„Gegengerade“-Premierenparty in Berlin

Es war ein erlebnisreicher Abend. Erst dank altbekannter Stadiontricks für Überfüllung des Kantkinos in Charlottenburg gesorgt und den Film „Gegengerade“ für lau gesehen (mehr dazu an anderer Stelle), dann eine kleine BVG-Odyssee nach Tiergarten zum Grand Hotel Esplanade, das übrigens gleich neben dem Hotel Berlin Berlin liegt, in der Geert Wilders neulich seine Reden schwang. Dort sollte die Premierenparty zum Film stattfinden und in gewisser Weise fand sie das auch…

Die Mischung der Menschen vor Ort war im besten Sinne bunt. Von chicen jungen Damen, von denen eine am Eingang entsetzt feststellte: „Mir hat niemand gesagt, dass hier heute Rock-Chic angesagt ist!“, bis zu schon zu diesem Zeitpunkt vollkommen drüberen Jung- und Altpunks. Dazwischen dichtgepikerte Rockabillyfrauen als Servierdamen, Skinheads in Anzügen, die halbe Audiolith-Glombarde, diverse Stars und Sternchen und irgendwie auch ich. Nach einer Stunde gelangweiltem Rumstehen und Feststellen, dass es kein Buffet zum Plündern gibt, kam dann der vorläufige Höhepunkt des Abends: Slime live in einem 5-Sterne-Hotel! Ein Drittel des Saals tobt und liegt sich bei „Deutschland muss sterben“ in den Armen, die anderen zwei Drittel verstehen nicht so ganz, was daran jetzt so toll sein soll. Und neben der Bühne steht Ralf Richter und nickt zustimmend mit dem Kopf. Danach gibt es dann doch Häppchen und Süppchen und die Party versinkt dank literweise Freischnaps immer mehr im Chaos. Das Klo ist überschwemmt. Ich sage Lucy von den No Angels, dass ich ihre Schuhe toll finde (pink-weiss-schwarze Nikes). Punker prügeln sich, weil es ihnen Spaß bringt. Einige Leute wirken seltsam wach, nachdem sie mal eben kurz weg waren. Da hinten steht Stefan Kretzschmar. Torsun interviewt die Prominenz für Egotronic TV. Irgendwer zockt einen Karton Jägermeister. Die Hausherr_innen lassen die Musik ausstellen. Irgendwelche Atzen versuchen immer wieder ihr Smartphone anzustöpseln und Techno zu spielen. Es gibt es großen Jubel, weil für geschätze zwanzig Sekunden „Raven gegen Deutschland“ läuft. Skinheads singen „HSV ist scheiße!“ und haben recht damit. Der Alkoholausschank wird eingestellt. Menschen plündern die Astra-Kühlschränke. Überall kleben Antifa-Aufkleber und das Treppenhaus ist mit „Liebig 14“-Sprüchen zugetaggt. Das Saallicht geht an. Die Hälfte der Glastische geht kaputt. Draußen fahren mindestens vier Wannen Bullen von den C3- und C1-Hundertschaften vor. Auf der Straße gibt’s Bengalos. Es ist mittlerweile nach drei Uhr. Eigentlich früh für Berliner Verhältnisse, aber ich muss ja mit dem Nachtbus nach Hause und die Party ist eh gelaufen…

[BZ-Artikel] [Bild-Artikel mit tollem Foto]


11 Antworten auf „„Gegengerade“-Premierenparty in Berlin“


  1. 1 Gewuerz Oma 16. Februar 2011 um 20:44 Uhr
  2. 2 pogofritz 18. Februar 2011 um 3:46 Uhr

    slime und audiolith als soundtrack zu einem st.pauli film?! slime wär ja noch irgendwie nachvollziehbar aber diese versnobte elektromukke representiert doch irgendwie alles was wir hassen. zusammen mit den partnern des filmes von bundesliga über maritimhotel bis hooliganstreewear passts dann aber auch wieder ins gesamtkonzept. wieder mal ein schlechter versuch punk zu kommerzialisieren.

  3. 3 jose 18. Februar 2011 um 12:41 Uhr

    „wieder mal ein schlechter versuch punk zu kommerzialisieren“
    ach, ist das bisher nicht gelungen????

  4. 4 Wietschel 18. Februar 2011 um 16:43 Uhr

    Was´n das fürn Scheiß?
    Die meisten Leute die den Film machten sind oder waren genug Punk um darauf zu scheissen wenn jemand denkt das war „zum kommerzialisieren“

  5. 5 z.toni 20. Februar 2011 um 15:23 Uhr

    […] aber diese versnobte elektromukke representiert doch irgendwie alles was wir hassen.

    ich nicht. Forza Egotronic

  6. 6 Casanova Frankenstein 01. März 2011 um 8:19 Uhr

    Der Film rockt ohne Ende.Und die Premieren Feier in Berlin war echt supermegageil.
    Danke noch mal Tarek für viel Spaß und gute Unterhaltung.

  7. 7 Günter Ätzer 12. März 2011 um 11:20 Uhr

    Puh, Schon wieder ein St. Pauli Film ?!?!?

    Man könnte meinen es gäbe keine anderen Kultklubs in Schland, die man mal in einen Film einbauen könnte.

  8. 8 armin prill 21. März 2011 um 2:44 Uhr

    „aber diese versnobte elektromukke representiert doch irgendwie alles was wir hassen.“

    … wer genau is‘n „wir“????

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