Archiv für März 2011

Kurzdoku über den FC St. Pauli

Auf der Website der britischen Tageszeitung gibt es eine etwa zehnminütige, englischsprachige Kurzdokumentation über den FC St. Pauli, die sich offenbar zum Ziel gesetzt hat möglichst viele Klischees aufzuzählen und dabei nur Männer zu Wort kommen zu lassen. Natürlich. Geht ja auch um Fußball… Der größte Klops ist dann das Gerede von der Niederlage gegen den „FC Hannover“. Sven Brux, Fabian Boll, Benedikt Pliquett auf englisch reden zu hören ist allerdings trotzdem eine Erfahrung und zu sehen, wie die Mythenmaschine mittlerweile auch außerhalb des deutschen Sprachraums läuft, ist auch interessant. Zu finden ist das Ganze [hier].


guardian

Der falsche Adler im Viertelfinale

Berliner SCTennis Borussia Berlin 2:1

Mittwoch, 16.03.2011, 19 Uhr, Hubertussportplatz, Berliner Pokal (Männer)

Knapp 200 Menschen, davor knapp über die Hälfte Anhänger_innen von Tennis Borussia, hatten sich bei feuchtkaltem Wetter nach Grunewald zur Heimstätte des vom notorischen Antisemiten Carl Diem gegründeten Vereins. Zum Glück hatte der Regen im Laufe des Tages nachgelassen und der Kunstrasenplatz war nur rutschig und nicht ein einziger Teich.

Das Spiel begann sofort als offener Schlagabtausch, doch TeBe hatte klar mehr von der Partie. Den in Schwarz-Gelb spielenden Gastgebern gelang es doch recht gut die Räume eng zu machen. Allein in der Vorwärtsbewegung ging so gut wie gar nichts. So ging TeBe dann auch in der 12. Minute nach einer Ecke in Führung. Die Freude währte jedoch keine zwei Minuten, denn im direkten Gegenzug gelang dem BSC durch ein Abstaubertor der Ausgleich. Rund um die 20. Minute hatte Fuat Kalkan zwar noch zwei gute Chancen durch Schüsse aus der Halbdistanz. Es blieb jedoch beim 1:1 zur Pause.

In der zweiten Hälfte gestaltete sich das Spiel zunehmend offener. Tennis Borussia gelang es nicht aus der Feldüberlegenheit zählbare Vorteile zu ziehen, während die Spieler des BSC zunehmend die mögliche Sensation zu wittern schienen. Das Spiel war schon von Beginn an voll von Nicklichkeiten gewesen, doch nahm es an Härte jetzt noch weiter zu. Der Schiedsrichter schien das Spiel nicht wirklich unter Kontrolle zu haben und zumindest in einer Szene, in der ein Spieler von TeBe von einem BSCer nach einem Foul weg geschubst wurde, hätte eigentlich Rot für eine Tätlichkeit zeigen müssen, wenn er sich irgendwie noch hätte Respekt verschaffen wollen. Wahrscheinlich wäre das Spiel dann auch anders verlaufen. So aber kam es wie es kommen musste und quasi mit dem Ende der regulären Spielzeit erzielten die Gastgeber das 2:1. Dank konsequenten Zeitspiels, das der Schiedsrichter nicht nachspielen ließ, konnte TeBe auch aus den zwei Minuten Nachspielzeit nichts mehr machen und ist damit raus aus dem Pokal.

Gönnen kann ich den Viertelfinaleinzug einem Verein, der von einem Antisemiten gegründet wurde und dessen offizielle Vereinshistorie für die Zeit zwischen 1933 und 1945 lediglich die Gründung einer Rugbyabteilung zu vermelden hat, nicht. Zumindest, dass ihr Gründer Organisator der Olympischen Spiele 1936 war und damit mehr als nur peripher in das Unrechtssystem des Nationalsozialismus verwickelt war, könnte durchaus Erwähnung finden. Aber wie so oft in Deutschland ist wieder einmal so einiges niemals geschehen und was nicht sein darf wird nach Kräften verdrängt.

17.03. Buchvorstellung „Soccer vs. The State“

Derbyzeit am Stadtrand

Frohnauer SCFCK Frohnau 3:0

Dienstag, 15.03.2011, 19 Uhr, Poloplatz, Berliner Pokal (Männer)

Wann genau in Frohnau die Bürgersteige hochgeklappt werden, konnte ich leider nicht herausfinden, aber um 21 Uhr sind sie auf jeden Fall schon oben… Als ich zwei Stunden zuvor am äußersten Nordwestrand von Berlin angekommen war, wirkte alles noch etwas lebendiger hier, wo Berlin sich mehr wie Quickborn und weniger wie Weltstadt anfühlt, wo Farin Urlaub seine Jugend verbracht hat und wo Brandenburg nur einen Steinwurf weit entfernt ist. Der Sportplatz, auf dem das Spiel stattfinden sollte und der mitnichten wirklich ein Poloplatz ist, liegt idyllisch zwischen Tennishalle und Hundeübungsplatz etwa einen Kilometer zu Fuß vom S-Bahnhof entfernt. Als ich dort ankomme, läuft am Bier- und Bratwurststand Hermes House Band und am Spielfeldrand wird über Kernenergie und Nostradamus gesprochen. Bereits in der U-Bahn früher am Tag erzählte eine Frau jemandem am Telefon, dass nach den Ereignissen von Japan nun ja wohl klar sein müsste, dass nächstes Jahr die Welt untergeht. Sie habe da auch so eine Dokumentation im Fernsehen zu gesehen…

Das Niveau auf dem Platz war zum Glück um einiges höher bei diesem Frohnauer Derby im Achtelfinale des Berliner Pokals. Die Favoritenrolle lag hierbei klar bei den Gastgebern. Immerhin stehen sie sicher im oberen Tabellendrittel der Berlinliga, während die Gäste schon beinahe als Absteiger aus der Bezirksliga feststehen. Nachdem die Einlaufhymne, „Hell’s Bells“ von AC/DC, verklungen war und auch die vergessenen Eckfahnen aufgetrieben worden waren, fand diese Favoritenrolle auch bald im Spielgeschehen Ausdruck. Schon in der 5. Minute hatten die Gastgeber die erste gute Chance, und es dauerte auch nur bis zur 10. Minute bis sie durch einen schönen Schuss von der Strafraumkante nach Pass zurück von der Grundlinie in Führung gingen. Nur drei Minuten Später fiel dann auch schon das 2:0 nach einem sehenswerten Solo und einem Schuss aus kurzer Distanz von halblinks. Die Gäste, die sich redlich bemühten ins Spiel zu kommen, hatten erst in der 35. Minute ihre erste wirkliche Chance, die aber ebenso wie ihre zweite nur eine Minute später durchaus ansehnlich war. So blieb es beim 2:0 bis zur Pause.

Zum Wiederanpfiff gab es vom Bierstand aus „Thunderstruck“ von abermals AC/DC zu hören, wobei einige Locals statt „Thunder“ lustigerweise „Frohnau“ riefen. Ob sie sich der Doppeldeutigkeit dieses Rufes am heutigen Abend bewusst waren, ist leider nicht überliefert. Auf dem Spielfeld bemühte sich der FCK nun um mehr Spielanteile, was allerdings vor allem zu mehr Härte im Spiel auf beiden Seiten und damit auch zu drei gelben Karten führte. Das einzige weitere Tor des Abends fiel dann aber doch wieder für den Frohnauer SC und zwar irgendwie nach Gewurschtel im Strafraum in der 60. Minute. Danach verflachte das Spiel zusehends. Zu überlegen waren die Gastgeber. Wo die Gäste mit Libero und Abstoß ins Seitenaus agierten, hatten sie Viererkette, Kurzpassspiel und trickreiche Eckenvarianten zu bieten. Der Klassenunterschied war nicht zu übersehen. So war dieser Sieg bei kühler Witterung und vor rund hundert Zuschauer_innen sowie der daraus resultierende Einzug ins Viertelfinale am Ende hochverdient und auch zu keinem Moment wirklich gefährdet. Wirkliches Derbyfeeling kam aber leider nicht wirklich auf. Schade eigentlich…

„…die sind eben so“

Ein Klassiker. Schalke-Fans erzählen, warum sie Dortmund-Fans hassen und verkloppen, und Dortmund-Fans erzählen, warum sie Schalke-Fans hassen und verkloppen. Das ganze gewürzt mit Rassismus, Antisemitismus und Verherrlichung des Nationalsozialismus und fertig ist die Fankultur. Ganz großes Kino und ein gutes Argument für fast alles, was heute „moderner Fußball“ genannt wird…

Kogge gegen lila Gummiboot

Tennis Borussia BerlinFC Hansa Rostock II 1:1

Freitag, 11.03.2011, 19 Uhr, Mommsenstadion, Oberliga Nordost Nord (Männer)

Hansa II ist ohne Zweifel eines der Spitzenteams der Liga und in der Hinrunde hatte TeBe eine herbe Klatsche hinnehmen müssen. Im Laufe der Saison war das Team vom Eichkamp jedoch immer besser in Fahrt gekommen und somit war nicht ausgeschlossen, dass es diesmal, zumal mit dem Heimvorteil im Rücken, ganz anders kommen könnte.

In der ersten Halbzeit wurde das Spiel jedoch ganz klar von den in Rot spielenden Hanseaten dominiert, die immer wieder gefährlich vor dem Tor von Filatow auftauchten, der jedoch einen glänzenden Tag erwischt hatte. TeBe hielt vor allem mit Kampf und viel Einsatz dagegen. Wirklich gefährlich werden konnte das Team von Trainer Yildiz nur nach Standardsituationen. So war es auch kein Zufall, dass der Führungstreffer für Tennis Borussia in der 59. Minute nach einem Freistoß fiel. Zwar konnte der erste Versuch pariert werden, an der Strafraumgrenze bekam jedoch Tokgöz den Ball vor die Füße und zog umgehend ganz trocken ab und haute den Ball in die rechte untere Ecke. Ein Tor, mit dem nach dem bisherigen Spielverlauf wohl kaum jemand so wirklich gerechnet hätte. Entsprechend groß war der Jubel. Hansa schien von dem Gegentor jedoch nur noch mehr angespornt zu werden und setzte TeBe mächtig unter Druck. Das fast logische Tor für Rostock fiel dann nach Flanke von links und Gewusel im Strafraum durch Kunstmann. Hansa setzte jetzt ganz auf Sieg, während Tennis Borussia versuchte irgendwie den einen Punkt zu retten. Filatow hielt mehrfach großartig. Wirklich großes Glück jedoch hatten die Lila-Weißen als Trachimowicz zwar mit gelb-roter Karte vom Platz flog, der Schiedsrichter aber, obwohl das Foul ganz klar im Strafraum stattgefunden hatte, auf Freistoß knapp vor der Strafraumgrenze entschied. Statt der Großchance per Elfmeter gab es für Hansa nur einen vergebenen Freistoß. Überhaupt können beide Teams froh sein, dass das Spiel nicht noch zehn Minuten länger war, denn dann wäre wohl bei der Härte, die mittlerweile im Spiel war, noch der eine oder andere Mehr vom Platz geflogen. So aber blieb es beim aus Sicht von TeBe doch eher glücklichen Unentschieden.

Auf den Rängen blieb alles ruhig. Nach Abpfiff gab es auf der Tribüne, wo sich die etwa 30-40 Hansa-Anhänger_innen ausgebreitet hatten ein kleines Blinkefeuerwerk, aber sonst war nix. Überhaupt waren die Gäste erstaunlich ruhig und tauten überhaupt erst in der zweiten Halbzeit auf. Supportmäßig bleiben die Punkte diesmal klar zu Hause im E-Block und auch nach dem Spiel blieb erfreulicherweise alles ruhig. Rostock steht jetzt mit einem Spiel weniger zwei Punkt hinter dem Tabellenführer BAK und TeBe hat einen wichtigen und nicht unbedingt erwarteten Punkt im Kampf gegen den Abstieg geholt. So kann es weitergehen.

Schwedischer Fußballer outet sich als schwul

Anton Hysén, Fußballer beim schwedischen Viertligisten Utsiktens BK aus Göteborg und Sohn der schwedischen Fußballlegende Glenn Hysén, hat sich in der aktuellen Ausgabe des schwedischen Fußballmagazins Offside als schwul geoutet und damit einen wichtigen Schritt getan, der es nun hoffentlich auch anderen Fußballprofis möglich machen wird, sich öffentlich zu ihrer Nicht-Heterosexualität zu bekennen. Schweden scheint überhaupt ein gutes Pflaster für derlei Schritte zu sein. Bereits im Juli 2008 hatte sich Victoria Svensson, Profi bei Djurgårdens IF und schwedische Nationalspielerin, geoutet. Natürlich hagelt es auch im aktuellen Fall homophobe Ausfälle und Beschimpfungen von diversen Seiten. Der ganz große Knall scheint jedoch bis jetzt auszubleiben, Hoffentlich bleibt es so… Auf facebook jedenfalls hat seine Fan-Seite es innerhalb kürzester Zeit auf rund 7000 likes gebracht.

[taz-Artikel] [Anton Hysén auf facebook]

antonhysen

Leverkusener Ultras zeigen Niveau

„Tatort Stadion 2″ in Berlin eröffnet

Gestern Abend wurde im Berliner Fußballladen Goal die Ausstellung „Tatort Stadion 2″ eröffnet. Zur Eröffnung mit rund 50 Anwesenden sprachen neben der Inhaberin des Ladens Tülin Duman und Martin Endemann vom Bündnis Aktiver FußballFans (BAFF), das die Austellung erstellt hat, auch Bernd Schultz, der Vorsitzende des Berliner Fußball-Verbands, Eren Ünsal von der Landesantidiskriminierungsstelle und Stefanie Lohaus vom Missy Magazine, dem offiziellen Medienpartner der Ausstellung.

Die ausgesprochen sehenswerte Ausstellung kann noch bis zum 02. April montags bis samstags jeweils von 11 bis 19 Uhr im Goal in der Ritterstraße 12-14 (U8 Moritzplatz) besucht werden.

Manchmal soll es einfach nicht sein

Tennis Borussia BerlinKSV Holstein Kiel 1:1

Sonntag, 06.03.2011, 14 Uhr, Mommsenstadion, 2. Bundesliga Nord (Frauen)

Nach erfolgreichem Flohmarktbesuch ging es bei strahlendem Sonnenschein und einstelligen Plusgraden ab Richtung Eichkamp. Gerade rechtzeitig zur Einlaufmelodie „For Whom The Bell Tolls“ von Metallica im Stadion angekommen, geselle ich mich zu den meisten anderen in den Block F auf Höhe der Mittellinie, während einige wenige es vorziehen im Schatten der Tribüne zu sitzen und zu frieren. Rund 80 Menschen waren ins Stadion gekommen, um das Abstiegsduell zwischen Schlusslicht Tennis Borussia und den Störchen aus Kiel zu sehen, die als Drittletzte auch nicht viel besser dastanden.

Obwohl es für TeBe eines dieser vielbeschworenen Sechs-Punkte-Spiele war, spielten zu Beginn nur die Gäste aus Kiel, die beinahe folgerichtig dann auch in der 21. Minute durch Tina Hild in Führung gingen. Die Entstehung des Tors war jedoch eher abstrus. Hild wuselte sich im Strafraum bis zur Grundlinie rechts vom Tor und versuchte wohl eigentlich zu flanken. Der Ball flog jedoch schnurgerade gefühlte fünf Zentimeter vor und parallel zur Torauslinie Richtung Tor und über Torhüterin Prusas hinweg irgendwie ins Tor. Wie das physikalisch möglich sein soll, habe ich noch nicht so ganz verstanden, aber passiert ist passiert. In der Folge kam TeBe jedoch immer besser ins Spiel und hatte in der 26. und der 45. Minute auch zwei recht gute Chancen nach Freistößen. Wirklich zwingend war das alles allerdings nicht und so ging es mit einem zu diesem Zeitpunkt nicht unverdienten Rückstand in die Pause. Holstein Kiel war bis dahin ganz klar das bessere Team gewesen.

Die Fassbrause in der Pause war noch gar nicht ganz im Magen angekommen, da zeichnete sich auf dem Spielfeld nach dem Wiederanpfiff auch schon ab, dass Trainer Frank Lange in der Kabine ganz offenbar exakt die richtigen Worte gefunden hatte, um seine Spielerinnen zu motivieren. Die Lila-Weißen drehten dermaßen auf, dass es fast unheimlich war. Das Spiel verlagerte sich fast völlig in die Hälfte der Störche. Dass Anne-Rose Lindner in der 52 Minute nach schönem Querpass von Jasmin Moschko den Ausgleich erzielte, war nur die logische Konsequenz eines konsequent erarbeiteten und erkämpften Übergewichts auf allen Ebenen. Nur zwei Minuten später hätte Lindner dann beinahe sogar die Führung erzielt und auch bei einer Dreifachchance für TeBe in der 64. Minute, war es wiederum Lindner, von der die Aktion ausging. In der 68. Minute wurde dann Constanze Hess von einer Kielerin übel gefoult und musste kurz darauf verletzungsbedingt ausgewechselt werden. Ihre Teamkolleginnen jedoch stürmten munter weiter und kamen immer und immer wieder vor das Tor der Kielerinnen. Der wollte und wollte jedoch nicht über die Torlinie. Die Störche kamen noch vereinzelt zu Entlastungsangriffen. Die Nachspielzeit bot dann noch einmal Dramatik pur mit Chancen im Minutentakt. Doch auch die zweite Dreifachchance nach einem Freistoß in der 93. Minute brachte nicht mehr den erlösenden Siegtreffer. Als Schiedsrichterin Christine Weigelt, die bis auf zwei völlig alberne gelbe Karten in der ersten Halbzeit eine solide Leistung darbot, dann schließlich abpfiff, sanken 22 Spielerinnen völlig kaputt in sich zusammen. Am Ende konnten die Kielerinnen froh sein, einen Punkt über die Zeit gerettet zu haben und die Veilchenladys können, auch wenn sie weiter Tabellenschlusslicht bleiben, mit der Gewissheit nach Hause fahren, dass, wenn sie immer die Leistung abrufen würden, die sie in der zweiten Hälfte geboten haben, sie ganz sicher noch den Klassenerhalt schaffen können, denn das war wirklich, wirklich gut.