Ultrà Sankt Pauli Supportboykott in Frankfurt

Die sanktpaulianische Ultragruppe USP hat in einem Statement angekündigt, am kommenden Montag bei Zweitligaauswärtsspiel bei Eintracht Frankfurt keinen organisierten Support an den Start zu bringen. Diese Aktion soll ein Protest sein gegen die aktuelle Tendenz bei DFB und DFL Fans auszusperren. Beim ersten „Heimspiel“ in Lübeck war der FC St. Pauli selbst davon betroffen und auch in Frankfurt dürfen nur 19.000 Menschen ins Stadion. Darüber würde manch Zweitligist sich sicher freuen. Für Frankfurter Verhältnisse ist es jedoch ziemlich wenig… Aber lest selbst:

Liebe Sankt Pauli Fans, liebe AuswärtsfahrerInnen!
Am Montag, 25.07., tritt der FC Sankt Pauli in Frankfurt zum ersten Auswärtsspiel der neuen Saison an. Nach langer Diskussion und dem Skandal, dass bereits unser Spiel in Lübeck unter dem Zeichen unverhältnismäßiger Strafsanktionen des DFB stand, haben wir uns dazu entschlossen, beim Spiel in Frankfurt auf organisierte Unterstützung zu verzichten. Die Mannschaft wurde beim Training am Dienstag von Vertretern unserer Gruppe über diese Entscheidung informiert.
Dinge, die für uns als Fans selbstverständlich sind (wie das Recht auf den Besuch aller Spiele unseres Vereins) und die in einer Besorgnis erregenden Entwicklung zunehmend der Repression unterliegen, waren hierbei ausschlaggebend, obwohl sie in diesem Fall nicht auf uns gerichtet sind. Der Platzsturm der Frankfurter Fans am 07.05. beim Heimspiel gegen Köln ist dabei nicht der Aufhänger des Protests, denn um seine Legitimität, Verständlichkeit oder Ablehnung geht es hier gar nicht. Es sind vielmehr die unverhältnismäßigen Sanktionen, die mit der Sperrung einer ganzen Fankurve darauf folgten. Die Verbände gehen dabei so vor, dass sie nicht- planmäßiges und ein vom gesitteten Bürgertum abweichendes Verhalten per se als unerwünscht deklarieren. War es bei unserem Spiel in Lübeck noch der Fall, dass jedem die Möglichkeit geboten wurde an eine Karte zu kommen, trifft diese Maßnahme gezielt jenes den Institutionen unliebsame Publikum in den Stehplatzkurven. Und der Blick in die Zukunft verheißt nichts Gutes, denn es wird von oberster Stelle versucht, solche Maßnahmen salonfähig zu machen, zu etablieren und ihre Folgen unter dem Deckmantel des „sauberen Fußballs“ nicht nur zu verschleiern, sondern Akzeptanz für sie zu schaffen. Das Modell dieses sauberen Fußballs existiert dabei schon seit Jahren, doch die Maßnahmen mit denen es durchgesetzt werden soll, werden immer drastischer. Daher richtet sich unsere Kritik gegen diese Entwicklung, den Fußball zu entemotionalisieren und durch drakonisches und kollektives Strafen diese Entwicklung auf Kosten vieler vorantreiben zu wollen.
Doch auf das Mimen des unbetroffenen Dritten haben wir keine Lust, wir wollen das Spiel nicht mitspielen, nur weil es in diesem Fall nicht ganz konkret um uns geht. Wir sehen uns bei diesem Spiel nicht in der Aufklärungspflicht, allerdings entscheiden wir, ob wir für die Funktionäre und Vermarkter der Liga als Objekt ihrer Unterhaltung und für ihr „Event“ herhalten – oder eben nicht. Dieser „Fußball ohne Fans“ verkörpert nicht unser Sinnbild oder unsere Auffassung eines Stadionbesuchs, er steht aber bereits warnend vor der Haustür der hiesigen Fankultur. Ein Spiel ohne Stimmung, zudem noch am Herz der DFB- Zentrale in Frankfurt, könnte ein mahnendes Signal in Richtung der Verantwortlichen senden.
Daher wird Ultrà Sankt Pauli in Frankfurt keine Unterstützung der Mannschaft organisieren. Es ist natürlich jedem selbst überlassen, sich spontanen Gesängen anzuschließen und natürlich wird jeder mit der Hoffnung auf den ersten Auswärtssieg mitfiebern. Wir appellieren dennoch an alle Frankfurt- FahrerInnen, sich diesem Zeichen anzuschließen und an diesem Tag auf die gewohnte Atmosphäre zu verzichten.
Wo auch immer du von Sicherheit und Ordnung hörst, da stirbt ein Teil Fußballkultur und dort werden Menschen gedemütigt!

Ultrà Sankt Pauli, 21.07.2011