europaleagueplätzen verbracht haben.

Genau danach sah es Anfangs dann auch aus, denn bereits in der 8. Minute brachte Wusu Jyväskylä in Führung. Inter konnte das Spiel jedoch schon vor der Pause durch Tore von Furuholm (20. Minute) und Lehtonen (36. Minute). In Mariehamm stand es zur Halbzeit noch immer 0:0. Zu diesem Zeitpunkt wären als Inter und Jyväskylä sicher durch. Doch dann schoss Heikkilä in der 77. Minute in Führung und Espoo schob sich in der Tabelle vorbei an Jyväskylä. Was für eine Situation für das Team aus der Universitätsstadt – erst hatten sie sogar geführt, jetzt waren sie raus… Doch das Spiel hat ja bekanntlich 90 Minuten, und genau in der 90. Minute passierte das Unglaubliche: Hendrik Helmke, der Hendrik Helmke der früher in Lüneburg und Lübeck seine Fußballschuhe schnürte, markiert den Ausgleich für Mariehamm. Espoo war raus. Jyväskylä konnte mit Inter Turku jubeln.

Glückwunsch an Inter und natürlich auch an Jyväskylä und HJK. Abgestiegen ist übrigens der Aufsteiger aus Rovaniemi im hohen Norden. Aufsteigen aus der Ykkönen wird der FC Lahti, der in der Vorsaison erst abgestiegen war.

Ost Ultras

Auf gewisse Weise entbehrt dieser Sticker aus Rostock nicht eines gewissen Maßes (traurigen) Humors…

Nichts gegen Pyro

Kommentor Oliver Schmidt kurz vor Schluss der ZDF-Übertragung des EM-Qualifikationsspiels zwischen dem DFB und der Elf aus Belgien, nachdem ein Bengalos der belgischen Fans in den Innenraum fliegt:

Ich persönlich hab ja nichts gegen Pyro…

Der Rest des Satzes ist egal. Wenn sich an so prominenter Stelle jemand grundsätzlich pro Pyro ausspricht, dann ist das absolut eine Meldung wert. Normalerweise reden Kommentator_innen da ja eher von „Verrückten“, die „den Fußball kaputt machen“. Kompliment an Oliver Schmidt!

Altona gegen Neuona


Altona 93USC Paloma 3:1

Sonntag, 02.10.2011, 14 Uhr, Adolf-Jäger-Kampfbahn, Oberliga Hamburg (Männer)

Nach ziemlich langer Nacht und ausgesprochen wenig Schlaf in Hamburg-Wilhelmsburg ging es per Fahrrad und Bahn nach Altona, heute ein Stadtteil der Hansestadt, früher dänische Hafenstadt. Volksetymologisch wird oft gemutmaßt der Name leite sich davon ab, dass Altona all to nah an Hamburg dran sei, aber jüngere Forschungen haben das als ziemlichen Humbug entlarvt. In Wahrheit verhält es sich nämlich so, dass irgendwann vor langer Zeit einmal an der Elbe der kleine Ort Ona gegründet wurde. Irgendwann beschlossen die mittelalterlichen Stadtplaner_innen, dass Ona eine Neustadt bräuchte, weil die Altstadt langsam aber sicher zu klein wurde. Kurz darauf wurde Neu-Ona gegründet, was rasch wuchs und gedieh. Im Volksmund etablierte sich in der Folge schnell die Bezeichnung Alt-Ona für den Teil der Stadt, der schon vorher da gewesen war. Als dann die hochmittelalterliche Rechtschreibreform von Anno Tobak den Bindestrich bei Androhung der Todesstrafe verbot wurde daraus schließlich Altona, der Name, den der Ort noch heute trägt. Neu-Ona bzw. Neuona war in der Zwischenzeit jedoch selbst zu einer bedeutenden Stadt geworden, die sich bald um administrative Trennung von der Mutterstadt bemühte. Wahrscheinlich ging es damals um Gewerbesteuereinnahmen, aber sicher ist das nicht… So kam es, dass sich irgendwann im Zeitalter der Renaissance Neuona von Altona lossagten und fortan eigene Wege gingen. Europa trat unterdessen in ein Zeitalter gesellschaftlicher und politischer Umwälzungen ein. In Frankreich fegte die Revolution die Monarchie hinfort und spülte auf Umwegen einen gewissen Napoleon an die Macht, der dem Zeitgeist entsprechend auf territoriale Expansion setzte und irgendwann schließlich auch Neuona eroberte. Da im revolutionären Frankreich jedoch Städtenamen mit mehr als drei verschiedenen Vokalen aus naheliegenden Gründen verboten waren, entschlossen die Bürger_innen Neuonas sich, aus den Namen der zwei Stadtteile Neuona-Ham (heute Hamburg-Hamm) und Neuona-Burg (heute St. Pauli, Neustadt, St. Georg, Borgfelde, Barmbek, Rotherbaum, Eppendorf undsoweiter) den Kunstnamen „Hamburg“ zu amalgamieren und ihre Stadt künftig bei diesem Namen zu rufen. Dass dieser Name im Gegensatz zu Neuona überhaupt keinen Sinn ergab, war den Menschen durchaus bewusst, aber so waren halt die Zeiten…

All das ist heute in Vergessenheit geraten, und mit Fußball – und darum geht es hier schließlich – hat es auch nichts zu tun. Und Fußball gab es reichlich auf der Adolf-Jäger-Kampfbahn. Zum Glück hatten wir nicht noch eine Bahn länger gewartet, denn bei Anpfiff waren wir noch beim Fahrrad Anschließen und gerade die ersten Minuten hatten es in sich. In der 7. Minute lässt Paloma-Keeper Chergui einen Flachschuss von Rechts nur abprallen und Bektas staubt dankbar aus wenigen Metern ab. Der Jubel über den frühen Treffer war noch gar nicht ganz verklungen, da zimmert Demirbaga aus grob 30 Metern einen Distanzschuss ins rechte obere Eck und plötzlich steht das Spiel 2:0 und alle Münder offen (9. Minute). Ein solches Tor sieht mensch selbst in höheren Ligen eher selten. Die Anreise hat sich jetzt schon gelohnt!

In der Folge verflachte das Spiel zusehends und der Drops schien eigentlich schon gelutscht, doch dann erzielte Meyer in der 32. Minute plötzlich den Anschlusstreffer und die Partie gewann wieder an Fahrt, was auch in zahlreichen Unsportlichkeiten seinen Ausdruck fand. Schiedsrichter Florian Lechner aus Schwerin reagierte mit Humor. Anders lässt sich seine absurde Kartenvergabe nicht erklären. Mal gab er Karten für nix, mal ließ er harte Fouls ungestraft durchgehen. Am amüsantesten war aber sicher die Szene in der er auf Zuruf des Publikums dem Palomasen Graf erst Gelb-Rot zeigte, dann aber doch wieder zurücknahm, weil jemand ganz anderes das Foul begangen hatte. Auch wenn die Entscheidung richtig war, souverän war sie nicht…

Die zweite Hälfte knüpfte zunächst nahtlos an die erste an, doch als Sidiki Straub in der 56. Minute das 3:1 erzielte, war der Sack zu und der Sieg der Gastgeber mehr oder weniger eingetütet. So blieb genug Zeit, um in der prallen Sonne gute Pommes zu essen und sich gechillt halb tot zu schwitzen.

Altona ist immer eine Reise wert. Das dachten sich wohl auch die zahlreichen Anhänger_innen von HSV und Schalke, die vor der Bundesligapartie beider Teams noch mal eben auf der AJK vorbeischauten.