Archiv für Juni 2011

02.07.: TBAF Fanturnier

Am kommenden Samstag, dem 02.07. findet auf der Hanss-Rosenthal-Sportanlage in Berlin ein von Fans von Tennis Borussia Berlin organisiertes Fußballturnier unter dem Motto “Fußball geht auch anders – gegen Diskriminierung im Fußball und anderswo” statt. Los geht es um 10 Uhr morgens und ein vegan-vegetarisches Grillen ist auch angekündigt. Das Teilnehmer_innenfeld ist äußerst bunt und verspricht Einiges. Gleich zwei Teams aus Wien sind an Bord und eines aus Altona, dazu lokale Fanclubs von Fortuna Düsseldorf und dem FC St. Pauli, der LSVD, die Rijkaard Jugend, die Antifaschistische Initiative Moabit, ein Team des noch immer von der Räumung bedrohten Schokoladens, eine Flüchtlingsinitiative und mehr.

Bereits am Vorabend geht es zum Aufwärmen in die Rock‘n'Roll Herberge und nach dem Turnier gibt es im Cortina Bob ein Konzert mit Baretta Love und The Bottrops und danach Party. Wer lieber andere Musik will, kann natürlich auch zum Footloose Fest im About Blank weiterziehen…

Sehr runde Sache das!

Jungs, wir rächen euch!


ARD und ZDF zeigen die Fußball-WM der Frauen in Farbe und in voller Länge. Das ist zunächst einmal eine gute Sache. Fußball Gucken ist ja in der Sommerpause eher Mangelware und da ist es schön, wenn die Spiele, die es gibt, auch im Free-TV zu sehen sind. Doch was zur Hölle soll dieser Slogan: „Jungs, wir rächen euch!“?!? Das mit den Jungs die männliche DFB-Elf gemeint ist, leuchtet noch ein. Was es aber zu rächen gibt, wenn ein Team einem anderen simpel und einfach sportlich unterlegen ist und zwar zurecht, bleibt schleierhaft. Wie diese Rache vonstatten gehen soll, wo doch diejenigen, die Löws Kicker aus dem Turnier in Südafrika geschossen haben, nämlich das Männerteam des spanischen Verbandes, gar nicht am Turnier teilnehmen. Spanien ist bei der WM in Deutschland überhaupt mit gar keinem Team egal welchen Genders vertreten. Dass Rache für sich genommen auch nicht unbedingt das vernünftigste aller Ansinnen ist, kommt hinzu…

Die größte Frage jedoch ist, wer mir „wir“ gemeint ist. ARD und ZDF vielleicht? Immerhin sind sie ja diejenigen, die diese Werbung in Auftrag gegeben haben. Aber die spielen ja auch nicht mit. Vielleicht werde ja die Kommentator_innen permanent die Ehre der männlichen DFB-Auswahl retten in dem sie im Chor und um die Wette lobhudeln. Wir dürfen gespannt sein… Wahrscheinlicher ist jedoch, dass dieser Satz ungefragt den DFB-Spielerinnen in den Mund gelegt worden ist. Aber ob deren Motivation wirklich irgendwas mit Schweini undsoweiter zu tun hat? Immerhin sind sie seit Jahren deutlich erfolgreicher als die A-Nationalmannschaft der Männer. Die Typen können ihnen eigentlich mal völlig schnurz sein. Bestimmt hat hier nur mal wieder jemand nicht nachgedacht, sondern sich ganz dem Schlandrausch und dem Partypatriotismus hingegeben. Immerhin sind wir alle Deutschland. Da kann auch Birgit Prinz die Ehre von Mario Gomez retten, indem sie massig Tore schießt. Und als nächstes macht dann Angela Merkel mit dem Atomausstieg die andauernde Niederlagenserie von Michael Schuhmacher vergessen, während der Buxtehuder SV in der Frauen Handball Champions League das Vorrundenaus der Männer vom VfB Friedrichshafen in der letztjährigen Auflage der Volleyball Chamions League rächen. Na hoffentlich!

Discover Football

Begleitend zur Fußball-WM der Frauen, die in diesen Tagen beginnt, findet in Berlin ein Festival mit dem Namen „Discover Football“ statt. Neben kollektivem Fußballgucken gibt es allerlei Workshops für Girlz, Infoveranstaltungen zu Themen rund um Fußball und Gender sowie und vor allem ein Fußballturnier mit internationaler Beteiligung. Stattfinden wird das Ganze im Willy-Kressmann-Stadion im Viktoriapark in Berlin-Kreuzberg. Mehr Informationen gibt es [hier] und eine Übersicht über das Programm [hier].

Sticker #4

Dresden, Sportanlage am Jägerpark.

Potsdam, Babelsberg.

(unbekannt)

Der Wutfan

Auf worum.org gibt es einen ebenso langen wie interessanten Artikel zum Thema Fußballfans und die Ernsthaftigkeit des Daseins als solcher. Kommt offensichtlich aus dem Umfeld des SV Werder Bremen. Sehr lesenswert und hiermit ausdrücklich empfohlen! Zu lesen [hier].

Gabriel Kuhn – Soccer vs. The State

Gabriel Kuhn ist beileibe kein Unbekannter in der Welt des Sachbuchs. Er hat bereits Standardwerke zu Themen wie Straight Edge und Piraterie geschrieben. Dass er auch in der Welt des Fußballs zu hause ist, war bisher nicht so vielen bekannt. Dabei war er in jüngeren Jahren sogar Halbprofi beim damaligen österreichischen Zweitligisten FC Kufstein. Wahrscheinlich war es nur eine Frage der Zeit, bis diese beiden roten Fäden sich kreuzen und in einander verheddern würden.

Mit seinem aktuellen Buch „Soccer vs. The State“ hat Kuhn wieder einmal ein gutes Gespür dafür bewiesen, welche Art Buch der Welt noch fehlt, denn trotz Tausender Bücher über Fußball und Fankultur gab es bisher kein einziges, dass Fußball, Fankultur und radikal linke Politik in ähnlicher Form zusammen gebracht hat. Er greift dabei ziemlich unterschiedliche Themenstränge auf. Beginnend mit einer Neuerzählung der Geschichte des Fußballsports aus einer genuin linken Perspektive widmet er sich darauf zunächst der von radikal linker Seite aus geäußerten Kritik an Fußball und Fußballkultur, bevor er sich ausgiebig radikalen Aneignungen und sozialen Protesten innerhalb der Fußballwelt widmet und schließlich noch ein paar Worte verliert über alternative, meist explizit anarchistisch konnotierte Formen und Wege Fußball zu spielen. Mich persönlich hat dabei sehr gefreut, dass auch der Dreiseitenfußball Erwähnung findet. Vor vielen, vielen Jahren habe ich mal einem BAFF-Treffen in Oer-Erkenschwick einen Nachmittag mit diesem Spiel verbracht und eigentlich würde ich es sehr gerne mal wieder tun…

Ähnlich wie schon bei „Sober Living for the Revolution“ lässt Kuhn in seinem Buch sehr viel Raum für die Worte anderer. Grob geschätzt die Hälfte des Buches besteht entweder aus Interviews oder aus Texten, die aus anderen, teils historischen, Quellen übernommen wurden. Ein altes Flugblatt der FAU kaum hier ebenso vor wie Zeitungsartikel aus San Francisco oder ein Brief des Subcomandante Marcos an den Präsidenten von Inter Mailand. Es ist diese Mischung, die das Buch über weite Strecken sehr unterhaltsam macht. Etliches war mir zwar schon bekannt, aber ich bin ja auch „im Thema“ und nicht unbedingt Teil der primären Zielgruppe des Buches. Wie Kuhn in der Einleitung erwähnt, richtet sich das Buch in erster Linie an ein internationales Publikum. Immerhin ist es ja auch in einem US-amerikanischen Verlag erschienen. Und wo hierzulande über den FC St. Pauli oder BAFF bereits alles mehrfach gesagt wurde, so dürften diese Themen für Leser_innen in Portland, Adelaide oder Kuala Lumpur doch nach wie vor sehr interessant sein.

Für mich persönlich waren dann auch neben den zahlreichen Anekdoten aus der Tiefe des Raumes des Fußballhistorie vor allem diejenigen Passagen interessant, die sich mit Themen oder Vereinen befassen, von denen ich bis dato gar nichts bis wenig wusste. Der FC Vova aus Litauen oder auch die Geschichte der britischen Antifascist Action (AFA) sind solche Fälle. Wer in diesem Buch nichts findet, was ihr_ihm noch unbekannt war, ist wahrscheinlich die Wikipedia, aber die kann ja gar nicht lesen…

„Soccer vs. The State – Tackling Football and Radical Politics“ von Gabriel Kuhn ist im Februar bei PM Press erschienen.

Vom Nordwind verweht


SC Borea Dresden – Tennis Borussia Berlin 1:0

Sonntag, 05.06.2011, 13.30 Uhr, Sportanlage am Jägerpark, Oberliga Nordost Relegation (Männer)

Dank des Kirchtags im Elbflorenz war die Autobahn zwischen Berlin und Dresden vollgestopft mit autofahrenden Christ_innen. So schmolz der Zeitvorsprung unserer Reisegruppe immer weiter dahin und die ersehnten Pommes vor dem Anpfiff rückten in immer weitere Ferne. Doch was waren schon unsere Sorgen im Vergleich zu denen der beiden Teams, die heute hier aufeinander treffen würden. Beide kämpften gegen den Abstieg und am Ende würde nur eines die Klasse halten können. Rein sportlich hatten weder TeBe noch der SC Borea sich in der regulären Saison für Höheres empfehlen können. Dass sie nicht direkt abgestiegen sind ist in beiden Fällen nicht wirklich ihr Verdienst, sondern logische Folge der Tatsache, dass andere Teams es irgendwie geschafft hatten, noch schlechter oder zumindest erfolgloser zu spielen.

Entsprechend groß war der Druck, der auf den Schultern der Spieler lastete und auch die Anspannung im Stadionrund war mit den Händen greifbar, wobei die Gastgeber_innen im Allgemeinen etwas lockerer zu sein schienen. Das mag daran liegen, dass Tennis Borussia ein Traditionsverein mit großer Geschichte ist, während die Oberliga für den SC Borea bisher das höchste aller Gefühle war. Die Kräfteverhältnisse auf den Rängen des schönen und von Bäumen umwucherten Naturstadions in Dresdens Norden waren recht eindeutig. Etwa ein Drittel der fast 700 Zuschauer_innen fieberte mit den Gästen, hatte aber stimmugnstechnisch die absolute Oberhoheit. Ein Heimsupport, der über das Klatschen nach Torraumszenen und bei Auswechslungen hinausgehen würde, fand nicht statt. Da halfen auch die relativ zahlreichen Anhänger_innen der SG Dynamo nichts. Der Anhang des Dresdner SC auf Seiten der Gäste war da sicher die größere Verstärkung. Ohnehin waren auf Seiten TeBes etliche Unterstützer_innen zugegen, die sonst eigentlich zu anderen Vereinen gehen. Vielleicht ein weiteres Indiz dafür, wie wichtig dieses Spiel war…

Die hohe Bedeutung des Spiels schien dann auch die Spieler auf dem Feld ein wenig zu lähmen. Erst nach 20 Minuten kam es zu der ersten Situation, die überhaupt das Wort Torchance verdient hätte. Die Dresdner vergaben jedoch. Mehr Glück war ihnen in 38. Minute beschieden, als Oliver Genausch das verdiente 1:0 erzielte. Zwei Minuten später hatten die Dresdner Spieler die Arme bereits schon wieder zum Jubel erhoben und Applaus dröhnte durch das Stadion, doch hatte der Schiedsrichterassistent zum Glück für die Gäste auf Abseits entschieden. So ging es mit einer knappen Führung für den SC Borea in die Pause.

Die zweite Hälfte begann wie die erste begonnen hatte. Beide Teams neutralisierten sich größtenteils und es dauerte beinahe 20 Minuten bis etwas Erwähnenswertes passierte. Es war in der 64. Minute, als Tennis Borussia die bisher erste und gleichzeitig beste Chance des Spiels hatte und vergab. Ein Freistoß von rechts donnerte ans linke Lattenkreuz. Torhüter Ron Linke hätte sicher keine Chance gehabt, den Ball zu erwischen, doch es hatte wohl nicht sollen sein. In der 77. Minute waren es dann die Gastgeber, die gleich eine drei Chancen auf das 2:0 vergaben. Erst scheiterte einer von ihnen aus kurzer Distanz an Keeper Filatow, dann ging der Nachschuss an den linken Fosten und schließlich der zweite Nachschuss links vorbei. Dresden war zu diesem Zeitpunkt und eigentlich das ganze Spiel über die klar stärkere Mannschaft. Vor allem die rechte Abwehrseite der Borussen war eine Katastrophe. Arne Reetz stand dort bis zu seiner Auswechslung mitte der zweiten Hälfte alle paar Minuten immer wieder völlig frei und es ist nur der Blindheit seiner Mitspieler zu verdanken, dass daraus nicht das eine oder andere Tor entstanden ist. Die Spieler von Tennis Borussia wirkten über weite Strecken des Spiels von dem Druck, der auf ihnen lastete, völlig paralysiert und schienen sich selbst einfache Pässe nicht zuzutrauen. Dass der eingewechselte Cubukcu in der 86. Minute die Großchance zum ach so wichtigen Ausgleich vergab und den Ball an den linken Pfosten setzte, passte da nur zu gut ins Bild.

Es ist nicht so, dass das Team der Berliner kein Potential hätte. Eigentlich löuft sogar vieles richtig. Die Probleme scheinen eher im mentalen Bereich zu liegen. Das Team wirkt ein wenig wie jemand, der im Regen steht und anstatt den Schirm aufzuspannen, den er die ganze Zeit in der Hand trägt, lieber wahlweise mit den Göttern hadert oder den Kopf schüttelt und sich fragt: „Wieso passiert das ausgerechnet mir?“

Doch noch ist die Relegation nicht gelaufen. Zwar hat Dresden jetzt die bessere Ausgangssituation, denn TeBe muss schon mindestens 2:0 gewinnen und sollte nach aller Möglichkeit kein Tor kassieren. Doch vielleicht ist das ja auch alles nur Taktik und Trainer Schatte und seinen Schützlingen ist es erfolgreich gelungen, den SC Borea für das Rückspiel die Favoritenrolle aufzudrücken. Ob sie dieser dann ohne jegliche eigene Fanszene vor der zu erwartenden Rekordkulisse von vielen Hundert bis in die Zehenspitzen motivierten lila-weißen Teilzeitultras dann werden Stand halten können, müssen sie erst noch unter Beweis stellen. Diejenigen Menschen in ihrem Stadion jedenfalls, die andere mit „Arbeit macht frei!“ verabschieden, haben eigentlich nicht einmal Landesliga verdient. Am 12.06.2011 ist es soweit. Das Imperium schlägt zurück!

Nazis bei Lok Leipzig

In der #190 des „Gamma – Antifaschistischer Newsflyer Leipzig und Umgebung“ gibt es neben anderen interessanten Artikeln auch einen Themenschwerpunkt über Nazis in der Fanszene von Lok Leipzig. Dass sich dort viele von denen herumtreiben, ist seit langem bekannt, aber komprimierte und detailierte Informationen waren bis dato eher Mangelware.

Abhilfe im PDF-Format gibt es [hier] und Gamma im Internet findet ihr [hier].

Bear City Roller Derby Represent


Berlin BombshellsHamburg Harbor Girls 175:94

Berlin Bombshells
Copenhagen Rollin Heartbreakers 316:79

Samstag, 04.06.2011, Arena Berlin

Nicht zuletzt dank Drew Barrymores Fim „Whip It“ erlebt das altehrwürdige Roller Derby gerade einen zweiten Frühling. Während in den USA bereits seit über einem Jahrzehnt wieder Frauen auf Rollschuhen schubsend und rempelnd ihre Kreise ziehen und es mittlerweile unzählige Ligen und noch weit mehr Teams gibt, ist Europa mal wieder ein wenig langsamer. Erst 2006 gründeten sich in London und Stuttgart die ersten Teams. Berlin zog mit den Berlin Bombshells bereits ein Jahr später nach und ist heute ohne Zweifel eine der Hochburgen des Sports auf dem europäischen Festland. Für einen geregelten Ligenbetrieb reicht es hierzulande aber leider noch nicht, vor allem weil es bisher in Deutschland kaum ein Dutzend Teams gibt, von denen einige noch in den Kinderrollschuhen stecken. Echte Bouts zwischen hochkarätigen Teams sind daher leider eine Seltenheit. Da ist so ein Double Header mit gleich zwei Bouts (= Matches) an einem Abend wie derjenige am vergangenen Wochenende in Berlin natürlich umso mehr ein absoluter Pflichttermin für alle, die Interesse an derlei Sportivem haben.

So versammelten sich einige Hundert Menschen bei bestem Wetter in der idyllisch an der Spree gelegenen Arena in Treptow, deren altindustrieller Charme dem Ganzen das gewisse Extra an Ambiente verlieh. Das Publikum war bunt gemischt. Rockabillies, Punks, Queer Szene, aber auch Menschen, denen ihre Subkultur nicht ins Gesicht geschrieben stand. Der Hallen-DJ hielt mehrheitlich an Klassiker aus der studentischen Rockdisco und konnte nur einmal anerkennendes Nicken meinerseits einheimsen, als er Smokin‘ Suckaz Wit Logic auflegte. Sonst gab es eine eher dröge Mischung aus Motörhead, Beastie Boys, Hives, Hot Water Music und immer und immer wieder Ramones. Aber es ging ja auch um Sport und nicht um Musik…

Aus sportlicher Sicht war der Abend je nach Blickwinkel entweder ein voller Erfolg oder eine eher mäßige Angelegenheit. Allen Anhänger_innen der Berlin Bombshells kann der Abend nur ein breites Grinsen aufs Gesicht gezaubert haben, denn in beiden Bouts waren die Gastgeber_innen deutlich bis haushoch überlegen und konnten souveräne Siege einfahren. Ohne Berliner Brille betrachtet lag aber auch genau dort das Problem, denn die meisten Sportarten sind doch dann am spannendsten anzusehen, wenn nicht schon nach wenigen Minuten klar ist, wer gewinnen wird. Gerade Roller Derby ist hier eigentlich prädestiniert für Spannung, da durch einen gelungenen Jam jederzeit locker und leicht sehr viele Punkte gut gemacht und der Bout damit wieder offen gestaltet werden kann. Das geschah an diesem Abend jedoch leider nicht. Schade, aber so ist das wohl manchmal…

Im ersten Bout traf das B-Team der Gastgeber_innen auf die Harbor Girls aus Hamburgs schönstem Stadtteil St. Pauli. Anfangs gestaltete sich das Duell noch beinahe ausgeglichen, doch je mehr Zeit verstrich, desto deutlicher wurde der Vorsprung der Bombshells. Vor allem Lizzy Slaughter und Tequila Knockout als Jammer gaben richtig Gas und machten Punkt um Punkt. Bei den Hamburger_innen war vor allem Captain Jeanne Dark herausragende Akteur_in, dicht gefolgt von Spooky Spiky und Killing Zoe. Doch am Ende war der qualitative Unterschied zwischen beiden Teams zu groß. Da halfen auch der Support des Hamburger Anhangs und die Laufduelle zwischen einem fahnenschwenkenden Hamburger Jung mit dem Berliner Maskottchen, dem I Don‘t Care Bear, nicht viel.

Wer jedoch, wie ich, glaubte der zweite Bout gegen die Rollin Heartbreakers aus Kopenhagen würde spannender verlaufen, wurde bereits nach kürzester Zeit eines Besseren belehrt. Schon zur Halbzeit führte das A-Team der Bombshells mit 136 zu 36 Punkten und am Ende konnten die Gastgeber_innen mit 316 zu 79 Punkten sogar einen neuen Teamrekord aufstellen. Die Kopenhagener_innen hatten zwar mit ihren schwarz-goldenen Outfits ganz klar den Styleoscar verdient und ihr Anhang machte ordentlich Alarm, doch auf dem Oval waren sie chancenlos. Ihr Hauptproblem lag dabei darin, dass sie immer wieder ihre jeweilige Jammer_in verloren. Gefühlt fast die Hälfte der Zeit, saß ein_e Kopenhagener_in mit Stern am Helm in der Penalty Zone. Vor allem Crazy Kris verbrachte dort so jede Menge Zeit. Martattack zeigte als Jammer_in immer wieder einige herrliche Spielzüge. Am Ende fehlte den Gästen jedoch die Konstanz. Bei den Bomshells waren vor allem Zandy Zunder, Kata Pulta und Captain Master Blaster ganz weit vorne, aber eigentlich agierte das ganze Team auf enorm hohem Niveau. Speziell die relative Fairness war dabei Teil des Erfolgsrezepts. In beiden Bouts bekamen die Berliner_innen deutlich weniger Strafen aufgebrummt und hatten dadurch viele Power Play-Situationen, die sie gekonnt ausnutzten.

Nach dem sportlichen Teil des Abends ging es dann noch weiter auf die After-Bout-Party, aber das ist eine andere Geschichte… Wichtiger ist die Ankündigung, dass am 22. Oktober wieder Roller Derby angesagt ist in Berlin. Das ist durchaus als Wink mit dem Zaunpfahl zu verstehen…

18.06. Cup der Angst in Altona

Am 18.06. wird in Hamburg-Altona ein Altona 93-Fanturnier stattfinden. Die Veranstaltung trägt den Namen „Cup der Angst“ und richtet sich gegen die repressive und rassistische Grenz- und Abschiebepolitik der EU und ihrer Mitgliedstaaten.

Seit Jahren wird die „Festung Europa“ immer weiter ausgebaut. Unter dem Codenamen Frontex werden die Außengrenzen militärisch gesichert und der Tot von Tausenden Flüchtlingen dabei billigend, wenn nicht willentlich in Kauf genommen. Nordafrikanische Staaten werden durch die Drohung der Kürzung von Hilfszahlungen aus den Töpfen der EU unter Druck gesetzt und dazu gezwungen ihrerseits dafür zu sorgen, dass Flüchtlinge sich möglichst gar nicht erst auf den Weg über das Mittelmeer machen, sondern am besten schon auf afrikanischem Boden aufgehalten und in extra errichtete Lager gesperrt werden. Doch solange die kapitalistische Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung große Teile der Menschheit und ganze Erdteile vom Wohlstand ausschließt und es den Menschen in den reicheren Staat scheißegal ist, wenn anderswo Menschen an Hunger, Krieg und Elend sterben, wird es weiter legitim sein, dass Menschen, die nicht das Glück haben, in einer reichen Industrienation geboren zu sein, versuchen die Mauern der Festung Europa und jede andere Barriere, die Reich von Arm trennen soll, zu überwinden und zu durchbrechen. Refugees Welcome! [Text von FVL]

Die Einnahmen des Turniers gehen an Flüchtlingsinitiativen. Rassismus, Sexismus etc. werden selbstredend nicht toleriert. Gespielt wird auf Halbfeldern und mit all gender Teams.

Freitag, 17. Juni, abends:Gemütliches Ankommen im Vereinsheim (VoKü mit veganen sowie vegetarischen Leckereien, DJ und Kick-Fascism-Tipp-Kick-Turnier)

Samstag, 18. Juni, tagsüber:Fanturnier im Stadion. Gespielt wird über das halbe Feld auf 7m-Tore. Sechs Menschen (all gender) bilden ein Team. Im Vordergrund soll der Spaß am Spielen stehen.

Samstag, 18. Juni, abends:Party in der Lobusch zum Ausklang.

Kontakt gibt’s via [Email].