Der gefühlte C-Bereich

1. FC Union Berlin IITennis Borussia Berlin 6:2

Sonntag, 25.04.2011, 14 Uhr, Stadion an der Alten Försterei, Oberliga Nordost Nord (Männer)

Die Ausgangslage war glasklar. Union wird die Saison jenseits von gut und böse beenden. Für TeBe geht es um alles oder nichts. Noch ist der Klassenerhalt nicht ganz verspielt, aber gut sieht es nicht wirklich aus für das Team vom Eichkamp. Aus Sicherheitsgründen fand das Spiel im Stadion an der Alten Försterei statt und nicht wie sonst üblich bei Unions Zweiter am Bruno-Bürgel-Weg statt, was ja nicht eben die schlechteste Spielstätte Berlins ist. Schnell zeigte sich wie hervorragend die Akustik des Stadion ist. Der Support von rund 120 Gästefans war laut und deutlich bis in die Heimkurve zu hören. Freilich nur, wenn die rund 900 Unioner_innen nicht ihrerseits sangen oder riefen. Wirklich ein wahrer Ohrenschmaus…

Das Spiel auf dem Rasen nahm nach etwa zehn Minuten des gegenseitigen Abtastens dann auch an Fahrt auf. In der 11. Minute hätte Soltanpour um ein Haar die Führung für Union erzielt, hätte er nicht im Abseits gestanden. Vier Minuten später ist es dann aber soweit. Hollwitz erzielt das 1:0 für Union per direktem Freistoß, der rechts unten im Tor einschlägt. In der 23. Minute tunnelt Soltanpour dann Filatow und macht doch noch sein Tor. Es ist sein 50. Pflichtspieltor für Union. Alle hochkarätigen Chancen für Union aufzuzählen würde den Rahmen dieses Artikels sprengen. Die Köpenicker waren in allen Belangen deutlich überlegen und mindestens eine Klasse besser. Das Einzige, was TeBe entgegenzusetzen hatte, war Kampfgeist und die konsequente Weigerung aufzugeben. Überraschend aber nicht unverdient kam dann in der 31. Minute der Anschlusstreffer, den Isik aus kurzer Distanz erzielte, nachdem Torhüter Pruschke einen Schuss von Taflan noch hatte abwehren können. Die aufkeimende Hoffnung wurde jedoch keine drei Minuten später brutal niedergeschlagen. Skrzybski taucht alleine vor Filatow auf, legt den Ball rechts vorbei und es steht 3:1. Wer jetzt dachte, das sei schon alles gewesen, sah sich getäuscht, denn quasi mit dem Halbzeitpfiff gelang TeBe aus dem Nichts heraus der erneute Anschlusstreffer. Behnert war es, der Pruschke tunnelte und wieder lief der Angriff über die deutlich stärkere rechte Seite der Borussen.

Die zweite Hälfte begann dann genau so, wie die erste aufgehört hatte, nämlich mit einem Tor. Allerdings waren es diesmal wiederum die Unioner_innen, die jubeln durften, nachdem Uaferro nach einer Ecke den Ball flach ins lange Eck hämmerte (47. Minute). Union gab sich jedoch mit der schon deutlichen Führung nicht zufrieden. In der 69. Minute machte der eingewechselte Dietrich noch das 5:2 und in der 78. erzielte abermals Skrzybski den 6:2-Endstand. Die Lila-Weißen hielten bis zum Abpfiff tapfer dagegen, doch fehlten ihnen an allen Ecken und Enden die Mittel. Es war erschütternd mit ansehen zu müssen, wie immer und immer wieder ein einziger simpler Pass die gesamte Abwehr aushebeln konnte. Wäre Filatow nicht ein so guter Torhüter oder die Unioner auch nur ein bisschen treffsicherer, hätte es auch locker zweistellig werden können. Neutrainer Schatte hat noch eine Menge Arbeit vor sich, wenn der Klassenerhalt noch irgendwie erreicht werden soll. Aber immerhin ist Einsatz zu erkennen und das Team hat sich noch nicht aufgegeben.

Auf den Rängen blieb es, von dem üblichen Ost-West-Gediss mal abgesehen, verhältnismäßig ruhig. Anders als beim Hinspiel waren von Unioner Seite keine antisemitischen Hassgesänge zu hören und auch sonst wirkte alles recht enspannt, was aber auch daran liegen könnte, dass zwischen beiden Fankurven das gesamte Spielfeld lag und es somit keine Berührungspunkte gab. Rund um das Stadion schlichen allerdings etliche erlebnisorientierte Köpenicker Kleingruppen herum und hofften offenbar auf Beute. Die reichlich vorhandene Polizei schaffte es jedoch die Fantrennung konsequent durchzusetzen. Offenbar hatte die Einsatzleitung aus dem Hinspiel gelernt, was sich auch daran zeigte, dass das Gros der TeBe-Fans sowohl bei der An- als auch bei der Abreise konsequent unter Polizeischutz stand. Dass die eingesetzten Beamt_innen dabei nicht immer den freundlichsten Umgang an den Tag legten, gehört wohl einfach zu ihrem Beruf. Ein bisschen mehr Freiraum beim Abreißen der unsagbar vielen Naziaufkleber in Schöneweide, wo der ganze Tross umsteigen musste, wäre allerdings nett gewesen. „Ausländer raus!“ am Laternenpfahl muss echt nicht sein…


3 Antworten auf „Der gefühlte C-Bereich“


  1. 1 Hannes 26. April 2011 um 10:21 Uhr

    Montag ist der neue Sonntag

  2. 2 BimmelBammel 26. April 2011 um 13:21 Uhr

    es hät mich echt gewundert wenn nicht wenigstens eine kleine erwähnung findet wie böse Unioner sind…

    Ich hab „eure“ gesänge nicht immer 100% gehört aber es klang auch nich unbedingt so als hätte TeBe seine Bildungselite mitgebracht.

    ansonsten enstpanntes Spiel und ich hab keinen gesehn der stress gesucht hat (was nicht heißt das es sowas nicht gab/gibt).

    nur wieso wurden „eure“ Zaunfahnen schon in der (gefühlt) 75 minute abgemacht?

  3. 3 fussballvonlinks 26. April 2011 um 16:43 Uhr

    das mit den zaunfahnen habe ich mich allerdings auch gefragt! eine unsitte ist das! ;)

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