Ein Ausflug in den C-Bereich der BVG

Ludwigsfelder FCTennis Borussia Berlin 0:3

Samstag, 29.02.2011, 14 Uhr, Waldstadion, Oberliga Nordost Nord (Männer)

Ich habe nachgesehen. Aufgrund der Witterungsverhältnisse und eigenen Unpässlichkeiten hatte ich bis zum heutigen Samstag tatsächlich über drei Monate lang kein Fußballspiel mehr live im Stadion gesehen. Ein Glück hat dieser Zustand jetzt ein Ende! Und ein glückliches dazu, denn die Reise nach Ludwigsfelde knapp südlich von Berlin verlief doch trotz Minusgraden und grauen Wetters überaus zufriedenstellend.

Da wir bereits eine Stunde vor Anpfiff vor Ort waren und der Ordner an der Tribüne aus unerfindlichen Gründen nur eine Tür zum Bistro des Waldstadions bewachte, durch die er uns aber mit Stehplatzkarten partout nicht lassen wollte, gingen wir halt durch die andere Tür und verbrachten die Zeit bis zum Spiel mit heißen und kalten Getränken sowie allerlei Fachsimpeleien. Das Spiel selbst begann vor allen Dingen verwirrend, was aber nicht am Spielverlauf lag, sondern vielmehr an der Tatsache, dass dort augenscheinlich der Ludwigsfelder FC in Blau gegen den Ludwigsfelder FC in Gelb-Grün spielte. Offenbar hatte TeBe nur einen Trikotsatz mit und musste sich von daher, weil Lila und Blau zu nah beieinander liegen, einen Satz Ersatztrikots vom LFC borgen. Mit ein wenig mehr Aberglauben könnte mensch glatt fordern, von nun an immer in Gelb-Grün zu spielen, denn Tennis Borussia lieferte ohne Frage eine der überzeugendsten Leistungen der gesamten Saison ab. Zwar verlief das Spiel zu Beginn ausgesprochen ausgeglichen, doch gelang es den Gastgebern dank der soliden Abwehrarbeit der Borussen nicht wirklich gefährlich vor das Tor von Filatow zu kommen. TeBe brauchte jedoch auch ein gewisses Maß an Kuriosität, um in Führung zu gehen. Die Ludwigsfelder Abwehr ging offenbar davon aus, dass irgendeiner ihrer Gegenspieler abseits gestanden hatte und stellten die Arbeit ein, was Neuzugang Trachimowicz nutzte um den Ball per Kopf ins Netz zu lupfen (26. Minute). Während Tennis Borussia von dem Tor beflügelt wurde und nun deutlich sicherer kombinierte, gab der LFC sich keineswegs auf und kam auch durchaus zu sehenswerten Halbchancen. Einige im TeBe-Fanblock hatten schon den Schiedsrichter angemotzt, er solle endlich abpfeifen, weil sie wenigstens das 1:0 in die Pause gerettet sehen wollten, da gab es einen schönen und schnellen Konter über links, der zu einer Flanke führte, die Kim dankbar aus geschätzten zehn Metern reinmachte (45. Minute).

Die zweite Halbzeit begann exakt so, wie die erste aufgehört hatte, nämlich mit einem Tor von Kim, der diesmal nach einer erneuten Flanke von links sicher per Kopf das 3:0 erzielte und damit den Sack endgültig zumachte (47. Minute). Es sollte erwähnt werden, dass die Ludwigsfelder, die immerhin abgeschlagen am Tabellenende stehen, sich trotz des deutlichen Rückstands nicht aufsteckten und alles versuchten, das Spiel noch irgendwie zu drehen. Zu mehr als zwei sehr schönen direkten Freistößen, die jedoch knapp links neben dem Tor bzw. in Filatows Armen landeten, reichte es jedoch nicht mehr. Auf der anderen Seite hätte Tennis Borussia sogar noch das eine oder andere Tor erzielen können, wofür auch die zwei Aluminiumtreffer sprechen, die es noch gegeben hat. Mitte der zweiten Hälfte gab es im Gästeblock noch eine Solitapete für die Menschen, die zeitgleich in Dresden Nazis blockierten oder ihnen anderweitig auf die Pelle rückten, aber viel mehr geschah nicht mehr außer einer roten Karte für einen Ludwigsfelder, nachdem dieser aus Frust den Ball weggeschlagen hatte und zwar direkt auf den Schiedsrichterassistenten… Nach dem Abpfiff war der Jubel groß und die Spieler wirkten sichtlich gelöst. Immerhin bedeutete der Sieg, dass ihr Verein dank der drei gewonnenen Punkte zum ersten Mal seit langem nicht mehr auf einem Abstiegsplatz stand.

Die Ludwigsfelder_innen erwiesen sich als gute Gastgeber_innen und das auch neben dem Platz. Das Waldstadion ist eine wirklich schöne Spielstätte mit guter Akustik und sogar noch luxuriöseren Toiletten als in Torgelow (zumindest auf der Tribüne). Auch mit Transparenten und Fahnen mit politischen Aufschriften gab es anders als anderswo keinerlei Probleme, es gab keinen Naziordnerdienst und bis auf einen Menschen mit Thor Steinar-Mütze, der sie nachdem er drauf angesprochen wurde, aber auch sich entschuldigend abnahm, und einem Opa, der beim Anblick einer antirassistischen Zaunfahne irgendwas von seiner Reichskriegsflagge sabbelte, gab es auch im Publikum keinerlei Ausfälle zu beobachten. Da gibt es in der Oberliga und in den Ligen darüber sicherlich so manch unsympathischere Vereine.


3 Antworten auf „Ein Ausflug in den C-Bereich der BVG“


  1. 1 Ogie 20. Februar 2011 um 14:17 Uhr

    TeBe steht doch noch auf einem Abstiegsplatz, oder?

  2. 2 DBA 20. Februar 2011 um 16:24 Uhr

    Nice report… obwohl mir fehlte die merkwürdige Rede über „diese Multikultitruppe aus Berlin“ und das lustige Abspielen von „Hell’s Bells“. LOL.

  3. 3 fussballvonlinks 20. Februar 2011 um 16:35 Uhr

    @dba: da haste recht. das waren definitiv noch zwei highlights. unter den tisch gefallen ist auch die „frei sozial und national“-sprüherei an der autobahnbrücke aufm rückweg. ausgerechnet in lila!!!

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