Der Krone ein Stück näher

Turbine PotsdamFCR Duisburg 1:0

Sonntag, 17.04.2011, 14.15 Uhr, Karl-Liebknecht-Stadion, UEFA Women’s Champions League

Schöneres Fußballwetter als an diesem Frühlingssonntag kann es fast gar nicht geben, und mehr Brisanz und Qualität dürfte im Frauenvereinsfußball auch kaum zu haben sein. Immerhin trafen hier zwei der drei stärksten Teams der wahrscheinlich stärksten Liga der Welt aufeinander. Das dritte große Team, der amtierende DFB-Pokalsieger 1. FFC Frankfurt war allerdings auch irgendwie mit dabei, denn fast genauso wichtig wie der Ausgang des Spiels dürfte für die Fans von Turbine Potsdam, der angekündigte Wechsel ihres Stars Lira Bajramaj zu eben jenem Verein aus der Mainmetropole sein. Die Ausgangssituation könnte interessanter kaum sein, denn das Hinspiel in diesem Champions League-Halbfinale endete 2:2 unentschieden. Damit waren die Gastgeberinnen zwar leicht im Vorteil, doch würde Duisburg hier das 1:0 machen, wäre alle Rechnerei für die Katz und Potsdam unter Zugzwang.

Die Bedeutung des Spiels schien allen Akteurinnen bewusst zu sein, denn vom Abpfiff an spielten beide Teams mit offenem Visier. Kein vorsichtiges Abchecken, kein taktisches Belauern. Beide Teams spielten hier auf Sieg. Die erste gute Chance hatten die Gäste, als Kozue Ando, auf deren Trikot Namen und Rückennummer kurioserweise in Form von Klebestreifen angebracht waren, in der 10. Minute. Die Japanerin scheiterte an der glänzend aufgelegten Turbine-Torfrau Anna-Felicitas Sarholz, die sich heute in absoluter Topform präsentierte. In der Folge kamen die Potsdamerinnen jedoch immer besser ins Spiel und auch immer wieder zu guten Torchancen. Es dauerte jedoch noch bis zur 40. Minute bis Yuki Nagasato einen Duisburger Abwehrfehler ausnutzte und das 1:0 erzielte.

In der zweiten Hälfte musste Duisburg kommen, denn wenn sie nicht wenigstens noch zwei Tore erzielen würden, wären sie draußen. Doch so sehr sie sich auch mühten und Chancen erspielten, am Ende landete der Ball immer bei Sarholz, an der heute einfach kein Vorbeikommen war. Auf der anderen Seite kam Turbine, auch weil Duisburg immer bedingungsloser auf Offensive setzte, vor allem gegen Ende zu etlichen hochkarätigen Chancen, die jedoch ein ums andere Mal teils kläglich vergeben wurden. Vor allem Bajramaj schien ein wenig neben sich zu stehen und vergab Möglichkeiten, die sie normalerweise im Schlaf verwandelt würde. Wahrscheinlich spielte der bevorstehende Wechsel und die gemischten Gefühle, die damit gerade an so einem Tag einhergehen müssen dabei eine Rolle. Am Ende war es jedoch egal, denn als die finnische Schiedsrichterin Kirsi Heikkinen abpfiff, kannte der Jubel der 4.600 Anwesenden – abzüglich der geschätzt 100 mitgereisten Gästefans – keine Grenzen. Am 26. Mai in London geht es für Turbine dann gegen Olympique Lyon, die sich im anderen Halbfinale gegen die Arsenal Ladies durchsetzen konnten, um die Titelverteidigung. Und für Lira Bajramaj um den krönenden ihrer Zeit in Potsdam.