Archiv für Februar 2011

Promotionsstipendium in Köpenick

Folgende Anzeige fand sich gestern in den Stellenanzeigen des Tagesspiegels auf der Seite K11. Die Website traditionsforschung.de gibt es wirklich. Die Tatsache, dass sie in lila gehalten ist und dass Zeitpunkt und Ort der „Infoveranstaltung“ mit dem kleinen Derby zwischen Tennis Borussia und Union II am kommenden Wochenende zusammenfällt, legt den Schluss nahe, dass es sich hierbei um einen humoristischen Seitenhieb aus dem Umfeld von TeBe handelt. Manfred Pawlak ist übrigens ehemaliger Präsident von TeBe und saß für die SPD im West-Berliner Abgeordnetenhaus.

PS: Danke für die Einsendung! Wenn ihr interessante Fundstücke habt, immer her damit!

Slime live im Hotel Esplanade

Nachdem an dieser Stelle ja schon der Premierenparty zum Film „Gegengerade“ berichtet worden ist, gibt es hier jetzt noch zwei Videos von Slimes Auftritt auf selbiger:

Ein Ausflug in den C-Bereich der BVG

Ludwigsfelder FCTennis Borussia Berlin 0:3

Samstag, 29.02.2011, 14 Uhr, Waldstadion, Oberliga Nordost Nord (Männer)

Ich habe nachgesehen. Aufgrund der Witterungsverhältnisse und eigenen Unpässlichkeiten hatte ich bis zum heutigen Samstag tatsächlich über drei Monate lang kein Fußballspiel mehr live im Stadion gesehen. Ein Glück hat dieser Zustand jetzt ein Ende! Und ein glückliches dazu, denn die Reise nach Ludwigsfelde knapp südlich von Berlin verlief doch trotz Minusgraden und grauen Wetters überaus zufriedenstellend.

Da wir bereits eine Stunde vor Anpfiff vor Ort waren und der Ordner an der Tribüne aus unerfindlichen Gründen nur eine Tür zum Bistro des Waldstadions bewachte, durch die er uns aber mit Stehplatzkarten partout nicht lassen wollte, gingen wir halt durch die andere Tür und verbrachten die Zeit bis zum Spiel mit heißen und kalten Getränken sowie allerlei Fachsimpeleien. Das Spiel selbst begann vor allen Dingen verwirrend, was aber nicht am Spielverlauf lag, sondern vielmehr an der Tatsache, dass dort augenscheinlich der Ludwigsfelder FC in Blau gegen den Ludwigsfelder FC in Gelb-Grün spielte. Offenbar hatte TeBe nur einen Trikotsatz mit und musste sich von daher, weil Lila und Blau zu nah beieinander liegen, einen Satz Ersatztrikots vom LFC borgen. Mit ein wenig mehr Aberglauben könnte mensch glatt fordern, von nun an immer in Gelb-Grün zu spielen, denn Tennis Borussia lieferte ohne Frage eine der überzeugendsten Leistungen der gesamten Saison ab. Zwar verlief das Spiel zu Beginn ausgesprochen ausgeglichen, doch gelang es den Gastgebern dank der soliden Abwehrarbeit der Borussen nicht wirklich gefährlich vor das Tor von Filatow zu kommen. TeBe brauchte jedoch auch ein gewisses Maß an Kuriosität, um in Führung zu gehen. Die Ludwigsfelder Abwehr ging offenbar davon aus, dass irgendeiner ihrer Gegenspieler abseits gestanden hatte und stellten die Arbeit ein, was Neuzugang Trachimowicz nutzte um den Ball per Kopf ins Netz zu lupfen (26. Minute). Während Tennis Borussia von dem Tor beflügelt wurde und nun deutlich sicherer kombinierte, gab der LFC sich keineswegs auf und kam auch durchaus zu sehenswerten Halbchancen. Einige im TeBe-Fanblock hatten schon den Schiedsrichter angemotzt, er solle endlich abpfeifen, weil sie wenigstens das 1:0 in die Pause gerettet sehen wollten, da gab es einen schönen und schnellen Konter über links, der zu einer Flanke führte, die Kim dankbar aus geschätzten zehn Metern reinmachte (45. Minute).

Die zweite Halbzeit begann exakt so, wie die erste aufgehört hatte, nämlich mit einem Tor von Kim, der diesmal nach einer erneuten Flanke von links sicher per Kopf das 3:0 erzielte und damit den Sack endgültig zumachte (47. Minute). Es sollte erwähnt werden, dass die Ludwigsfelder, die immerhin abgeschlagen am Tabellenende stehen, sich trotz des deutlichen Rückstands nicht aufsteckten und alles versuchten, das Spiel noch irgendwie zu drehen. Zu mehr als zwei sehr schönen direkten Freistößen, die jedoch knapp links neben dem Tor bzw. in Filatows Armen landeten, reichte es jedoch nicht mehr. Auf der anderen Seite hätte Tennis Borussia sogar noch das eine oder andere Tor erzielen können, wofür auch die zwei Aluminiumtreffer sprechen, die es noch gegeben hat. Mitte der zweiten Hälfte gab es im Gästeblock noch eine Solitapete für die Menschen, die zeitgleich in Dresden Nazis blockierten oder ihnen anderweitig auf die Pelle rückten, aber viel mehr geschah nicht mehr außer einer roten Karte für einen Ludwigsfelder, nachdem dieser aus Frust den Ball weggeschlagen hatte und zwar direkt auf den Schiedsrichterassistenten… Nach dem Abpfiff war der Jubel groß und die Spieler wirkten sichtlich gelöst. Immerhin bedeutete der Sieg, dass ihr Verein dank der drei gewonnenen Punkte zum ersten Mal seit langem nicht mehr auf einem Abstiegsplatz stand.

Die Ludwigsfelder_innen erwiesen sich als gute Gastgeber_innen und das auch neben dem Platz. Das Waldstadion ist eine wirklich schöne Spielstätte mit guter Akustik und sogar noch luxuriöseren Toiletten als in Torgelow (zumindest auf der Tribüne). Auch mit Transparenten und Fahnen mit politischen Aufschriften gab es anders als anderswo keinerlei Probleme, es gab keinen Naziordnerdienst und bis auf einen Menschen mit Thor Steinar-Mütze, der sie nachdem er drauf angesprochen wurde, aber auch sich entschuldigend abnahm, und einem Opa, der beim Anblick einer antirassistischen Zaunfahne irgendwas von seiner Reichskriegsflagge sabbelte, gab es auch im Publikum keinerlei Ausfälle zu beobachten. Da gibt es in der Oberliga und in den Ligen darüber sicherlich so manch unsympathischere Vereine.

St. Pauli und der Derbysieg – Ein Kommentar

Auf SportsWire findest sich (m)ein Kommentar zum Derbysieg des FC St. Pauli über den Hamburger SV und zwar [hier]. Hier ein Auszug:

Die Bedeutung des Derbysieges des FC St. Pauli über den Hamburger SV am vergangenen Mittwoch ist kaum zu überschätzen. Es gibt viele Derbys und sicher sind auch einige davon traditionsreicher oder wichtiger als das in Hamburg, aber es gibt wohl kaum eines, bei dem zwei Teams mit derart großer Anhängerschaft aufeinander treffen, das in der Vergangenheit so unglaublich einseitig gewesen ist.

Überhaupt erst ein einziges Mal hatte der FC St. Pauli gegen den HSV in einem Pflichtspiel gewinnen können und das war im September 1977, also vor mehr als 33 Jahren. Die Mehrzahl derjenigen, die am Mittwoch in der Gästekurve der Arena im Hamburger Nordwesten standen, dürfte da noch nicht einmal geboren gewesen sein. Diese lange Durststrecke ist in der Tat ziemlich außergewöhnlich, haben Derbys doch ähnlich wie Pokalspiele , so eine allgemein akzeptierte Fußballweisheit, ihre eigenen Gesetze. Zwar ist der Hamburger SV eindeutig der Verein mit den größeren Erfolgen und dem deutlich dickeren Portemonnaie und hat von daher quasi ein Abonnement auf die Favoritenrolle, doch gibt es auch andere traditionsreiche Derbys mit äußerst ungleichen Gegnern, und keines von ihnen hat eine derart einseitige Geschichte wie das zwischen dem Stadtteilclub und dem Verein vom Rothenbaum…

„Gegengerade“-Premierenparty in Berlin

Es war ein erlebnisreicher Abend. Erst dank altbekannter Stadiontricks für Überfüllung des Kantkinos in Charlottenburg gesorgt und den Film „Gegengerade“ für lau gesehen (mehr dazu an anderer Stelle), dann eine kleine BVG-Odyssee nach Tiergarten zum Grand Hotel Esplanade, das übrigens gleich neben dem Hotel Berlin Berlin liegt, in der Geert Wilders neulich seine Reden schwang. Dort sollte die Premierenparty zum Film stattfinden und in gewisser Weise fand sie das auch…

Die Mischung der Menschen vor Ort war im besten Sinne bunt. Von chicen jungen Damen, von denen eine am Eingang entsetzt feststellte: „Mir hat niemand gesagt, dass hier heute Rock-Chic angesagt ist!“, bis zu schon zu diesem Zeitpunkt vollkommen drüberen Jung- und Altpunks. Dazwischen dichtgepikerte Rockabillyfrauen als Servierdamen, Skinheads in Anzügen, die halbe Audiolith-Glombarde, diverse Stars und Sternchen und irgendwie auch ich. Nach einer Stunde gelangweiltem Rumstehen und Feststellen, dass es kein Buffet zum Plündern gibt, kam dann der vorläufige Höhepunkt des Abends: Slime live in einem 5-Sterne-Hotel! Ein Drittel des Saals tobt und liegt sich bei „Deutschland muss sterben“ in den Armen, die anderen zwei Drittel verstehen nicht so ganz, was daran jetzt so toll sein soll. Und neben der Bühne steht Ralf Richter und nickt zustimmend mit dem Kopf. Danach gibt es dann doch Häppchen und Süppchen und die Party versinkt dank literweise Freischnaps immer mehr im Chaos. Das Klo ist überschwemmt. Ich sage Lucy von den No Angels, dass ich ihre Schuhe toll finde (pink-weiss-schwarze Nikes). Punker prügeln sich, weil es ihnen Spaß bringt. Einige Leute wirken seltsam wach, nachdem sie mal eben kurz weg waren. Da hinten steht Stefan Kretzschmar. Torsun interviewt die Prominenz für Egotronic TV. Irgendwer zockt einen Karton Jägermeister. Die Hausherr_innen lassen die Musik ausstellen. Irgendwelche Atzen versuchen immer wieder ihr Smartphone anzustöpseln und Techno zu spielen. Es gibt es großen Jubel, weil für geschätze zwanzig Sekunden „Raven gegen Deutschland“ läuft. Skinheads singen „HSV ist scheiße!“ und haben recht damit. Der Alkoholausschank wird eingestellt. Menschen plündern die Astra-Kühlschränke. Überall kleben Antifa-Aufkleber und das Treppenhaus ist mit „Liebig 14“-Sprüchen zugetaggt. Das Saallicht geht an. Die Hälfte der Glastische geht kaputt. Draußen fahren mindestens vier Wannen Bullen von den C3- und C1-Hundertschaften vor. Auf der Straße gibt’s Bengalos. Es ist mittlerweile nach drei Uhr. Eigentlich früh für Berliner Verhältnisse, aber ich muss ja mit dem Nachtbus nach Hause und die Party ist eh gelaufen…

[BZ-Artikel] [Bild-Artikel mit tollem Foto]

Kraweuf_inis auf Lepschi

Von 25. bis zum 27. Februar findet in Wien das sechste F_in Vernetzungstreffen statt. F_in ist ein Netzwerk von und für Frauen im Fußball mit antisexistischen Anspruch. Informationen und Downloads zu dem Treffen gibt es [hier] und das hier ist die Einladung:

F_in fährt auswärts! Oder wie wir in Wien sagen: Kraweuf_inis auf Lepschi

Die F_in Sezione Österreich und FairPlay-VIDC freuen sich sehr, das diesjährige Vernetzungstreffen des Netzwerks F_in Frauen im Fußball auszurichten. Unser Schwerpunkt heuer: Mein Leben als Capa. Frauen in der Fußballfanszene.

F_in Vernetzungstreffen 2011 – Das Programm
Unserem Schwerpunktthema Fankultur entsprechend starten wir am Freitagabend mit einer brandaktuellen Debatte. Pyrotechnik wird als essenzieller Teil der (Ultra)Fankultur gesehen, ist aber in den meisten Ländern verboten. F_in diskutiert mit einem professionellen Pyrotechniker über das umstrittene Thema und über die Möglichkeiten, die Faninitiativen wie „Pyrotechnik ist kein Verbrechen“ (Österreich) oder „Pyrotechnik legalisieren! Emotionen respektieren!“ (Deutschland) in Hinsicht auf ein eigenverantwortliches, sicheres Zündeln im Stadion eröffnen.

Am Samstag sind wir zu Gast bei den FreundInnen der Friedhofstribüne, dem aktivsten Fanklub des Traditionsvereins Wiener Sportklub. Am Vormittag berichten aktive Frauen über ihre Rolle in der Fanszene, nachmittags geht es an die Planungen zum neuen F_in Buch über weibliche Fankulturen. Am Abend fallen wir im Hanappi-Stadion ein und besuchen das Heimspiel des SK Rapid Wien gegen den nicht minder legendären SV Kapfenberg. Denn schon der großartige Wiener Schauspieler und Kabarettist Helmut Qualtinger wusste: „Simmering gegen Kapfenberg – das nenn´ i Brutalität!“
Danach heißt´s: A Eitrige mit Batz und an Bugl, aber Jennifer! Inklusive 16er Blech Verkostung, eh kloar…

Sonntags geht´s zum Boxtraining, um dann physisch gestärkt über die Zukunft von F_in zu diskutieren – ganz nach dem Motto „Bescheidenheit war gestern!“

Organisatorisches
Wie in den vergangenen Jahren auch, wollen wir allen fußballinteressierten und -verrückten Frauen einen Rahmen bieten, um sich auszutauschen, kennenzulernen, zu diskutieren und Aktionen zu entwickeln.

Teilnehmen können alle interessierten Frauen, eine Mitgliedschaft bei F_in ist nicht erforderlich – neue Gesichter sind uns immer herzlich willkommen!
Anmeldungen sind ab sofort unter thaler@vidc.org möglich, die Anmeldefrist läuft bis zum 10. Februar 2011.

Die Teilnahme am Vernetzungstreffen ist kostenlos. Reisekosten, Hotel und Verpflegung übernimmt FairPlay-VIDC. Bitte gebt bei der Anmeldung an, ob ihr ein Hotelzimmer (Doppelbettzimmer) benötigt und ob wir für euch die An- und Abreise organisieren sollen.

Unterstützt wird das F_in Treffen 2011 vom EU-Projekt „Olympia – Strong(er) Women through Sport“. Ein Dank auch an den Wiener Sportklub und die FreundInnen der Friedhofstribüne sowie an die Koordinationsstelle der deutschen Fanprojekte (KOS).

Für genauere Informationen und Fragen wendet euch an:

Heidi Thaler | thaler@vidc.org | +43 (0)1 713 35 94-95


plakat

Kiezkick und Punkrock

Aus dem St. Pauli-Themenabend neulich auf 3Sat gibt es hier die sehr, sehr gute Dokumentation „Kiezkick und Punkrock“, die einfühlsam diverse Menschen in und um den FC St. Pauli portraitiert und damit nah heran kommt an ein schlüssiges Gesamtbild. Gerade auch weil hier Widersprüche thematisiert werden und auch Anhänger von Altona 93 und dem HSV zu Wort kommen. Einziger echter Kritikpunkt: Der eklatante Männerüberschuss von sage und schreibe 100%. Aber sehr selbst:

Heute am Millerntor: Gladbach soll brennen!

Im großen und höllisch wichtigen Kellerduell zwischen dem FC St. Pauli und Borussia Mönchengladbach geht es zwar rein rechnerisch nur um drei Punkte, aber Mathematik war auch als Kind schon scheiße. Ich jedenfalls habe schon seit Tagen nur EA80 im Kopf: „Gladbach soll brennen!“

BWL-Sprech trifft Adorno-Zitat

In der aktuellen Ausgabe der Jungle World befindet sich ein interessanter Artikel über die Sozialromantiker Sankt Pauli. Den ganzen Artikel gibt es [hier] und einen Auszug hier:

Adi Preißler sagte einmal: »Entscheidend is’ auf’m Platz.« Doch welche Ausmaße die Kommerzi­alisierung des Fußballsports annehmen würde, ahnte er damals wohl nicht. Heute stellt der sportliche Teil im Profifußball nur noch einen Aspekt unter vielen dar. Gute Spieler und Trainer lassen sich ihre Arbeitszeit übertariflich entlohnen und das Geld für die Personalkosten muss irgendwie eingenommen werden. Dabei wird ein immer kleinerer Teil der Einnahmen im Stadion selbst erwirtschaftet. Werbeverträge, Mäzenatentum und Fernseheinnahmen spielen eine weitaus wichtigere Rolle. Dass die Fans jedoch nicht zwangsläufig jeden Weg begrüßen, mit dem ein Verein an neues Kapital kommen möchte, mussten kürzlich die Verantwortlichen des FC St. Pauli feststellen.

FC St. Pauli – Shanty Ultras

Ich bin absolut hin und weg von dieser musikalischen Darbietung!!!