Gruß aus Finnland

Inter Turku – Vaasa PS 3:1

Donnerstag, 19.05.2011, 18.30 Uhr, Veritas Stadion, Veikkausliiga (1. Liga Männer)

Fußball ist in Finnland zwar nicht gerade eine Nischensportart, spielt aber nach Eishockey ganz klar die zweite Geige. Vor allem dieser Tage, wo doch die finnische Männernationalmannschaft ausgerechnet gegen den Nachbarn Schweden den Weltmeistertitel geholt hat. Das ganze Land bzw. der eher nicht so progressiv eingestellte Teil des Landes befindet sich in einer Art national(istisch)en Taumel und wenn die siegreichen „Löwen“ am Tag nach diesem Spiel nach Turku kommen werden, um die Trophäe vorzuzeigen, werden mit Sicherheit ein Dutzend mal mehr Leute dabei sein als beim Heimspiel von Inter Turku…

Inter Turku ist der kleinere der zwei größeren Vereine der Hafenstadt Turku, konnte 2008 den Meistertitel erringen und gilt als der im Zweifelsfall etwas alternativer Club in der Stadt. Konkurrent Turku Palloseura (TPS) ist der Traditionsverein der Stadt und zieht deutlich mehr Publikum. Inter wurde erst 1990 gegründet, spielt wie der Namensvetter aus Mailand in blau-schwarz und ist so etwas wie das Spielzeug seines Präsidenten Stefan Håkans, der sein Geld als Reeder gemacht hat und davon eine ganze Menge. So konnte er es sich auch leisten, das kommunale Stadion, das Inter sich mit TPS teilt, um zwei Tribünen zu erweitern und immer wieder gute Spieler an Land ziehen. Anders als andere Mäzene scheint er jedoch tatsächlich Fußballfan zu sein und hängt auch nicht in irgendwelchen Logen rum. Während des gesamten Spiels stand er mit Schirmmütze am Spielfeldrand und war sichtlich dabei.

Das Spiel selbst hatte in etwa bundesdeutsches Drittliganiveau. Vaasa war technisch überlegen, Inter setzte mehr auf die Kraft der Überzeugung. Vor allem die Abwehr der Gastgeber und da wiederum speziell die linke Seite gleich zeitweise einem Hühnerhaufen. Offenbar hat dieser Mannschaftsteil zu diesem frühen Zeitpunkt in der Saison (5. Spieltag) noch nicht zu sich selbst gefunden. Es ging über die komplette erste Hälfte locker hin und her mit Chancen hüben wie drüben. Das erste Tor jedoch konnte Inter erzielen. „Schießen“ wäre allerdings zu viel gesagt. Furuhom murmelte den Ball in der 25. Minute eher über die Torlinie. Erst sein dritter Tritt gegen den Ball bugsierte den selbigen irgendwie an den rechten Innenpfosten und von dort ins Netz. Der zu diesem Zeitpunkt hochverdiente Ausgleich ließ jedoch nicht lange auf sich warten. In der 39. Minute stand Kokko nach Flanke von rechts völlig frei vor Torhüter Magnus Bahne und hatte kein Problem einzunetzen. Wenig später pfiff der Schiedsrichter pünktlich zum Pausentee, der hier in Finnland auffällig häufig aus Kaffee besteht…

Die zweite Halbzeit war noch gar nicht wieder richtig ins Rollen gekommen, da stand es plötzlich 2:1. Lehtonen hatte einen Konter über Abramovic, der ein gutes Auge für den besser postierten Mitspieler bewies, abgeschlossen (49. Minute). Trotzdem blieb es spannend, denn trotz der Führung war offensichtlich, dass Inter das Spiel noch keinstenfalls im Sack hatte. Vasaa blieb gefährlich und kam zu etlichen Chancen. Auch die Gastgeber hatten ihre Möglichkeiten, doch auf beiden Seiten verhinderten die guten Leistungen der Torhüter Schlimmeres. In der Zwischenzeit waren auch die einheimischen organisierten Fangruppen auf der Olympiatribüne aufgewacht. Waren sie bis dahin fast nur dadurch aufgefallen, dass sie im Gegensatz zu allen anderen auf ihren Sitzplätzen standen, gab es jetzt doch recht regelmäßigen Support. Sicher war die Tatsache, dass Vasaa mit grob geschätzten null mitgereisten Fans keinen wirklichen Gegner im Sangesstreit bot, nicht eben motivierend gewesen. Der sich zunehmend optimistisch gestaltende Spielverlauf schien das jedoch wieder auszugleichen. So sangen „Armada“ und „Ultra Boys“ ihre Lieder und die meisten Melodien kamen mir durchaus bekannt vor aus anderen Stadien. Allerdings schienen sie hier durchaus mit ein oder zwei Noten weniger auszukommen und auch die Intonation erinnerte eher an fünf Uhr morgens am Tresen als an Fischerchor. Sei es drum. Immerhin snag mal überhaupt irgendwer. Der Rest klatschte höchstens mal bei Ecken und ließ sich selbst nur in Ausnahmefällen zu lauten Flüchen hinreißen. Abramovics 3:1 in der 82. Minute entlockte dann jedoch auch den letzten der paar hundert Inter-Anhänger_innen so etwas ähnliches wie Jubelschreie.

Nach dem Abpfiff dauerte es dann kaum fünf Minuten und das Stadion war komplett menschenleer. Für das nächste Spiel am Sonntag in Rovaniemi im Norden des Landes mobilisieren die Ultras gar nicht erst zur Auswärtsfahrt, sondern verteilen lieber Flyer für ein kollektives Fernsehgucken in der Kneipe. Immerhin. Inter Turku steht nach dem Spiel auf Rang drei und wäre damit im internationalen Geschäft. Vasaa ist vorletzter und müsste in die Relegation. Aber die Saison ist trotz der nur zwölf Teams in der Liga noch lang. Denn nach dem Ausschluss von Tampere United und C Oulu kurz vor Saisonstart, die beide in die finnische Version des Wettskandals verwickelt sind, hat der Verband spontan entschieden, dass dann halt alle Teams dreimal gegeneinander spielen sollen. Die Fans wird es sicher freuen, auch wenn das Ergebnis überenglische Wochen wie diese mit Spielen an Montag, Donnerstag und Sonntag sind…