Archiv für Mai 2011

Metropolitanes Vergeigen in der Provinz

Brandenburger SC Süd 05Tennis Borussia Berlin 3:1

Mittwoch, 04.05.2011, 18.30 Uhr, Werner-Seelenbinder-Sportplatz, Oberliga Nordost Nord (Männer)

Da wurde vor dem Spiel auf der Website von TeBe schon darauf hinbgewiesen, dass auf der Avus gebaut wird und es Stau geben könnte und dann geraten wir trotzdem mitten rein, weil wir mal wieder den Berliner Feierabendverkehr einfach unterschätzt haben. So erreichten wir trotz Kamikazefahrt auf den letzten Kilometern durch wunderschöne Kulturlandschaften und vorbei an unzähligen Blitzern erst gut zwanzig Minuten nach Anpfiff das ziemlich idyllisch gelegene Stadion am Stadtrand von Brandenburg an der Havel. Der Gästeblock war mit rund 60 Menschen für einen Mittwoch gut gefüllt, doch ein Blick auf die Anzeigetafel verriet uns, dass die Lila-Weißen bereits 0:1 hinten liegen. Sentürk war der Torschütze. Bereits in der 9. Minute hatte er einen Freistoß verwandelt, nachdem den Aussagen der pünktlich Gekommenen zufolge TeBe durchaus am Drücker gewesen war. Auch in der Folge schien TeBe sichtlich bemüht und war eigentlich mindestens gleichwertig. Alleine die enorm hohe Zahl an Ecken spricht eindeutig für einen ungebremsten Offensivdrang. Doch leider waren die Jungs vom Eichkamp vor dem Tor ein Ausbund an Harmlosigkeit. TeBe hatte zwar mehr Chancen, die Gastgeber jedoch eindeutig die besseren. Immer wieder waren es auch Missverständnisse und Abstimmungsfehler in der Abwehr, die dem BSC beste Chancen ermöglichten. Die Gästekurve reagierte frustriert mit Tritten gegen die metallene Bande und wüsten Flüchen. Das 2:0 durch Görisch per sehenswertem Distanzschuss nach Ecke von links kurz vor dem Halbzeitpfiff machte die Sache nicht eben besser.

Die zweite Hälfte sah dann eine Gästemannschaft, die mit aller Gewalt und unglaublichem Willen alles daran setzte das Spiel noch zu drehen. TeBe drückte auf den Anschlusstreffer und wurde für die Mühen bereits in der 48. Minute belohnt, als Jeton Ademi den Ball mit aller Wucht ins Netz hämmerte. Auch danach war TeBe drückend überlegen. Die Gastgeber kamen kaum mal auch nur über die Mittellinie hinaus, doch vor dem Tor ging weiterhin gar nichts. Es war zum verzweifeln, den Spielern dabei zuzusehen, wie sie sich förmlich zerrissen und im Mittelfeld Ball um Ball erkämpften nur, um ihn am Ende doch irgendwie zu vertendeln oder ins Toraus zu bugsieren. Etwa in der 80. Minute gab es dann sogar einen Handelfmeter für die Gäste, doch Kapitän Fuat Kalkan, der nach dem Spiel sichtlich niedergeschlagen war, vergab. Vielleicht war es keine gute Idee gewesen ausgerechnet Kalkan gegen seinen früheren Teamkollegen Mirco Langen antreten zu lassen, der sich möglicherweise noch recht gut an dessen Elfmeter erinnern konnte. In den letzten Spielminuten gab es dann einen offenen Schlagabtausch mit Chancen hüben wie drüben. In der Nachspielzeit gelingt Kahlert dann noch per Kopf das 3:1 für die Gastgeber. Leistungsgerecht war das zwar nicht, aber so offen wie TeBe am Ende hinten war, weil sie alles, aber auch alles nach vorne warfen, war es beinahe folgerichtig.

Diese Niederlage tut weh. Noch schmerzhafter aber ist es dem Team zuzusehen, wie es sich wirklich bemüht und genau die Einsatzbereitschaft zeigt, die Fans doch immer fordern, und am Ende immer wieder mit leeren Händen dasteht. Ebenfalls weh tut der Anblick der Atzen von BFC Dynamo und Stahl Brandenburg die nichts Besseres zu tun hatten als bei einem Spiel, wo weder das eine noch das andere Team zugegen ist, rumzuprollen und zu versuchen die anwesenden TeBe-Fans zu einer zünftigen Hauerei zu animieren bzw. eine solche für das Derby zwischen TeBe und BFC am kommenden Samstag schon mal provisorisch anzukündigen. Zivilisation sieht anders aus und so eine Scheiße haben die im Schnitt und im Vergleich und vor allem für Brandenburg doch relativ sympathischen 05er_innen eigentlich auch wirklich nicht verdient. Testostertonüberschuss und antiquierte Männlichkeitsbilder. Nächster Akt am Samstag im Mommsenstadion…

Rudi Völler und die Frauen

Rudi Völler war offenbar unzufrieden mit der Leistung von Schiedsrichter Deniz Aytekin, der in dieser Saison auch schon mit dem von ihm verhängten Spielabbruch auf St. Pauli Schlagzeilen gemacht hatte. Das ist legitim. Immerhin war seine Werkself aus Leverkusen dabei beim Lokalrivalen 1. FC Köln mit 0:2 zu verlieren. Seine Wortwahl jedoch ließ tief blicken und was dabei zum Vorschein kam war alles andere als schön:

Pfeif doch Frauenfußball! So ein Mist, jeden Mückenstich pfeift der, das ist doch unfassbar…

Vielleicht hatten die Fans der SG Dynamo Dresden doch Recht, als sie behaupteten, Sexismus sei ein Fangesang. Wahrscheinlicher aber ist, dass Tante Käthe einfach genauso ein sexistischer Depp ist wie der Großteil derer, die sich Männerfußball reinziehen. Sonst Frank Rijkaard ihn ja bestimmt auch nicht angespuckt damals…

Tatort Stadion in Düsseldorf

Die Karawane zieht weiter und macht derzeit Halt in Düsseldorf. Noch bis zum 15. Mai wird die Ausstellung „Tatort Stadion“ im Eingangsbereich der Volkshochschule/Stadtbücherei Düsseldorf am Hauptbahnhof (Bertha-von-Suttner-Platz 1) zu sehen sein. Extra für diese Station wurden von den Organisator_innen vor Ort zwei neue Ausstellungstafeln erarbeitet, die hier erstmal bewundert werden können. Abgesehen von der offizellen Eröffnung am 2. Mai um 19 Uhr stehen noch zahlreiche weitere Veranstaltungen, u.a. eine Podiumsdiskussion und ein Konzert, auf dem Programm. Mehr Infos gibt es [hier].

Interview mit Carsten Bangel

Die 11 Freunde hat passend zum Mommsenstadion-Poster in der aktuellen Ausgabe ein sehr lesenswertes Interview mit TeBe-Langzeitfan und Stadionsprecher Carsten Bangel am Start. Zu lesen [hier] und als Appetithappen ein kleiner Auszug:

Carsten Bangel, gerade in der tristen Gegenwart des Oberliga-Abstiegskampfs: Kann man das Mommsenstadion überhaupt lieben?

Carsten Bangel: Oh ja. Wir lieben es alle. Das Mommsenstadion ist keine Schönheit, es ist aber ein Old-School-Paradies. Es hat Soul. Wir haben rund 80 Prozent Stehplätze und im Stadion totale Bewegungsfreiheit. Es gibt keine Videowürfel, wo man mit Werbung bombardiert wird und keine Kameraüberwachung. So wie Fußball eben vor 20, 30 Jahren war. Man hört auch von vielen Groundhoppern, dass sie auf das Ambiente stehen.

Das ist dann wohl der Luxus der Oberliga…

Carsten Bangel: Gewissermaßen schon, ohne damit den Absturz der letzten Jahre romantisch verklären zu wollen. Natürlich träumen wir davon, in absehbarer Zeit auch wieder höher zu spielen. Das wird dann auch Veränderungen mit sich bringen. Aber momentan genießen wir eben die Dinge, die im großen Fußball etwas verloren gegangen sind.