Ben Nenbroock ist schwul!

Das Flaggschiff der sonntäglichen Fernsehunterhaltung nimmt sich des Themas Homosexualität im Profifußball an und zieht sich achtsam aus der Affäre. Im aktuellen Tatort mit dem Titel „Mord in der ersten Liga“, der heute Abend in der ARD lief, geht es vordergründig um den Mord an dem Hannoveraner Fußballprofi Kevin Faber. Die Themen, die wirklich verhandelt werden, sind Hooliganismus und wie bereits erwähnt Homosexualität im Fußball.

Während ersteres Thema sicher schon bessere Zeiten gesehen hat, ist letzteres derzeit ein absolutes Hypethema. Nicht nur wegen des Coming-outs von Anton Hysén in Schweden, mit dem die Macher_innen des Tatorts wohl auch kaum gerechnet haben konnten, als sie an dem Drehbuch saßen, auch sonst scheint die Medienrepublik nur darauf zu warten, dass es endlich soweit ist, dass sich endlich der erste männliche Fußballprofi hierzulande outet. In der Fernsehwelt ist es nun geschehen. Der Tatort stützt sich dabei durchaus auf aktuelle Erkenntnisse, etwa wenn er nahe legt, dass Ben Nenbroock, derjenige um dessen Coming-out es hier geht, durch das Doppelleben, das er gezwungen ist zu führen, Probleme hat, weiterhin Spitzenleistungen zu bringen. Ähnliches berichtet zum Beispiel Marcus Urban in Ronny Blaschkes Buch „Versteckspieler“. In der Fernsehrealität braucht es allerdings den tragischen Tod des besten Freundes, um den Leidensdruck derart zu erhöhen, dass Nenbroock sich dazu entschließt sich zu outen. Ob es nun cleveres Marketing oder doch eher schlechter Geschmack ist, diese Geschichte ausgerechnet in Hannover, der letzten sportlichen Station Robert Enkes, spielen zu lassen, ist eine Frage, die jede_r für sich selbst klären muss.

Interessant auch die Anlage der Rolle von Kommissarin Lindholms Kollegen Paul Näter, der als beinharter Hannover 96-Fan zuerst nicht wahrhaben will, dass einer der Spieler „seines“ Vereins schwul sein könnte, sich aber irgendwann damit abfindet. Was bliebe ihm auch anderes übrig? Homosexualität ist eine Tatsache und schwule Fußballprofis gibt es wahrscheinlich mehr als Deutsche, die „damals“ wirklich von nichts gewusst haben…

ben nenbroock