Topspiel mit Niveaulimbo im Gästeblock

SV Babelsberg 03SG Dynamo Dresden 1:1

Freitag, 29.04.2011, 18 Uhr, Karl-Liebknecht-Stadion, 3. Liga (Männer)

Rechenkünstler_innen im Zentralkomitee des SVB hatten ermittelt, dass der Verein nicht mehr absteigen konnte. Entsprechend gut gelaunt und entspannt war die Stimmung beim Potsdamer Stadtteilverein. Die SGD aus dem Freistaat Sachsen hingegen stand unter höchster Anspannung, denn für sie ging es nach wie vor um den dritten Aufstiegsplatz hinter Braunschweig und Rostock. Vor diesem drittletzten Spieltag standen sie auf dem vierten Platz punktgleich mit Erfurt vor und Wehen Wiesbaden hinter ihnen. Da die direkte Konkurrenz erst Tags drauf antreten würde, konnte Dresden vorlegen und die anderen Teams damit unter Druck setzen. Zumal Wehen Wiesbaden gegen Hansa Rostock im Ostseestadion vor vor einer wirklich alles andere als leichten Aufgabe stand.

Im Gegensatz Zum Spiel gegen Jena schien es diesmal keine größeren Probleme bei den Einlasskontrollen zum Gästeblock zu geben. Jedenfalls war dieser schon lange vor Anpfiff proppenvoll und die Schalparade bei der Dresdener Vereinshymne absolut sehenswert. Die Gegenseite konterte mit einer schönen Glitzerchoreo im Ostblock zum Anpfiff, über die mensch sich kaum richtig ausgiebig freuen konnte, weil das Spiel sofort nach dem Anpfiff richtig losging. Keinerlei Abtasten oder Abwarten. Vor allem Dresden machte mächtig Druck und hätte schon nach zwei Minuten durch einen Freistoß von Christian Fiel in Führung gehen können. Die Babelsberger hielten dem Druck jedoch stand und hatten in der 10. Minute durch Hahne und der 11. durch Kocer selbst zwei ganz große Möglichkeiten. In der Folge erarbeitete sich die SGD jedoch wieder eine deutliche Feldüberlegenheit, während Babelsberg sich vor allem auf die Defensive und gelegentliche Konter konzentrierte. Die größte von vielen Chancen für die Gäste vergab jedoch in der 33. Minute Koch, der nach einem guten Freistoß, der wieder von Fiel kam, von der Strafraumgrenze einfach mal draufhielt und Keeper Unger zu einer Glanzparade nötigte. Auf den Rängen war in der ersten Hälfte alles, so wie es sein sollte. Laut aber fair supporteten die Fans ihr jeweiliges Team, ohne groß ausfallend oder beleidigend zu werden. Das änderte sich jedoch in der 43. Minute, nachdem es im Babelsberger Strafraum zu Geschubse gekommen war. Aus dem Ostblock kamen „Scheiß Dynamo“-Rufe, die vom Gästeblock mit dem Lied über die asozialen Zecken umgemünzt auf asoziale Preußen und schließlcih mit dem Ruf „Ihr habt bezahlt, ihr kriegt auf’s Maul“ quitiert wurden. Danach war erstmal Pause und die Gemüter konnten sich ein wenig abkühlen und erholen von einer sehenswerten ersten Hälfte.

Die zweite Hälfte begann, verglichen mit der ersten, etwas verhaltener. Dresden war jedoch weiterhin am Drücker. Die Gastgeber brauchten fast eine Viertelstunde, bis sie überhaupt mal gefährlich vor das Dresdner Tor kamen. Offenbar war den Dynamo-Fans auch etwas langweilig. Jedenfalls entschieden sie sich, das geistige Niveau noch einmal enorm zu senken und präsentierten ein Spruchband, das verkündete: „Sexismus ist ein Fangesang, ihr Fotzen!“, was offenbar auf die vereinseigene Kampagne „Rassismus ist kein Fangesang“ gemünzt war. Als Bonus dazu gab es in Richtung auf den nahen Babelsberger Fanblock den – im übrigen von fast allen Dresdner_innen gegrölten – Ruf „Warum seid ihr Huren so leise?“. Intellektueller Anspruch sieht anders aus… Der gescholtene Babelsberger Block in der Gegengerade begann kurz darauf mit einer kleinen pyrotechnischen Einlage, die offenbar dazu gedacht war, den Inhalt des entrollten Spruchbands „Licht an – Vorstand raus“ optisch zu untermalen. Der Gästeblock sah das offensichtlich als Herausforderung an und begann ebenfalls mit einer kleinen Feuershow. Allerdings ging es hier wohl eher um Machtdemonstration und Reviergehabe. Passend dazu kletterten Dutzende Mackerfans – teils vermummt – auf die Zäune oder kletterten wie die Äffchen in den Ballfangnetzen umher. Schiedsrichter Weiner, der übrigens eine sehr gute Leistung ablieferte, sah sich gezwungen, das Spiel für einige Minuten zu unterbrechen, auch weil aus dem Dresdenblock mittlerweile Bengalos aufs Spielfeld geworfen wurden. Nach dieser kleinen Showeinlage hatten die Dresdner_innen dann leider kein Feuerwerk mehr um den sportlich hochverdienten Führungstreffer durch Koch in der 77. Minute gebührend zu feiern. Lange feiern konnten sie aber eh nicht, denn in der 87. Minute erzielte der eingewechselte Engler aus kurzer Distanz den Ausgleich. Als dann Torjäger Schahin nach einem Zusammenprall mit Torhüter Unger auch noch kurz vor Abpfiff mit Gelg-Rot vom Platz flog, war der Tag für den Dresdner Anhang gelaufen. Statt des erhofften Siegs und bester Aussichten auf Platz 3 gab es einen gehörigen Dämpfer im Aufstiegsrennen und einen Platzverweis, der bitter weh tut. Entsprechend ungehalten gebärdete sich der Gästeanhang. Ob das allerdings ein versuchter Platzsturm sein sollte oder ob die paar Leute, die sich plötzlich vor den Füßen der Ordner_innen wiederfanden, einfach nur besoffen vom Zaun gefallen waren, lässt sich nicht mit Bestimmtheit sagen. Jedenfalls haben die Fans der SGD ihrem Ruf als zwar lautstarke, aber auch äußerst unangenehme Fangruppe alle Ehre gemacht.

Den Babelsberger_innen kann es egal sein. Dank gesichtertem Klassenerhalt und bereits erteilter Lizenz für die kommende Saison, können sie ganz entspannt in die letzten zwei Runden der Meisterschaft gehen. Aus sportlicher Sicht die interessanteste Frage wird sicher sein, ob und in welchem Maße der Verein und Trainer Demuth die Mannschaft werden zusammenhalten können. Aber das ist eine andere Geschichte…


1 Antwort auf „Topspiel mit Niveaulimbo im Gästeblock“


  1. 1 LoveMusicHateRacism2 30. April 2011 um 15:51 Uhr

    Toller Bericht!
    Allerdings muss ich sagen, dass der Schiedsrichter keine „sehr gute Leistung“ geliefert hat. Ich würde ihm eine durchschnittliche Leistung zusprechen, aber mehr auch nicht.
    Dazu gab es meiner Meinung nach, einfach viel zu viele Fehlentscheidungen.

Die Kommentarfunktion wurde für diesen Beitrag deaktiviert.