Union Berlin-Präsident war bei der Stasi


Wer sich zu weit aus dem Fenster lehnt, läuft Gefahr hinaus zu fallen. Das ist eine ebenso alte wie wahre Weisheit. Das bekam jetzt auch Dirk Zingler, Präsident des 1. FC Union Berlin, zu spüren. Sein Verein umgibt sich seit langem mit einer Aura vermeintlicher Andersartigkeit und legt Wert darauf, zu DDR-Zeiten eher oppositionell gewesen zu sein. Da ist mit ziemlicher Sicherheit auch etwas dran. So gibt es viele Geschichten und Geschichtchen über Kontakte von Union-Fans zu Hools der West-Berliner Hertha und auch polizeiliche Berichte über Ausschreitungen und Provokationen. So richtig ins Bild passen mag es da nicht, dass Zingler, wie verschiedene Zeitungen berichteten, seinen Armeedienst ausgerechnet beim Wachregiment des Ministeriums für Staatssicherheit abgeleistet hat.

Nun wäre es nicht wirklich fair, ihm daraus einen Strick zu drehen. Immerhin waren nicht wirklich wenige Menschen irgendwie mit der Stasi verzwurbelt. Im Schnitt kam auf 180 DDR-Bürger_innen ein_e hauptamtliche Stasimitarbeiter_in. Hinzu kommt noch eine beständig im sechsstelligen Bereich liegende Zahl informeller Mitarbeiter. Dass es da immer wieder, wie zuletzt mehrfach in Brandenburg, zu Stasi-Outings kommt, ist nicht verwunderlich. Noch weniger, da die selbsternannte Mitte der Gesellschaft in der DDR gerne etwas sieht, was fast genauso schlimm wenn nicht schlimmer war als der Nationalsozialismus. In einem solchen gesellschaftlichen Klima die eigene Stasi-Vergangenheit einzuräumen verlangt schon Mut… Außerdem ist Zinglers Argumentation, er sei eben jenem Armeeteil nur beigetreten, weil er andernfalls nicht in Berlin hätte bleiben können, was für ihn, der damals schon Union-Fan war, die Hölle gewesen wäre, jeder_m Fußballfan eigentlich einleuchten sollte.

Was sich aus der Geschichte jedoch lernen lässt, ist, dass Union auch nur ein Verein wie jeder andere Verein mit DDR-Vergangenheit ist. Das ist weder schlimm noch tragisch. Nur sollte der Verein um seiner eigenen Glaubwürdigkeit Willen nicht versuchen, seine Weste noch blütenweißer zu waschen, als sie ist. Denn eines ist doch klar: Verglichen mit Vereinen wie dem BFC war Union zu DDR-Zeiten ein wahrer Hort widerständigen Gedankenguts. Und auch heute noch stehen trotz der fußballbedingt hohen Idiot_innenquote noch immer etliche sympathische Menschen hinter dem Verein. Die militanten Antikommunist_innen, für die die Stasi beinahe die SS war, gehören allerdings nicht dazu…