Ronny Blaschke – Angriff von Rechtsaußen


Ronny Blaschke ist schon lange kein unbeschriebenes Blatt mehr. Mit seinem Buch „Versteckspieler“ über den schwulen Fußballer Marcus Urban hat er vor ein paar Jahren mehr als nur eine Duftmarke hinterlassen. Es ist sicher nicht einmal großartig übertrieben, wenn ich zu behaupten wage, dass dieses Buch einen ganz gehörigen Anteil daran hatte, dass in den zurückliegenden Jahren deutlich offener über den Themenkomplex Homosexualität und Fußball gesprochen wird als jemals zuvor.

Bei seinem neuen Buch „Angriff von Rechtsaußen“ hat Blaschke sich einem anderen Problemfeld innerhalb der Welt des Fußballs zugewendet. Auf etwas über 200 Seiten ackert er sich durch die vielfältigen Erscheinungsformen rechtsextremer Ideologien auf und rund um den grünen Rasen. Er geht dabei ganz ähnlich vor wie schon bei „Versteckspieler“. Er gibt sich nicht mit Quallenanalysen und Statistiken zufrieden, sondern recherchiert selbst. Er begibt sich vor Ort, stellt Fragen, redet auch mit Neonazis, in der Hoffnung diese bloßzustellen. Heraus gekommen ist eine Sammlung reportageartiger Texte, die zusammen genommen ein ungefähres Bild dessen zeigen, was am rechten Rand der Fußballgesellschaft geschieht.

Als Aufhänger nutzt er dabei die Vorfälle von Brandis, wo vor nicht allzu langer Zeit Fans und Spieler der ersten Herrenmannschaft des Roten Stern Leipzig von mehr als 50 Neonazis angegriffen wurden. Dieser Vorfall, das weiß auch Blaschke, ist zwar bei weitem kein Einzelfall, aber im Gegensatz zu vielen anderen ist er durch Videos und Fotos gut dokumentiert. Auch die Strafverfolgungsbehörden zeigen sich im Falle Brandis deutlich aktiver als in vielen anderen. Doch so schlimm körperliche Gewalt auch ist. Sie ist nicht alles. Auch Blaschke legt großen Wert auf die Feststellung, dass es nicht oder nicht nur um rechte Gewalt, sondern vor allem auch um rechte Einstellungsmuster geht. Und diese finden sich nicht nur bei rechten Schlägern, Hooligans oder Ultras. Sie finden sich bis weit in die Mitte der Gesellschaft.

Blaschke versucht ein weites Themenfeld abzudecken. Er befasst sich mit der rechten Unterwanderung von Lok Leipzig ebenso wie mit den rechten Fußballrockern Kategorie C, mit Antiziganismus in Ungarn ebenso wie mit dem NPD-Funktionär Stephan Haase, der in Lüdenscheid als Schiedsrichter Spiele in der Kreisliga C pfeift. Auf der anderen Seite thematisiert er aber auch mögliche Gegenmaßnahmen, interviewt Sozialarbeiter_innen in Fanprojekten, spricht mit der Sportmediatorin Angelika Ribler und schreibt über die Makkabi-Bewegung. Abgerundet wird das Ganze durch gelungene Interviews mit interessanten Gesprächspartner_innen wie Halil Altintop, Theo Zwanziger oder Yves Eigenrauch.

Natürlich ist das Bild das hier gezeichnet wird unvollständig. Rassistische Ausfälle von Pofis und Funktionär_innen etwa kommen in meinen Augen zu kurz. Die Darstellungen gehen auch nicht sonderlich tief, doch das ist wohl auch gut und richtig so. Immerhin soll das Buch ja nicht nur gestandene Sozialwissenschaftler_innen und Szenekenner_innen erreichen, sondern wachrütteln und auch „ganz normale Fußballfans“ erreichen, Sensibilität schaffen für ein Thema, das allzu oft allzu gerne ausgeblendet wird. Dieses Unterfangen dürfte ihm gelungen sein. Ohne Zweifel.

„Angriff von Rechtsaußen – Wie Neonazis den Fußball missbrauchen“ von Ronny Blaschke ist im Mai im Verlag die Werkstatt erschienen.


1 Antwort auf „Ronny Blaschke – Angriff von Rechtsaußen“


  1. 1 Ronny Blaschke – Angriff von Rechtsaußen « LOVE FOOTBALL, HATE RACISM! Pingback am 16. Juli 2011 um 14:13 Uhr
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